Claudia Graw über b.22

Schläpfer_einWaldeinSee_06_FOTO_gertWeigeltMit dem Ballettabend b.22 habe ich einmal mehr eine tolle tänzerische Leistung der Düsseldorfer Compagnie gesehen, mich aber teilweise etwas überfordert gefühlt. Sowohl die Uraufführung „verwundert seyn- zu sehn“, die den Abend eröffnet, als auch „ein Wald, ein See“ zum Schluss haben in meinen Augen ganz starke Momente.
Das sind im ersten Stück in der Hauptsache die gemeinsamen Tanzszenen der beiden männlichen Hauptakteure Marcos Menha und Chidozie Nzerem. Hier sehe ich Figuren und Kombinationen, die mich sehr berühren und in den Bann ziehen in ihrer Ausdruckskraft und Komplexität. Da ich mich mit der Klaviermusik von Alexander Skrjabin jedoch im ganzen Verlauf nicht anfreunden kann, habe ich dann wohl irgendwie „den Faden verloren“. Auch das Liszt- Intermezzo „Le bal de Berne“ hilft mir nicht, meine Konzentration auf den Tanz wiederzufinden.
„Moves, A Ballett in Silence“ kommt komplett ohne Musik aus. Das ist sehr reizvoll und
lenkt meine Aufmerksamkeit jetzt vollends auf die Tänzer, die sehr konzentriert und sicher wirken. Die getanzten Episoden und die schlichten Trikots verbreiten ein wenig Tanzschul- Atmosphäre. Sehr hübsch anzusehen.
„ein Wald, ein See“ beginnt dann so, wie ich es bis hierher vermisst habe, nämlich mit
mitreißender Musik voller Energie und Dynamik. Ich höre Geräusche und Rhythmen, die mich
mal an Urwald und tiefste Natur und dann an weit entfernte Sphären erinnern. Den Tanz hierzu – vor allem, wenn alle Akteure auf der Bühne sind- finde ich sensationell gut und begeisternd. Im Verlauf kommen dann auch hier Töne hinzu, die sich einfach bei mir nicht einschmeicheln wollen und mich wieder aus meiner Begeisterung reißen. Schade, denn die Leistung des Ensembles war wie immer außergewöhnlich.

Weitere Informationen zu b.22:
http://operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010857/ballet

Ralf Kreiten über b.24

“Mensch, war das geil!!!” sagte mein Begleiter nach diesem außergewöhnlichen Ballettabend und das entsprach auch ganz meiner Gefühlslage. Man muss kein Ballettfreund- oder Ballettkenner sein, um die Bilder und die Musik an diesem Abend in sich aufzusaugen und zu genießen. Ich habe nicht die Premiere erlebt, sondern die nachfolgende Aufführung, kann aber alles, was meine Opern- und Ballettscout-Kolleginnen und -Kollegen dazu bereits geschrieben haben, nur unterstreichen; ansonsten würde ich mich in allem wiederholen. Noch selten hat mich ein Ballettabend so mitgenommen und bewegt; ganz besonders das Stück “Lonesome George” – mein persönlicher Favorit. Drei Uraufführungen von drei hervorragenden Choreographen, eine fantastische Compagnie, eine den Bewegungen zugrundeliegende wunderbare Musik (wie immer gut die Duisburger Philharmoniker) und, nicht zu vergessen, Bühnenbild und Lichteffekte, die das Geschehen eindrucksvoll in Szene setzen. Alles stimmig, alles wirklich gut. “Das war der Hammer!” sagte dann mein Begleiter noch völlig beeindruckt. Wohl wahr! Ansehen ist ein Muss!

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

Jessica Gerhold über b.24

Um es direkt vorweg zu nehmen: Dies war ein gelungener überraschender Abend, der mich mit dem Ballett wieder versöhnt hat.

Den thematischen Rahmen und Fokus bildete für mich an diesem Abend das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gemeinschaft in allen drei Ballettinszenierungen.

Eröffnet wurde der Abend mit dem Stück „Illusion“ von Young Soon Hue. Die überragende Tänzerin Yuko Kato überzeugte in ihrer Rolle, in der sie in ihrer eigenen Seelenwelt lebt und Entscheidungen in ihrer Vergangenheit reflektiert und hinterfragt. Ihr feiner und doch ausdrucksstarker Tanz, kombiniert mit einem puristischen Bühnenbild und emotionaler Musik verbanden sich für mich zu einer dichten emotionalen Atmosphäre die leicht depressive Züge hatte. Für mich das stärkste Stück an diesem Abend.

Die zweite Inszenierung  bestach ebenfalls durch ihr klar gestaltetes Bühnenbild, so dass sich zwar eine tiefe Unterwasserwelt vorstellen ließ, aber niemals die durch Tanz ausgedrückte Erzählung überlagert wurde. In Erinnerung sind mir hier besonders die langen „lamettaähnlichen“ Streifen, welche von der Bühnendecke herabgelassen wurden und an Wasseralgen erinnerten, im Gedächtnis geblieben. Besonders zu erwähnen ist bei diesem Stück jedoch die außergewöhnliche Choreographie der Tänzer, deren Armbewegungen an die Schwimmbewegungen der Schildkröte „Lonesome George“ eindrucksvoll erinnerten. Auch dies war für mich atmosphärisch eine zuweilen traurige einsame Aufführung, jedoch eben genau richtig, um „Georges“ hoffnungsvolle Suche nach Gemeinschaft zu erspüren.

Das dritte Stück war atmosphärisch betrachtet voller positiver Energie. Man sah und spürte die Spielfreude der Tänzer und fühlte sich dank der farbenfrohen Kostüme und des Bühnenbildes versetzt in ein prächtiges sich wandelndes Gemälde, welches eine wunderbare Homage an das klassische Ballett beschreiben möchte. Für mich gelungen, dieses Stück für das Ende dieses Abends auszuwählen, da es mir half beschwingt diesen genussvollen Abend zu beschließen!

Mein Fazit: Grandios!

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

Kathrin Pilger über b.24

Es war ein großartiger Abend! Das sind meine überwältigenden Eindrücke von der Ballettpremiere am vergangenen Freitag im Theater Duisburg. Dabei hätten die drei uraufgeführten Stücke unterschiedlicher nicht sein können. Den Auftakt machte „Illusion“, choreografiert  von der Koreanerin Young Soon Hue. In bewegenden Bildern wird das Seelenleben einer Tänzerin entwickelt, Szenen wie Integration und Ausgeschlossen sein wechseln sich ab. Visuell unterstrichen wird dieser Eindruck von Gruppen von Männern und Frauen, die sich schließlich durch die Kleidung – die Männer tragen am Ende auch Röcke – immer weiter angleichen. Die Szenen wirken immer surrealer. Untermalt wird das Tanzgeschehen von dem Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Philipp Glass. Das zweite Stück, eine Choreographie von Marco Goeke mit dem Titel „Lonesome George“, ist als Hommage an die Riesenschildkröte gedacht, die bis zu ihrem Tod 2012 auf Galapagos lebte. In rasender Geschwindigkeit bewegen sich die Tänzer, die oft zuckenden Bewegungen malen imaginäre Linien und Kreise, die muskulösen Körper erinnern an den Panzer einer Schildkröte. Die unglaubliche Dynamik  der Bewegungen wird durch das Streichquartett Nr. 8c-Moll von Dmitri Schostakowitsch aufgefangen. Völlig anders präsentiert sich das letzte Stück des Abends, „Voices Borrowed“ von Amanda Miller. Wie vor einem klassischen Gemälde tanzen Frauen in Tutu-Röcken und Männer in kurzen Hosen – alle Kostüme sind bonbonfarben (!)  – zum Largo aus dem Concerto grosso B-Dur von Georg Friedrich Händel und zum Konzert für Streichquartett und Orchester B-Dur nach Georg Friedrich Händels Concerto grosso B-Dur von Arnold Schönberg, letzteres in einer sehr hörbaren Fassung. Die Duisburger Philharmoniker haben mich wie immer begeistert – die Leistung der Solisten war großartig. Ich hoffe, dass viele Menschen den Weg ins Theater Duisburg finden, um diesen schönen Abend zu erleben.

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

Birgit Idelberger über b.24

Dies war ein besonderer Ballettabend. Es fanden drei Uraufführungen jeweils unterschiedlicher Choreographen statt, die jede für sich eigentlich schon als Erlebnis Wert genug waren.
Zur Einstimmung und Information war auch dieses Mal die Einführung kurz vorher im Foyer bestens geeignet. Danach nimmt man mit einer gewissen Erwartung seinen Platz ein.
Doch wenn der Vorhang sich hebt geschieht immer etwas unerwartet Neues.
„Illusion“, das erste Werk konzentriert sich auf eine Frau, die zu Beginn völlig alleine tanzend die Bühne füllt. Sie durchlebt und erinnert im Folgenden Stationen ihres Lebens rückblickend. Immer wieder tauchen Menschen auf, die sie ein Stück begleiten, aber sie auch wieder alleine zurücklassen. Scheinbar kurze Momente auch des Glücks, doch am Ende bleibt sie einsam zurück.
„Lonesome George“, das zweite Werk, befasst sich ebenfalls mit der Einsamkeit des Menschen. Die völlig andere Tanzkunst ist gekennzeichnet durch unglaublich schnelle flatternde und ständige Bewegungen der Finger, Hände, Arme und Oberkörper. Dies geschieht in einer scheinbaren Leichtigkeit, die man kaum für möglich hält. Sehr angenehm war hierzu die Musik von Dmitri Schostakovitsch, die dem Tanz die Ruhe gab.
„Voices Borrowed“ bildete als letztes Stück des Abends den Kontrast. Im hellen Licht und Farbenrausch der Kostüme fanden die Tänzer spielerisch zueinander, um sich dann wieder neu zu ordnen. Geplante Spontanität. Klassische Sequenzen werden neu verknüpft, es wird etwas probiert und gewagt, doch findet man sich immer wieder zusammen. Mit Leichtigkeit wird dieser schöne Abend beendet und hinterlässt vielfältige Eindrücke.

Weitere Informationen zu b.24:
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Christoph Grätz über b.24

„Illusionen“ hat Young Soon Hue ihren Beitrag übertitelt, der in sieben Bildern die Erlebnisse und Gefühle einer Frau schildert. Es geht um Erfahrungen mit Männern, um Verlassen werden, es geht um sichtbare und unsichtbare Barrieren, um Abgründe und Ablehnung, die diese Frau durchlebt, eindringlich getanzt von Yuko Kato. Die Koreanerin Hue hatte diese Choreographie ihrer „Hauptdarstellerin“ auf den Leib geschrieben. Ich habe wirklich mitgefühlt, vor allem die Szenen in denen Kato sich einer Übermacht ausgeliefert sah, waren geradezu körperlich spürbar. Wie gut, dass es da auch noch den Schutzengel gab, eindringlich getanzt von Marcos Menha. Philip Glass hat die Musik, die von Violine und Cello bestimmt ist, als Ballettmusik geschrieben. Hue hat diese Musik stimmig in eine Geschichte umgesetzt. Nach diesem ersten Set des Abends hatte ich schon das Gefühl: Das war großartig und eigentlich kannst Du jetzt nach Hause gehen. Was soll da noch kommen?

Schon die Musik des 8. Streichquartettes von Dimitri Schostakowitsch lässt einem den Puls höher schlagen. Für mich potenzierte sich die Sogwirkung beim Ballettstück „Lonesome George“ von Marco Goecke durch eine Körpersprache, die so gar nicht dem entsprach, was ich bisher an Ballett gesehen hatte. Hier ging es nicht um Schönheit, Anmut, Harmonie sondern um den puren Ausdruck. Teils mechanisch, teils animalisch bewegen sich die Körperkünstler beim zweiten Set des Ballettabends b24. Die Geschwindigkeit der Bewegungen hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die perfekte Lichtregie verdichtet die Emotionalität und den Ausdruck, und konzentriert auf das Wesentliche. Aus dem Schwarz tauchten plötzlich einzelne Mitglieder der Compagnie auf. Was dieses eindringliche Stück mit der Riesenschildkröte Lonesome George zu tun hat, hat sich mir nicht direkt erschlossen. Geholfen hat mir die Erklärung, dass nach dem Tod von „Lonesome George“ auf einer Nachbarinsel der Galapagos, entgegen jeder Erwartung, weitere seiner Art gefunden wurden. George war eben doch nicht so ganz „lonesome“, und diese Hoffnung ist es vielleicht auch, die Goecke ausdrücken wollte, das positive Gefühl: Ja es geht weiter.

„Voices Borrowed“, heißt das geliehene oder geklaute Stimmen? So war der dritte Teil des Abends betitelt, eine Choreographie der Amerikanerin Amanda Miller. Arnold Schönberg hatte sich für diese Musik Stimmen eines Concerto Grosso von Händel geborgt und über dieses eigene Stimmen hinzu komponiert. Was für eine originelle Idee und welch farbige Umsetzung in Tanz ist Amanda Miller gelungen. Gemeinsam mit der Compagnie hat sie eine Choreographie auf die Bühne gebracht, die aus freien und durchchoreografierten Passagen bestand. So zumindest war mein Eindruck. Es hatte eine Leichtigkeit und auch etwas augenzwinkerndes, wie sie das klassische Ballett zitierte und als Stilmittel einsetzte. Ein Ansatz der vielleicht nicht jedem gefällt, mich aber gut unterhalten hat. Die Tanzfreude war den Mitgliedern der Compagnie anzusehen und so war für mich „Voices Borrowed“ der ideale Ausklang eines Ballettabends, der keine Sekunde langweilig war. Unbedingt reingehen!

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

Julia Kulig über b.24

1) „Illusion“ von Young Soon Hue: In diesem ersten der drei gezeigten Stücke erleben wir eine Frau, geprägt von Einsamkeit. Immer wieder kommt sie in Kontakt zu anderen Menschen, doch erlebt sie wiederholt Ablehnung. Ratlosigkeit, Trauer und das immer wieder neue Bestreben, in Interaktion zu treten wechseln sich ab. Männer treten auf – und verschwinden wieder. Das Bühnenbild unterstreicht meines Erachtens die Einsamkeit, die Auseinandersetzung mit dem (Nicht)Verbundensein. Die Tänzer zeigen viel Ausdruck im Tanz, unterstreichen durch die starke Kraft ihres Ausdrucks die verschiedenen Gefühle, an denen ich als Zuschauer teilnehme. Die tänzerische Leistung begeistert mich und auch den letzten Teil mit den besonderen Kostümen der Männer, der insbesondere an den Titel des Stücks anknüpft bleibt durch seine Besonderheit im Gedächtnis.

2) „Lonesome“ George von Marco Goecke: Im Programm lese ich bereits vorab, dass das Stück durch besonders schnelle, auf den Oberkörper fokussierte Bewegung besticht. So beginnt direkt der erste Tanz mit schnellen Hand und Armbewegungen, die mir ein Gefühl von Anspannung und Hektik vermitteln. Was bringt die Menschen dazu, ihre Körper derart schnell zu bewegen? Es erstaunt mich, dass die Tänzer das gesamte Stück über in dieser Schnelligkeit agieren – unterbrochen von Figuren die als Gegenpol sehr langsam über die Bühne gehen. Dieses Stück ist besonders, vermittelt die Auseinandersetzung mit einer besonderen Lebensphase eines Menschen.

3) „Voices Borrowed“ von Amanda Miller: Auch hier lese ich vor Beginn des Stücks im Programm. Dort wird beschrieben, dass die Choreographin ihren Tänzern viel Raum für eigene Ideen und Bewegungen gegeben hat. Dies erlaubt mir einen anderen Blickwinkel auf die vielen unterschiedlichen Bewegungen, die gleichzeitig auf der Bühne stattfinden. Die Tänzer tanzen in vielen Variationen für sich allein, unterbrochen von gemeinsam ausgeführten Choreographie-Teilen. Eine Fröhlichkeit wird vermittelt, ein Miteinander-Sein. Dieses Stück strahlt Optimismus aus, einen Handlungsstrang wie im ersten Stück finde ich hier nicht, jedoch erhalte ich eine Gesamtwirkung, die mit einer Fröhlichkeit verbunden ist.

Die einzelnen Stücke ergänzen sich gut zu einer abwechslungsreichen Gesamtheit. Die Tänzer begeistern mich als Laie mit ihrer Ausdruckskraft und tänzerischen Leistung. Ein gelungener Ballettabend!

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet