21. März 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Kai Gottlob über “Il barbiere di Siviglia” am 17. März 2012 im Theater Duisburg
Nein, eigentlich bin ich kein Purist in Sachen Kultur – literarische oder filmische Stoffe kann man wunderbar durch Zeit und Raum wandern lassen. In puncto Operninszenierung fühle ich mich allerdings eher als Traditionalist. Historische wünsche ich mir in ihrem authentischen Ambiente. So habe ich es leichter, gedanklich in ihre Zeit zu reisen, ihre Figuren zu verstehen, Komposition und Buch näher zu kommen. Unkonventionelle Inszenierungen begeben sich auf eine riskante Gratwanderung zwischen neuem Ambiente und oft Jahrhunderte alter Musik. Das Wagnis ging auch Claus Guth mit seiner bereits hoch gelobten „Insekten-Inszenierung“ von „Il barbiere di Siviglia“ ein.
Ich hatte es dabei schwer, vor allem im ersten Akt, der mir trotz aller Farbigkeit im Bühnenbild des Öfteren die Grenze zum Klamauk überschritt. Gut, dass die Duisburger Premiere im Gesang trefflich besetzt war und die Duisburger Philharmoniker für Rossinis Musik ein pulsierender Atem waren, der die Zuschauer leicht über die drei Stunden trug. Der Wechsel des Decors mit Beginn des zweiten Aktes überraschte und gefiel mir auf Anhieb. Das spartanische Bühnenbild ging eine deutlich bessere Symbiose mit den ja größtenteils bekannten Klangwelten ein. Ein mutiger Bruch des Regisseurs, der meine bisherige Sichtweise schon ein wenig verändert hat. Jetzt könnte ich mir doch vorstellen, mir auch die nächste Inszenierung von Claus Guth anzuschauen.





