“Die Frau ohne Schatten” von Richard Strauss

Barbara Schulte über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Die Frau ohne Schatten‘ war für mich die erste ‚richtige‘ Oper. Trotzdem habe ich versucht unvoreingenommen an die Sache heranzugehen, was mir jedoch nicht ganz leicht fiel, nachdem ich gelesen hatte, dass die Inszenierung über drei Stunden dauert. Ganz frei von Vorurteilen gegen die Oper war ich ehrlicherweise nicht: die Oper ist was für Rentner, der Gesang ist mehr schrill als schön, die Inhalte sind von Vorgestern und alles ist voller Pomp – aufgeblasen, spießig und konservativ.
Nachdem ich jetzt aber meinen ersten Opernabend hinter mich gebracht habe, muss ich mit einigen dieser Vorurteile aufräumen. Zugegeben, etwa 80% des Publikums hatte weißes, graues oder kein Haar. Aber ich habe festgestellt: Das heißt nicht, dass die Oper nur was für alte Leute ist, sondern dass mein Vorurteil scheinbar auch in den meisten anderen jüngeren Leuten sitzt. Schade eigentlich. Die Inhalte sind, obwohl das Stück Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist, noch immer topaktuell: Kinderlosigkeit, Armutsgrenzen, soziale Ungleichheiten, das Streben nach Reichtum und dann natürlich der Dauerbrenner – die Liebe. Also alles andere als verstaubt und abgehoben.
An den Gesang muss man sich vielleicht erst einmal gewöhnen – eindrucksvoll ist er jedoch allemal. Was mir aber vor allem fremd war, ist die Geduld, die man als Operngänger mitbringen muss. Um eine Handlung zu schildern, die gerademal eine DIN A4 Seite füllt, braucht ‚Die Frau ohne Schatten‘ über drei Stunden. Es werden Sätze mehrmals in variierter Syntax wiederholt, Vokale werden über gefühlte zehn Takte hin gehalten und Emotionen werden mit überschwänglichen Gesten und Ausrufen bekundet. In Kombination mit den Texten von Hugo von Hofmannsthal, die ja nicht gerade unserer Alltagssprache entsprechen, führt das zu absurden, beinahe lustigen und für mich völlig fremden Ausdrucksweisen. Aber mir ist klar geworden, dass diese Stunden wirklich
notwendig sind, damit der Zuschauer gleichzeitig auch Zuhörer, Zufühler und Zudenker sein kann. Nach der Aufführung habe ich mich so voll gefühlt, dass ich es erstmal als unheimlich schwierig empfand, meine Eindrücke zu ordnen und zu beschreiben. Mir zeigt das, dass Schauspiel, Gesang und Musik eine perfekte Einheit gebildet haben.
Ich bin froh, dass ich mich auf das Projekt und auf die Oper eingelassen habe. Es hat sich schon jetzt gelohnt. Ob ich nun Opernliebhaberin werde, kann ich noch nicht beurteilen. Aber ich kann schon jetzt weitaus unvoreingenommener in die nächste Vorstellung gehen.

 

 

 

Christiane Alt über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Etwas abgehetzt, aufgehübscht und doch mit leichten Schatten unter den Augen kam ich kurz nach 18.00 Uhr zum Stadttheater um meine Premierenkarten am Pressestand abzuholen. Ich hatte schon einen turbulenten Tag hinter mir, mit Färben, Schneiden, Föhnen in meinem Friseursalon und dann noch Elternsprechtag in der Schule meiner Tochter. Nun gut, ‚Die Frau ohne Schatten‘ sollte meine erste Oper werden, ich war gespannt, neugierig, ein wenig aufgeregt, fast beunruhigt, weil man mich vorgewarnt hatte, das Stück sei nichts für Einsteiger, zu schwer und zu lang. Trotz erster Strauss-Oper und Feierabendmüdigkeit hat mir meine erste Oper gut gefallen und mich berührt. Das Bühnenbild hat mich beeindruckt, ich hatte eher vermutet, dass es in der Oper klassisch und konservativ zugeht. Das Bühnenbild war alles andere als das. Eine Drehbühne, auf der einen Seite schwarzweiß mit dem roten Farbklecks der Amme, auf der Rückseite die farbenprächtige Färberstube, bildete einen schönen Kontrast. Das Wechselspiel war spannend. Ich bin von Beruf wegen ein visueller Mensch und fühle mich von tollen Bühnenbildern, Farben und Kostümen sehr angesprochen. Der Gesang war für mich gewöhnungsbedürftig und fremd, die Übertitel sehr hilfreich, aber es war auch anstrengend die Ereignisse auf der Bühne zu verfolgen und gleichzeitig mitzulesen. Die Stimme des Färbers hat mir am Besten gefallen und die Leistung der Sänger und Sängerinnen, über drei Stunden präsent zu sein, hat mich beeindruckt. Klassische Musik ist mir nicht so vertraut, umso schöner war es für mich, zu spüren, hier berührt mich was. 85 Musiker live zu hören war imposant, am meisten mochte ich, wenn es richtig laut wurde (Gänsehaut). Die Themen des Stückes sind zwar schon über 100 Jahre alt, aber haben meiner Meinung nach nicht an Aktualität verloren. Die großen Fragen des Lebens, was ist gut und böse, wie und mit wem will ich leben, was ist Liebe, Kinder ja oder nein, beschäftigen uns alle doch immer wieder. Vielen Dank für den schönen Abend, es war meine erste Oper, aber gewiss nicht meine letzte.

 

 

 

Eckart Pressler über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2011 imTheater Duisburg

Die hervorragende Einführung in die Oper und Entstehungshintergründe durch Chefdramaturgin Dr. Hella Bartnig machte echt gespannt auf dieses Kunsterlebnis der besonderen Art. Ich empfand dies als ein Eintauchen in eine vor 100 Jahren vergangene Welt und die Dramatik ihres Untergangs. Was das Duo von Hofmannsthal / Strauss da in Märchenform gestaltet hat, nahm durchgehend Bezug auf die Dekadenz des Kaiserreichs Anfang des 20. Jahrhunderts und den Verfall seiner Akzeptanz in der Gesellschaft. Der Hurra- Patriotismus bei Kriegsbeginn 1914 hat nicht lange vorgehalten. Der Kaiser droht zu versteinern, die Kaiserin muss in ihr Geisterreich zurückkehren, wenn sie nicht innerhalb von 3 Tagen einen Schatten, sprich die Qualität und Identität der Menschen gewinnen kann. Ihre mephistophelische Amme rät ihr, einen zu kaufen. Klar, dass das scheitern muss, weil Menschsein nicht gekauft werden kann! Glücklichsein allerdings ebenso wenig, wie die Frau des hart für die Existenzsicherung schuftenden Färbers Barak erfahren wird. Dramatisch ist, dass sich beide Seiten in ihrer Welt(-sicht) letztlich nicht emanzipieren können. Ein spannender Plot, auch sehr anschaulich im Bühnenbild mit der Ober- und Unterseite der Gesellschaft genial einfach und logisch dargestellt. Dank der Übertitel ließ sich der Handlungstext gut verfolgen, manchmal allerdings riss mein Verständnis für die Probleme der Märchenakteure einfach ab. Warum so kompliziert, warum so schwülstig? Hätte die Regie da nicht etwas richten können?

Die musikalische Komposition reißt richtig mit, auch für romantische Sehnsucht der Helden und auch des Publikums ist immer gesorgt. Die Sängerinnen und Sänger leisten in meinen Augen Phänomenales. Das Orchester strahlt durch die ganze Gefühlsskala, hat auch richtig fette Sounds zu bieten. Aber auch musikalisch sehe ich persönlich es so: Diese Oper hat den Durchbruch zur Moderne noch nicht geschafft und steckt eigentlich noch tief im 19. Jahrhundert. Und das liegt verdammt lang zurück. Danke trotzdem für das Erlebnis.

 

 

 

Uschi Dommen über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Ist Oper heute noch modern? Was muss man wissen, um Oper verstehen zu können? Wann macht sie Vergnügen, wann betört sie? Um von der Oper gepackt zu werden, muss man nicht wie Elke Heidenreich durch die ganze Welt reisen, sondern kann sich in Duisburg von einer Aufführung im intimen, familiären, somit angenehmen Rahmen begeistern und unvoreingenommen – naiv wie ein Kind – einfangen lassen.
Der Einstieg für einen Scout ist besonders leicht. Zunächst wird man bereits in der Eingangshalle auf das Freundlichste begrüßt und mit allem Wichtigen, dem Programm usw., versorgt. Glücklich, wer die Einführung von Frau Dr. Hella Bartnig erleben darf, informativ, Neugierde weckend. Ansteckend ihre eher stille, feinsinnige Begeisterung, die hohe Erwartungen aufkommen lässt. Man hätte ihr liebend gerne länger zugehört, da ihre freundliche Gelassenheit, ihre menschliche Zuwendung und ihre profunden Kenntnisse eine ansteckende Begeisterung auslöst. Dann die Oper mit viel geheimnisvoller Symbolik, vielleicht der Suche nach sich selbst, das Streben nach Liebe, Glück und Zufriedenheit. Die Abwägung zwischen weltlichen Gütern, allem was sich mit Geld kaufen lässt, und dem großen Glück in Partnerschaft und Muttersein, allem eben, was der Mensch sich wünscht. Vom Egoismus zur Menschlichkeit, ein hochaktuelles Thema.
Die Oper „Die Frau ohne Schatten“ ist unglaublich modern, angefangen beim genial minimalistischen Bühnenbild: Einerseits eine riesengroße, ins Nirwana führende Treppe, ein Bett, ein Baum, der Falke in genialer Maske – scheinbar einfach in schwarz-weiß, ein bisschen rot – mit einer in Größe und Ausmaß unglaublichen Wirkung. Andererseits eine farbexplodierende Kuschelecke in magenta, lila, rot in allen Facetten als Wohnung der Färber, die sich klein, ärmlich und dennoch heimelig unter der großen Treppe versteckt. Wunderbar, ein toller Kontrast, darauf muss man erst einmal kommen. Hut ab!
Unsere Duisburger Philharmoniker, ein Orchester von Weltrang, haben unter dem Dirigenten, Axel Kober, eine unglaubliche Leistung vollbracht. Ruhige Passagen, mal ganz fein und leise, die Stimmen unterstützend begleitend, wechseln mit wilden, tosenden, gewaltigen Sequenzen. Fantastisch und brillant. Unglaublich modern die Musik. Positiv überrascht, manchmal gar überwältigt versunken, verführte sie mich immer wieder, mit geschlossenen Augen zu lauschen. Und dann diese Stimmen, mir fehlen die Worte … Es war der versprochene ‚Buttercremetortenabend‘!

 

 

 

Özlem Yalinci über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Insgesamt hat mir die Oper ‚Die Frau ohne Schatten‘ von Richard Strauss ganz gut gefallen. Ich war sehr erstaunt und sehr berührt von diesem Märchen. Das Bühnenbild hat mich beeindruckt. Es drückte mit sehr wenigen Mitteln sehr viel aus. Auch die Kostüme waren zwar sehr schlicht gehalten, aber vermittelten einen zeitlosen Eindruck und waren gleichzeitig charakteristisch.
Das Bühnenbild und die Kostüme der Färbersfamilie haben mir dabei ganz besonders gefallen.
Die gestelzte Sprache und die Länge der Oper empfand ich als erschwerend. Trotzdem haben mich viele Szenen dieses Märchens sehr angerührt und mich emotional gefangen. Ganz besonders hat mich die Abweisung von Barak durch seine Frau gerührt und die Verzweiflung der Kaiserin, als sie ihren Mann versteinert vorgefunden hat Nur sehr wenige Szenen waren für mich nicht nachempfindbar. Die schnelle Verwandlung der Färbersfrau hat mich sehr irritiert. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie schnell sie ihre Meinung gegenüber Barak verändert hat. Das Schauspiel der Künstler und ihre Stimmen haben mich ausnahmslos überzeugt. Die Musik war für mich sehr imposant und zeitweise gefühlvoll. Die Atmosphäre auf der Bühne und im Publikum war sehr angenehm. Eindrucksvoll war der Jubel zum Abschluss des Stücks. Die Themen dieses Märchens sind teilweise sicherlich auch auf unsere moderne Gesellschaft übertragbar. Die Rolle der Frau und der Ehe müsste überarbeitet werden, aber die Themen Menschlichkeit, Glück und Familienbildung sind zeitlos und für unsere Gesellschaft relevant.

Ich werde diese gelungene, emotionale und imposante Oper allen Interessierten – trotz der Länge und der Sprache – empfehlen.

 

 

 

Gil Shacher über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Die gestrige Aufführung von Richard Strauss’ ‚Frau ohne Schatten‘ war eine tolle Produktion mit vielen poetischen Momenten, indem Bild, Musik und Bewegung zu einer Einheit verschmolzen.
Besonders bemerkenswert war die Lösung für die Darstellung der Geister- und Menschenwelt, die vor allem durch die Drehbühne, aber auch durch die Licht- und Farbregie geleistet wurden. Ich mochte besonders die Teile, wo während der Zwischenaktmusik der Fortgang der Handlung weitergeführt wurde, ausschließlich durch die Bewegung der Drehbühne, das Licht und das stumme Spiel der Akteure. Das waren inspirative und künstlerisch überzeugende Momente.
Die Musik ist viel fortschrittlicher als die Handlung, die seltsam und fremdartig erscheint. Die Frauenrolle beinhaltet selbst für die damaligen Zeit schon reaktionäre Züge. Daher kommt es zu einer Diskrepanz zwischen der Handlung und dem Charakter der Musik, die trotz ihrer romantischen Wurzeln relativ progressiv und teilweise sogar radikal ist. Deswegen könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass die Musik zu einem moderneren Textbuch besser passen würde. Dennoch, obwohl die Handlung sehr fremdartig und vermutlich auch sehr schwer in Musik umzusetzen war, hat es Strauss durch seinen musikalischen Einfallsreichtum geschafft, eine spannende Oper zu kreieren. Die Inszenierung hatte daran aber auch einen großen Anteil. Ein Beispiel hierfür ist die nicht gezwungenermaßen auf modern gemachte Anspielung auf den Ersten Weltkrieg durch die Ruinenlandschaft und die Darstellung der Toten / Ungeborenen. Hut ab vor Strauss und der Inszenierung, aber Hut wieder auf vor Hofmannsthal!
Die Orchestrierung war sehr inspiriert, selbst Soloinstrumente, wie das Cello, die Glasharmonika und die Harfe waren recht präsent und spielten eine zentrale Rolle. Eine tolle Leistung des Orchesters und des Dirigenten, die auch mit Recht starken Beifall des Publikums erhielten. Die Sänger: besonders die Kaiserin und der Bote gefielen mir. Aber das gesamte Ensemble hat insgesamt diese nicht unkomplizierte Oper eindrucksvoll dargeboten und dafür gesorgt, dass trotz einer Länge von ca. vier Stunden die Konzentration nicht nachließ.
Ist so eine Oper für uns heute noch aktuell? Für mich ist gute Kunst immer aktuell. Auch wenn die Handlung und die Sprache altmodisch wirken mögen, und auch die Musik nicht immer meinem Geschmack entspricht, so fand ich, dass die Aufführung von ‚Frau ohne Schatten‘ in Duisburg Momente von wahrer Kunst hervorbrachte.

 

 

 

Dr. Katja Pivit über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Ich bin keine erfahrene Operngängerin und habe auch nie einen wirklichen Zugang zu dieser Welt gehabt, vielleicht weil ich mit ihr ein sehr konservatives Umfeld verbinde, zu dem ich mich nicht besonders hingezogen fühle. Nun wollte es wohl mein Schicksal, dass ich vielleicht einige nicht gerne zugegebene Vorurteile überdenke.
Der erste Akt sorgte zunächst für völlige Verwirrung. Ein imposantes Bühnenstück, eindringende Stimmen, sehr dominante Musikpassagen, der Text über der Bühne und interessante, eher zeitgenössische Kostüme. All diese Eindrücke zusammen und auf einmal haben mich verwirrt und aufgewühlt. Ab und zu schaute ich mich um, so als würde ich so etwas wie Bodenhaftung suchen. Die fand ich bei den unglaublich vertieften, ruhigen und konzentrierten Gästen um mich herum. Ein herrlicher Kontrast. Meine Nachbarin schien das erste Mal nach ca. einer Stunde ein- und auszuatmen.
Der zweite Akt, der in seiner künstlerischen Darstellung keine Steigerung mehr vorstellbar machte, hat mich in gewisser Weise von jeglicher Verbindung zu mir und der Welt entfernt. Im dritten Akt schienen sich dann meine tausend Einzelteile wieder zusammenzufügen. Das Stück endete mit den vier Hauptdarstellern auf der Bühne, die sich erschöpft niederlegten, und ihnen hätte ich mich gerne angeschlossen. Wäre ich ein Martini gewesen, hätte mich James Bond nicht getrunken. Ich war geschüttelt und gerührt und das mindestens mit zehn Oliven. Was für ein Erlebnis. Die Frau ohne Schatten ist reich, aber unfruchtbar und wünscht sich ein Kind von ihrem Liebsten. Die Frau mit Schatten ist arm, dafür fruchtbar, wünscht sich aber von ihrem Mann, der sie sehr liebt, sondern materiellen Reichtum. Die Frau ohne Schatten will der Frau mit Schatten, den Schatten, ihre Fruchtbarkeit also „abkaufen“! Ich dachte immer, der Schatten eines Menschen sei so eine Art dunkle Ecke, in der alle subjektiv als negativ empfundenen Eigenschaften eines Menschen, vergraben werden, damit sie nicht „ans Licht“ kommen. Zum Beispiel Neid, Gier, Machtstreben, Triebhaftigkeit, Hass und Wut. Da passt für mein Empfinden die Fruchtbarkeit so gar nicht hinein. Warum sollte sich eine Frau für ihre Fruchtbarkeit schämen? Hat die Fruchtbarkeit dem Autor Angst gemacht? Hat er die Fruchtbarkeit der Frau als eine Macht empfunden, derer er sich ausgeliefert sah? Oder glaubte er, dass sich Frauen im tiefsten Inneren für ihre Fruchtbarkeit schämen? Ich habe bisher keine Antwort auf diese Frage, aber ich nehme sie sehr gerne mit, als eine Art Mitbringsel von diesem beeindruckenden Abend.

 

 

 

Dr. Joachim Ludwig über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Großer Jubel im Theater Duisburg am Samstag, dem 4. Dezember 2010, nach dem phantastischen dritten Akt von ‚Die Frau ohne Schatten‘ von Richard Strauss zum Operntext von Hugo von Hofmannsthal. Wunderbare Duette von Kaiserin und Kaiser sowie Färberin und Färber sind zum Finale zu hören. Die Besetzung der Sänger der Deutschen Oper am Rhein ist erstklassig: Roberto Saccà als Kaiser, Linda Watson als Färberin, Tomasz Konieczny als Färber. Das Rollendebüt von Morenike Fadayomi ist hervorragend und hat für die Zukunft noch Entwicklungspotential. Die beiden ersten inhaltlich und musikalisch schwierigen Akte werden von Susan Maclean, der Amme, als Rückgrat phänomenal gestaltet.
Das Bühnenbild mit großer Treppe und eingebautem Färberhaus auf einer Drehbühne bietet immer wieder neue herausfordernde Perspektiven. Ruinen im Umfeld und Kriegsopfer – auch auf der großen Treppe – erinnern an die Entstehungszeit der Oper um den ersten Weltkrieg (1914-1918).
Die Idee der Inszenierung des Flamen Guy Joosten, die Geister- und Wächterstimmen bei immer wieder geöffneten Türen zum Foyer des ersten Ranges aus der Tiefe des Zuschauerraumes klingen zu lassen, führte immer wieder zu Unruhen und frischem Wind für die dort sitzenden Opernbesucher.

 

 

 

Kitty Görner über “Die Frau ohne Schatten” am 26. November 2010 im Theater Duisburg

Vor meinem Besuch der ‚Frau ohne Schatten‘ hatte ich noch nichts von diesem Werk gehört, hatte mir lediglich einmal kurz die Handlung durchgelesen. Die Musik von Strauss ist für mich eher ungewohnte Kost; die Geschichte war insgesamt verständlich und nachvollziehbar umgesetzt (wobei der über der Bühne mitlaufende Text natürlich hilfreich war), auch wenn vieles der Symbolik sich erst in der detaillierten Beschäftigung mit der Oper erschließt (der Bezug zum 1. Weltkrieg durch die blutbefleckten Menschen etc). Für mich die schönste, angenehmste Stimme war die von Barak, also die von Tomasz Konieczny. Die Besetzung der Färberin, Linda Watson, war stimmlich absolut überzeugend, aber entsprach von ihrem äußeren Typ her überhaupt nicht meiner Erwartung von der Rolle. Ansonsten war die Besetzung sehr gut und überzeugend, tolle Stimmen und guter Ausdruck, besonders das schauspielerische und teils komische Talent von Susan Maclean.
Beeindruckend fand ich das Bühnenbild wie auch die Farbwahl der Inszenierung. Dass die Oper den Zuschauern sehr gut gefallen hat, ließ sich an Pausen- und Schlussapplaus unschwer erkennen. Insgesamt war es ein gelungener, unterhaltsamer und anregender Abend.

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