“Die lustige Witwe” von Franz Lehár

Jenny Jürgens über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im Opernhaus Düsseldorf

So lange ich denken kann, kräuselte sich bei mir alles zusammen wenn das Wort „Operette“ fiel. Die Premiere der ,Lustigen Witwe‘ hat mich eines besseren belehrt. Die Musik von Franz Lehár ist bezaubernd und ich fand es äußerst respektvoll, dass sich die Inszenierung trotz mutiger verbaler Ausflüge musikalisch absolut treu an die Komposition gehalten hat. Bereits in den ersten 10 Minuten musste ich fünf Mal laut lachen. Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Die Handschrift von Harald Schmidt war natürlich absolut zu erkennen und ich bin der Ansicht, dass der mutige Schritt, fast kabarettistische Elemente einzufügen, sehr charmant umgesetzt wurde. Die übliche deutsche Angst vor Albernheit oder Infantilität wurde einfach beiseite geschoben. Und so wurde wahr, was eigentlich auf einer Opernbühne selten zu finden ist: Man konnte von Herzen lachen!
Vielleicht war auch das ein oder andere sinnfreie Lachen dabei, aber genau DAS hat mir so gefallen. Leichtigkeit in einem traditionellen Rahmen, der nie den Künstler Lehár verletzt, sondern sich bonbonfrisch und ohne erzwungene Tiefe der Jetztzeit anpasste. Es war genau diese Überraschung, die mich begeistert hat. Ich habe etwas gesehen, was ich nicht erwartet hatte. Und genau darum geht es am Theater: Dinge eben nicht ständig zu wiederholen, sondern die Weichen neu zu stellen und auch einmal zu polarisieren. Die paar Buhrufe, die ich hörte, besonders als Harald Schmidt die Bühne betrat, haben mich ein wenig geärgert – und es tat mir Leid. Das hatte der Abend nicht verdient. Es ging ja hier nicht um die Verunglimpfung eines Stoffes. Und es handelte sich auch nicht um den unterirdischen Humor eines Mario Barth. Mir persönlich sind Buhrufe völlig fremd. Aber vielleicht gehört das in die Opernwelt und ich befinde mich im kindlichen Tal der Ahnungslosen, unfähig zu lautem Protest.
Das Bühnenbild, herrlich frisch und bunt. Die Spiegelwand öffnete und vergrößerte die Bühne und man vermisste keinen Stoff, keinen Stuhl und keine Lampe. Ganz im Gegenteil: Die Skulpturen, wie zum Beispiel der große Plastikpudel, erinnerten mich stark an Jeff Koons, die großen Sektgläser waren wie geschaffen für Dita von These und die Kostüme der Tänzerinnen sahen aus wie von Jean Paul Gaultier. Ein fröhlich kommerzieller Mix, der sich meiner Ansicht nach eben nicht in einer TV-Oberflächlichkeit verlor, sondern den Augen ein Spektakel bot. Und genau das will ich in der Oper – optisches Abenteuer und Gefühl! Beides habe ich bekommen.
Die Sänger? Grossartig, grossartig, grossartig!!! Natürlich besonders Will Hartmann und Morenike Fadayomi. Sie schaffen es, selbst bei den ganz leisen Tönen, sich mit zarter Wucht in unser Herz zu singen.

 

 

Kai vom Hoff über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im Opernhaus Düsseldorf

Insgesamt hat mir die Premiere sehr gut gefallen. Das Stück war spritzig, kurzweilig und schwungvoll; die Sängerinnen und Sänger, insbesondere Morenike Fadajomi als Hanna und Will Hartmann (Graf Danilo) waren hervorragend.
Die Musik stand für mich im Mittelpunkt, die gesangliche und schauspielerische Darbietung waren exzellent. Die Gesamtinszenierung hatte manchmal etwas von Revuetheater, das ein wenig in Kombination mit dem Bühnenbild an Darbietungen aus den 70er/80er Jahren erinnerte.
Der Versuch, die Inszenierung durch ein modernes Bühnenbild und teilweise durch Kommentare und Dialoge in die Neuzeit zu transportieren, ist aus meiner Sicht nicht geglückt. Bemerkungen über WestLB oder EU-Politik wirkten auf mich weder überzeugend noch humorvoll. Das Bühnenbild – „der Spiegelsalon“ – bot im ersten Akt eine interessante Kulisse, wurde allerdings im zweiten Akt mehr und mehr störend. Hier hätte ich mir mehr Abwechslung im Bild und damit fürs Auge gewünscht. Der Chor war nur bedingt in die Inszenierung eingebaut. Das plötzliche Eintreten durch Drehtüren und wieder Verschwinden irritierte.
Das Orchester, insbesondere die Streicher, haben Großartiges geleistet. Hier trifft das Können des Orchesters mit der Musik Lehárs wunderbar zusammen.
Fazit abschließend: Eine rundum gelungene Veranstaltung mit guter Mischung aus Gesang, Schauspiel und ein bisschen Varieté. Würde man der Operette den altbackenen Geschmack nehmen (Operette leitet sich nicht aus dem Wort Opa ab), so wäre ich fast
geneigt, hier ein Musical gesehen zu haben. Ich werde das Stück gerne weiterempfehlen, allerdings nur denen, die einen gewissen Zugang zum Thema haben und gleichermaßen an Neuem (in dem Fall neu Interpretiertem) Gefallen haben.

 

 

Romeo Bay über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im Opernhaus Düsseldorf

Nach den für Operndebütanten durchaus anspruchsvollen Premieren wie ,Peter Grimes‘ oder ,Salome‘ war das heute Abend wunderbare Unterhaltung, der man sich auch ohne das Handbuch der Operndialektik einfach nur hingeben konnte. Ich gebe zu, dass der Plan von Franz Lehár, Victor Léon, Leo Stein, Axel Kober, Christian Brey, Harald Schmidt und allen weiteren Beteiligten, mir als Zuschauer die nahezu gesamte Bandbreite an Gefühlen zu entlocken, voll aufgegangen ist. Ich habe herzhaft gelacht, wurde durch wunderbare Melodien und großartigem Gesang in einen Schwebezustand versetzt, mit schönen Bildern verwöhnt und konnte das gelegentliche Feuchtwerden meiner Augen nicht leugnen – und das mit einer Operette!
Ich hätte nicht erwartet, dass dieses Genre ein so facettenreiches Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten auf sich vereint. Was mich im Übrigen bei ,Salome‘ noch verwirrte – eine zeitgenössische Anpassung der Inszenierung – stellte sich hier überhaupt nicht zur Diskussion. Das war einfach passend, die kleinen Anspielungen auf das aktuelle Zeitgeschehen, die Selbstironie, die Gelassenheit, die diese Aufführung ausstrahlte.
Auch an diesem Premierenabend hat mich die gesangliche Leistung wieder sehr beeindruckt. Will Hartmann, der den Danilo gab, beeindruckte mich sehr durch die Leichtigkeit mit der er diese Figur darstellte. Das gilt natürlich auch für die großartige Stimme von Morenike Fadayomi, wobei sie mir, wenn ich mir das als Laie erlauben darf, schon ein klein wenig zu perfekt erschien. Ich glaube, dass bei aller Professionalität auch noch immer ein wenig Unperfektheit durchscheinen darf.
Was mich allerdings wirklich in Rage gebracht hat, sind die Buh-Rufe beim Auftritt von Christian Brey und Harald Schmidt. Nach den bisher gesehenen Aufführungen, habe ich das Gefühl, es scheint eine Art Nörgelblock in der Opernszene zu geben. Dieses notorische, alles von der Norm Abweichende kritisierende Publikum hängt mir echt, verzeihen Sie mir, zum Hals raus. Ich habe das Gefühl, hier existiert geradezu eine Lust, die Gelegenheit zu nutzen, den Machern – weil unmittelbar greifbar – die Leviten zu lesen. Der kleine Mann kann endlich mal ,wirkungsvoll‘ aufbegehren. Sicherlich muss eine Inszenierung nicht jedermanns Geschmack treffen. Dennoch steckt in einer solchen Aufführung viel Arbeit und Herzblut. Auch wenn die Schmährufe sich scheinbar trennscharf in Richtung Regie entluden, verachten sie damit gleichzeitig das gesamte Ensemble.

 

 

Sissi Sachtleben über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im Opernhaus Düsseldorf

Diese Premiere war für mich eine positive RiesenÜberraschung. Mit Abstand war dieser Abend einer der unterhaltsamsten des Jahres 2009 (gemeinsam mit der Opern-Gala am 29. August). Man kann nur jedem empfehlen, diese ,Lustige Witwe‘ nicht zu versäumen, wenn man sich einmal fallen lassen möchte, um sich verführen zu lassen von der herrlichen Musik Franz Lehárs und sich entführen zu lassen in eine schöne, heile Welt.
Das Dirigat von Axel Kober hatte fast kammermusikalischen Charakter, die schwülstige Süße mancher alter Operetten-Inszenierungen gab es hier nicht.
Endlich einmal keine „Regietheater“-Inszenierung – ohne Nackte, Soldaten oder Hakenkreuze, ohne Vergewaltigungen und ohne Körperflüssigkeiten auf der Bühne.
Zum Glück gab es kein Gerenne, in sparsamster Bewegungs- und Tanzchoreografie konnten die Sänger agieren und singen, die Tänzer herrlich tanzen. Das Bühnenbild aus beweglichen Spiegelwänden war geradezu ideal, um die Musik in den Vordergrund zu stellen. Die traumhaften Roben der weiblichen Protagonistinnen haben mich total begeistert, die Damen und Herren des Opernchors wirkten auch sehr elegant – man konnte spüren, dass sich alle wohl fühlten. Sowohl in der Szene als auch in ihren Kostümen. Auch waren die Balletteinlagen sehr gelungen und erfreuten einmal mehr die Sinne.
Wie herrlich, dass Düsseldorf auf ein Ensemble erstklassiger Sängerpersönlichkeiten zurückgreifen kann – sie erst machten den Abend perfekt. Besonders erfreut hat mich auch, dass man altgediente Ensemblemitglieder wie Nassrin Azarmi, Cornelia Berger und Lisa Griffith mit kleinen wichtigen Rollen betraute. Die Operette ist nicht tot – es lebe die Operette!

 

 

Jana Lang über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im Opernhaus Düsselodorf

Ich hatte den Eindruck, dass zu Beginn der Inszenierung eine ganze Menge Spannung und Skepsis in der Luft lag. Natürlich ist dies in gewisser Weise bei jeder Premiere der Fall, doch ich denke, dass das Mitwirken Harald Schmidts ausschlaggebend dafür war. Da ich bisher lediglich Opern gesehen habe, war ich sehr positiv überrascht, wie leicht und spielfilmartig so eine Operette dazu im Vergleich doch ist. Mal erinnerte es mich an Theater, dann ein ein Musical, Dank der Lieder natürlich auch an Oper – eine sehr gelungene Mischung!
Des weiteren fand ich den Abend sehr abwechslungsreich, farbenfroh, mitreißend, berauschend.
Ich fand die Operette kurzweilig und unterhaltsam. Besonders gefallen hat mir die Leichtigkeit, die vor allem durch die bunten Farben der Kostüme vermittelt wurde. Die Hauptdarsteller Will Hartmann und Morenike Fadayomi haben eine wahnsinnig mitreißende, positive Ausstrahlung. Auch die Rolle des Njegus fand ich sehr amüsant, weil seine Schusseligkeiten sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung zog. Es hat ein bisschen gedauert, aber als ich erst mal drin war in dieser Welt, habe ich mich sehr wohl gefühlt in der wirren Handlung und der oft kitschigen (positiv gemeint) Szenerie. Ich habe mich gern in den Farben und Formen verloren.
Die Musik fand ich durchweg mitreißend. Mir gefielen die eingängigen, teilweise bekannten Melodien und – wie jedes Mal wenn ich klassische Musik live höre – ich war ganz im Bann der Musik.
Ich werde meinen Freunden erzählen, dass sie bloß nicht den Fehler machen dürfen, eine Operette mit einer Oper gleichzusetzen. Denn eine Operette ist, so kam es mir zumindest vor, in jeglicher Hinsicht leichter. Durch die vielen gesprochenen Szenen kann man viel besser folgen und findet sich schneller in die Geschichte ein. Ich denke, dass vielen in meinem Alter dieser Unterschied gar nicht so bewusst ist.

 

 

Tobias van de Locht über “Die lustige Witwe” am 04. Dezember 2009 im OpernhausDüsseldorf

Die Premiere hat etwas unausgegoren und unfertig auf mich gewirkt. Man könnte beinahe von ,Nicht- Inszenierung‘ sprechen, dabei ist unerheblich, ob und in welchem Umfang welcher der beiden Regisseure dafür verantwortlich ist. Ich finde es merkwürdig und überflüssig, biedere Stücke wie Lehárs ,Lustige Witwe‘ von TV-Entertainern etwas plump als Rampentheater ,inszenieren‘ zu lassen. Verwundert war ich aber auch über das Publikum, das über so schale Gags lachen konnte. Wir erlebten knubbelnasige Kantinenkomik statt Komödiantentum, Spießerhumor statt intelligentem Witz.
In meinen Augen hat sich Genre völlig überholt. Das einzig Mögliche wäre, die musikalischen Nummern herauszunehmen (was urheberrechtlich leider nicht möglich ist) und eine völlig neue Geschichte daraus zu stricken, wobei man teilweise auch umtexten müsste. Die Musik ist überhaupt nicht mein Geschmack,´sie ist aber handwerklich gut gemacht, vor allem schön instrumentiert. Immerhin die Sänger, vor allem Morenike Fadayomi, waren ausgezeichnet, wie auch das Orchester unter der famosen Leitung von Axel Kober, der sich vor Kitsch und Sentimentalität zu hüten wusste.
Für das Bühnenbild fand ich die Idee der ,Spiegel- Drehelemente‘ anfänglich nicht schlecht, aber beliebig, sich schnell abnutzend. Die Kostüme waren wirklich doof, besonders die Krawatten über dem nackten Oberkörper.

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