Margarete Gänzler über “The Turn of the Screw” am 4. Mai im Opernhaus Düsseldorf

Welch eine gruselige Stimmung im Opernhaus!
Die Handlung war toll umgesetzt und die anfängliche vermeintlich heile Welt kippt ganz schnell in Verzweiflung und Verwirrung. Das aufwendig verschachtelte Bühnenbild unterstrich die dramatische Stimmung, man sah den Raum und die Treppe in verschiedenen Position – das Ende der Treppe war nicht zu sehen, plötzlich war ein Spalt zwischen zwei Wänden und die teilweise Tiefe der Bühne verstärkte die Unwirklichkeit.
Die klare und beherzte Gouvernante wurde im Laufe des Stücks immer verzweifelter und ängstlicher und man konnte mit ihr fühlen, dass es immer schwieriger wurde die reale Welt und die Geisterwelt auseinander zu halten.
Die beiden Kinder haben mir sehr gut gefallen – welch eine Leistung! Zu Beginn hatte man den Eindruck, Miles und Flora seien ganz normale Kinder, auch ein Schulverweis kann ja mal vorkommen. Auch hier wurde immer diffuser, auf welcher Seite die Kinder stehen. Man spürte den Einfluss der beiden verstorbenen Hausangestellten, die die Kinder wohl sehr in ihren Bann nahmen.
Die Leistung des Kammerorchesters hat mir sehr gut gefallen – 14 Musiker – meine Hochachtung. Ich empfand die Abstimmung zwischen Musik und Stimmen sehr gut.
Für mich war es ein schöner Abend mit einer ganz besonderen Stimmung.

 

Katharina Micha über “b.11″ am 17. März 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Was man nicht alles mit 15 Hockern darstellen kann! Welche Räume, Szenerien und Bilderwelten! In der Aufführung des Balletts „Fearful Symmetries“ waren mir die zwölf Szenen fast zu wenig, so unvergleichlich waren das Tempo, der Ideenreichtum, die Einheit aus Musik und Bewegung, die Höchstleistung des Ensembles und so überraschend war das Spiel mit der getrübten Wahrnehmung der Zuschauer. Denn ein Vorhang, der nur durch Lichteffekte zum Verblassen des Bühnenraums führte, funktionierte wie ein filmischer Cut. In Sekundenschnelle veränderte sich hinter diesem Vorhang die räumliche Anordnung der Hocker sowie der TänzerInnen, sodass mal das Bild eines Schwimmbads, das einer Konferenz oder das einer griechischen Säulenhalle entstand. Da mich der Musikstil der Minimalmusic bisher nicht begeistert hatte, war ich vollständig überrascht von der Leichtigkeit, dem Klangteppich und der Geschwindigkeit der Komposition von John Adams.

Räume und Bilderwelten sind für mich das beherrschende Thema des gesamten Abends, denn auch die beiden anderen Choreographien beeindruckten durch ihre Bildgewalt, obwohl der Einsatz von Bühnenrequisiten und Musik minimalistisch war. So wird aus einem rechteckig angeordneten Kettenvorhang erst ein bedrückender Hinterhof, dann ein Klangfragment und später ein wie ein „Schrotthaufen“ anmutender Berg. Auch in Martin Schläpfers „Violakonzert“ sind es die symmetrischen Räume, die den Rahmen für die Tänzer bilden: eine in Rechtecke unterteilte Spiegelwand, ein im Kreis rotierender, von der Decke herabhängender Zeiger und ein sich diagonal über die Bühne bewegender Schatten eines Kran-Arms.

Dieser Ballettabend hat mich vor allem dadurch absolut begeistert, dass die Düsseldorfer Compagnie in der Lage ist, drei so verschiedene Choreographien wie die am Anfang des Textes beschriebene von Nils Christe, die Uraufführung „Backyard“ von Uri Ivgi und Johan Greben und eine Aufführung des „Violakonzerts“ von Martin Schläpfer  auf höchstem Niveau zu meistern. Die Bandbreite der Tanzstile und die technische Versiertheit des Ensembles sind so unglaublich, dass ich mich bei jedem neuen Ballettabend wundere, ob man das in der nächsten Aufführung noch überbieten kann? Es hat sich wieder gezeigt – das Düsseldorfer Ensemble kann!

Manuela Hirsch über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Wow! Carmen hat nicht nur die Männer um den Finger gewickelt, sondern auch mich. Spätestens nach dem 2.Bühnenbild, das deutlich wärmer und farbenfroher war als das Erste, wurde ich in ihren Bann gezogen. Die wunderbare Liebeserklärung von José an Carmen, die zugleich ein Feuerwerk an Gesangskunst war, verpasste sicherlich nicht nur mir eine Gänsehaut. Carmen überzeugte nach anfänglicher Tristesse durch Feuer und mit starker Stimme. Der Tanz der Zigeuner war mitreißend und der Torero Escamillo wundervoll.  Ab dem Zeitpunkt erwischte ich meinen rechten Fuß beim Mitwippen zum Takt der Musik.
Mein absolutes Highlight allerdings war und bleibt der Chor. Sowohl die Frauen als auch die Männer waren großartig. Der Kinderchor gefiel mir nicht nur optisch sehr gut, ich hatte auch vollen Respekt vor die Stimmen der Kinder. Ich kann nur jedem angehenden Opernbesucher wünschen, dass er die vielen bereits bekannten Melodien, die „Carmen“ bietet, künftig nicht mit Werbespots in Verbindung bringt, sondern mit der Oper selbst.
Last but not least: das Orchester! Der Klang, der das Opernhaus erfüllte, war unbeschreiblich toll und zauberte auch hier einen hundertprozentigen Gänsehautfaktor. Der Umbau des Orchestergrabens hat sich nicht nur akustisch gelohnt, sondern auch visuell. Man sieht die Musiker viel besser und erlebt live deren Leidenschaft mit, die einen ebenfalls mit in den Bann zieht.
Ich fand die Inszenierung äußerst gelungen. Gerade der Schluss war bildlich sehr beeindruckend – aber dazu möchte ich hier nicht zu viel verraten.
„Carmen“ ist vielseitig, mit tollen Akteuren und meiner Meinung nach eine sichere Wahl, um einen tollen Abend in der Oper zu verbringen.

Katharina Micha über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Rund um den Kulturbetrieb ergibt sich immer wieder die Diskussion, dass die Oper das ernsthafte (und elitäre) Fach abdeckt und Operetten das unterhaltende. Für mich versinnbildlicht die Oper „Carmen“ die Tatsache, dass diese Kunstform Oper beides beinhalten kann: denn wer kennt einerseits nicht mindestens eine Handvoll der sehr bekannten (unterhaltsamen) Melodien und wen berührt andererseits nicht die tragische (ernsthafte) Handlung?
Die Inszenierung von Biszets „Carmen“ an der Deutschen Oper am Rhein stellte nicht, wie sonst oft üblich, Carmens Weiblichkeit und ihre fatale Wirkung auf die Männer in ihrer Umgebung in den Mittelpunkt, sondern ihren Freiheitsdrang, der sich natürlich auch auf die Wahl ihrer Partner bezieht. Sie ist eine starke Frau, die sich niemandem unterordnet: „Es weichet Carmen keinem Gebot! Frei will ich sein, frei selbst noch im Tod.“ (4.Akt). Der Perspektivwechsel weg von der Femme fatale hin zu einer freiheitsliebenden und alles andere als devoten Frau hat mir persönlich sehr gut gefallen. Diese starke Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung wurde wunderbar überzeugend verkörpert von Morenike Fadayomi. Sie kämpft für ihre Liebe solange, wie sie darin bestätigt wird, dass es sich zu kämpfen lohnt.
Glücklicherweise inszeniert Carlos Wagner die Handlung nicht in der Gegenwart, sondern schafft düstere Bilder eines von Soldaten und Repressalien geprägten Alltags, dem sich die Zigeuner erfolgreich zu widersetzen wissen. Die künstlerische Anlehnung an Gemälde des Künstlers Goya ist eine grandiose Idee (ein Dank auch an die Gestalter des Programmhefts), die leider an manchen Stellen gestört wird von überflüssigen Details, wie beispielsweise die Fotografen beim Auftritt von Escamillo. Auch die Darstellung  Carmens  Ermordung mittels eines abgetrennten Stierkopfes hat mir nicht gefallen. Warum nicht einfach traditionell bleiben bis zum Ende? Es wirkt ein wenig so, als hätte der Regisseur Angst gehabt vor einer zu klassischen Inszenierung, um mögliche Kritiker mit lustigen Einfällen ruhig halten wollen. Vor allem Carmens Tod wurde dadurch ins Lächerliche gezogen, dabei ist es wirklich tragisch zu sehen, wie die beiden Liebenden nicht mehr zueinander finden können. Auch Don José wirkt so, als sei ihm nur ein Missgeschick mit dem Stierkopf unterlaufen, dabei hat auch er für seine Liebe zu Carmen alle seine Prinzipien, seinen Beruf und sein Leben aufs Spiel gesetzt.
Das Ende trübte zunächst mein erstes Urteil. Aber inzwischen erinnere ich vor allem an ein gelungenes Bühnenbild, mitreißende musikalische Darbietung  – die zu Beginn noch etwas zu verhalten war, sich aber enorm steigerte – großartige choreographische Einfälle und stimmlich, wie darstellerisch umwerfende DarstellerInnen.
Schon als Jugendliche, als ich diese Oper zum ersten Mal sah, wünschte ich mir ein anderes Ende für Carmen, die singt: „… das seligste Entzücken, die Freiheit lacht!“. Insbesondere diese freiheitsliebende Carmen spukt mir seit der Premiere noch sehr im Kopf und Herzen herum, genauso wie die Melodien in meinen Ohren.

Katharina Micha über “Il barbiere di Siviglia” am 2. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Selten hat man mich in der Pause einer Aufführung mit einem solchen Strahlen im Gesicht durch das Foyer wandeln sehen! Und nicht nur das, die grenzenlose Begeisterung für die phantastische Inszenierung hielt auch bis zum Ende und darüber hinaus an. Dabei hatte ich im Vorfeld etwas Sorge, dass mich die Handlung dieser Komischen Oper abschrecken könnte, da sie als Zusammenfassung gelesen doch sehr an ein Boulevardstück erinnert. Die im zweiten Akt überspitzt zum Einsatz kommende Drehtür empfand ich als lustiges Zitat genau dieses Theatergenres (selbst beim Schlussapplaus stand sie noch im Mittel-punkt!). In Komödien ist ein weiteres für mein Empfinden völlig ausgereiztes Stilmittel die Verkleidungslust, die in der Inszenierung von Claus Guth ad absurdum geführt wird, denn nicht die Menschen verkleiden sich, sondern die Insekten. Eine Travestie der Travestie und ein wunderbarer Einfall.
Ich möchte in meinem Text jetzt der Versuchung widerstehen, alle nahe liegenden Vergleiche und Metaphern über „das große Krabbeln“ der Insektenwelt zu bemühen. Mich begeisterte vor allem die große Spielfreude, die von den DarstellerInnen auf das aufgeschlossene Publikum übersprang sowie ihre mit Sicherheit anstrengenden, da der Tierwelt entlehnten Bewegungsmuster bis hin zu Balanceakten im Kostüm am Rande des Orchestergrabens. Die Aufgabe, den anspruchsvollen Gesang mit der ungewöhnlichen Mimik zu koordinieren, stelle ich mich besonders schwierig vor. Zu gerne wäre ich bei einer der Proben zugegen gewesen, um die Entwicklung der Rollen und Figuren mitzuerleben.
Nach der Pause gab es einen sehr überraschenden Bruch im Bühnenbild, was ich zunächst sehr bedauerte. Die Szenerie wirkte jetzt wie eine Versuchsanordnung bzw. wie Laborergebnisse einer Versuchsreihe zur Genetik. Fruchtfliege Figaro mutierte quasi zu Gregor Mendel, der seine Gesetzmäßigkeiten und Vererbungsregeln an intriganten Menschen testete und bestätigte. Dieser Wandel war schlüssig und löste sich nach der Gewitterszene in einem vom Sturm verwüsteten Konglomerat beider Welten auf.

Ich kann verstehen, dass manche Zuschauer keinen Zugang zu dieser Inszenierung gefunden haben, da sie etwas völlig anderes erwarteten. Ich für meinen Teil kann mir tatsächlich nur noch ganz schwer eine traditionelle Inszenierung  von „Il barbiere di Siviglia“ vorstellen, die mir einen annähernd unterhaltsamen, kurzweiligen und zauberhaften Abend bescheren könnte.

Margarete Gänzler über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

In Erinnerung habe ich immer noch das tolle Schlussbild der Bühne!
Vor dem Thema hatte ich etwas Respekt, da die griechischen Sagen nicht zu meinem Favoriten zählten. Zu Beginn war es dadurch auch nicht so einfach, mich auf die Handlung einzulassen. Absolut fasziniert hat mich die Präzision der einzelnen Elemente: Orchester, Ballett, Chor,  Solisten. Das Bühnenbild und die Kostüme überzeugten mich ebenfalls sehr  und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Für mich war es ein toller Opernabend mit einer hervorragenden Inszenierung.

Katharina Micha über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Vor einigen Jahren sah ich den Film „Der König tanzt“ von Gérard Corbiau, der die Fieberwahn-Erinnerungen des französischen Barock-Komponisten Jean-Baptiste Lully und dessen Erfahrungen am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV zum Inhalt hatte. In Anlehnung an die wunderschönen Bilder dieses Films könnte man Martin Schläpfers Inszenierung der Barockoper „Castor et Pollux“ umbenennen in „Der Gottvater tanzt“. Dem kulturell sehr umtriebigen Sonnenkönig hätte diese Inszenierung mit Sicherheit gefallen, obschon er den Komponisten Jean-Philippe Rameau nur als sehr jungen Musiker gekannt haben kann.
Dass die Vorstellung „Castor et Pollux“ an der Deutschen Oper am Rhein diese Bilder und Bezüge in mir heraufbeschwört, liegt daran, dass es dem gesamten Ensemble und dem künstlerischen Team gelungen ist, die in der Antike angesiedelte Handlung modern zu inszenieren. Die Modernität liegt aber nicht darin, die Handlung etwa in die Gegenwart zu verfrachten (wie z.B. in der Düsseldorfer Inszenierung der Rameau-Oper „Platée“ in der letzten Spielzeit), sondern im Gegenteil sind die gewaltigen Bühnenbilder und die glamourösen Kostüme, sowie Martin Schläpfers Idee, jedem Sänger und Sängerin einen tanzenden Seelenschatten an die Seite zu gesellen, das eigentlich Neue.
Dieses Feuerwerk an Inszenierungsideen führte in der Ouvertüre dazu, dass ich die Sorge hatte, ob ich diese Vielfalt an überwältigenden Sinneswahrnehmungen wohl drei Stunden lang aufnehmen könnte. Meine Befürchtungen waren überflüssig, denn es war ein Ohren-, Augen- und Seelenschmaus, der nach dem bombastischen Prolog glücklicherweise etwas Tempo rausnahm. So hatte das Publikum Gelegenheit, einzutauchen in die Mythenwelt, die die Künstlerin rosalie erschaffen hat, und die mich in ihrer Vieldimensionalität hineingezogen hat in die Tragödie rund um das Zwillingsbrüderpaar und die Liebe. Mit ganz einfachen Mitteln verwandelt rosalie die Welt der Lebenden in den von Göttern bevölkerten Olymp oder aber auch in die Unterwelt. Sie bietet uns eben keine dämonischen Hades-Kreaturen, sondern futuristisch anmutende Gestalten, die in der Hölle vor sich hin vegetieren – und das ist vielleicht das Schlimmste an der Aussicht auf Bestrafung in der Unterwelt: Öde und Langeweile. Da wachsen einem doch die menschlichen Verwirrungen wie Liebe, Wut und Trauer umso mehr ans Herzen.
Wie dankbar bin ich Martin Schläpfer für seinen Mut, sich an etwas Neues heranzuwagen und über den eigenen künstlerischen Tellerrand hinauszuschauen. Dieses Gemeinschaftswerk von Martin Schläpfer und den Sängern und Sängerinnen der Deutschen Oper am Rhein, dem Ballett am Rhein, dem Chor der Deutschen Oper, der Neuen Düsseldorfer Hofmusik, der Künstlerin rosalie, den Zuständigen für Licht und Technik, dem musikalischen Leiter und all’ den Beteiligten, die ich jetzt vergessen habe zu erwähnen, ist in meinen Augen absolut einzigartig und vielleicht ja auch preisverdächtig!? Mein Wort in Jupiters Ohr!

Katharina Micha über b.10 am 3. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Wie schon bei vorangegangenen Ballettabenden an der Deutschen Oper am Rhein mit mehreren Choreographien fällt es mir auch bei der Verfassung einer Kritik zu b.10 schwer, ein für alle drei Stücke geltendes Votum zu fällen. Auch dieser Abend war geprägt von sehr unterschiedlichen Eindrücken.
Der Einstieg mit Martin Schläpfers Choreographie „Drittes Klavierkonzert“ gefiel mir sehr gut. Das karge Bühnenbild in Azur-blauem Licht ließ Raum für die großartige Yuko Kato, die den Lebensweg einer Frau tänzerisch expressiv und sehr energiegeladen darstellte. Sie begegnet in verschiedenen Lebenslagen Weggefährten, deren Zusammentreffen unterschiedlich intensiv ausfallen. Dies wurde wunderbar unterstrichen durch die teilweise sehr dissonante Komposition von Alfred Schnittke. Da die Energie des Menschen zum Lebensende hin weniger wird, nahm auch die Dynamik zum Ende der Darbietung hin ab, was aber stimmig wirkte.
Im zweiten Stück des Abends landeten wir beim Fernseh-Testbild, das in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts offiziell eingestellt wurde und auf der Bühne mittels Beamer-technik auf die Rückwand projeziert wurde. Dieses Testbild löste sich einerseits auf in eine flimmernde Bildstörung und andererseits in Tänzer und Tänzerinnen, die in körperbetonten Kostümen in den leuchtenden Farben des Testbild-Farbbalkens in unterschiedlichsten Konstellationen auf der Bühne erschienen. Viele dieser Tänzergruppen bewegten sich überraschend verrückt über die Bühne, sodass ich mehrfach schmunzeln musste. Aber über dieses amüsierte Schmunzeln hinaus, berührte mich die Szenerie nicht, es gab keinen roten Faden – wenn überhaupt war der Faden „Albernheit“. Das lag für meinen Begriff auch an der schwer zugänglichen Klang- und Geräuschewelt, die laut Programm-heft burleske Zitate von Kinderliedern, Zirkusmusik, dem Deutschlandlied u.a. beinhaltete. Dies war für mich nicht nachvollziehbar. In meinen Augen reicht es nicht, lustige Bewegungsmomente aneinanderzureihen, um mich als Zuschauerin zu packen – das belustigt mich einigen Minuten, danach wird es beliebig. Die „Bildstörung“ löste sich dann nach gefühlt langer Zeitüberschreitung in Schwarzweißtöne auf.
Diese „verlorene“ Zeit hätte ich mir sehr für das dritte Tanzstück des Abends „Symphony of Psalms“ gewünscht, das mich vollkommen begeisterte, viel zu kurz war und mich mit dem Abend versöhnte. Die Szenerie, die sich hinter dem Vorhang bot, ließ mich in eine Art symmetrischen Gebetsraum eintauchen, der mit einer Vielzahl von Gebetsteppichen als Wandbehang bestückt war. Die warmen Töne dieser Kelims und die durch acht Betstühle klar strukturierte Räumlichkeit hatten beruhigende und spirituelle Wirkung. Diese sakrale Raumkomposition passte perfekt zur Musik von Igor Strawinsky und dem überragenden Chor der Deutschen Oper am Rhein. Auch die Choreographie von Jirí Kylián nahm das religiöse Thema auf, indem zum Beispiel die männlichen Tänzer oft mit weit geöffneten Armen sinnbildliche Kreuze bildeten. Die zu Beginn nach Geschlechtern getrennten Tanz- und Betrituale lösten sich langsam auf und es bildeten sich verschiedene Tanzformationen. Dies wirkte auf mich wie eine tänzerisch dargestellte Utopie, das vielleicht in Zukunft solche Geschlechtertrennungen in spirituellen Räumen überflüssig werden. Über diesen dritten Teil des Ballettabends würde ich Freunden dringend empfehlen, den muss man gesehen haben.

Margarete Gänzler über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Für mich war es ein toller Opernabend!
Das Bühnenbild erstaunte mich zuerst, doch beim Zusammenspiel mit der Musik und den Künstlern auf der Bühne trat es dann in den Hintergrund. Die Element der Beleuchtung, die Schatten, das Licht im Hintergrund, was noch zusätzlich Tiefe erzeugte, passte für mich sehr gut in den Ablauf der Handlung.

Ich empfand den Abend sehr kurzweilig. Faszinierend der Chor und absolut wunderbar das Orchester. Die Nr. 1 der Stimmen war für mich die von Sylvia Hamvasi als Micaëla – ihre Stimme war im absolute Einklang zu ihrer Rolle. Morenike Fadayomi als Carmen verkörpert ihre Rolle prächtig und die Liebeserklärung des Don José war eine Wucht. Die Dramaturgie zwischen diesen drei Hauptpersonen kam bei mir toll an, mit viel Spannung und Aufbau – die Themen Liebe und Freiheit waren sehr spürbar.

Für mich war es ein absolut gelungener Opernabend.