Ballett am Rhein – b. 08

Marianne Lürzel über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

b.08 beginnt mit der Choreographie ‚Streichquartett‘ von Martin Schläpfer. ‚Schräge Töne‘ verbinden sich ganz selbstverständlich mit ausdrucksvoller tänzerischer Bewegung und nehmen mich gefangen. Die graublaue leere Bühne, auch die Wäsche-ähnlichen Trikots erinnern an b.05.

Die beiden folgenden Stücke „Two“ und „Solo“ von Hans van Manen wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein Fest für Auge und Ohr, mit eingängiger Musik und Tänzern, die in unglaublicher Schwerelosigkeit und Schnelligkeit über die Bühne fegen. Einfach klasse!
‚Unleashing the Wolf ‘, eine Uraufführung von Martin Schläpfer, konnte mich nicht so begeistern beziehungsweise fesseln. Der zündende Funke fehlte und das Stück hatte Längen. Das Bühnenbild war sehr wirkungsvoll, die Musik spannend, die Tänzer grandios und doch ……
Hervorheben muss ich noch einmal die Leistung dieser Weltklasse-Compagnie, die hoffentlich noch oft in Duisburg zu erleben sein wird.

 

 

 

 

 

Dr. Katja Pivit über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

Großes Kino – Eine Folge von vier Aufführungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
‚Streichquartett‘ von Witold Lutosławski, das ein Feld von Klängen in einer scheinbar willkürlichen Abfolge, präsent aber nicht dominant, eröffnet. Die puristische Musik spiegelt sich in dem ebenso minimalistischen Bühnenbild wider und beide gemeinsam kreieren einen gelungenen und klaren Rahmen für die Choreographie von Martin Schläpfer, die man auf diese Weise ohne jegliche Ablenkung genießen kann. Hier zeigt sich die Vielfalt, die Kreativität und vor allem die Perfektion, die die Balletttänzer auf bewundernswerte Weise in sich tragen. Der Tanz steht hier deutlich im Mittelpunkt.
Ganz anders stellen sich die beiden folgenden Stücke des Abends zur Musik von Busoni und Bach dar. Das Wiegenlied von Busoni in kleiner Streichbesetzung war der musikalische Rahmen für einen Paartanz von Hans van Manen. Eine sehr gefühlvolle Aufführung, in der sich Mann und Frau begegnen. Sie respektieren ihre Freiräume, wählen Nähe und Distanz in anscheinend gegenseitiger Abstimmung. Ebenso weich und wortlos trennten sie sich am Ende. Ein wunderbares Ineinandergreifen von Musik und Tanz, das uns wortlos auf die Schönheit von Achtung und Achtsamkeit hinweist. In ‚Solo‘ erschien immer nur ein Tänzer, in Wahrheit sind es aber drei sehr ähnlich aussehende Künstler, die nacheinander auftreten. Eine Aufführung mit Charme und Witz, in der der Zuschauer offensichtlich und auf spielerische Weise getäuscht wird.
Im dritten Teil wird eine Choreographie von Martin Schläpfer und Regina van Berkel zu einem ‚Ein- Mann-Orchester‘ auf der Bühne, aufgeführt: ‚Unleashing The Wolf ‘. Ein sehr reichhaltiges Bühnenbild mit blutrotem Bodenbelag, Neonlichtern, Fragmenten von Baumstämmen und Tierfelle. Die ‚Höhle des Wolfes‘? Am Anfang erscheinen Tänzerinnen im braunen Tutu, aus dem sie anscheinend herausgewachsen sind. Später erscheinen sie in Kostümen die eher an eine Korsage erinnern. Es folgen Tänze in höchst anspruchsvollen Techniken, in dichter Abfolge und intensivem Miteinander. Trommelschläge, Klavierspiel, elektronische Töne und eine Art rudimentärer Gesang scheinen den Tanz zu lenken, in eine Richtung von klarer, wenn auch sehr stilvoll interpretierter Triebhaftigkeit und Ursprünglichkeit. Hier geht es um den Aufbruch, nicht um die individuelle Richtung oder Lösung für den Umgang mit ungenutzten Energien. Eine schöne Botschaft. Gewagt aber gekonnt.
Dosierte Provokation, eine der vielen Tugenden der Kunst.

 

 

 

Uschi Dommen über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

Ein ungewöhnlicher Abend – unsere Tänzerinnen und Tänzer von großer Ausstrahlung mit ganz viel Charisma wie immer auf höchstem Niveau grandios überzeugend. Sie könnten genauso gut in New York oder London auftreten. Dies gilt für alle vier Stücke
dieses Abends.
Die Musik von Lutosławski schwierig. Für meine Ohren gewöhnungsbedürftig, provozierend. Von der tänzerischen Leistung überzeugt und begeistert, hinterlässt mich das Stück nachdenklich ambivalent.
‚Two‘ – Der Tanz spannungsgeladen, eine komplexe Gefühlswelt aufzeugend, nachdenklich, besinnlich, manchmal konfus, trotzdem harmonisch. Musik und Tanz erzählen eine traurige Geschichte. Hörbar, sichtbar, verständlich. Großartige Leistung. ‚Solo‘ – drei Männer tanzend – schnell, voller Energie, kraftvoll, charismatisch, raumfüllend, unglaublich, umwerfend, virtuos, dicht, fulminant. Das hat mich mitgerissen und total begeistert. Verdient: viele Vorhänge.
‚Unleashing the Wolf ‘ – Ein Stück voller Symbolkraft. Verständlich? Unverständlich? Merkwürdig? Das Bühnenbild silberstahlfarben – rot, ein toller Kontrast. Paul Pavey, der Komponist und Musiker, mit seinen Instrumenten auf einer Hochbühne in die Bildkomposition integriert, über dem Geschehen thronend.
Hochdramatische, mächtige, gewaltige Musik wechselt mit ganz kurzen, stummen Sequenzen. Die Tänzerinnen und Tänzer überragend mit ausgefallenen Figurvariationen. Paul Pavey einzigartig bis auf wenige Ausnahmesekunden, in denen er sich, aus meiner Sicht, das Ballett verdrängend, zu sehr in den Vordergrund spielt.
Wenn sich mir die große, alles begleitende Symbolik auch nicht erschloss, war es dennoch ‚großes Theater‘. Frenetischer Applaus zum Schluss.
Ich verlasse das Theater aufgewühlt, unentspannt. Ein Abend mit Nachhall, zum Nachsinnen anregend, in die neue Woche wirkend.
Erstaunlicherweise mein Resümee: Es war ein unglaublicher Abend, etwas sehr Besonderes. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

 

 

 

Uschi Dommen über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

Ein ungewöhnlicher Abend – unsere Tänzerinnen und Tänzer von großer Ausstrahlung mit ganz viel Charisma wie immer auf höchstem Niveau grandios überzeugend. Sie könnten genauso gut in New York oder London auftreten. Dies gilt für alle vier Stücke
dieses Abends.

Die Musik von Lutosławski schwierig. Für meine Ohren gewöhnungsbedürftig, provozierend. Von der tänzerischen Leistung überzeugt und begeistert, hinterlässt mich das Stück nachdenklich ambivalent.
‚Two‘ – Der Tanz spannungsgeladen, eine komplexe Gefühlswelt aufzeugend, nachdenklich, besinnlich, manchmal konfus, trotzdem harmonisch. Musik und Tanz erzählen eine traurige Geschichte. Hörbar, sichtbar, verständlich. Großartige Leistung.
‚Solo‘ – drei Männer tanzend – schnell, voller Energie, kraftvoll, charismatisch, raumfüllend, unglaublich,
umwerfend, virtuos, dicht, fulminant. Das hat mich mitgerissen und total begeistert. Verdient: viele Vorhänge.
‚Unleashing the Wolf ‘ – Ein Stück voller Symbolkraft. Verständlich? Unverständlich? Merkwürdig?
Das Bühnenbild silberstahlfarben – rot, ein toller Kontrast. Paul Pavey, der Komponist und Musiker, mit seinen Instrumenten auf einer Hochbühne in die Bildkomposition integriert, über dem Geschehen thronend. Hochdramatische, mächtige, gewaltige Musik wechselt mit ganz kurzen, stummen Sequenzen. Die Tänzerinnen und Tänzer überragend mit ausgefallenen Figurvariationen. Paul Pavey einzigartig bis auf wenige Ausnahmesekunden, in denen er sich, aus meiner Sicht, das Ballett verdrängend, zu sehr in den Vordergrund spielt.
Wenn sich mir die große, alles begleitende Symbolik auch nicht erschloss, war es dennoch ‚großes Theater‘. Frenetischer Applaus zum Schluss.
Ich verlasse das Theater aufgewühlt, unentspannt.
Ein Abend mit Nachhall, zum Nachsinnen anregend, in die neue Woche wirkend.
Erstaunlicherweise mein Resümee: Es war ein unglaublicher Abend, etwas sehr Besonderes. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

 

 

 

Gil Shacher über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

Am Ballettabend von b.08 wurden wieder anspruchsvolle Stücke aufgeführt, die auf sehr hohem technischen Niveau von den Tänzern umgesetzt wurden. Vier Stücke waren zu sehen, zwei von Martin Schläpfer, die den äußeren Rahmen bildeten und zwei von Hans van Manen.
Allen Stücken war gemeinsam, dass sie eine interessante Beziehung zur Musik bildeten, wobei an manchen Stellen die Choreographie sich so stark an die Musik anlehnte, dass der Tanz zu einer Illustration wurde.
Das erste Stück ‚Streichquartett‘ mit der eindringlichen Musik von Witold Lutosławski war ein klassisches Beispiel für die künstlerische Sprache Schläpfers mit vielen schönen Kombinationen von tänzerischen Momenten, wobei der Fokus ständig wechselte. Immer stand eine Situation im Vordergrund, während sich an anderen Stellen der Bühne bereits das nächste Geschehen bildete. So entstand eine komplexe Simultanität, die nicht nur die Sinne reizte, sondern auch den Intellekt.
Die zwei kurzen Stücke von Hans van Manen sprachen eine einfachere, harmonischere und gelegentlich humorvollere Sprache, die eine leichtere Kost darboten, ohne dabei das hohe Niveau zu verlassen. Das zweite Stück von van Manen ‚Solo‘ war der unterhaltsamste Höhepunkt des Abends und wurde dementsprechend vom Publikum mit viel Beifall bedacht.
Der Kontrast zu dem letzten großen Stück Schläpfers ‚Unleashing the Wolf ‘ war sehr groß.
Hier versuchte sich der Choreograph von der klassischen Ballettsprache zu befreien, mit Hilfe der Livemusik von Paul Pavey, einem aufwändigen Bühnenbild, verschiedenen Requisiten, Schminke, komplexen Lichteffekten, Kostümen und einer Choreographie, die am Rand des Tanztheaters changierte. Leider scheiterte der Versuch den Wolf raus zu lassen an banalen Bildern und zu theatralischen, pathetischen Gesten. Die Tänzer sind offensichtlich nicht gleichzusetzen mit den Akteuren im Tanztheater; auch die Choreographie blieb stecken im klassischen Ausdrucksrepertoire. Die Versuche, diese klassische Sprache
zu überwinden, blieben oberflächlich und wirkten sehr angestrengt. Man respektierte die Mühe und den Ausdruckswillen, allerdings ohne dass es einen tiefer berührt hätte.

 

 

 

Kitty Görner über b.08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

Das Ballett b.08 bestand aus vier Einzelstücken von sehr unterschiedlicher Art und Wirkung auf mich.
‚Streichquartett‘ von Martin Schläpfer zeigte sehr viele Tänzer, die sich – häufig in wunderbarer Symmetrie – bewegten, teils sogar an Formationstanz oder Menuett erinnernd. Durch die mattblauen beinlosen Anzüge, die an geschlechtsneutrale Leibchen oder altmodische Unterwäsche erinnerten, wirkte die ganze Bühne wie entfärbt. Der Bühnenhintergrund wurde in unterschiedliche Höhen gezogen und Tänzer, die neu auftraten, warteten dort im Halbdunkel und wirkten dadurch wie eine eigene Schattenwelt. Obwohl die Musik von Lutosławski eher atonal oder unharmonisch war, konnte ich mich an der visuellen Schönheit erfreuen.
‚Two‘ zeigte einen Pas de deux, einen Paartanz, perfekt ausgeführt und sehr angenehm anzusehen mit wohltuender Musik von Busoni.
‚Solo‘ (ebenso wie ‚Two‘ choreographiert von Hans van Manen) wurde im Wechsel von drei jungen Männern getanzt zu einem Geigensolo von Bach. Diese drei Tänzer zeigten eine solche Spiel- und Tanzfreude, dass ich wirklich zwischendurch dachte, sie schweben.
Die treibende Musik, die schnellen Bewegungen, das Lächeln und Lachen, die reine Freude auf den Gesichtern der Tänzer fügte sich zu einer traumhaft schönen Einheit zusammen. Sie tanzten, als ob sie versuchten, die Welt zu umarmen. Großartig.
Die Uraufführung ‚Unleashing the Wolf ‘ von Martin Schläpfer war leider wieder (wie bei b.05) nicht meine Sprache. Paul Pavey, der auf der Bühne sichtbar die Musik machte, diesmal exponiert auf einer Extra- Bühne, war interessant zu sehen, doch konnte ich lediglich den treibenden Paukenrhythmen Genuss abgewinnen.
Die Sprache der Tänzer auf der Bühne, die Symbolik der Bewegungen, Positionen und Accessoires blieb mir leider völlig verschlossen.
Dass die Leistung dieser Compagnie Weltklasse ist, ist natürlich immer wieder mehr als eine Erwähnung wert.

 

 

 

Eckart Pressler über b. 08 am 28. Mai 2011 im Theater Duisburg

b.05 hatte mich mit viel Bewunderung zurückgelassen, jedoch auch mit mindestens ebenso viel Zwiespalt und Fragezeichen. b.08 hat diesen Gefühlsmix noch potenziert. Ich verließ die Vorstellung mit dem Gefühl, durch ‚Unleashing the Wolf ‘ ein Brett vor den Kopf genagelt bekommen zu haben. Das besserte sich nicht durch das intensive Studium des Programmhefts und auch nicht durch wiederholtes Nachdenken und -horchen im Verlauf der folgenden Woche. Die Sprache dieser Darbietung kann ich nicht entschlüsseln, lieber Herr Schläpfer, es kommt bei mir nichts an. Ich sehe und empfinde dieses Tanzen als Bewegungen ‚unter Verschluss‘ und bleibe ratlos mit meiner Vermutung, dass das nicht Ihre Botschaft sein soll. Gibt es denn eine? Ist es denn falsch eine zu erwarten? Schönheit, ihre Variationen bis hin zu ihrem Gegenteil stoßen immer Emotionen an – was ist, wenn dies ausbleibt. Oder wenn der erwähnte Zwiespalt sich in Ignoranz auflöst.
Dass das nicht sein muss, erfuhr ich mit den ersten drei Tänzen des Abends. Ich bewunderte die reduzierte Bühne und Kostümierung, die in ‚Streichquartett‘ den tänzerischen Ausdrucksreichtum und die im doppelten Sinne scharfe Komposition von Lustosławski noch unterstreichen. Das war schon ein unterhaltsamer visueller Genuss, der Eleganz, Disziplin und Perfektion zusammenbringt. Eine Steigerung boten die beiden Choreographien ‚Two‘ und ‚Solo‘ von Hans van Manen. In ‚Solo‘ hatte man seine helle Freude an dem teils mit feinen Ironien versetzten Wettbewerb der drei Solisten. Und ‚Two‘ ließ überzeugend die Innigkeit und ihr Vergehen in der Beziehung zweier Individuen
strahlen. Das erwärmt.
Die kalte Dusche durch den losgelassenen Wolf hat für mich dem Abend den Glanz genommen. Das war für mich enttäuschend, zumal er uns obendrein auch noch die eigentlich angekündigte Bestie schuldig geblieben ist.

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