2. April 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Gil Shacher über “Die Nachtigall” am 2. Februar 2012 im Theater Duisburg
Die Strawinsky Oper „Die Nachtigall“ besteht für mich aus zwei Ebenen: Die obere Ebene kennzeichnet die Oper mit der Adaption von Hans Christian Andersens Nachtigall-Märchen ein Unterhaltungsstück, das auch für Kinder bestens geeignet ist, weil es in eine Wunderwelt des Fantastischen führt. Das zeigt die Aufführung in Duisburg sehr eindrucksvoll. An dieser Stelle ein großes Lob für alle Beteiligten, sowohl für die hervorragenden Sänger, wie für das überaus fantasievolle Bühnenbild und die Kostüme, für die faszinierende Inszenierung und das sehr gut agierende Orchester. Tatsächlich waren die anwesenden Kindern so von der Handlung fasziniert, dass sie das Geschehen äußerst angeregt verfolgt haben, obwohl ihre Sehgewohnheiten durch Internet, Computerspiele und Fernsehen geprägt ist.
Darüberhinaus aber wird klar, die Kurzoper enthält eine unglaubliche Tiefendimension, die die Kraft der Musik darstellt, die den Tod besiegen kann, wie schon in der Geschichte von Orpheus.
Meine Vermutung ist, dass Strawinsky aus diesem Grund den Andersen-Text als Grundlage für seine Oper ausgesucht hat, da er an diesen Mythos anknüpfen wollte. Es ist bekannt, dass die Orpheus-Erzählung bereits im Barock als Vorbild für die ersten Opern der Musikgeschichte diente. Jacopo Peri, Giuilo Caccini und Claudio Monteverdi nahmen sich nicht zufällig dieser alten Sage an, die als ein Symbol für den damals neuen musikalischen Aufbruch empfunden wurde. Strawinsky, der die alten Meister kannte und einstudierte, war sich bewusst, dass auch er mit seiner musikalischen Sprache Neuland betritt. So hat Strawinsky eine ganz raffinierte Konstellation geschaffen, indem er die Kinder für progressive und komplexe Musik, die normalerweise nicht als typische Kindermusik gilt, begeistert. Einen großen Anteil daran hatte auch diese gelungene Aufführung.









