15. Mai 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Barbara Wieland-Kessler über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf
Ich habe eine äußerst interessante und vielschichtige Inszenierung von Immo Karaman gesehen. Der Einstieg in diese Kammeroper gestaltete sich nicht leicht. Die Anzahl der handelnden Personen ist begrenzt und die Handlung scheint offensichtlich, umso komplizierter sind die hier dargestellten Charaktere und Ihre Beziehungen zueinander.
Das verwaiste Geschwisterpaar Miles und Flora wird von der eher einfältigen und überforderten Haushälterin Mrs. Grose und der charakterlich gegensätzlichen Gouvernante.Miles und Flora werden von zwei Geistererscheinungen in der Gestalt Ihrer ehemaligenErzieherin Mrs. Jessel und den Kammerdiener Quint heimgesucht, beide unter nie geklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Kinder können oder wollen sich Ihrem Einfluss nicht entziehen und fühlen sich der düsteren Welt der Geister zugewandt.
Gleichzeitig zieht Sie der freundliche, kämpferische Charakter der Gouvernante in Ihren Bann. Vor allem das Verhältnis von Miles und der Gouvernante entwickelt sich zunehmend rätselhaft. Lenkt Miles durch sein charmantes, liebevolles Auftreten bewusst das Verhalten der Gouvernante, oder ist es aufrichtige Zuneigung? Oder verhält es sich umgekehrt? Die Frage nach der kindlichen Unschuld stellt sich immer wieder – gibt es Sie noch? Ständig spürt der Betrachter die drohende Gefahr und eine nicht abwendbare Zuspitzung der Handlung. Der Kampf zwischen der Gouvernante und den Geistern um die Gunst der Kinder wächst stetig. Eine Katastrophe scheint unausweichlich.
Diese bedrohliche und gleichzeitig bedrückende Stimmung wird auch in der Gestaltung des hervorragenden Bühnenbildes deutlich. Die Räume wirken kühl und karg, fast gefühlskalt und proportionslos. Im Mittelpunkt, immer wieder neu im Raum platziert, steht eine Treppe, die den Übergang von realer zu Geisterwelt suggeriert. Durch Sie entstehen düstere Nischen – die Gefahr wird fühlbar. Die räumliche Staffelung des Bühnenbildes von Hell nach Dunkel verstärkt den Eindruck des Dramatischen, Ungeschützten.
Das Orchester nimmt diese Stimmung in überzeugender Weise auf. Auch die Leistung der beiden Kinderdarsteller ist unglaublich. Ihre Stimmqualität und Ihre schauspielerische Darbietung ist sehr beeindruckend.
Die Herausforderung dieser Kammeroper besteht darin, die vielfältigen Handlungsebenen wahrzunehmen und sich auf die Abgründe menschlicher Beziehungen und Charaktere einzulassen. Auch einige Tage nach der Aufführung “arbeitet” diese Oper noch in mir und es entstehen immer neue Bilder und Zusammenhänge.













