„Aida” von Giuseppe Verdi

 Premiere am 29. März 2015 im Theater Duisburg

Christoph Grätz über „Aida“

Aida_06Internet_FOTO_MatthiasJungIch habe bei der Inszenierung der „Aida“ in Duisburg die historisierende Kulisse des antiken Ägypten nicht vermisst. Im Gegenteil, die Handlung in die Entstehungszeit der Oper, in die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert zu verlegen, hat der Geschichte keinen Abbruch getan. Keine albernen Verkleidungen oder monumental Kulissen haben so vom Geschehen abgelenkt, zumal die Musik von Verdi voll und ganz italienische Oper ist und wenig Orientalisches hat.
Dennoch ist gerade der erste Teil der Inszenierung recht bombastisch. Mir gefiel es überwältigt zu werden von Massenszenen mit viel Chor, Komparserie und aufwändigen Kostümen. An mindestens drei Stellen, wenn der schwarze Vorhang fiel, habe ich gedacht: So könnte die Oper auch jetzt enden, vom Gefühl her. Aber das tut sie dann dankenswerterweise nicht. Dann folgen sehr intime Momente der, zwischen Vaterlandsliebe und der Liebe zu Radames, dem eigentlich verfeindeten Feldherren, hin- und hergerissenen Aida. Ein großes Kompliment gilt den großartigen Kostümen, die bis ins Detail nach historischen Vorlagen gefertigt wurden und dem reduzierten Bühnenbild.
Im zweiten Teil wird die Inszenierung deutlich intimer und emotional dichter. Die Frauenstimmen haben mich restlos überzeugt. Nicht nur Morenike Fadayomi und Susan Maclean, die überzeugend ihre Rivalität um die Liebe zu Radames auf die Bühne gebracht haben. Auch die von der tschechischen Sopranistin Eva Bodorova dargestellte Hohepriesterin, hat durch ihre anzügliche tänzerische und starke gesangliche Leistung überzeugt. Aufreizend inszenierte sie mit ihrem Tanz auf den Särgen, wie dicht Macht, Massenspektakel, Manipulation und Erotik zusammenspielen können, wenn es darum geht ein Volk auf einen Krieg einzustimmen. Wenn dann auch noch, wie in der Aida (und manchmal, so scheint es, auch im echten Leben) Kirchenleute sich am Kriegsgeschrei beteiligen, werden Friedfertige schnell zu Opfern. Wehe dem, der dann ins Räderwerk der großen Politik gerät, so wie in dieser Oper die Liebenden, Aida und Radames.
Es war ein Abend der starken Frauenstimmen. Morenike Fadayomi überzeugte auf der ganzen Linie durch ihre stimmliche Präsenz und ihr emotionales Spiel. Ich habe ihre Zerissenheit geglaubt. Susan Maclean hat als Amneris, der Gegenspielerin Aidas, auch in Ihrem Gesang die richtigen Zwischentöne getroffen. Ich habe ihr die grausame, ihrer Macht bewussten aber nicht völlig skrupellose Gewinnerin – die am Ende doch eine Verliererin ist – abgenommen. Bei den Männern gefiel mir Il Re, der ägyptische König gut und Amonasro, dargestellt von Boris Stasenko, der mich nicht nur gesanglich sondern auch schauspielerisch überzeugte. Vor allem die handgreifliche Szene zwischen Aida und ihrem Vater war darstellerisch mitreißend. Radames, der ägyptische Feldherr, dargestellt von Sergej Khomov, brauchte etwas, um die Strahlkraft seines Tenors zur Geltung zu bringen.
Fazit: Es lohnt sich diese Inszenierung zu besuchen. Es sind die Momente nach der Pause, die wirklich unter die Haut gehen. Während im Ersten Akt noch Monumentalität die Szene bestimmt, steht in den beiden folgenden Akten vielmehr das persönliche Schicksal der Protagonist/innen im Mittelpunkt. Die stärksten Szenen spielen dann zwischen den Hauptfiguren, Aida und Amneris, die beiden Rivalinnen, Aida und ihr Vater Amonasro, Aida und Radames in der Schlussszene, die übrigens mit einem ganz besonderen Effekt überraschte.

Martin Breil über „Aida“

Aida_02_FOTO_MatthiasJungEs war eine ergreifende Vorstellung für mich an diesem Abend, nicht zuletzt wegen der Schweigeminute für den verstorbenen Oleg Bryjak zu der Generalintendant Christoph Meyer die Gäste bat, sich von den Sitzen zu erheben.

Auch die Einsamkeit der Königstochter Aida, hervorragend dargestellt von Morenike Fadayomi , die, gefangen von fremden Mächten, in Ihrer Ausweglosigkeit den Freitod mit ihrem Geliebten wählt, macht betroffen.

Herausgeschält aus der kommerziellen Opernfolklore, wie man sie von „Aida“-Inszenierungen aus Verona, Xanten oder Gelsenkirchen Schalke kennt, gelingt es Regisseur Phillipp Himmelmann zum Kern der Handlung vorzudringen.

Er verlegt die Handlung in das Jahr 1870, in dem Verdi die Oper schrieb. Aufwändige Kostüme der Zeit, vor einer seltsam spröden Kulisse. Die Möbelstücke sind zwar zeitgetreu aber doch nur als Zeugen der damaligen Mode gleichsam aufgereiht. Uninspiriert wie so vieles, was die Gesellschaft von uns verlangt, um dabei zu sein.

Angestachelt von Monumentalklängen verschmelzen die Menschen zu einer jubelnden Masse wenn es darum geht, in den Krieg zu ziehen. Und selbst wenn dann beim berühmten Triumphmarsch anstatt reicher Beute Särge am laufenden Band auf der Bühne abgestellt werden, ergötzt sich noch die Hure „Krieg“ an diesem grausig aktuellen Anblick. Allein der kleine verzweifelte Junge am Sarg seines Vaters scheint die Lage richtig einzuschätzen.

In diesem Strudel der Machtsysteme, in dem die heilige Kirche natürlich nicht fehlt, versucht Aida den erfolgsverwöhnten  Feldherrn Radames von ihrer wahren Liebe zu überzeugen. Das kann nicht gelingen, da er ein falsches Verständnis von Liebe mitbringt und seine Karriere nicht opfern will. Erst als er sich versehentlich zum Verräter seines Landes macht folgt sie ihm als letzten Ausweg in den Tod um endgültig mit ihm für immer zusammen sein zu können.

Ergreifend von der ersten bis zur letzten Minute, gesanglich souverän, schauspielerisch stark, toll inszeniert und auf hohem Niveau, kurz sehenswert, „Aida“ in Duisburg.

Ralf Kreiten über „Aida“

Aida_11_FOTO_MatthiasJungNach diesem Opernabend ist auch dem Opernlaien klar, warum diese Verdioper einen solchen Ruhm erlangt hat. Eine hochspannende und dramatische Dreiecksgeschichte um Liebe und Tod, kraftvolle Musik, wunderschöne Arien und wuchtige Chöre. In diese Vorgaben fügen sich die Künstler nahtlos ein, allen voran Morenike Fadayomi als Aida und Boris Statsenko als ihr Vater Amonasro, aber auch die wunderbare Susan Maclean als Königstochter Amneris und Gegenspielerin der Aida, und, in einer beeindruckenden Nebenrolle, Eva Bodorová, die als Priesterin fast ekstatisch die Toten des Krieges betrauert; ebenso der facettenreiche Chor und natürlich die gut aufgelegten Duisburger Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober überzeugen. Gewöhnungsbedürftig Kostüme und das Bühnenbild, die das Geschehen in die Zeit der Entstehung der Oper verlegen und nicht nach Ägypten z.Z. der Pharaonen; dafür entschädigt aber die Inszenierung durch viele gute Einfälle, die die dramatische Handlung verstärken; schwarze Särge als Metapher für die Toten des Krieges und ganz besonders am Ende die sich auf die Liebenden herabsenkende Grabplatte; darauf sitzt Amneris stumm und verzweifelt mit Ihrem Vater und dem Priester. Sie hat ihr Recht bekommen und doch alles verloren. Ein Schlussbild, das man so schnell nicht vergisst. Unbedingt ansehen.

Birgit Idelberger über „Aida“

Aida_13_FOTO_MatthiasJung„Aida“, diese beliebte und oft aufgeführte Oper war im Jahr ihrer Erstaufführung 1871 ein Triumph und auch an diesem Abend in Duisburg ein voller Erfolg.

„Aida“, inszeniert von der Deutschen Oper am Rhein, lässt Pyramiden und Pharaonen nicht vermissen. Fanfaren des Krieges, mehr aus dem Hintergrund tönend und die Büste Nofretetes auf einem Tischchen als minimaler Hinweis auf den Ursprung dieser Oper finden sich in einem etwas plüschigen Salon wieder, der in die Zeit Verdis gehört.

Diese Aufführung ist große Kunst, die jeden spätestens im zweiten Teil anrühren muss.

Musikalisch und optisch wird man harmonisch erst durch menschengewaltige Szenen geleitet, um später im Gesang weniger Protagonisten das gesamte Ausmaß der Verzweiflung und Ausweglosigkeit zu erleben. Stimmgewaltig und ausdrucksstark sind besonders Aida und ihre Rivalin. Auch im Bühnenbild spiegeln sich diese Veränderungen wieder. Der Salon der Sieger wird reduziert zu einem einzigen Stuhl, auf dem Amneris, die Rivalin Aidas in einer großartigen Arie klagend zugrunde geht.

Großartig ebenfalls das Schlussbild. Hier senkt sich der Salon mit den stummen und einsamen Siegern langsam über die totgeweihten Liebenden, die bis zuletzt ihre Liebe besingen.

Diese Aufführung sollte man gesehen haben, sie berührt und hallt nach.

Jessica Gerhold über „Aida“

Aida_05Internet_FOTO_MatthiasJungGrandiose Stimmen die einen die zerrissenen Emotionen der Protagonisten spüren ließen. Besonders die Stimmen der Sängerinnen und Aidas Vater zog mich in den Bann. Und so wurden mir auch die verschiedenen Sehnsüchte nach Freiheit für das Vaterland, geheime wahre Liebe, unerwiderte Liebe und das Streben nach Macht deutlich. Tatsächlich ist es Verdi gelungen wieder einmal eine Geschichte über die Liebe und Macht zu erzählen die zeitlos ist und auch mich in ihrer Komposition und Darstelllung überzeugt hat!

Natürlich hatte ich mich auf eine prunkvolle und pompöse ägyptische Aufführung eingestellt. Doch diese Aufführung wirkte durch das Bühnenbild sehr viel klassischer und feiner, da sie in die Zeit Verdis gesetzt wurde und auch nur einzelne Elemente, wie zum Beispiel eine ägyptische Büste auf einem Schreibtisch, erinnerten den Zuschauer an den eigentlichen Schauplatz der Geschichte. Dieser neuen Umsetzung eines alten Klassikers ist es auch zu verdanken, dass sogar meine Opernbegleitung diese Aufführung überzeugt hat und für sie inspirierend war! Für meine Begleitung war es die zweite Aufführung, für mich die erste Opernaufführung von „Aida“ (meine Musicalaufführung von „Aida“ am Broadway traut man sich im Kontext einer solchen Bühnenkunst kaum zu erwähnen).

Ich bin stolz eine solche exzellente Aufführung gesehen zu haben. Deswegen mein Gesamtresümee zu der Aufführung: sehr empfehlenswert!

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Ballett am Rhein – b.23

Premiere am 14. März 2015 im Opernhaus Düsseldorf

Andreas Schütz über „b.23“

Symphonie g-Moll  (Mozart) ch: Martin Schläpfer  d.und K. Florian EttiEin toller, aber auch anstrengender Abend. Drei Stücke, die nun gar nichts miteinander zu tun haben, aber dafür auch die Chance bieten, dass für (fast) jeden Geschmack etwas dabei ist. Das erste Stück „Symphonie G-Moll“ holt den Besucher sofort ab, als die ersten Takte erklingen. Fast jeder, der auch nur wenig mit klassischer Musik Berührung hat, wird diese Musik kennen und kann sie genießen. Damit bleibt auch viel Raum für die Betrachtung der Tänzerinnen und Tänzer. Die Düsseldorfer Symphoniker leisten hier und auch im dritten Stück wieder eine tolle Darbietung. Der erste Satz bietet viel fürs Auge, es sind sehr viele Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne. Im zweiten Satz bin ich ein bisschen vom Einsatz der Hocker verwirrt. Mir ist das ein bisschen zu nah am Slapstick. Der dritte Satz brilliert von den verschiedenen Soli und Pas de deux. Für mich der beste Satz! Im vierten Satz wird es wieder voll auf der Bühne und man muss sich schon ein bisschen mehr konzentrieren, um die ganzen Leistungen zu erfassen. Noch ein Wort zum Bühnenbild und den Kostümen: Die im Hintergrund drapierten üppigen Barockkostüme finden sich in einfacher Form bei den Tänzerinnen wieder. Mir haben die Farben gut gefallen. Im zweiten Stück „… Adónde vas, Siguiryia“ trifft Flamenco auf klassisches Ballett. Leider habe ich keine Vorkenntnisse und kann daher nicht erkennen, was von der Darbietung noch folkloristisch ist und was schon die Verbindung mit dem klassischen Ballett bildet. Aber vielleicht ist das ja gerade gut? Mir haben die Tanzszenen mit den Balletttänzern besser als die mit den Flamencotänzern gefallen. Aber es lag auch daran, dass mir die Flamencotänzer mit ihren Schuhen zu laut waren. Sehr schön war auch hier, dass das Stück von einem Musikensemble live begleitet wird, dadurch wird für mich so eine Aufführung umso schöner. Das dritte Stück „Rättika“ war eine schöne Abrundung des Abends. Allerdings merkt man dem Publikum schon eine gewisse Erschöpfung an und mir ging es ebenso. Gut beraten ist der, der in der Pause im Programmheft gelesen hat und nicht versucht, eine Geschichte zu erkennen. Es gibt nämlich keine, es ist kein Handlungsballett.  Mit dem Wissen kann ich mich ganz darauf einlassen zu genießen, was der Choreograph geschaffen hat: Eine tänzerische Antwort auf die Musik von Johannes Brahms. Sehr schön, sehr gelungen. Herausragend auch die Leistung von Marc Bouchkov mit seiner Solo-Violine. Der Beifall, der ihm zuteilwird, zeigt das auch sehr deutlich. Auch in diesem Stück sind die Kostüme sehr schön anzusehen. Erschöpft, aber auch erfüllt von den Bildern gilt an diesem Abend: „Ein guter Ballettabend ist es, wenn man viel klatscht“. Und hier wurde viel geklatscht.

Margarete Sonnen über „b.23“

.... adondé va siguiriya capricho flamencoEin abwechslungsreicher Ballettabend – Die Uraufführung von Martin Schläpfer wird durch die wunderbare Musik von Mozart untermalt. Es ist eine eingängige und bekannte Symphonie, welche die Musiker überzeugend interpretieren. Moderne und schlichte Kostüme bringen die Körper der Tänzerinnen und Tänzer sehr schön zur Geltung. Das Bühnenbild mit den Kostümpuppen, die mit prächtigen Rokokoroben dekoriert sind, schafft eine Verbindung zu den Tanzenden. Es wird ausgelassen getanzt. Neben den klassischen Tänzerinnen mit Ballettschuhen formiert sich eine zweite Gruppe, die barfuß tanzt. Sie bringt außergewöhnliche und eigenwillige Elemente ein, die im Kontrast zum klassischen Teil stehen. Die Bewegungen wirken manchmal ungelenk und stürmisch. Besonders gut gefällt mir die tänzerische Leistung von So-Yeon Kim, die sich mit natürlicher Eleganz und Anmut bewegt.
Begeistert bin ich vom Flamenco-Teil. So etwas habe ich im Opernhaus nicht erwartet. Das fünfköpfige Musikensemble ist absolut überzeugend und wird von einer ausdrucksstarken Sängerin begleitet. Das Zusammenspiel von Musik und Tanz erlebe ich als sehr stimmig. Der Rhythmus ist mal mitreißend, dann wieder ruhig und melancholisch. Ganz besonders gefällt mir die Figur des traumverlorenen Mädchens, das von Marlucia do Amaral hervorragend dargestellt wird. Sie tanzt mit großer Leidenschaft, Intensität und Leichtigkeit und berührt mich sehr. Eine wunderschöne Darbietung!
In Rättika wird keine Geschichte erzählt. Mats Ek sagt über seine Arbeit: “Das Werk ist vor allem durch die Musik inspiriert und eine choreographische Antwort auf sie.”  Insofern braucht der Zuschauer nicht nach einer Handlung zu suchen und kann einfach die Musik und den Tanz genießen. Die künstlerische Leistung des Ensembles finde ich im Zusammenspiel mit der Musik überzeugend. Ich mag die ausgefallenen und bunten Kostüme. Die Herren tragen individuelle Fräcke – einen konnte ich mit Kuhmustern ausmachen, die Damen farbenfrohe und weit ausgestellte, mehrlagige kurze Glockenröcke, die schwungvoll die Beine umspielen – sehr extravagant. Mir ist dieser Teil des Abends etwas zu lang und das Bühnenbild im zweiten Satz, bei dem Plastiksäcke und Rettiche über die Bühne schweben, spricht mich überhaupt nicht an. Ich denke darüber nach, was mir das sagen soll und bin so von der schönen Musik abgelenkt. Im Programmheft habe ich später gelesen, Mats Ek wolle damit erreichen, dass der Zuschauer der lohnenswerten Musik zuhört, ohne von Bildern abgelenkt zu werden. Das ist ihm bei mir nicht gelungen.

Christian Hein über „b.23“

Rättikach: Mats Ek   d. und k. Mylla EkWieder einmal ein wunderbarer Ballettabend in drei Gängen. Die unterschiedlich und sehr abwechslungsreich ein wunderbares Menü ergeben haben. Symphonie G-Moll von Martin Schläpfer stimmt zu der Musik von Mozart sehr schön in den Ballettabend ein. Ein wirklicher visueller wie auch musikalischer Genuss. Pastellige, optimal abgestimmte Kostüme, mit einem gelungenen minimalistischen Bühnenbild, sehr langsam und kaum wahrnehmbar fahrende Rokoko Kleider, die in einer eigenen kleinen Bühne im Hintergrund vertikal verfahren werden. Trotz der wirklich guten tänzerischen, wie auch musikalischen Leistung wird man doch nach der Pause überrascht. Die Musik des Schweizer Ensembles “Flamencos en route” erklingt… obwohl man die Musiker noch gar nicht wahrnimmt. Und ein ganz anderer Tanz ist zu sehen. Flamenco. Nachdem man sich an diesen krassen Bruch zu dem eben gesehenen, klassischen Ballett zu der eher anspruchsvollen Musik von Mozart gewöhnt hat, und sich immer mehr versichert, dass dies nichts mit einfacher Folklore oder Riverdance Ähnlichem zu tun hat, ist man zunehmend begeistert. Die wunderbar leidenschaftliche Stimme der Frontfrau, so wie der perfekte feurige Flamenco der Tänzer versetzt den Zuschauer in eine fast erotische Trance. Wunderbar! Abgerundet wird der Abend nach der Pause mit Mats Eks Choreografie “Rättika – Rettich” zu Johannes Brahms’  Violinkonzert. Ein wirklich gelungener letzter Akt dieses Abends. Das Bühnenbild überrascht mit langsam schleichenden Müllsäcken, die auf diese Art eine unwahrscheinliche Ästhetik bekommen, gepaart mit ebenso fahrenden Rettichen. Der Tanz vermittelt eine wunderbare Leichtigkeit zu dieser voluminösen Musik. Die Kostüme hätten auch vor zwanzig Jahren verwendet werden können und überzeugten mich nicht. Vielmehr die Mischung aus perfektem Tanz mit dieser Musik zu diesem skurrilen Bühnenbild. Sehr erfrischend. Eine wunderbare Leistung der Düsseldorfer Symphoniker und der Tänzer. Ein Ballettabend, den man nicht vergisst. Sehr zu empfehlen!

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„L´elisir d´amore” von Gaetano Donizetti

Premiere am 30. Januar 2015 im Opernhaus Düsseldorf

Andreas Schütz über „L’elisir d’amore

Lelisir_d_amore_12Internet_FOTO_HansJoergMichelDer Zaubertrank. Das Stück hat mich an diesem Premierenabend verzaubert. Dieser Abend war ein Hochgenuss! Die Musik, leicht, locker und fröhlich. Handwerklich gut von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Lukas Beikircher umgesetzt. Es gibt zwar auch keine echten Höhen an diesem Abend, aber das soll den Gesamteindruck der Leistung nicht schmälern. Der Chor war an diesem Abend weniger musikalisch gefordert, dafür war die schauspielerische Leistung umso mehr gefragt. Und dass dieses Ensemble das auch kann, hat es wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Die beste Leistung des Abends hat für mich aber Anett Fritsch als Adina gezeigt. Gesanglich und schauspielerisch über die gesamte Strecke auf einem hohem Niveau. Es macht wirklich Spaß, ihr zuzuhören und zuzusehen. Dass sie am Ende dafür nicht den größten Beifall erhält (den sie meiner Meinung nach verdient hätte!), liegt wahrscheinlich daran, dass Ovidiu Purcel als Nemorino nun mal die bekannteste Arie aus dem Stück, Una furtiva lagrima (eine verstohlene Träne) sehr eindrucksvoll interpretiert. Insgesamt steigerte er sich im zweiten Akt gegenüber dem ersten Akt ganz erheblich. Herausragend in Spiel und Gesang war auch Günes Gürle als Dulcamara. Selbstbewusst und überzeugend stellt er den Quacksalber dar, der am Ende selbst an die Wirkung seiner Mischungen glaubt. Die Inszenierung selbst treibt Joan Anton Rechi ab und zu ein bisschen an die Grenze des Kitsch heran, etwa in den Szenen, als die gesamte Hochzeitsgesellschaft zusammen mit der hochschwangeren Braut im Chor „hechelt“. Aber er macht das so fein dosiert, dass der Gesamteindruck einer perfekt inszenierten „komischen Oper“ davon nicht berührt wird. Bravissimo! Das Bühnenbild von Alfons Flores ist eine Wucht. Tausende von Gläsern hängen von der Decke und verlagern die Hochzeit auf dem Lande in einen Ballsaal in einem der feinsten Hotels, die man sich denken kann. Und was es alles zu entdecken gibt, wenn man genau hinschaut: So wird eine Verbindung vom ersten zum zweiten Akt dadurch geschaffen, dass die farbigen Getränke, die Dulcamara in die Gläser der Hochzeitsgesellschaft gießt, durch die Farben der Kostüme im zweiten Akt wieder gegeben werden. Meine Empfehlung: Hingehen, genießen und verzaubern lassen!

Stefan Rasche über „L´elisir d´amore“

Lelisir_d_amore_16Internet_FOTO_HansJoergMichelEin Bühnenhimmel voller Weingläser! In die Tausende müssen die Gläser gegangen sein, die an diesem Abend auf der Bühne von der Decke hingen. Das Bühnenbild stellte eine Überraschung dar. Wie könnte man besser einen Rausch der Gefühle darstellen, als durch die Symbolhafte Darstellung von Weingläsern, die bekanntlich mit italienscher Lebensfreude in Einklang stehen. Eine Hochzeitsfeier, die in der Lebenslust pur einen Rausch der Gefühle auslöst. Der bei dem Einen, und Anderen Verliebten, zum größten Motivator für zukünftiges Handeln wird. Schließlich tritt er in Erscheinung: “Ein Liebes- Trunk, der die Welt besser macht”. Dieser ist aber nur eine Mogelpackung!   Ausgezeichnete Darstellung des Tenors Ovidiu Purcel, als Nemorino. Nicht nur durch die Klarheit seiner Stimme, sondern auch durch die Schauspielerische Darbietung. Gleichauf folg ihm Anett Fritsch in der Rolle der Adina. Dulcamara, dargestellt durch den Bassbariton Günes Gürle, merkt man seine langjährige Bühnenpräsens deutlich an. Der Verkäufer ohne Gegenwert! Dieser war so sicher, dass er zum zweiten Akt sich singend, relativ frei im Publikum bewegte, so dem Stück Interaktion gab und das Premierenpublikum per Handschlag einbezog. Unterhaltsam, leicht und spritzig gestalteten sich auch die Kostüm- und Bühnenbilder, für die Sebastian Ellrich und Alfons Flores verantwortlich waren. Mal aufs Klassische angelegt, mal in neonfarbender Kostümierungen, erzeugte die diese eine sehr ausgelassene Stimmung auf der Bühne, die sich auf das Publikum und in die anschließende Premierenfeier deutlich übertrug. Orchester, Inszenierung, Licht, Chor und schließlich die Dramaturgie erfüllten auch hier wieder sehr hohe Standards. Mein schlussfolgerndes Résumé: Die Liebe, nicht so ernst zu nehmen, denn es gibt verrückte Dinge die Mann tut, wenn er verliebt ist. So wie das Leben spielt, oder auch spielen kann, sollte man generell nicht immer alles zu ernst nehmen!

Margarete Sonnen über „L´elisir d´amore“

Lelisir_d_amore_04Internet_FOTO_HansJoergMichelFür mich ist diese Inszenierung wunderbar stimmig; ich habe diesen Opernabend sehr genossen. Es beginnt mit dem Bild einer feiernden Hochzeitsgesellschaft, die an einer großen Tafel sitzt; alle Darsteller halten in ihrer jeweiligen Bewegung oder Geste inne. Ein Mann in einem goldenen Anzug bewegt sich locker und fröhlich durch dieses starre Bild. Auf einmal erwacht die Szene zum Leben. Es herrscht eine lockere und fröhliche Stimmung, die Musik ist leicht und beschwingt. Das Bühnenbild besticht durch von der Decke herabhängende Weingläser. Dieses großartige Kunstwerk verändert sich im Laufe des Abends mehrmals. Mal werden die Gläser in unterschiedlichen Teilen herabgelassen, mal wird die Gläser-Decke als Ganzes herunter gelassen, mal reichen die Gläser bis auf den Boden und die Darsteller bewegen sich durch diesen Gläserwald hindurch. Die Lichtspiele und die Atmosphäre, die durch diese an dünnen Fäden herunterhängenden Weingläser erzeugt wird, ist außergewöhnlich und wunderschön gelungen. Die Darsteller sind in ihrem Element, die Figuren werden überzeugend und sehr amüsant gespielt. Besonders gut hat mir Günes Gürle als Dulcamara gefallen, der mit großer Spielfreude diesen lebenslustigen Sonderling interpretiert. Die schauspielerische Leistung aller Sänger hat mich neben den großartigen Stimmen absolut überzeugt. Das Stück bietet eine wunderbar leichte und beschwingte Unterhaltung, die den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Wunderbar sind auch die bunten und ausgefallenen Kostüme im zweiten Akt. Sie passen zur lockeren und gelösten Stimmung der Gesellschaft und stellen für mich eine Verbindung zur derzeitigen Karnevalszeit her.  Insgesamt war es für mich ein sehr entspanntes und amüsantes Opernerlebnis, das in mir noch nachschwingt. Ich glaube, dass diese Oper vor allem für Opernneulinge gut zum Einstieg geeignet ist, da sie den Zuschauer überzeugend in diese wunderbare Welt entführt. Am Premierenabend war die Begeisterung des Publikums deutlich spürbar. Es gab viel Applaus und begeisterte Zurufe. Auch von mir!

Claudia Graw über „L´elisir d´amore“

Lelisir_d_amore_06Internet_FOTO_HansJoergMichelMit “L`elisir d`amore” von Gaetano Donizetti hat die Oper am Rhein einen echten Schatz auf ihrem Spielplan. Ich habe eine wunderbar beschwingte und mitreißende Inszenierung erlebt, der ich ein großes Publikum wünsche. Die Geschichte um den verliebten Nemorino, der befürchtet, die schöne Adina an den  Sergeanten Belcore zu verlieren, kommt herrlich leicht und unterhaltsam daher. Schon der Auftakt macht Spaß und das Bühnenbild verspricht so einiges. Mein Blick fällt gleich auf den Himmel aus Weingläsern, die zu hunderten oder eher tausenden unsichtbar befestigt von der Decke hängen. Eine Hochzeitsgesellschaft feiert in großer Runde, jedoch bleiben die Akteure in ihren Bewegungen zunächst starr, während der Quacksalber Dulcamara seinen ersten -im wahrsten Wortsinne- glänzenden Auftritt hat, nämlich in goldenem Anzug und mit goldschimmerndem Haar. Er sondiert die Lage und wittert kaufwillige Kundschaft. Erst nach dieser Szene wird die Gesellschaft lebendig. Und wie! Es wird gefeiert und getanzt und mit der hochschwangeren Braut auch die eine oder andere Wehe weggehechelt. Nur Nemorino leidet, weil Adina seine Liebe nicht erwidert und so passt es ihm, dass Dulcamara nun wieder auf der Bildfläche erscheint. Er hat Wässerchen für jede Lebenslage im Angebot und verkauft diese im Nu an die gutgläubige Gesellschaft. Den Auftritt von Günes Gürle als Verkaufstalent mit eigenem goldenen Tresen finde ich hinreißend komisch. Es lässt sich eben alles verkaufen mit der richtigen Strategie und Show. Jetzt kommt der Liebestrank ins Spiel. Den hat Dulcamara zwar nicht im Angebot, zögert aber nicht, bei Nemorino eine Flasche Wein als Zauberelixir auszugeben. Das Vertrauen in die Wirkung des Getränks -oder ist es die berauschende Wirkung des Alkohols- reicht schließlich aus, um Nemorino Selbstbewusstsein zu verleihen und Adina für sich zu gewinnen. Das gesamte Ensemble besticht durch Spielfreude, die Musik ist sehr eingängig und die Gesänge toll. Der Gläserhimmel beeindruckt mich während der ganzen Aufführung, er hängt mal hoch, mal niedrig und zaubert durch tolle Farbeffekte verschiedenste Stimmungen. Ein wunderschöner Abend! Mein Tipp: unbedingt ansehen!

Christian Hein über „L´elisir d´amore“

Lelisir_d_amore_13Internet_FOTO_HansJoergMichelEin absoluter Geheimtipp für einen schönen bunten Opernabend mit einem Happy End. Die wohl eher unbekannte Oper von Gaetano Donizetti handelt von einer zunächst unerreichbar zu scheinenden Liebe von Nemorio zu Adina.  Das überragende Bühnenbild, bestehend aus einem Baldachin aus mehreren hundert Weingläsern, die an einzelnen Seilen aufgehängt sind ist von Anfang bis Ende ein gelungener Kunstgriff, der mit einer ebenfalls sehr überzeugenden Beleuchtung viele Stimmungen und Eindrücke zugleich zeitgenössisch als auch atmosphärisch zu erzeugen vermag. Gesanglich wie auch schauspielerisch überzeugen alle Beteiligten. Nemorino mit einer fast knabenhaften, hellen Stimme, der sich fast schüchtern tölpelhaft um Adina bemüht. Belcore, der ausgeprägt männlich und stürmisch, Adina die umkämpfte Liebe der beiden. Auch die Symphoniker überzeugen in gewohnter Qualität. Die Geschichte um den Liebestrank, von Tristan und Isolde inspiriert gibt dem seichten und wunderbar melodischen Spiel der Handlung einen komischen Rahmen. Besonders hervorzuheben ist jedoch das Bühnenbild. Dieser sehr akzentuierte zeitgenössische Rahmen verhindert ein Abfallen in eine zu komische zu alberne Oper. Ob als Baldachin, als schräg gestellte Kulisse oder als kniehoher Irrgarten ist das Gläser Arrangement ein visueller Genuss und perfekt durch die gekonnte Beleuchtung in Scene gesetzt. Da stört auch der etwas zu direkte Hinweis auf den Titel der Oper nicht. Es dreht sich alles um den Trank…und eben um die Gläser. Und am Ende gewinnt doch die Liebe. Ganz ohne einen Trank. Wie schön! Ein wunderbarer Abend.

Christina Irrgang über „L’elisir d’amore“

Lelisir_d_amore_08Internet_FOTO_HansJoergMichelL’elisir d’amore, das Liebeselexier. Es ist ein Nachgesang auf die Erzählung von Tristan und Isolde: Der Liebestrank, der Mann und Frau ineinander verliebt macht, war Essenz für Gaetano Donizettis Opera comica (1832 Uraufführung in Mailand). Er ist auch Quelle für die Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein unter Joan Anton Rechi. Die Bühne: Tausende Gläser hängen frei von der Decke herab, bilden einen Teppich aus Lichtreflexion und Prunk, machen den Liebestrank zum Motiv; inmitten dessen ereignet sich das Schauspiel. Als eine Art Tableau vivant erscheinen die Darsteller auf der Bühne, in ihren Bewegungen eingefroren, wie im hundertjährigen Schlaf. Die Szene bricht schnell in Extravaganz aus: Eine Hochzeitsgesellschaft, Torten, Tanz und Liquide von der Bar. Die Kostüme opulent und glitzernd, später im zweiten Akt in allen Regenbogenfarben. Unter dieser Folie des Glamour, die sich zunehmend verdichtet, entschwindet jedoch alle Emotion, die eine Geschichte um Liebe erhoffen ließ. Bedürfnis wird zur Pose, Sehnsucht zum Kostüm. Was hat das Stück mit unserem Hier und Jetzt zu tun, diese Frage stellt sich mir dieses Mal sehr eindrücklich. Sind wir geleitet von Oberflächlichkeit und Attitüde, wie Adina sie hier verkörpert, Adina, die erst, als der vor Liebe taumelnde Nemorino von Frauen umringt ist, Beachtung für ihn findet? Zählt Beliebtheit, welche Kleidung man trägt, oder innere Haltung? Passt Aufrichtigkeit nicht in eine Gesellschaft, deren Sinne von Drinks, Fashion und Status umhüllt sind? Ja, brauchen wir Wein (Dulcamara verkauft Nemorino einen Bordeaux als Liebestrank, um Adina zu gewinnen), Gin and Tonic und Champagner, um die Liebe zu finden, zu gewinnen, oder einzubilden. Das Stück hat in seiner “komischen” Oberflächlichkeit viele Fragen aufgeworfen, ist es Gesellschaftsspiegel? Ist es eine Einladung, das Oberflächliche zu reflektieren – so wie die Kaskade aus spiegelnden Gläsern –, oder ist das Stück ein Feiern der Attitüde? Immerhin: “Die Orchestrierung ist immer überlegt und leuchtend, immer der Situation angemessen […]” schrieb Francesco Pezzi in einer Kritik zur Uraufführung des Stückes, die auch auf die Düsseldorfer Symphoniker zutrifft. Der allgemeine Vorwurf aber, dass es diesem Werk an Tiefgang fehle, hat sich leider ein weiteres Mal bestätigt. Es bleibt hier der Wunsch, über Glamour, Anschein und Einbilden die Essenz zu erleben – und nicht darunter einzuschlafen.

Fatma Dogan über „L´elisir d´amore“

Lelisir_d_amore_05Internet_FOTO_HansJoergMichelDas Bühnengeschehen eröffnete mit einer eindrucksvollen Gestaltung: prunkvoll hingen auf gleicher Höhe dutzende, trickreich ausgeleuchtete Weingläser von der Decke in den Bühnenraum. Die Gläser, in Kombination mit einem panoramaartig installierten Spiegel, erinnerten an einen festlichen Salon. Die Bühnengestaltung veränderte sich kontinuierlich und in Abhängigkeit zur Handlung durch die Beleuchtung und die Requisiten, die recht reduziert aber sehr clever und stillvoll eingesetzt wurden. Es war beeindruckend zu sehen, wie charmant und mit welch wenigen Mitteln dieses Stück gestaltet worden ist und eben dadurch gleichzeitig so gut herausragen konnte. Insbesondere gefiel mir die Beleuchtung, da sie durch wechselnde Farben die Stimmungen des Stücks wunderbar unterstreichen konnte. Das Bühnenbild war ein Stück für sich, mit einem Anfang, einem Höhepunkt und einem Ende. Dabei machte der Moment den Abend unvergesslich, als die Gläser fast bis zum Boden gelassen wurden und sich die Darsteller durch diesen Wald aus hängenden Gläsern bewegten. Bei dem Stück fielen aber ebenso die klaren Stimmen und die Bühnenpräsenz der Darsteller auf. Die helle und schöne Stimme von Ovidiu Purcel als Nemorino und Anett Fritsch als Adina waren sehr gefühlvoll gesungen. Erfrischend frech und kraftvoll war die Stimme und Präsenz des Dulcamara, gespielt und gesungen von Günes Gürle; mitreisend und humorvoll war er auf der Bühne einfach nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Er schaffte es, das Publikum anzusprechen und mit einzubeziehen. Im Ganzen betrachtet, konnte jeder Darsteller deutlich die ihm eigene Freude am Stück vermitteln und wirkte sehr authentisch. Einzig und allein war mir leider an manchen Stellen der Chor zu leise, insbesondere wenn er im hinteren Bereich der Bühne platziert war. Nicht zu vergessen sei, dass bei all dieser kreativen Gestaltung auch die Kostüme nicht untergingen. Genau wie das Bühnenbild nahmen sie – parallel zum Stück – eine eigne Handlung an. Zu nennen wäre der herausragende Moment, als die Kleidung des Chors auf dem Ball in feinen farblichen Abstufungen aufgriff. Das ganze Stück war nicht nur in sich gut aufeinander abgestimmt, es hatte auch seine eigne Zeitlichkeit: Oft erinnerte es durch gespielte Zeitlupendarstellungen der Akteure an Film. Es war gleichzeitig ein klassisch und modern gestaltetes Stück. Eine prickelnde und unterhaltsame Liebesgeschichte, die sich wirklich gut auf die heutige Zeit übertragen lässt. Mich hat das Stück in seiner Ausführung und seiner Handlung sehr angesprochen und ich kann es wirklich nur empfehlen.

Sabine Stoltenberg-Lerche über „L’elisir d’amore“

Lelisir_d_amore_01Internet_FOTO_HansJoergMichelDie Woche vor dieser Premiere war anstrengend und ich war sehr müde, als ich in die Oper kam. Der Vorhang öffnete sich und ich war verzaubert – durch den Himmel aus hängenden Weingläsern kam ein ganz besonderes Ambiente zu Stande. Und als die Inszenierung anfing – wurde ich von Minute zu Minute wieder wacher. Das Stück vermittelte Lebensfreude pur! Durch die farbenfrohen Kostüme der Hochzeitsgesellschaft und die lustigen Momente – der Barkeeper , der ein Pause von dem Ansturm der Gäste brauchte – nutzte das Schild “geschlossen” in all seinen Sprachen und pflasterte so seine Bar zu – im ganzen Stück über war so eine Situationskomik immer wieder perfekt angewandt und brachte einen zum Lachen. Ich bin immer noch ein großer Fan von dem Slow Motion Effekt , den der Regisseur mit dem Opernchor erzielte und somit konnte immer wieder eine Betonung einer Szene wunderbar herausgestellt werden. Die Stimmen der Sänger und Sängerinnen waren wieder so schön und das Orchester wunderbar! Im 2. Teil wurde die Farbskala in den Kostümen einmal rauf und runter genutzt und vermittelte nochmal unbändige Lebensfreude. Das Stück war auch wie ein Lehrstück des Lebens: Zu viel Elixir kann auch schädlich sein – wie in der heutigen Zeit viel versprochen wird und am Ende nicht viel dabei für einen herauskommt –  “Zu viel von etwas Gutem ist zu viel des Guten!“ Der Barkeeper war der symbolisch Blender / Teufel / Charmeur – versprach die ewige Liebe mit seinem Elixir für viel Geld – nur die wahre Liebe lässt sich für kein Geld der Welt kaufen! Für mich präsentierte dieses Stück das Leben in all seinen Facetten – das einzig etwas überzogene fand ich in der hochschwangeren Braut, die dann in kleinen Abständen zu theatralisch Wehen hatte – doch auch symbolisch die Hoffnung durch Schwangerschaft und Geburt des Babys darstellte – Gott sei Dank wurde die Geburt nicht vor aller Augen noch inszeniert, sondern eher versteckt im Hintergrund! „L’elisir d’amore“ steht für das wahre Liebes /Lebenselixir: wahre Liebe, echte  Freude und immer Grund haben hoffen zu dürfen – da am Ende doch die wahre Liebe siegt.

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Ballett am Rhein – b.22

 Premiere am 23. Januar 2015 im Theater Duisburg

Birgit Idelberger über „b.22“

Schläpfer_verwundert seyn - zu sehn_01_FOTO_GertWeigeltModernes Ballett-Nein Danke?
Man kennt klassisches Ballett als Harmonie der Musik einer romantischen Geschichte folgend, als Grazie in Tutu und Spitzentanz, gipfelnd im Pas de deux mit Primaballerina.
Modernes Ballett braucht keine Musik, kein Tutu und keinen Spitzentanz.
Man muss sich einlassen auf das, was auf der Bühne geschieht. Eine Geschichte gibt es nicht wirklich, jedoch ganz viel Handlung. Vielfältig sind daher auch die Emotionen und Inspirationen des Schauenden.
Es passiert so viel gleichzeitig, dass man gar nicht weiß, wohin man schauen soll und doch fügt sich alles zu einem Ganzen. Auch das berührt.
Das Corps de ballet löst sich auf in viele Protagonisten ohne Nebenrollen, denn jeder Tänzer besetzt seine Hauptrolle. Selbst das Zentrum der Bühne gibt es nicht mehr, wenn aus allen Nischen Tänzer kommen und gehen. Akrobatik in Anmut und scheinbarer Leichtigkeit, die es zu bestaunen gilt.
Dieser Abend mit Schläpfer bietet drei in sich abgeschlossenen Handlungen, die wundersam ein Ganzes bilden. Das war Ballett pur.
Der Nachhall ist mächtig, es gibt so viele Eindrücke, die es wert sind in Gedanken zurückzukehren.
Schläpfer, ja bitte!

Julia Kulig über „b.22“

Schläpfer_einWaldeinSee_06_FOTO_gertWeigeltSchon während der Vorstellung frage ich mich dieses Mal: Wie soll ich über das Erlebte schreiben? Es geht um Tanz, Ballett. Die Figuren, die die sehr beweglichen und wendigen Tänzer zeigen, sprechen für sich, drücken sehr unterschiedliche Gefühle aus. Freude, Wut, Trauer, Zerrissenheit – Gefühle, die ja auch im Alltag nicht immer gut in Worte zu fassen sind.
Das erste Stück hinterlässt bei mir den Eindruck einer starken Dynamik. Tänzer, die im Einzeltanz als auch im Gruppengefüge intensiv Gefühle vermitteln. Einen Handlungsstrang suche ich zu Beginn, lasse mich dann aber auf die Berg- und Talfahrten der dargestellten Emotionen ein.
Im zweiten Stück kommen die Tänzer für mich noch mehr in den Fokus. Synchronität fällt mir hier noch deutlicher auf, denn: Stille herrscht, keine Musik ist im Raum. Das Publikum betont ruhig, jeder hörbar getanzte Schritt erhält noch mehr Nachdruck. Dieses zweite Stück bleibt für mich in Erinnerung in der Verbindung mit dem Gefühl der Fröhlichkeit.
Das dritte und abschließende Stück bietet die gegensätzliche Polarität: Viel Klang, aufwendigere Kostüme, ein auffälligeres Bühnenbild. Um die zwanzig Tänzer und Tänzerinnen tanzen Formationen, gehen zu der archaisch klingenden Musik in Bewegung. Die Klangeindrücke vermischen sich hier mit dem Tanz zu einem neuen Erfahrungsraum.
Alle Tänzer machten auf mich einen tanzfreudigen, engagierten Eindruck. Selbst Figuren, die sicherlich mit viel Kraftaufwand zu tanzen waren, vermittelten ein Gefühl der Leichtigkeit, beeindruckten mich. Für mich steckte in diesem Ballettabend eine große tänzerische, akustische und emotional mitreißende Vielfalt.

Christoph Grätz über „b.22“

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburgb.22  "Moves"  ch.: Jerome RobbinsDie drei Teile des Ballettes b.22 waren so unterschiedlich und doch so großartig aufeinander bezogen.
„verwundert seyn – zu sehn!“, eine Choreographie von Balletchef Martin Schläpfer, war beeindruckend auf die mysthische Musik zweier Solo-Piano Stücke von Skrjabin mit ein Liszt Sonate als Mittelteil inszeniert. Das dramatische Licht und das großartige Bühnenbild mit der Projektion eines wandernden Planeten waren die ideale Kulisse für das Ballett. Die berührende tänzerische Performance war eingebettet in die zerbrechliche Musik, meisterhaft vorgetragen vom weißrussischen Pianisten Denys Proshayev. Ich glaube in verwundert seyn – zu sehn“ zumindest assoziativ einige Motive wiedererkannt zu haben, wie Liebe, Sex, Zuneigung, Anziehung, Ablehnung, Eifersucht und Kampf.
Der zweite Teil des Abends, die Choreographie „Moves“ von Jerome Robbins kam ganz ohne Musik aus. Ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, woher die Körperkünstlerinnen und –künstler so ganz ohne musikalische Orientierung die synchrone Taktung für das gemeinsam Ganze hergenommen haben. Daher hat mich auch das Zusammenspiel vor allem in den Momenten, wo viele Mitglieder der Compagnie ein gemeinsames Motiv darstellten, besonders beeindruckt, wie etwa bei der sich schlängelnden Welle gegen Ende der Choreographie.
Die Aufführung beschloss die zweite Schläpfer-Choreographie „ein Wald, ein See“, die durch das eindrucksvolle Bühnenbild eines aus Stahlgestänge imitierenden Waldes betont wurde. Unverständlich bleib mir der ausgestopfte Uhu, der von einem der Metalläste über der Szene wachte. War er als humoristisches Element gedacht? Passend zum Titel war die Musik von Paul Pavey, die zwischenzeitlich an Klänge von Ureinwohnern erinnerte, jedoch auch Längen hatte. Die tänzerische Leistung – auch in dieser Performance – war beeindruckend.
Es war ein Ballettabend der mich berührt hat, auch wenn mir als ungeübtem Zuschauer die Deutung der Choreographien etwas schwer fällt. Vielleicht ist diese Kunstgattung mehr noch als andere darauf angelegt, Wahrnehmungsgewohnheiten zu verändern. Nicht Logik und Plausibilität bestimmen das Verstehen, vielmehr das Zulassen und eher assoziative Aufnehmen von Emotionen und teils archaischen Motiven.
Die künstlerische Leistung der Compagnie hat mich beeindruckt. Ich finde es immer großartig und verblüffend, was der menschliche Körper durch Bewegung in der Lage ist auszudrücken. Ich empfehle diesen Abend allen, die bereit sind sich fordern zu lassen. Es lohnt sich – Aufgeschlossenheit vorausgesetzt. Der Titel des ersten Stückes „verwundert seyn – zu sehen!“ trifft auf den ganzen Abend zu. (ChG)

Martin Breil über „b.22“

Schläpfer_verwundert seyn - zu sehn_04_FOTO_GertWeigeltDer erste Ballettabend für die Scouts. Was werden sie zu sehen bekommen und sie in Verwunderung versetzen ?
Ein Ballettabend in drei Teilen dessen erster Teil sich durch die enge Verflechtung von Pianomusik und Choreographie auszeichnet. Musikbegleitung wäre der falsche Ausdruck, denn die Bewegungen und Gesten der Tänzerinnen und Tänzer scheinen mit der Musik eine Einheit zu bilden. Ein Handlungsbogen ist nicht auszumachen, lediglich ein sich schließender Kreis am Ende des ersten Teils. Und in der Zwischenzeit ein Ausflug in die Welt eigener Gefühle und der Wahrnehmung des Augenblicks. Die Ausdruckskraft und Körperbeherrschung der Tänzerinnen und Tänzer fasziniert mich.
Der zweite Teil kommt ganz ohne Musik aus, was mir besonders gefällt, denn auch ohne Noten gibt es genug an Geräuschen zu hören. Ich konzentriere mich auf die Tänzerinnen und Tänzer in ihren farblich so wunderbar aufeinander abgestimmten Trikots. Schlurfen und Stampfen, Schritte und Sprünge bilden den akustischen Background und geben dem Stück Rhythmus und Halt. Mein Favorit!
Zuletzt entführt uns Martin Schläpfer in die undurchdringlichen Tiefen eines Waldes und in die Unterwasserwelt eines Sees in der wir als menschliche Wesen nur bedingt überleben können. Begleitet von der Musik von Paul Pavey ist mir dieser Teil des Abends zu bildhaft. Über allem wacht ein Uhu und denkt sich seinen Teil.
Ein besonderer Abend für mich, denn das was mich verwunderte zu sehen war wohl ich selbst.

Dragan Milicevic über „b.22“

Schläpfer_einWaldeinSee_01_FOTO_gertWeigeltDenke ich an Ballett, entstehen schnell klischeetypische Assoziationen: Prima Ballerina im rosa Tutu auf Zehenspitzen tanzend und so weiter. Wie modernes Ballett eigentlich aussieht? Darüber habe ich mir wenig Gedanken gemacht. Umso besser, in einer Vorstellung gleich drei Stücke präsentiert zu bekommen, die sich sowohl in Bühnenbild, Kostüm, als auch musikalisch sehr voneinander unterschieden. Ich war überrascht und erleichtert, dass sich der Ausdruck der Tänzer doch sehr von meinem Klischeebild unterschied. Besonders begeisterte mich “Moves – A Ballet in Silence“. Wie der Titel schon sagt, kommt das Stück ganz ohne Musik aus. Die Leistung der Tänzer, die geistreiche aber unkomplizierte Choreographie und der Witz des Stücks sprachen allein für sich. “verwundert seyn – zu sehn” ließ mich ironischer weise auch verwundert zurück. Zwar gefiel mir die Schlichtheit des Bühnenbilds, jedoch hatte ich oft das Gefühl keinen Zugang zum Stück zu bekommen. Als hätte jede Bewegung der Tänzer eine Bedeutung, die sich mir aber nicht erschließen wollte. Auf Dauer war das ermüdend. Auch fand ich die Kostüme der Nebendarsteller etwas unförmig und kitschig. Ganz anders im Stück “ein Wald, ein See“. Hier gefielen mir dir Kostüme sehr. Wahrscheinlich weil sie so locker und bequem wirkten und sich ebenfalls dem Klischee entzogen. Die Inszenierung wirkte aufgrund der eher unkonventionellen und teilweise außereuropäischen Instrumentierung sphärisch und etwas fremdartig. In Kombinationen mit dem gelungenen Bühnenbild gab es dem Tanz eine geheimnisvolle und magische Note. Auf Dauer war dies jedoch sehr langatmig. Am meisten gefiel mir das Zusammenspiel der im Vordergrund und Hintergrund tanzenden Darsteller. Die Aufmerksamkeit wechselte oft zwischen beiden Ebenen, was für Abwechslung sorgte. Im Großen und Ganzen bin ich froh meine eingerostete und in der Zeit stehen gebliebene Vorstellung von Ballett durch den Abend in Duisburg verloren und durch eine ganz neue ersetzt zu haben.

Ralf Kreiten über „b.22“

Schläpfer_einWaldeinSee_07_FOTO_gertWeigeltFür mich ein verwirrender Ballettabend. Martin Schläpfer zu verstehen ist ja nicht immer leicht, und so ging dieser Abend mit vielen beeindruckenden Bildern, aber auch verwirrenden eigenen Interpretationen, vorbei. Als Opernscout darüber zu berichten fällt mir, auch ein paar Tage danach, noch nicht leicht. Die drei Teile des Ballettabends sind auf jeden Fall sehr vielschichtig. Im ersten Teil „verwundert seyn – zu sehn“ lenkt die dunkle, karge Bühne, nur mit einem wandernden Mond und Sternenbildern als Hintergrund, direkt alle Aufmerksamkeit auf die Protagonisten. Marcos Menha faszinierte mich durch seinen ausdruckstarken Tanz und sein athletisches Können. Aber nicht er allein bestimmt die Szenerie; auch alle anderen Tänzerinnen und Tänzer sind in Tanz und Bewegung einzigartig. Die begleitende Musik von Skrjabin und Liszt unterstreichen die Szenerie, auch wenn beide Werke für mich nicht wirklich eingängig sind. Das zweite Schläpfer-Stück, das Dritte des Abends, gibt für mich ähnlich großen Interpretationsspielraum; hier finde ich mich aber am ehesten wieder. Unter einem Geflecht von geschwungenen Metallrohren, die auf und ab wabern, erlebe ich Tanz auf höchstem Niveau. Mir gefällt, dass hier die Gruppenbilder überwiegen und nur selten Solopartien getanzt werden. „Ein Wald, ein See“ ist der Titel des Stücks und hier gelingt mir am ehesten die Interpretation der Bilder; für mich Beides große Naturflächen, die für den Menschen als Lebensraum wenig geeignet sind. Dazu eine Musik, eher ein Klangteppich, der ebenfalls nicht eingängig, gegen Ende sogar sehr anstrengend ist, aber das Mystische in den getanzten Bilder extrem unterstreicht. Beide Schläpfer-Choreographien umrahmen „Moves – A Ballet in Silence“. Hier tue ich mich sehr schwer, da ich Ballett auch immer mit Musik verbinde. Das Stück von Jerome Robbins verzichtet aber gänzlich auf Musik; einzig durch die Geräusche des Tanzes und vereinzeltes Klopfen und Schlagen der Tänzerinnen und Tänzer entsteht eine begleitende Geräuschkulisse. Beeindruckend für mich, neben der herausragenden Technik der Akteure, insbesondere die Abstimmung zeitgleicher Bewegungen.   Meinen ersten Gedanken am Ende der Aufführung: Das hat dir nicht gefallen! habe ich inzwischen revidiert. Die starken Bilder haben mich noch eine ganze Weile beschäftigt und ich bin schon gespannt, womit mich Martin Schläpfer beim nächsten Mal konfrontiert und vielleicht wieder verwirrt.

Kathrin Pilger über „b.22“

Robbins_Moves_(c) The Robbins Rights Trust_09_FOTO_GertWeigeltAm vergangenen Freitag haben die Opernscouts einen ganz anderen Abend im Theater Duisburg erlebt: Auf dem Programm standen drei Ballette: Die Uraufführung von Martin Schläpfers „verwundert seyn – zu sehn“, „Moves – A Ballett in Silence“, aufgeführt in der Originalchoreographie von Jerome Robbins aus dem Jahr 1959 und „ein Wald. ein See“ in der Choreographie von Martin Schläpfer, das 2006 im Staatstheater Mainz uraufgeführt wurde. Das erste Ballett erwies sich als äußerst innovativ und für diejenigen, der wie ich noch kein von Schläpfer choreographiertes Stück gesehen hat, wirklich überraschend. Untermalt von zwei Skrjabin-Sonaten und Liszts „Grande Valse di bravura „Le bal de Berne“ auf dem Klavier bewegten sich die Tänzerinnen und Tänzer anmutig und nahezu akrobatisch. Das fehlende Bühnenbild unterstrich den puristischen Eindruck der Darbietung, alles wirkte entgrenzt. Dieser Eindruck wurde beim zweiten Stück noch verstärkt, das zusätzlich ohne jede musikalische Begleitung auskam. Nur das Geräusch der Füße der Tänzerinnen und Tänzer, die in gedeckt-farbigen Trikots in dynamischer Strenge Figuren und Bilder tanzten, mal als Solo, mal zu zweit, mal als große Gruppe, durchbrach die Stille. Das mittlere Stück hat mir persönlich besonders gut gefallen. Das dritte Ballett hatte schließlich ein Bühnenbild; von der Decke herabhängende, leicht schwingende  Metallstäbe symbolisierten den Wald. Die Metallstangen verliehen der Bühne eine gewisse Patina; auch die Kostüme und die Schminke der Tänzerinnen und Tänzer wirkten metallisch und kühl – dadurch auch elegant und leicht. Begleitet wurde das Ballett von den sphärischen Klängen, die der englische Musiker und Performer Paul Pavey auf ungewöhnlichen Percussion-Instrumenten wie der Wassertrommel oder einer Hirtenflöte erzeugte. Alles in allem ein gelungener Abend mit außergewöhnlichen Einblicken.

Jessica Gerhold über „b.22“

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburgb.22  "verwundert seyn, zuBevor ich zu meiner ersten Ballettaufführung von Martin Schläpfer ging, hörte ich schon viele unterschiedliche Meinungen, die sich besonders auf den Ballettdirektor bezogen. Direkt zu Beginn muss ich sagen, dass ich die Aufführung nicht so verstörend empfand, wie es mich einige kritische Stimmen im Vorhinein vermuten ließen. Zum einen haben mich die Tänzer und ihre körperliche Leistung stark beeindruckt! Ich fand es faszinierend ihre Darstellung zu verfolgen. Mindestens genauso interessiert habe ich mir die körperbetonte Kleidung und das moderne puristische Bühnenbild angeschaut. Zum anderen fand ich aber die Länge der drei Akte verwirrend. So ging der erste Akt verhältnismäßig lang, der Zweite war verwirrend knapp und der Dritte pendelte sich in einer mittleren Länge ein. Alles in allem festigte sich während der Betrachtung der Aufführung jedoch meine Meinung und hielt  auch im Nachklang der nächsten Tage an: Dass sich hier leider keine neue Erkenntnis und Begeisterung für mich ergab. Ich fand es durchaus spannend wie Choreografie und Musik zusammenspielten und bin mir sicher, dass es motivierend ist es dieses Ereignis mitzugestalten, aber als Zuschauer ergab sich für mich, alles in allem, leider kein Mehrwert.

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„Werther” von Jules Massenet

Premiere am 6. Dezember 2014 im Theater Duisburg

Martin Breil über „Werther“

Werther_11Internet_FOTO_MatthiasJungDies vorab, die Inszenierung von Jules Massenets „Werther“ von Joan Anton Rechi am Samstagabend war ein riesen Erfolg und das Publikum spendete reichlich Applaus. Dass das Theater nicht ganz ausverkauft war, lag vielleicht daran, dass sich mancher an seinen Deutschunterricht vor vielen Jahren erinnerte, als man unter den „Leiden des jungen Werther“ litt oder auch am Stoff, den man sich im Novembergrau nicht so gern antun möchte. Aber weit gefehlt:

„Mit allen seinen Tiefen seinen Höhen
Roll ich das Leben ab vor deinem Blick,
Wenn du das große Spiel der Welt gesehen
So kehrst du reicher in dich selbst zurück“
(Friedrich Schiller, zu lesen über dem Portal der Oper Duisburg)

Der Zuschauer erlebt in einer Rückschau den Zeitraum zwischen dem Todesschuss und dem eintretenden Tod Werther`s. Ein durch die wunderbare Musik Massenets getragenes Auf und Ab der Gefühle, dass Werther und die geliebte Charlotte durchleiden, weil beide im Geflecht gesellschaftlicher Konventionen nicht mehr zurechtkommen. Als Charlotte schließlich ihre Liebe gesteht, ist es zu spät… Kein komplexer Handlungsbogen, aber Emotion pur. Hervorragende Darsteller, ein überzeugendes Bühnenbild (nicht kitschig, nicht verstörend, modern) und ein umwerfender Kinderchor bescheren dem Zuschauer einen außergewöhnlichen Abend. Oper anders, dank Monsieur Massenet, danke DOR.

Kathrin Pilger über „Werther“

Werther_02Internet_FOTO_MatthiasJungDie Farben wirken  blass und fahl, fast wie im Nebel. Das Grün ist ein gedämpftes Jagd-Grün, das Rot changiert zwischen symbolträchtigem blutrot und liebesrot. Andere Farben gibt es zwar auch, doch nimmt man deren Präsenz aufgrund des immer dominanter werdenden Rot-Grün-Kontrapunktes praktisch gar nicht war. Das karge Bühnenbild, das sich später verengt auf zwei gegeneinander  gedrehte, weit auseinanderstehende Sessel im Fokus, passt perfekt zur Stimmung der Protagonisten:  Charlotte und Werther – das unglückliche Liebespaar, dessen dramatisches Schicksal sich im Laufe der Aufführung immer weiter zuspitzt: Hat Werther zu Beginn noch die Hoffnung, die bereits an ein Ehegelübde gebundene und schließlich auch verheiratete Charlotte durch beharrliches Werben gewinnen zu können, so verliert sich diese Perspektive spätestens im 3. Akt immer mehr. Am Ende bleibt nur der Freitod Werthers, dessen Vollzug  in der Inszenierung von Joan Anton Rechi  gleich zweimal gezeigt wird: Zu Beginn fällt ein Schuss, Werther stirbt, verlässt als Alter Ego nach kurzer Zeit die Bühne, abgelöst von einem lebendigen Werther, so dass klar wird, bei der Darstellung handelt es sich um eine Retrospektive. Das Stück endet mit dem Tod Werthers, der sich qualvoll lange hinzieht. Charlotte bleibt verzweifelt zurück. Die gesangliche Leistung  beider Hauptdarsteller (Andrej Dunaev als Werther und Sarah Ferede als Charlotte) ist beeindruckend: Das Verlangen, das Leiden und die Verzweiflung werden im Timbre der Stimmen unmittelbar erfahrbar. Unterstrichen werden die Emotionen durch die ausdrucksvolle musikalische Begleitung der Duisburger Philharmoniker. Meinen persönlichen Geschmack hat diese Oper nicht ganz getroffen, was vielleicht am Libretto lag. Doch wer einen interessanten Opernabend erleben will, ist mit dieser Inszenierung sicherlich gut bedient.

Christoph Grätz über „Werther“

Werther_05bInternet_FOTO_MatthiasJungÜberraschend ist, dass die Inszenierung von Massenets „Werther“ der Deutschen Oper am Rhein, mit dem Selbstmord des Protagonisten beginnt. Noch bevor der Vorhang sich hebt, ist der Schuss zu hören.
Überzeugend singen und spielen die Hauptakteure des Abends die „Leiden des jungen Werther“ und seiner geliebten Charlotte. Die Verzweiflung Charlottes, die ihrerseits Werther liebt, aber „nicht sein kann, was nicht sein darf“. Der schmachtende Werther, der sich vor Liebe verzehrt, abgewiesen von Charlotte und doch über alles gewollt. Das ist – wie ich meine – der Stoff aus dem Oper gemacht sein sollte. Große Gefühle. Überwältigend waren für mich vor allem die Duette der beiden Hauptfiguren. Wenn es dann auch mal lauter im Orchester wurde, konnten alle Sängerinnen und Sänger an Intensität mithalten. Die Balance zwischen Orchester und Vokalisten stimmt, dank der souveränen Leitung des Orchesterchefs Lukas Beikircher.
Auch die schauspielerische Leistung der Akteure überzeugt vor allem in den authentisch gespielten handgreiflichen Szenen. Man nimmt Andrej Dunaev und Sarah Ferede den Schmerz, die Verzweiflung, Leidenschaft und unerfüllte Sehnsucht ab, vor allem in den starken Partien nach der Pause. Besonders dicht ist die Szene in der Charlotte aus den Briefen Werthers aus der von ihr selbst auferlegten Verbannung zitiert. Auch Elena Sancho Pereg in der Rolle der Sophie, Charlottes Schwester, überzeugte stimmlich und schauspielerisch. Die hochemotionale Handlung wurde durch das zurückgenommene Bühnenbild wirkungsvoll kontrastiert. Wichtigstes Ausdrucksmittel war hier das, wie ein Hologramm anmutende grüne, rote und blaue Streiflicht, das die Szene eintaucht.
Liebeskummer, Weltschmerz und unerfüllte Sehnsucht, Gefühlszustände die auch heute noch, vor allem junge Menschen in den Selbstmord treiben. Auch heute leiden Menschen an der Welt und die Zerbrechlichen bleiben dabei manchmal auf der Strecke. Starke und überwältigende Gefühle: Ja es gibt sie auch heute noch, selten sieht man sie aber so intensiv und romantisch wie an diesem Opernabend.
Meine Empfehlung: „Unbedingt reingehen. Ein Opernabend emotional ergreifend mit viel schöner Musik.“

Julia Kulig über „Werther“

Werther_03bInternet_FOTO_MatthiasJung„Werther“ „Werther!“ so ruft Charlotte immer wieder. Jedes Mal, wenn sie ruft, wird ihr Leid deutlich. Charlotte, einem anderen Mann versprochen, lernt Werther kennen und verliebt sich in ihn. „Die Tränen, die man nicht weint, fallen alle in unsere Seele zurück“ singt Charlotte. Sie erlaubt sich selbst emotional zu sein, bleibt jedoch auf der anderen Seite derart vernunftgesteuert, sich nicht gegen das Ehearrangement aufzulehnen. Vernunft und Leidenschaft stehen hier im Widerstreit. Schnell zeichnet sich ab, dass diese Liebesgeschichte tragisch enden wird. Genau hiermit arbeitet die Inszenierung: Das Publikum weiß von Anfang an, dass Werther sterben wird und sieht im Stück Werthers Erinnerungen an seine schönen und tragischen Erlebnisse in den letzten Monaten vor dem selbstgewählten Tod. Während die Geschichte ihren Lauf nimmt, haben wir als Publikum die Möglichkeit, die Bildsprache der Inszenierung, die stimmliche Leistung der Sänger und die Klänge des Orchesters zu genießen. Die Szenen sind teils dramatisch, tief emotional, doch kippt hierbei die Stimmung nicht ins Kitschige. Zwischenzeitlich gibt es Szenen, in denen die Schauspieler ruhen und somit die Konzentration auf der Musik des Orchesters liegt. Dadurch bot sich mir ein guter Raum dem Turbulenten des vorherigen Geschehens nachzufühlen und die Musik wirken zu lassen. Schon von Beginn an äußert Werther Todesabsichten. Ist er an einer Depression erkrankt? Er ist jung, es ist vielleicht seine erste große Liebe – über weitere Umstände erfahren wir wenig. Während der Inszenierung frage ich mich immer wieder, was Werther dazu bringt, seinen gesamten Lebensinhalt in Charlotte zu sehen. Deutlich wird einzig sein immer stärker werdender Todeswunsch. Gibt es einen aktuellen Bezug? Wenn ich einen herstellen kann, dann das die Erkrankung Depression heutzutage immer mehr in der Gesellschaft offen kommuniziert wird. Aktuell äußern sich beispielsweise Betroffene über das eigene Krankheitsbild Depression in der Öffentlichkeit. Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #notjustsad viele sehr ehrliche, teils selbstoffenbarende Äußerungen zu dieser Erkrankung, die beispielsweise zeigen, dass sich auch mit dieser Erkrankung leben lässt. Mein Fazit: Dieser Abend nimmt uns als Publikum mit auf eine Reise durch Werthers Erinnerungen. Sie regt zum Nachdenken an. Dank der stimmlich sehr guten Sänger ist dieses Mit-Erleben mit vielen berührenden Szenen verbunden.

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„Aida” von Giuseppe Verdi

 Premiere am 28. November 2014 im Opernhaus Düsseldorf

Horst Eckert über „Aida“

Aida_01Internet_FOTO_MatthiasJungDiese Oper ist eine Wucht.
Wir sind in Ägypten. Es geht um die Liebe, um Leben und Tod. Zwei Frauen lieben einen Mann, die eine ist die Sklavin der anderen. Radames liebt Aida, die kriegsgefangene Sklavin. Amneris, die verschmähte Dame, ist die Tochter des ägyptischen Herrschers – das kann nicht gut ausgehen. Zumal Aida wiederum die Tochter des äthiopischen Königs ist, die Länder stehen im Krieg miteinander, und ausgerechnet Radames soll die ägyptischen Truppen gegen Aidas Heimatland anführen. Der Konflikt der Individuen verschmilzt mit großer Politik. Großes Drama, von Verdi wunderbar zum Klingen gebracht.
Nein, wir sind nicht in Ägypten. Regisseur Himmelmann verlegt das Stück nämlich aus der Pharaonenzeit ins Europa jener Zeit, als die Oper entstand. Man muss ein Auge zudrücken, wenn katholische Priester von Isis singen, aber es passt dennoch. 1870/71 gab es den deutsch-französischen Krieg (weil die Kostüme zunächst nicht aus dem belagerten Paris gelangen konnten, musste die Uraufführung in Kairo verschoben werden), die Oper rückt uns näher, erinnert an unsere Geschichte, rührt an. Fast schwingt bei Aidas Schicksal das Elend der syrischen Flüchtlinge von heute mit, zumindest musste ich zu Beginn daran denken.
Zum Triumphmarsch werden Särge auf die Bühne getragen. Kein Heldenpathos, sondern ein Erinnern an das Massensterben im Krieg, wie es Verdi, ein sehr politischer Mensch, in Paris miterlebte. Ich kann mir kaum noch vorstellen, wie man Aida ohne Särge inszenieren könnte. Warum sich allerdings die ägyptische Priesterin auf ihnen räkeln musste, hat sich mir nicht erschlossen. Auch musikalisch ist der Abend ein tolles Erlebnis, hervorheben möchte ich den Chor sowie Morenike Fadayomi in der Titelrolle. Und am Schluss setzt das Bühnenbild dem Ganzen die Krone auf.
Eine Wucht, die aber ihre Figuren in den Vordergrund rückt und auf Mitgefühl setzt. Sehenswert!

Andreas Schütz über „Aida“

Aida_05Internet_FOTO_MatthiasJungDas schönste Bild des Abends? Für mich das Ende des zweiten Aktes. Es ist ein volles Bild. Es befinden sich nahezu alle Akteure auf der Bühne und daher ist es für mich das aussagekräftigste Bild. Es spiegelt für mich wider, wie ausgewogen die Leistungen des Abends waren. Hauptakteure, Chor und Extrachor der Oper bilden ein homogenes und rundes Erlebnis des Abends. Das zweitschönste Bild des Abends? Das Schlussbild, bei dem das biedere Ambiente der Gesellschaft sich als Sargdeckel auf die Gruft mit den Liebenden senkt und damit auch unmissverständlich klarstellt, dass derartige, nicht standesgemäßen Verbindungen keinen Platz in der Gesellschaft und keine Zukunft haben. Das verwirrenste Bild des Abends? Eine Priesterin wälzt sich klageliedsingend auf den Särgen der ersten „Kriegshelden“, die gerade noch von den Witwen und Waisen beweint wurden. Für mich ein Ausdruck über den Wahnsinn des Krieges und das sinnlose Sterben. Schauspielerisch ist das für mich eine der größten Leistungen des Abends gewesen und der Beifall, den Eva Bodorová dafür am Ende erhält zeigt, dass der Großteil des Publikums dies auch so gesehen hat. Die Särge bleiben auf der Bühne und mahnen so weiter. Besonders im dritten Akt, als sie nur noch schwarze Kisten ohne goldenen Heldenkranz sind. Wie schnell ist der Tod im Krieg alltäglich. Ein starkes Element, das hier eingesetzt wurde. Aber auch keine leichte Kost. Durch die Verlagerung der Handlung aus dem alten Ägypten in die westliche Welt des späten 19. Jahrhundert kommt es schon zu einigen gewöhnungsbedürftigen Bildern. Wenn westlich gekleidete Kleriker und Militärs von Theben und der Isis singen, darf man es nicht so genau nehmen. Noch ein Wort zu den Kostümen. Sehr schön und aufwändig gestaltet, bilden sie eine schöne Brücke zur Opulenz, die es so sicher auch im alten Ägypten gegeben hat.

Barbara Huck über „Aida“

Aida_03Internet_FOTO_MatthiasJung

Zwei  Frauen, Aida und Amneris lieben denselben Mann. Der Mann, Radames liebt Aida. Aber die Liebe der beiden muss verheimlicht werden, denn Aida, insgeheim die äthiopische Herrschertochter,  ist seit  einer kriegerischen Niederlage die Sklavin der Pharaonentochter Amneris. Diese wiederum weiß, das Aida ihre Rivalin ist. Durch den erneut aufkeimenden Krieg zwischen  Ägypten und Äthiopien geraten alle drei in ein auswegloses Dilemma aus Macht , Ohnmacht , Loyalität und Verrat,  das zum Schluss ins Verderben führt. Ein hochdramatischer Opernstoff, mit wuchtiger Musik, wunderbaren Arien, tollen Chören und traumhaften Kostümen . Der Auftritt der vom Publikum sehr gefeierten Priesterin, die mit einem  Ausdruckstanz  über  Särge die Toten betrauert , wirkte auf mich übertrieben theatralisch. Das Bühnenbild des 1. und 2. Aktes hat mich etwas irritiert. Ein feudaler, mit Palmen und Nippes eingerichteter Salon, war  merkwürdigerweise  von einer asiatisch anmutenden Sprossenwand gerahmt. Diese Kombination hat mich anfangs ein bisschen verwirrt und abgelenkt. Nach dem erneuten ägyptischen Sieg, für den Radames zur Belohnung mit Amneris verheiratet werden  soll, sind nur noch diese Sprossen übrig. Sie entpuppen  sich  als Neonröhren, die kalt und unbarmherzig die verzweifelten  Handlungen der Protagonisten beleuchten, und auch, wahrscheinlich beabsichtigt, die Augen des Publikums schmerzen. Als alle gescheitert sind –  verschmäht , verraten , verurteilt – wird die grell erleuchtete Bühne zur Grabkammer für Aida und Radames. Um sie zu schließen, senkt sich ganz langsam der Salon von oben herab. Aber dort herrscht echte Grabesstimmung. Amneris sitzt mit ihrem Vater und einem Priester verloren  im Halbdunkel und beklagt den grausamen Tod ihres geliebten Radames. Diese großartige Schlussszene hat mir ausgesprochen gut gefallen. Während Aida und Radames unten  im gleißenden Licht zuversichtlich  ihrem gemeinsamen Tod entgegen singen, wissen sie oben nicht, wie das Leben weitergehen soll. Herrlich.

Fatma Dogan über „Aida“

Aida_07Internet_FOTO_MatthiasJungDie Oper Aida von Guiseppe Verdi wurde unter der Leitung von Regisseur Philipp Himmelmann und dem Bühnenbildner Johannes Leiacker absolut faszinierend neu umgesetzt: Die Tragödie dieser komplexen Liebesgeschichte spielte, wie dem Bühnenbild zu entnehmen war, im 19ten Jahrhundert und beeindruckte mit seinen Requisiten und vor allem seinen liebevoll gestalteten Kostümen, die offensichtlich hochwertig und professionell verarbeitet worden sind. Das Bühnenbild war in zwei Zeiten geteilt, zum einem – mit seiner Ausstattung und seinen Kostümen – in das 19te Jahrhundert und andererseits – mit seiner ungewöhnlich wirkenden und flexibel veränderbaren Lichtsituation durch die im Hintergrund installierten Neonröhren – in die heutige Gegenwart. Diese beiden unterschiedlichen Gestaltungsstile passten sich durchgehend, mit Feingefühl, der Handlung an und unterstrichen somit das innere Befinden der Figuren der Geschichte; sei es, dass sich das Bühnenbild vertikal in drei Teile teilte oder die Lichtsituation so grell wurde, dass man fast nichts sehen konnte. Das Stück wurde dadurch zu einem physischen Erlebnis, das die Sinne ansprach und psychisch Raum zur Interpretation ließ. Die Handlung selbst war fließend gespielt und gesungen, doch ganz besonders fiel mir die schauspielerische und gesangliche Leistung von Eva Bodorová auf. Als Sacerdotessa konnte sie im Besonderen mit ihrer bizarren und überraschenden Tanzeinlage einen interessanten Bruch mit dem Gesang des Chores und der generellen Harmonie des Stückes herbeiführen. Zu applaudieren war auch dem Chor, der schön anzuhören war und harmonisch im Zusammenspiel mit dem Ganzen stand. Nicht nur der Chor beeindruckte akustisch, sondern auch die sechs Trompetenspieler, die im zweiten Akt auf der Bühne standen. Anders formuliert, die Mobilität des Chores und der Sänger auf der Bühne, die immer aus unterschiedlichen Richtungen jeweils unterschiedlich intensiv klangen, sorgten für viel akustische Abwechslung. Die Hauptdarsteller Aida, Amneris und Radamès wirkten sehr authentisch auf der Bühne und konnten die Themen: Leid, Macht und Liebe dieses Stückes, mit ihrer Leistung gut fühlbar werden lassen. Gefühlt war es ein Stück, das für mich viel zu schnell zu Ende ging. Es war für mich definitiv eine Inszenierung, die ich gerne ein zweites Mal sehen wollen würde.

Christina Irrgang über „Aida“

Aida_08Internet_FOTO_MatthiasJungDer Vorhang geht auf und unmittelbar, mit dem ersten Bühnenbild, strahlt dem Betrachter der “Aida” etwas Magisches entgegen. Die Bühne der Deutschen Oper am Rhein ist in einen Kolonialstil gehüllt: Palmenpflanzen, Polstersessel mit geschwungenen Beinen, ein Flügel. Der ägyptische Schauplatz des Stückes scheint von europäischem Prunk ausgehöhlt, ummantelt. So treten auch die Darsteller hier nicht in Pharaonengewändern, sondern in einer Mode der Gründerzeit auf und spiegeln einen Stil der Zeit, in dem Giuseppe Verdi die Oper verfasst hat – 1871 wird sie im Opernhaus in Kairo aufgeführt. Aida jedoch, die äthiopische Sklavin, hebt sich in ihrem Hausmädchengewand vom Prunk des Interieurs ab. Sie ist ausgeschlossen von dem Gefüge, das sie umgibt. Und schon die erste Szene spiegelt das Drama, das sich durch die Narration der Oper zieht: Aida und Radamès, der später zum Heerführer Ägyptens wird, umtänzeln sich heimlich, fallen auf einem Sofa übereinander her und träumen mit Blick in den Himmel von einer gemeinsamen Zukunft, in der sich ihre Liebe als gelebtes Glück verwirklichen darf. Diese Zukunft aber wird ihr gemeinsamer Tod werden. Die Kämpfe zwischen den Völkern Ägyptens und Äthiopiens, zwischen der Pharaonentochter Amneris, Radamès und Aida, werden in imposanten und impulsiven Gesängen und Musiken im Verlauf der fast dreistündigen Oper dargeboten. Das Bühnenbild spiegelt dabei immer wieder die innere Dramaturgie der Akteure, so vor allem, wenn Eva Bodorová als Gran Sacerdotessa, als Priesterin, mystisch, ätherisch und magisch das Reich der Toten beschwört und dabei von transluziden Klängen umsponnen wird. Es geht um Liebe und Verehrung und Liebe, die über den Tod hinaus reicht. Es geht um Territorium, Vaterland, Heimat und Zugehörigkeit, es geht um Fluch. Es ist ein Kampf zwischen Nationen, Geschlechtern, politischer sowie gesellschaftlicher Stellung und ein Kampf, die eine wahre Liebe nicht zu verlieren. Es geht um Einsatz. Die Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein gibt Hoffnung: schließt das Stück szenisch mit drei Kerzen ab, deren Flammen das Dunkel des Saales erhellen, und Aidas Kampf um die Liebe – lebendig begraben mit Radamès – als Licht des Lebens kommentiert. Das Immaterielle, das dem Pomp entkommt und überdauert, beschließt ein poetisches Ende. Und doch ist es im Schauen und Hören dieser Oper immer wieder der Überschwang und das Ringen, das große Lust bereitet, fasziniert und ein Gefühl erzeugt, man möge nach dem Fall des Vorhangs gleich wieder hingehen und Aidas Emphase beiwohnen.

Christian Hein über „Aida“

Aida_02Internet_FOTO_MatthiasJungWas für eine wundervolle Oper. Diese Version von Aida, wohl eine der bekanntesten Verdi Opern, hat eine große Erwartungshaltung ausgelöst. Die Geschichte der nubischen Prinzessin, die als Sklavin am ägyptischen Hofe dient und sich in den ägyptischen Heerführer  Ramades verliebt. Wenn man sich die interessante Geschichte dieser Oper vergegenwärtigt und bedenkt, dass selbst Verdi bei der Uraufführung in Ägypten im Jahre 1871 Probleme hatte die Requisiten zeitig herbeizuschaffen, aufgrund des Deutsch- Französischen Krieges, ist man in der gezeigten Version ebenfalls etwas überrascht. Die tragisch romantische Geschichte von Aida und Ramades findet keineswegs in einem  ägyptischen Bühnenbild statt, sondern eher in einem christlichen Umfeld mit Kostümen und Accessoires des späten 19. Jahrhundert Europas. Die Hohepriester tragen katholische Robe, die Darsteller europäische Kleidung aus der Zeit der Entstehung der Oper. Diese etwas unentschlossene Interpretation findet sich auch im Bühnenbild wieder. Eine multifunktionale Bühne, mit marmoriertem Boden und einer in den entscheidenden Momenten eingesetzte Neonröhrenbeleuchtung sind eher halbmodern und halbklassisch. Ein gelungenes Stilmittel sind eine Addition von schwarzen Särgen, die nach dem Sieg über die äthiopischen Truppen und die Gefangennahme Aida´s Vaters gelungen als Metapher für die Sinnlosigkeit und Tragik des Krieges, als auch als spannungsvolles Bühnenbild verwendet werden. Auch wenn das Bühnenbild uneindeutig und wenig  ästhetisch erscheint, gibt es überzeugend die verschiedenen Spielorte am Nil, bei Hofe und zuletzt, sehr eindrucksvoll als Grabkammer wider.  Die Leistung der Düsseldorfer Symphoniker ist wieder einmal fabelhaft. Amneris überzeugt sowohl gesanglich als auch schauspielerisch mehr als Aida, die zwar äußerlich wunderbar geeignet ist, allerdings nicht äthiopisch adelig überzeugt. Es war wieder einmal ein wunderbarer Opernabend, und mit wenigen Abstrichen bezüglich des etwas zu wenig untermalenden Bühnenbildes absolut empfehlenswert!

Sabine Stoltenberg-Lerche über „Aida“

Aida_06Internet_FOTO_MatthiasJungÜber die Oper „Aida“ habe ich schon viel gehört und gelesen, jedoch habe ich noch nicht eine Umsetzung dieser Oper bis zur Premiere hier in Düsseldorf gesehen: Zum ersten Mal die Oper „Aida“ erleben – Diese Inszenierung hier in Düsseldorf konnte ich mit keiner anderen vergleichen – ich hatte dementsprechend auch keine richtigen Erwartungen und war einfach nur neugierig auf die Umsetzung: Ich habe mich voll und ganz auf die Inszenierung vor Ort eingelassen und fand diese auf relativ kleinen Raum für so eine große Oper fantastisch.
Das Bühnenbild kreierte durch die verschieden Ebenen der Bühne – verschiedene Orte – und dadurch konnte ich mich sehr gut in die Situation der Liebenden hineinfühlen.
Die Stimmen der Sängerinnen und Sänger waren wieder herausragend schön und das Orchester wieder einfach nur eine große Freude.
Das Zusammenspiel zwischen Orchester und Sänger/innen hat mich verzaubert und tief ergriffen – ich war noch lange nach der Vorstellung tief berührt von „Aida“.

 

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„Die Zirkusprinzessin” von Emmerich Kálmán

Premiere am 8. November 2014 im Theater Duisburg

Birgit Idelberger über „Die Zirkusprinzessin”
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Clowns im Foyer, auf der Treppe, zwischen den Reihen.Eine witzige und gelungene Einstimmung auf die Zirkusprinzessin bevor der Vorhang aufgeht.
Und dann doch der Einsturm auf alle Sinne. Eine Zirkusarena bunt und schön auf der Theaterbühne. Man kann gar nicht anders, lässt sich ein auf den bunten Reigen um die Liebe, geleitet durch den flotten Takt der Musik und der Handlung.
Die wahre Liebe hinter dem Schein, der am Ende Nichts wert ist. Die Liebe, die trotz aller Irrungen und Wirrungen am Ende obsiegt. Damals und auch heute ein aktuelles Thema.
Es wird an diesem Abend mit Leichtigkeit im Gesang und Akrobatik präsentiert. Das berührt jeden, jedoch nicht mit Schwermut, sondern humorvoll sich auflösend dem Happy End entgegen.  Eine gelungene Mischung von operettenhaftem Kitsch und Akrobatik einer erstklassigen Gruppe von Clowns wird geleitet durch die Musik Emmerich Kálmáns. Alle Protagonisten agieren schauspielerisch und gesanglich hervorragend, so dass es ein herrlich vergnüglicher Abend wird,  den man so schnell nicht vergisst.

Kathrin Pilger über „Die Zirkusprinzessin”
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Auf dem Spielplan stand: eine Operette! Oh je, dachte ich – und das bei meinem allerersten Einsatz als Opernscout. Assoziationen an Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock stiegen in mir auf– beide nicht gerade Idole meiner Jugend. Nicht frei von Befangenheit, aber dennoch sehr gespannt, betrat ich das Theater in Duisburg, um mir die „Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger vom Staatstheater am Gärtnerplatz München, anzusehen. Im Zuschauerraum wurden die Besucher von anmutigen, freundlich winkenden Clowns begrüßt, die akrobatisch durch die Sitzreihen klettern und von Zeit zu Zeit silberglitzerndes Confetti warfen. Als genauso leicht und spritzig entpuppte sich dann die gesamte Vorstellung: kurzweilige Unterhaltung, ein leicht verständlicher Plot. Liebe und Intrige, Eifersucht und Neid, Schein und Sein – uralte Themen der Menschheit, die an Aktualität bis heute nichts eingebüßt haben. Wie in Operetten üblich, waren die Themen garniert mit Anspielungen und Anzüglichkeiten („Liese, komm auf meine Wiese“ usw.), was dem allzu vorhersehbaren Ende -selbstverständlich ein „Happy End“ – besonderen Charme verlieh. Die Musik war wunderbar und lud zum Mitklatschen, -wippen und –schunkeln ein. Sowohl die künstlerische Leistung der  Sängerinnen und Sänger als auch das Spiel der Duisburger Philharmoniker haben mich in den Bann gezogen. Noch Stunden nach der Aufführung gingen mir die „Zwei Märchenaugen“, die sich fast leitmotivisch durch den  gesamten Abend zogen, nicht aus dem Kopf. Das Bühnenbild, eine Zirkusmanege in angenehmer Farbigkeit, wirkte genauso transparent und unbeschwert wie das gesamte Spiel; die Requisiten glitten scheinbar schwere- und lautlos über den Boden der Bühne, selbst die großen Schlitten der russischen Offiziere. Die schauspielerische Leistung hat mir ebenfalls gut gefallen – vor allem die Dialoge, oft durchsetzt mit Wiener Schmäh, wirkten dynamisch und frisch. Diese Dynamik wurde von den eingangs erwähnten Clowns, die das gesamte Spiel flankierten, aufgenommen und pantomimisch umgesetzt. Waren die Protagonisten traurig oder enttäuscht, so wich auch aus den Clowns die Körperspannung und sie sackten theatralisch in sich zusammen. Ich habe den Abend im Theater Duisburg sehr genossen und kann die Aufführung nicht nur Operettenfans wärmstens empfehlen. Die (Hemm-) Schwelle, einen Abend in der Oper zu verbringen, liegt bei diesem emotional ansprechenden Stück, für das keine Vorkenntnisse nötig sind, sehr niedrig.

Ralf Kreiten über „Die Zirkusprinzessin”
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Ich hatte einen unterhaltsamen und sehr entspannten Abend mit der Zirkusprinzessin.
Die Aufführung hat mich beeindruckt durch ein grandioses und herrlich buntes Bühnenbild, durch zirkusbunte Kostüme und ein sehr gut aufgelegtes Ensemble. Die fast dreistündige Aufführung ist daher sehr kurzweilig und amüsant.
Insbesondere Boris Eder als Toni Schlumberger und Susanne Grosssteiner als Miss Mable Gibson haben mich mit Ihrer Spielfreude und hervorragendem Gesang begeistert. Eine schöne Idee von Josef E. Köpplinger war es, die einzelnen Szenen durch eine Clownstruppe zu begleiten. Durch ihr clowntypisches Pantomimenspiel, mit Tanz und viel Schabernack, unterstreichen sie für den Zuschauer Gefühle und Erleben der Protagonisten. Die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts haben diese Aufgabe, trotz ständiger Präsenz auf der Bühne, in einer sehr unbeschwerten und faszinierenden Art erledigt.
Die Musik von Emmerich Kalman ist leicht verdaulich, dabei aber auch abwechslungsreich; mal flott und mal mit viel Gefühl. Die verschiedenen musikalischen Richtungen von Wiener Walzer über flotte Zirkusrythmen und Märschen, hin zu ungarischen/russischen Melodien bis zu Anklängen aus der amerikanischen Unterhaltungsmusik der 20 Jahre, werden von den Duisburger Philharmonikern durchweg in bekannt guter Weise präsentiert. Allein der Chor hat mir über weite Strecken nicht gut gefallen, da der Text nicht verständlich gesungen wurde und viele Sequenzen einfach zu laut waren.
Obwohl ich kein Operettenfreund bin und die Zirkusprinzessin nur besucht habe, weil ich Sie als Opernscout bewerten sollte, habe ich meinen Besuch nicht bereut. Der Abend war sehr unterhaltsam und die Aufführung ist insgesamt wirklich empfehlenswert.

Julia Kulig über „Die Zirkusprinzessin”
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Die Zirkusprinzessin dreht sich um die Wichtigkeit einer hohen gesellschaftlichen Stellung. Die Figuren versuchen hier auf ihre jeweilige Art einen Erfolg zu erreichen oder zumindest vorzutäuschen, um ihrem Wunsch an ein gutes Leben mit dem/der Wunschpartnerin näher zu kommen. Ist dies ein weiterhin aktuelles Thema? Ich denke, dass wir dies in Zeiten von Facebook, Twitter, Tumblr und dem Phänomen des allgegenwärtigen Selfies (also Selbstportraits) mit ‚Ja‘ beantworten können.
Die Handlung des Stückes spielt hauptsächlich im Zirkus, was viel Raum für Abwechslungsreiches und Lebendiges mit sich bringt – die Kostüme und die Kulisse sind farbenprächtig, es blinkt und glitzert aller Orten. Wenn ich früher im Theater war, hatte ich meist einen Schauspieler, der mir besonders gefiel. Dies kann ich für die Zirkusprinzessin nicht sagen, da ich mich für alle Charaktere und Schauspieler begeistern konnte. Mein Eindruck ist, dass alle Sänger auf einem sehr hohen Gesangsniveau anzusiedeln sind und mit viel Spielfreude auf der Bühne stehen. Als besonders empfinde ich, dass während des gesamten Stückes Clowns mit auf der Bühne sind, die die Handlung begleiten, indem sie sich beispielsweise über das Geschehene lustig machen oder auch mitfühlend Anteil nehmen. Manche Szene erhält durch sie eine zusätzliche Erlebnisebene.
Mein Fazit: Wer statt eines Kinogangs einen bunten, lebendigen Abend erleben will, in dem man sich gut  von schönem Gesang und der turbulenten Stimmung eines Zirkus mitreißen lassen kann – demjenigen kann ich dieses Stück sehr ans Herz legen!

Martin Breil über „Die Zirkusprinzessin”
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Premierenstimmung in der Oper Duisburg. Auf dem Programm steht „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kàlmàn, Operette in drei Akten. Nach der „Csardasfürstin“ in der Saison 2013/14 bereits das zweite Werk dieses Komponisten auf der Duisburger Bühne. Würde diese Inszenierung ebenso erfolgreich sein, wie die letzte?  Schon wieder Operette? Ist das der richtige Ort für dieses Genre? Man durfte gespannt sein…
Emmerichs Operette hatte 1926 Uraufführung. In der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise verlagert der Komponist die Handlung in das Jahr 1912, in einen Zirkus nach St. Petersburg und das Wiener Hotelrestaurant „Erzherzog Karl“, also in das zaristische Russland und die K.u.K. Monarchie. Und anstatt in Ernsthaftigkeit angesichts des 1. Weltkrieges und seinen Folgen für Europa zu verharren, zelebriert er einen Beziehungs-reigen zwischen Liebe und Leid, Intrige und Neid im Stile der sog. goldenen 20er Jahre und unterlegt die Handlung mit einem bunten Strauß von Operettenmelodien, bestehend aus Càrdàs-, Walzer- und Tanzrhythmen der 20er Jahre. Dazu Liedtexte, die jeder emanzipierten Frau die Haare zu Berge stehen lassen.
Das Bühnenbild und die Kostüme sind bunt und wenig abstrakt, die Handlung leicht nachvollziehbar. Dazu kommt die hervorragende schauspielerische und gesangliche Leistung der Akteure, bestens aufgestellte Duisburger Philharmoniker unter Wolfram Koloseus und eine Truppe von 12 Clowns, die ununterbrochen in pantomimischer Bravour das Stück begleiten und dem Operettenkitsch einen Schuß Poesie verleihen.
Es wirkt auf mich schon sehr klischeehaft und wenig reflektiert, was auf der Bühne geschieht, aber vielleicht will es auch gar nicht mehr sein. Und die Moral von der Geschicht, dass es doch besser ist, die (Zirkus-)maske vor dem nächsten und sich selbst bei Zeiten fallen zu lassen und offen und ehrlich auf einander zuzugehen, ist nicht die schlechteste . Und so lasse ich mich nach der Pause auf den farbenfrohen Reigen auf der Bühne ein und bin überrascht, wie kurzweilig wieder einmal ein Abend in der Deutschen Oper am Rhein sein kann. Eine Empfehlung für alle, die sonst die Scheu besitzen, eine Oper zu betreten und an den Feiertagen bzw. Sylvester noch nichts vorhaben.

Dragan Milicevic über „Die Zirkusprinzessin”

DieZirkusprinzessin_10_FOTO_HansJoergMichelEine Operette kann bekanntlich etwas bunt und sentimental werden. Wenn diese dann auch noch den Titel “Die Zirkusprinzessin” trägt, mag man meinen, dass das Übermaß an Kitsch schon vorprogrammiert sei. Nun, einige Erwartungen werden sicherlich erfüllt. Keine Frage: Es wird bunt und sentimental. Jedoch wird es nie zu viel, eher ist die Dosierung der potentiellen Kitsch-Komponenten genau richtig! Wie ein Clown, weiß das Stück seine fröhlichen und traurigen Seiten zur Schau zu stellen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen. Nicht zuletzt auch wegen der wunderbaren Musik Emmerich Kálmáns, die mit seinen immer wiederkehrenden Melodien und seinen Einflüssen aus amerikanischer Show-Musik und russischer Romantik für ein wohliges Gefühlschaos sorgt – knapp am Kitsch vorbei. Der Humor des Stücks, sowie das überzeugende und atmosphärische Bühnenbild überzeugen jung und alt. Meine Empfehlung daher: Ein Besuch mit der ganzen Familie.

Jessica Gerhold über „Die Zirkusprinzessin”

DieZirkusprinzessin_07_FOTO_HansJoergMichelDie Liebe ist ein Zirkuszelt und darin geht es ziemlich bunt, zeitweise verwirrend, aber am Ende natürlich glücklich vereint zu. So bot sich mir, mit der „Zirkusprinzessin“, eine klassische Operette zu meiner Premiere als Opernscout – und der Einstieg hätte leichter nicht sein können.  Das Bühnenbild präsentierte sich fröhlich modern mit Leuchtschrift und einer großzügigen Zirkusmanege. In diese Szenerie betteten sich  die verschiedenen Handlungsstränge der zueinanderfindenden Liebespaare ohne Schwierigkeiten ein. Generell wirkte die gesamte Inszenierung sehr harmonisch. Ich empfand besonders die Stimmen der Fürstin Fedora Palinska und des Mister X als sehr angenehm und mir gefiel  die professionelle Natürlichkeit, welche die reiferen Darsteller ausstrahlten. Des Weiteren fiel mir positiv auf, wie unaufdringlich die jeweilige Atmosphäre zum einen durch das Orchester und zum anderen durch die ständig präsenten Clowns unterstütz wurde. Während der Aufführung habe ich mich bei folgendem Gedanken ertappt: „Was für eine schöne leichte „Samstagabendunterhaltung“…schade, dass du nur durch die Einladung als Opernscout diese Aufführung siehst und nicht von selbst darauf gekommen bist!“ Meinen Freunden und Bekannten möchte ich nach diesem Abend sagen: Lasst uns doch einmal gemeinsam in die Operette gehen und einen leichten, entspannten Abend mit vielen engagierten und fesselnden Künstlern und einem traumhaften Bühnenbild erleben!

Christoph Grätz über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_13_FOTO_HansJoergMichelDie Handlung spielt in allen Aufzügen – wie könnte es passender sein – im Zirkus. Wirklich großartig haben die Bühnenbildner der Deutschen Oper am Rhein die Manege in den Saal gebracht. Vor allem den zwölf Clowns ist es zu verdanken, dass der Besucher schon vor der Vorstellung Zirkusluft schnuppert. Mit allerlei Späßen tollen sie durch das Foyer, den Zuschauerraum und schließlich auf der Bühne und verleihen der Szene eben jenes Gauklerflair. Ohne die Clowns, Tänzer der Compagnie, wäre der Abend deutlich schwächer. Sie sind das verbindende Element der ansonsten etwas zusammenhanglos wirkenden Handlung. Auch die Musik kann nicht entschädigen, die für meinen Geschmack zu viele Wiederholungen enthält und der Schwung und musikalische Tiefe fehlen. Anrührend hingegen ist, wenn das alternde Zirkusdirektorenpaar Stanislawski zurückblickt auf ein langes Artistenleben und eine alte Liebe, oder wenn die in die Jahre gekommene Hotelbesitzerin Carla Schlumberger sich besserer Zeiten des altehrwürdigen Hauses „Erzherzog Karl“ erinnert. Es sind es vor allem diese kleinen Momente in den Nebenrollen, die dieser Inszenierung der Zirkusprinzessin ein wenig emotionale Tiefe geben. Nicht überzeugt hat mich die gesangliche Darbietung der Hauptprotagonisten, Daniel Prohaska als Mister X und Romana Noack als Fürstin Fedora Palinska. Beide wirkten bei dieser Aufführung  kurz vor Weihnachten (es war nicht die Premiere) etwas unkonzentriert. Schauspielerisch dichter und auch stimmlich überzeugender war hingegen das zweite Pärchen, Susanne Grosssteiner als Miss Mabel Gibson und Christoph Filler als Hotelierssohn Toni Schlumberger. Miss Mabel nimmt der Zuschauer am ehesten ab, dass sie keine englische Stardompteuse ist, sondern „a handfests Wiener Madel“. Auch der Toni kommt als Möchtegern-Lebemann, der natürlich nicht der Erbe Erzherzog Karls, sondern des gleichnamigen Wiener Hotel ist. In „Der Zirkusprinzessin“ ist eben keiner, was er vorgibt zu sein.   Mein Fazit: Unterhaltungsfaktor für Liebhaber von Hans Moser Filmen OK- künstlerische Leistung, na ja – Bühnenbild, super –  Clownerie, Klasse – Musik, schon Besseres gehört. Diese Inszenierung ist ein Kann und kein Muss.

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