Ballett am Rhein – b.07

Özlem Yalinci über b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Die Ballettpremiere b.07 in Duisburg hat mir persönlich sehr gut gefallen.

Das erste Stück “Compositie” von Hans von Manen hat mich sowohl vom tänzerischen, als auch vom musikalischen angesprochen. Die Bühne, Tanz und Kostüme wurden sehr schlicht und einfach gehalten trotzdem – oder gerade deswegen – war der Ausbruch aus der Konformität, was das Stück für mich symbolisierte, sehr ausdrucksstark und beeindruckend. Die Bühne kam mit zwei Tischen und acht Hockern aus, unterstützte den spartanischen Tanz und verstärkte so den Fokus auf die Tänzer.

Das zweite Stück “Frozen Echo” choreographiert von Regina van Berkel war das genaue Gegenteil zu dem ersten Teil. Mit den vielen Bewegungen, Tänzen und Personen auf der Bühne entstand eine Explosion an vielfältigen  Eindrücken. Die Tänze wirkten unglaublich ästhetisch und lebendig und harmonierten sehr gut mit den passenden Kostümen und dem einfachen Bühnenbild. Selbst die Frisuren der Frauen fügten sich diesem wilden Bild an. Einen Bezug zum Alltag fand ich in der Lichtskulptur, welche mir ausgesprochen gut gefiel. Brillant! Zusammen mit den verschiedenen Lichteffekten sah es einfach sehr phantasievoll und immer wieder toll aus. Die vielen Tänze gleichzeitig haben mich eher durcheinander und irritiert zurück gelassen, da die Eindrücke doch gewaltig waren, fast zu viel.
Das dritte Stück “Robert Schumann Tänze” von Martin Schläpfer hat mir persönlich am besten gefallen. Die Atmosphäre, die Musik, die Kostüme und die Tänze haben mich insgesamt überzeugt. Besonders gelungen empfand ich die Tänze um den Konflikt zwischen zwei Tänzern und einer Tänzerin.
Alles zusammen genommen wird dieser vielfältige und beeindruckende Ballettabend von mir daher gerne weiterempfohlen.

 

 

Dr. Katja Pivit über b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Uns erwarteten drei Aufführungen, im Vergleich zueinander sehr unterschiedlich, aber jede in sich und miteinander sehr stimmig.

Der Abend begann mit einer Choreografie von Hans van Manen, genannt „Compositie“. Das minimalistische Bühnenbild zeigte zwei Tische und zwei Tanzgruppen, die  wie ein Spiegelbild zueinander wirkten. Der Tanz entwickelte sich in einem Rahmen der Struktur, Ordnung und fast schon Zwanghaftigkeit , der in weiterem Sinne sogar Fremdbestimmung, ausdrückte. Der versuchte Ausbruch eines Tänzers verlief eher hintergründig . Ein Gefühl der Enge und Beklemmung machte sich breit.
Es folgte die Choreografie von Regina van Berkel, genannt „Frozen Echo“. Eine sehr imposante, surrealistische Aufführung, eingebettet in einem sehr üppigen, von bedeutsamen Lichteffekten geprägtes Bühnenbild. Die fast beklemmende ,starre Ordnung aus dem ersten Bühnenbild schien sich vollständig aufzulösen. Sehr ausdrucksstarke Kostüme , im Vergleich zu der eher schlichten Bekleidung im ersten Stück, lenkten unsere Blicke in alle Richtungen des sehr unruhigen, scheinbar willkürlichen Tanzes. Hätte sich mir dieses Bühnenbild im Traum gezeigt, würde ich es als  Aufruhr meines Unterbewusstseins interpretieren, als Auflösen oder Schmelzen des zu Eis erstarrten Echos  meines Innersten. Sehr gelungen war die musikalische Interpretation der Duisburger Philharmoniker hierzu.
Es folgt die Choreaografie von Martin Schläpfer, die für mein Empfinden, seine ganz individuelle Art von Liebenswürdigkeit zum Ausdruck brachte. Zur Musik von Robert Schumann wurde auf sehr harmonische Weise, zum Teil mit klassischen Tanzelementen, die Liebe zum Detail, zur Perfektion, aber auch die Liebe zu sich selbst und zueinander dargestellt. Das Bühnenbild erinnerte mich an einen Elfenwald.
Ich verließ den Saal mit dem wohligen Gefühl, dass sich der Kreis geschlossen hat. Dieser Abend war im wahrsten Sinne des Wortes ein Augenschmaus.

 

Dr. Joachim Ludwig über b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Die Duisburger Fassung von b.07 ist ganz nah am Ideal eines modernen Ballettabends. Es beginnt mit “Compositie” (1994) einem Meisterwerk von Hans van Manen (NDT / Duisburger Musikpreis 2004), einem der großen Vorbilder Martin Schläpfers. Zu den Minimalisten Klavierkonzerten von John Adams/Morton Feldman tanzen um zwei quadratische Tische Zwei Gruppen von Tänzer/innen in einer Doppelung völlig synchron. Plötzlich löst sich ein Paar, streift Teile der Kleidung ab und beginnt einen „Pas de deux“. Zum Ende löst sich eine weitere Tänzerin aus den Zwängen der Gruppe und sucht einen Partner, bleibt aber allein. Wunderbar sind auch Licht und Kostüme Von Keso Dekker.
Es folgt eine visuell und in Bewegungen überbordende neue Choreographie “Frozen Echo” der Niederländerin Regina an Berkel. Die Musik ihres Landsmannes Theo Verbey reicht von minimalistisch bis zu Filmmusik. Alte, aneinandergereihte Computerbildschirme erinnern an ein Dino-Wirbelsäule und ändern wie Scheinwerfer die Farbstimmungen (Lob an Dietmar Janeck). Die Fülle an surreale Figuren – Frau mit Sturmfrisur, Weißes Schleppenkleid über einem Lichtschacht, Projektion auf weißes enges Kleid- machen es dem Betrachter schwer sich auf einzelne Details zu konzentrieren.
Einzelheiten in der Choreographie, sowie Bühnenbild und Kostüm der „Robert Schumann Tänze“ wurden von Martin Schläpfer vor der Duisburger Premiere noch einmal modifiziert. Biographische Bezüge zu Robert und Clara Schumann, sowie zu Johannes Brahms sind auch durch die schlichten Kostüme nur angedeutet und unterstützen die Visualisierung der wunderschönen Musik. Die phantastische Duisburger Fassung wird Bestand haben. Die Amerikanerin Catherine Rückwardt, die lange Zeit mit Martin Schläpfer in Mainz arbeitete, leitete die präzise und beschwingt aufspielende Duisburger Philharmoniker, sowie Dirk Wedmann (Klavier) in für die Tänzer-/innen optimalen Form. Unbedingt hingehen!

 

 

Uschi Dommen über b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Ein schöner, stimmiger, stimmungsvoller Abend. 3 Bilder, 3 Choreographien, 3 sehr unterschiedliche Musikstücke, insgesamt rund, wunderbar ausgewählt und genußvoll für den Zuschauer.
Unsere Duisburger Philharmoniker unter dem Dirigat von Frau Catharine Rückwardt wie immer großartig. Ihre große Spielfreude und ansteckende Begeisterung trifft die Herzen des Publikums.
Die tänzerische Leistung unserer Ballettsolisten ist von allerhöchstem Niveau. Am liebsten würde ich sie durch die ganze Welt schicken, von Shanghai über Dubai bis New York, um Werbung für unsere Mercatorstadt Duisburg zu machen.
Zur guten Stimmung trägt vor allem das Licht bei. Freundlich und hell im 1. Bild, ausdrucksvoll und vielschichtig in der 2. Teil und wunderbare Winterstimmung verbreitend im 3. Tanz.

“Compositie” Choreographie von Hans van Manen

Ist das scheinbar Einfache nicht oft das Allerschwierigste? Sparsam, klar, puristisch rein die Choreographie von Hans van Manen. Seine symmetrischen Doppellungen spannend, erotisch aufgeladen, erzählen von der Zwanghaftigkeit in einer Gruppe bis zu seiner Auflösung, dem Kampf um Eigenleben und Eigenständigkeit.
Kam man gehetzt unter Termindruck ins Theater, hatte man hier die Möglichkeit herunterzukommen, anzukommen und sich zu beruhigen. Großen Dank diesem Beginn!

 

 

„Frozen Echo“ Choreographie von Regina van Berkel

Das 2. Bild war außergewöhnlich, surrealistisch, konstruktivistisch, vielschichtig, märchenhaft, voller Poesie und Energie, verrückt, sinnlich, ausdrucksstark, fulminant, fantastisch, komplex. Es hat ein bißchen was von Zirkus und Jahrmarkt einerseits und großem Stummfilmkino andererseits.
Ergibt dies alles einen Sinn? Eine Antwort auf Sinnhaftigkeit ist für mich nicht zu finden. Ist es gar sinnlos oder Unsinn? Ich schalte meinen Verstand aus, lasse mir den Bauch kitzeln, mein Herz frohlocken, staune und erfreue mich an dem geplanten scheinbaren Chaos. Es ist auf jeden Fall höchst vergnüglich und Aufsehen erregend.
Verzaubert uns Alice aus dem Wunderland? Gibt es womöglich ein Schneewittchen, das nicht nur die 7 Zwerge einzuwickeln weiß? Läßt Rapunzel ihr Haar nicht herab, sondern steht es ihr zu einem Haarkunstwerk in schwindelerregender Höhe zu Berge? Körperskulpturen formen Bilder zwischen Bewegung und Starre, Gemälde gleich.
Die innovative und aufregende Musik. Den Philharmonikern macht es sichtlich einen Riesenspaß auch einmal seltener gespielte Instrument zu benutzen.
Und dann die Lichtskulptur von Dietmar Janeck. Die Wirbelsäule eines Sauriers aus alten Computerbildschirmen darzustellen, eine tolle, bewundernswerte, geniale Idee! Und das Licht hell und heller, wunderschön. Die so entstehenden scherenschnittartigen Schattenbilder ein weiterer Hochgenuss.

 

 

„Robert Schumann Tänze“ Choreographie von  Martin Schläpfer

Die Musik bekannt und daher so herzlich und freudig willkommen wie das Wiedersehen mit alten Freunden.
Die graublaue Farbigkeit von Bild, Bühne, Licht und Kostümen, an Wintertage erinnernd, kühl und warm zugleich, ergeben eine wunderbare, stimmungsvolle Harmonie, ausgleichend, beruhigend, poetisch. Diese Reduktion richtet den Focus konzentriert auf den Tanz und die Musik voller Leidenschaft. Martin Schläpfer macht das Zweifeln der Figuren am Leben, an der Liebe, der Zweisamkeit und der Einsamkeit sichtbar.

Ein wunderbarer Abend. Ich lerne, immer offener zu werden für Neues und Dinge auf mich wirken zu lassen. Beschwingt gehe ich nach Hause.

 

 

Dr. Vera Krone über b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Ich gehe ja bisher wesentlich lieber in die Oper als ins Ballett, aber dieser Abend war schöner als so manche Oper!

Der erste Teil “Compositie” hat mir gut gefallen, sowohl die Musik als auch die tänzerische Leistung. Am meisten hat mich aber der mittlere Teil, “Frozen Echo” von Regina van Berkel, gefangen genommen. Die Bühne ein großer heller Raum, darin schwebend eine Art riesige Wirbelsäule, ausgehöhlte Computermonitore als Wirbelkörper, die mit den eingebauten Leuchtmitteln für immer wieder neue Stimmungen sorgen. Überhaupt ist die Lichttechnik großartig und besser als jedes aufwändige Bühnenbild! Den Tanz zu beschreiben, fällt mir nicht leicht – es finden zum Teil gleichzeitig so viele Dinge an verschiedenen Stellen der Bühne statt, dass man sich kaum entscheiden kann, wo man hinsehen soll. Ich genieße sowohl all die visuellen Eindrücke als auch die Musik der Duisburger Philharmoniker.
Der letzte Teil, die Schumann Tänze von Martin Schläpfer, waren für meine Begleiterin der Höhepunkt, mich hat er nicht so begeistert wie “Frozen Echo”.
Mein Fazit: Es war wirklich ein Genuss, und kurzweilig noch dazu. Sehr empfehlenswert.

 

 

Eckart Pressler zu b.07 am 14. Dezember 2011 im Theater Duisburg

Es ist nun höchste Zeit die Vorurteile zu revidieren, die mich durch die ersten Ballettabende meines Scout-Abenteuers begleiteten. Dieses Mal ein unerwarteter, aufregender Abend, der zeigt, wie vielfältig und anmachend Ballett sein kann!!! Dabei ist erstaunlich, wie jedes Choreographen Handschrift – oder muss man nicht besser Fußschrift sagen? – die verschiedenen Stücke in der ihnen eigenen Weise prägen, obwohl sie doch von einem Ensemble unter einer Leitung präsentiert werden. Uniformität und Langeweile haben da keinerlei Platz auf der Bühne.

Eine größere Spannweite des Ausdrucks und der tänzerischen Anforderung an einem Abend kann man sich wohl kaum vorstellen: zunächst bei Hans van Manens intellektuell-tänzerischer Durchleuchtung einer Alltagsszene von Stereotypie, mit Marionetten oder Maschinenmenschen – bis einem der Akteure buchstäblich der Kragen platzt, der seine Uniform ablegt und aus der Reihe tanzt. Das ist nun nicht gerade eine anspruchsvolle Dramaturgie, verlangt aber ein äußerstes Maß an Perfektion und Hingabe in ein Gruppenritual. Das Staunen und der Beifall für diese Darbietung sind groß.

Durch Regina van Berkels  „Frozen Echo“ fühlte ich mich wie hineingesogen in Traumbilder von großer Intensität, Farbe und Bezug zu eigenem inneren Sehen. Salvador Dali konnte kaum anschaulicher Surreales und Konkretes in einem Bild zusammenführen. Vorherrschend waren hier fließende und gleitende Bewegung, die unerwartet zu reliefartigen Bildern erstarrten, kalt, statisch und doch irgendwie einbrennend in die Netzhaut. Das berührte mich heftig, weil die Motorik, die groteske Installation und die Ausleuchtung der Szenen zwischen krass und weichzeichnend verwandt ist mit der Traumarbeit so mancher Nacht. Da kommt Phantasie ins Spiel und die eigene Lust am Deuten.

Am Ende des Abends – zum Glück gibt es zwischen jedem der Stücke eine Pause zum Verarbeiten – dann das ganz andere Programm: Robert Schumanns Rheinische Symphonie, strahlend optimistisch wie auch mit den Stimmungen von zerrissener Betrübtheit durchgearbeitet. Glück und Unglück des Komponisten werden anschaulich und hörbar. Es ist großartig, wie eng beieinander Tanz und Orchester sind, ein Fest für die Sinne. Ehrlich gesagt: eine solche Sinnlichkeit habe ich von Ballettdirektor Schläpfer nicht erwartet. Ich freue mich nun zum ersten Mal richtig auf den nächsten Tanzabend.

 

 

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