Ballett am Rhein – b.12

Pater Elias Füllenbach über b.12 am 16. Juni 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Die letzte Premiere in dieser Spielzeit war nochmals ein Hochgenuss! Früher konnte ich mit Ballett nicht viel anfangen, aber inzwischen bin ich schon ganz gespannt, wenn ich von einer neuen Inszenierung Martin Schläpfers höre, und freue mich über die Leistung des Düsseldorfer Tanzensembles. Schon b.11 hatte mich tief berührt – ein überwältigendes Erlebnis, das sich nun fortsetzte. Denn das Programm von b.12 wirkte auf mich wie ein Spiegelbild des zuletzt Gesehenen: Während b.11 mit einem schwungvollen Stück geendet hatte, begann nun der Abend schnell und heiter, und so ging es spiegelbildlich weiter… Grandios!

Von Antoine Jully dürfen wir noch viel erwarten. Seine Uraufführung „Inside“ fand ich wunderbar. Die witzige Choreographie, die Kostüme, das Bühnenbild, das Video im Hintergrund – alles von ihm selbst konzipiert, es war unglaublich. Dazu die Musik von Vasks und Novák – ein schöner Auftakt mit einer Fülle von Einfällen, erotischen Anspielungen und komisch-ironischen Zitaten aus der Bilderwelt moderner Malerei und des Kinos…

Der Höhepunkt des Abends war für mich aber „The Old Man and Me“ von Hans van Manen. Dieses Stück war witzig, traurig und schön zugleich. Marlúcio do Amaral und Martin Schläpfer als älteres Paar auf der Bühne; er steht zu Beginn noch ganz still, bis sie ihn endlich zum Tanz bewegen kann. So schön kann also die Erinnerung an frühere Zeiten sein – manchmal braucht es den Anstoß von außen, den langen Atem (oder kräftiges Pusten!), damit das Vergangene erwachen kann. Nach der schnellen Musik von Cale und Strawinsky folgt das wunderschöne Adagio aus dem 23. Klavierkonzert von Mozart – ein Stück, das mir viel bedeutet, freilich auch ein Stück in Moll, ein wenig sentimental – passend zu dem tanzenden Paar auf der Bühne, das schließlich wieder getrennte Wege geht. Oder ist es der Tod, der beide auseinander führt?

Ich bin froh, dass der Abend nicht so endet, auch wenn sich „The Old Man and Me“ nicht überbieten lässt. Nach der Pause geht es mit „Lontano“ nach der gleichnamigen Musik von Ligeti weiter. Dieses Stück ist keine leichte Kost und weder einfach zu hören noch zu sehen; aber es spricht nach all den Emotionen den Intellekt an. Auf der Bühne entstand eine unglaublich dichte Atmosphäre, die sich, so mein Eindruck, bei der folgenden Choreographie von George Balanchine noch steigerte. Das Programm von b.11 hatte mit einem Käfig begonnen, b.12 geht mit „Agon“, einem Ballett für zwölf Tänzer von Igor Strawinsky, zu Ende, das mich in der Fassung von Balanchine wieder an einen Käfig erinnert – diesmal jedoch kein Käfig, der einengt und gefangen hält, sondern der eine klare Ordnung vorgibt: Die klassischen Bewegungen der Tänzer sind schön anzusehen, aber sie bleiben zugleich in einem abgesteckten Rahmen. Die Präzision ist großartig – wie das noch fehlende i-Tüpfelchen, das den herrlichen Abend bestens abrundet. Wieder durfte ich Tanzkunst auf höchstem Niveau erleben. Schade nur, dass damit die Zeit als Scout vorbei ist…

Katharina Micha über b.12 am 16. Juni 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Viele verschiedene Ballette von den unterschiedlichsten Choreographen und Ensembles habe ich schon gesehen, aber an den Premierenabend von „b.12“ reicht keines heran. Was für eine Vielfalt und was für ein Spektrum:

- Der Abend beginnt mit dem leichtfüßigen und verspielten Choreographie-Debut des 28-jähigen Tänzers Antoine Jully aus dem Düsseldorfer Ensemble.
– Der Abend berührt das Herz bei der Inszenierung von „The old man and me“ des inzwischen 80-jährigen Hans van Manen, in der der 53-jährige Ballettchef Martin Schläpfer mit der umwerfenden Tänzerin Marlúcia do Amaral als ungleiches Paar die karge Bühne mit purer Tanzfreude und Perfektion und mit Traurigkeit füllt.
– Der Abend zeigt im Anschluss ein Ballett von Martin Schläpfer, in dem sechs Tänzer und Tänzerinnen in unterschiedlichen geometrischen Konstellationen mit ungeheuerlicher Körperspannung und in wunderschönen Kostümen zur Musik von György Ligeti tanzen.
– Der Abend endet mit einer Aufführung des verstorbenen Begründers des neoklassizistischen Balletts George Balanchine, einer Aufführung, die die Anfänge des modernen Balletts und die technische Versiertheit des Düsseldorfer Ensembles zeigt.

Es ist ein Abend der großen Gesten, der Huldigung des Tanzes und der noch größeren Gefühle – ein Muss oder besser gesagt ein Geschenk für jeden Ballettliebhaber – einfach ein sensationeller Abend, für den mir alle weiteren Worte fehlen!

 

 

Claudia Uhl über b.12 am 16. Juni 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Vier unterschiedliche Ballettstücke, vielseitiger kann ein Samstagabend nicht sein! Direkt beim ersten Stück „Inside“ geht mir das Herz auf, es ist farbig, verspielt, die Musik ist heiter. Ich finde, man spürt die Liebe des Choreografen Antoine Jully zum Tanz, wie auch zu seinem Ensemble bzw. Kollegen. Für mich strahlen die Tänzer heute eine ganz besondere Energie aus. Nicht nur ihre Ausdruckskraft und Spielfreude ist hervorragend (aber das ist sie immer), ich habe den Eindruck, sie sind irgendwie herzlicher, emotionaler. Wie aus Räumen Themen und Emotionen werden und umgekehrt ist einfach eine phantastische Gesamtleistung von Tänzern, Bühne, Licht und Videoinstallationen. Das Ganze ist eine Hommage an die Liebe zum Tanz, zur Kunst, zum Gefühl und zum Spaß. Ich fühle, wie sich meine Glückshormone melden!

Wie eine sanfte Woge legt sich dann das zweite Stück über mich, um meine überbordenden Gefühle zu glätten. „The old man and me“, getanzt von Martin Schläpfer persönlich, zeigt wunderbare Charaktere und Stationen einer Liebesgeschichte. Es gibt lustige und traurige Momente, ich finde dieses ergreifende Stück zum heulen schön.

Nachdem die ersten beiden Ballette schon mitten ins Herz gezielt haben, frage ich mich, was jetzt noch kommen wird. Und tatsächlich geht der Abend komplett anders weiter. Im spannungsreichen Kontrast zu den ersten beiden emotionalen Stücken stehen nun „Lontano“ von Martin Schläpfer, und „Agon“ von George Balanchine. Ein Kontrast, der dem Abend insgesamt sehr gut steht, und mir auch gut tut. In „Lontano“ kommt man allein von der Musik schon wieder „runter“, das meine ich aber im allerpositivsten Sinne. Die Tänzer sind jetzt nicht mehr emotional, vielmehr sind sie perfekt, wie Skulpturen wirken sie in meisterhafter Ästhetik. Grafisch, geometrisch, gut. Fast schon ätherisch. Die Reduziertheit klärt auf angenehme Weise meinen Geist. Ich bin hellwach fürs vierte Stück von Balanchine. Auf schlichter und doch eindrucksvoller Bühne sehe ich eine Demonstration neoklassischer Ballettkunst. Die Tänzer in eher schlicht-typischem Ballett-Trainingskostüm zeigen auf eindrucksvolle Weise, worum es hier geht: um Tanz als eine eigene Kunstform für sich. Für mich ist dieser Abend ein kleiner Glücklichmacher.

 

 

Barbara Wieland-Kessler über b.12 am 16. Juni 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Heute Abend wurde ein eindrucksvoller Querschnitt modernen Balletts gezeigt.
Mit “Inside” stellt sich der Tänzer Antoine Jully erstmals als Choreograph vor. Seine Musikauswahl ist heiter-beschwingt und vermittelt puren Genuss und Lebensfreude. Dazu spürt man seine Leidenschaft für den Tanz und die Synergie mit den Tänzern. Bühne, Licht und Videoinstallation fügen sich fantastisch ein.

In “The Old Man and Me”, choreographiert von Hans van Manen, tanzt Martin Schläpfer mit der Primaballerina Marlúcia do Amaral ein ergreifendes, sehr gefühlvolles Pas de Deux, das an Ausdrucksstärke und Harmonie nicht schöner sein könnte. Die Facetten des Werbens, des Verliebt seins und des Verlassen werdens von beiden Tänzern gleichermaßen gefühlvoll umgesetzt.

Martin Schläpfer begeistert mich als Tänzer besonders mit seinen weichen, fließenden und sanften Bewegungen, die fast weiblich anmuten. Mit der Auswahl der drei Musikstücke – “The Old Man and Me” von J.J. Cale, Igor Strawinskys „Circus Polka“ und der 2. Satz aus dem 23. Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart wird diese Choreographie für mich zu einem besonderen Genuss. Ich bin sehr berührt.

“Lontano” von Martin Schläpfer rückt meine Gefühlswelt wieder zurecht. Dynamisch agierende Körper, fast sportlich-athletisch in windschnittigen Ganzkörperanzügen gekleidet, bewegen sich präzise perfekt, wie Akrobaten in Zeitlupe. Sehr stimmig inszeniert zur Musik von György Ligeti.

“Agon”, ein Ballett für zwölf Tänzer zur Musik von Igor Strawinsky erfordert noch einmal vollste Aufmerksamkeit. George Balanchine gilt als Begründer des neoklassizistischen Balletts. Auf einer schlicht gestalteten Bühne agieren ebenso schlicht gekleidete Tänzer. Nichts lenkt von Ihren Bewegungen ab. Eine Aufführung, die durch Ihre Klarheit und Präzision besticht und in ihrer komplexen Darbietung höchste Konzentration erfordert. Aus diesem Grund vielleicht eher ein Stück für den Beginn dieses Abends.

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