“Carmen” von Georges Bizet

Katharina Micha über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Rund um den Kulturbetrieb ergibt sich immer wieder die Diskussion, dass die Oper das ernsthafte (und elitäre) Fach abdeckt und Operetten das unterhaltende. Für mich versinnbildlicht die Oper „Carmen“ die Tatsache, dass diese Kunstform Oper beides beinhalten kann: denn wer kennt einerseits nicht mindestens eine Handvoll der sehr bekannten (unterhaltsamen) Melodien und wen berührt andererseits nicht die tragische (ernsthafte) Handlung?
Die Inszenierung von Biszets „Carmen“ an der Deutschen Oper am Rhein stellte nicht, wie sonst oft üblich, Carmens Weiblichkeit und ihre fatale Wirkung auf die Männer in ihrer Umgebung in den Mittelpunkt, sondern ihren Freiheitsdrang, der sich natürlich auch auf die Wahl ihrer Partner bezieht. Sie ist eine starke Frau, die sich niemandem unterordnet: „Es weichet Carmen keinem Gebot! Frei will ich sein, frei selbst noch im Tod.“ (4.Akt). Der Perspektivwechsel weg von der Femme fatale hin zu einer freiheitsliebenden und alles andere als devoten Frau hat mir persönlich sehr gut gefallen. Diese starke Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung wurde wunderbar überzeugend verkörpert von Morenike Fadayomi. Sie kämpft für ihre Liebe solange, wie sie darin bestätigt wird, dass es sich zu kämpfen lohnt.
Glücklicherweise inszeniert Carlos Wagner die Handlung nicht in der Gegenwart, sondern schafft düstere Bilder eines von Soldaten und Repressalien geprägten Alltags, dem sich die Zigeuner erfolgreich zu widersetzen wissen. Die künstlerische Anlehnung an Gemälde des Künstlers Goya ist eine grandiose Idee (ein Dank auch an die Gestalter des Programmhefts), die leider an manchen Stellen gestört wird von überflüssigen Details, wie beispielsweise die Fotografen beim Auftritt von Escamillo. Auch die Darstellung  Carmens  Ermordung mittels eines abgetrennten Stierkopfes hat mir nicht gefallen. Warum nicht einfach traditionell bleiben bis zum Ende? Es wirkt ein wenig so, als hätte der Regisseur Angst gehabt vor einer zu klassischen Inszenierung, um mögliche Kritiker mit lustigen Einfällen ruhig halten wollen. Vor allem Carmens Tod wurde dadurch ins Lächerliche gezogen, dabei ist es wirklich tragisch zu sehen, wie die beiden Liebenden nicht mehr zueinander finden können. Auch Don José wirkt so, als sei ihm nur ein Missgeschick mit dem Stierkopf unterlaufen, dabei hat auch er für seine Liebe zu Carmen alle seine Prinzipien, seinen Beruf und sein Leben aufs Spiel gesetzt.
Das Ende trübte zunächst mein erstes Urteil. Aber inzwischen erinnere ich vor allem an ein gelungenes Bühnenbild, mitreißende musikalische Darbietung  – die zu Beginn noch etwas zu verhalten war, sich aber enorm steigerte – großartige choreographische Einfälle und stimmlich, wie darstellerisch umwerfende DarstellerInnen.
Schon als Jugendliche, als ich diese Oper zum ersten Mal sah, wünschte ich mir ein anderes Ende für Carmen, die singt: „… das seligste Entzücken, die Freiheit lacht!“. Insbesondere diese freiheitsliebende Carmen spukt mir seit der Premiere noch sehr im Kopf und Herzen herum, genauso wie die Melodien in meinen Ohren.

 

 

Manuela Hirsch über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Wow! Carmen hat nicht nur die Männer um den Finger gewickelt, sondern auch mich. Spätestens nach dem 2.Bühnenbild, das deutlich wärmer und farbenfroher war als das Erste, wurde ich in ihren Bann gezogen. Die wunderbare Liebeserklärung von José an Carmen, die zugleich ein Feuerwerk an Gesangskunst war, verpasste sicherlich nicht nur mir eine Gänsehaut. Carmen überzeugte nach anfänglicher Tristesse durch Feuer und mit starker Stimme. Der Tanz der Zigeuner war mitreißend und der Torero Escamillo wundervoll.  Ab dem Zeitpunkt erwischte ich meinen rechten Fuß beim Mitwippen zum Takt der Musik.
Mein absolutes Highlight allerdings war und bleibt der Chor. Sowohl die Frauen als auch die Männer waren großartig. Der Kinderchor gefiel mir nicht nur optisch sehr gut, ich hatte auch vollen Respekt vor die Stimmen der Kinder. Ich kann nur jedem angehenden Opernbesucher wünschen, dass er die vielen bereits bekannten Melodien, die „Carmen“ bietet, künftig nicht mit Werbespots in Verbindung bringt, sondern mit der Oper selbst.
Last but not least: das Orchester! Der Klang, der das Opernhaus erfüllte, war unbeschreiblich toll und zauberte auch hier einen hundertprozentigen Gänsehautfaktor. Der Umbau des Orchestergrabens hat sich nicht nur akustisch gelohnt, sondern auch visuell. Man sieht die Musiker viel besser und erlebt live deren Leidenschaft mit, die einen ebenfalls mit in den Bann zieht.
Ich fand die Inszenierung äußerst gelungen. Gerade der Schluss war bildlich sehr beeindruckend – aber dazu möchte ich hier nicht zu viel verraten.
„Carmen“ ist vielseitig, mit tollen Akteuren und meiner Meinung nach eine sichere Wahl, um einen tollen Abend in der Oper zu verbringen.

 

Pater Elias Füllenbach über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Wer noch nicht viel Opernerfahrung hat, der sollte sich diese schöne Inszenierung von Bizets „Carmen“ nicht entgehen lassen! Bekannte Melodien, ein beschwingt spielendes Orchester, hervorragende Sängerinnen und Sänger, die zugleich schauspielerisches Talent zeigen… Besonders hervorheben möchte ich den Kinderchor und seine glänzende Leistung! Am Anfang wirkte die Inszenierung auf mich etwas konventionell; aber wer genau hinschaut, kann die Liebe zum Detail entdecken: Da finden sich kleine Anspielungen auf Diego Velázquez, da wird mit spanischen Klischees ironisch gespielt. Für „Kenner“ wie für „Anfänger“ sehr zu empfehlen!

 

 

Bernd Struff über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Am Sonntag war nun meine 3. Premiere an diesem Wochenende. Und dieser Premierenmarathon wurde durchCarmen“ zu einem herausragenden Höhepunkt gebracht.
Durch die eher traditionelle Inszenierung kam der Charakter dieser oft aufgeführten Oper sehr gut zum Vorschein. Das dunkle Bühnenbild gab die passende Atmosphäre für die Handlung in Carmen. So kann man sich das doch in Teilen recht dunkle Sevilla der damaligen Zeit  vorstellen, wo die Sonne nur in Ihrem höchsten Stand den Boden erreicht.
Das Orchester spielte hervorragend, was schon gleich zu Beginn mit der Ouvertüre deutlich wurde. Auch die typisch spanischen Akzente, wie die Kastagnetten waren sehr schön herauszuhören.
Als Morenike Fadayomi sang: „Du wirst alles dass tun, was ich Dir sage“  konnte ich ihr das an diesem Abend spontan glauben. Hier zeigt sich hier eine Sopranistin in einer Mezzo-Partie von schönster samtig-rauchiger Lage, die sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe glänzen konnte.
Nicht weniger brillierte Silvia Hamvasi in Ihrer Rolle als Micaëla.
Im 2.Akt  gaben die  spanischen Tänzer/-innen  in der Taverne eine tolle Vorstellung des Flamencos. Man fühlte sich sofort in diese Zeit im dunklen Sevilla zurückversetzt.
Boris Statsenko glänzte als Escamillo, wo jedoch ein etwas weniger pompöses Torero-Outfit etwas mehr gewesen wäre. Aber so sind halt die Toreros. Sergej Khomov als Don José war ein Ohrenschmaus. Mit seiner Arie „Je t’aime“ brachte er viele Besucher sehr nahe ans Wasser. Intensität und Klarheit der Stimme belegten den ganzen Abend.

Es gab keinerlei Längen in dieser Oper. Es war durchweg stimmig und ein wahrer Operngenuss. Hoch emotionaler  Gesang, tolles schauspielerische Leistung und dichter Atmosphäre. Ein Lob der gesamten Besetzung. Eine Oper, die wirklich das Herz berührt!

Ich bin mit einem Wohlgefühl und immer noch ein wenig Gänsehaut nach Hause gegangen und erinnere mich gerne an dieses Premierenwochenende, was unterschiedlicher nicht hätte sein können und gerade deshalb die Würze ausmachte.

 

Margarete Gänzler über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Für mich war es ein toller Opernabend!
Das Bühnenbild erstaunte mich zuerst, doch beim Zusammenspiel mit der Musik und den Künstlern auf der Bühne trat es dann in den Hintergrund. Die Element der Beleuchtung, die Schatten, das Licht im Hintergrund, was noch zusätzlich Tiefe erzeugte, passte für mich sehr gut in den Ablauf der Handlung.

Ich empfand den Abend sehr kurzweilig. Faszinierend der Chor und absolut wunderbar das Orchester. Die Nr. 1 der Stimmen war für mich die von Sylvia Hamvasi als Micaëla – ihre Stimme war im absolute Einklang zu ihrer Rolle. Morenike Fadayomi als Carmen verkörpert ihre Rolle prächtig und die Liebeserklärung des Don José war eine Wucht. Die Dramaturgie zwischen diesen drei Hauptpersonen kam bei mir toll an, mit viel Spannung und Aufbau – die Themen Liebe und Freiheit waren sehr spürbar.

Für mich war es ein absolut gelungener Opernabend.

 

Claudia Uhl über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Diese Aufführung der „Carmen“ ist für mich persönlich ein musikalischer und stimmlicher Hochgenuss. Selbst wer die Oper Carmen noch nie vollständig gesehen hat, kennt bestimmt die ein oder andere bekannte Melodie daraus. Seit Kindheitstagen waren auch mir die bekanntesten Arien aus Carmen vertraut, und ich war schon sehr auf diese Premiere gespannt. Ich habe oben im 2. Rang gesessen, und ich muss sagen, die Akustik und Klangfülle ist einfach wunderbar! Die Musik scheint dort oben förmlich im Raum zu „stehen“, oder vielleicht ist „schweben“ das bessere Wort.
Das gilt übrigens auch für andere Stücke, die ich seit der Vergrößerung des Orchestergrabens schon hören konnte.
Die Symphoniker spielen mit Generalmusikdirektor Axel Kober zum dahinschmelzen. Nicht nur die schwungvollen, dynamischen Partien, die typisch für diese Oper sind, auch die leisen, weichen Töne klingen großartig. Dazu diese phantastischen Sänger! Ich bin durchweg begeistert von den Stimmen der Protagonisten dieser Aufführung. Besonders gut gefallen hat mir neben der Carmen die Micaëla, die ein regelrechtes Leuchten in der Stimme hat, aber auch alle männlichen Hauptdarsteller haben wunderbar gesungen.
Die Inszenierung findet in einer durchweg recht dunklen Lichtstimmung statt, die mir anfangs ein bisschen zu düster war, die ich aber während der Oper bis zum Schluss immer stimmiger finde, weil sie das Drama dieser Handlung recht gut widerspiegelt. Die einzelnen Lichtwechsel im Sinne von Szenenwechsel, Auf- und Abgängen sind ausgesprochen gut gelungen.

Einer der Höhepunkte ist für mich die Flamenco-Szene, die wirklich toll getanzt ist. Nicht nur an dieser Stelle hat man Lust, mit den Füßen mitzuwippen, und das ging, wie ich nach einigen Gesprächen mit Zuschauern gehört habe, nicht nur mir so. Rein schauspielerisch betrachtet finde ich die Figur der Carmen sehr stark, eigentlich am ausdrucksstärksten und charismatischsten von allen. Obgleich in noch hinzufügen möchte, dass mich wirklich alle Darsteller begeistert haben, mich vor allem mit ihren schönen Stimmen und der berauschenden Musik verzaubert haben. Das wünsche ich jedem, der sich diese Oper ansehen möchte.

Guido Boehler über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Diese Oper passt in diese Jahreszeit: starke Gefühle und wunderschöne Musik. Bei dieser Gelegenheit sollte man auch mal erwähnen, dass die Qualität der Musik durch die Erweiterung der Orchestergrabens noch eine Steigerung erfahren hat. Eine wirklich tolle musikalische Leistung und wunderbare Sänger – besonders “Micaëla” wäre hervorzuheben.
Hier gefällt einfach alles: die großartige Musik, die Inszenierung, die Sänger, der hervorragende Chor, die Tänzer, das Licht, die Bühnenausstattung – alles was zu einer wirklich großen Oper dazu gehört. Ein Abend für alle, die sich auf eine traditionelle Oper freuen. Hier bekommt man sie ! Erst nach der Pause mischten sich einige moderne Elemente darunter, die nicht stören, aber auch nicht nötig gewesen wären.
Fazit: einer der ganz großen Opernabende. Unbedingt hingehen !

 

 

Dieter Falk über “Carmen am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

„Carmen“ ist meine Lieblingsoper und zählt zu Recht zur “Top 10″ der Opern-Hits, sicherlich auch aufgrund einiger musikalischer Ohrwürmer.
Deshalb habe ich mich sehr auf die Düsseldorfer Premiere gefreut und wurde – alles in allem – nicht enttäuscht. Nach dem etwas zähen ersten Akt gewann die Inszenierung reichlich an Fahrt um am Ende mit einem “Grande Finale” zu glänzen.
Absolute Highlights waren der Flamenco kurz vor der Pause, durchweg alle Chorstellen, Micaëlas Partie und das bestens inszenierte Finale mit, aus dem “off” eingespielten Orchesterechos und einem schönen dramaturgischen Höhepunkt.
Für mich passte die etwas dunkle Bühnen-Atmosphäre und die ausgeklügelt sparsamen Lichteffekte bestens zur Handlung des Stückes.
Das vergangene Wochenende war mit insgesamt drei Premieren ein grpßes für Düsseldorf. Ich freue mich schon auf die kommenden Premieren 2012.

 

 

Barbara Kessler über “Carmen” am 4. Dezember 2011 im Opernhaus Düsseldorf

Ein Opernabend der Überraschungen.
Ich habe eine Carmen als herausragende Figur dieser Oper erwartet und empfand Ihre Besetzung als eher zurückhaltend und nicht so stimmgewaltig und ausdrucksstark wie im Vorhinein vermutet. Ihre beiden Mitstreiterinnen wirkten auf mich ausdrucksstärker. Die herausragenden Personen des Abends aber waren  Don José, der verliebte Grenadier, und Micaëla, die Tugendhafte.Beide mit wunderbaren Stimmen ausgestattet.. Einer der Höhepunkte war  Don Josés gesungene Liebeserklärung, voller Kraft und Leidenschaft.

Einen weiteren Höhepunkt des Abends bot der Auftritt des gesamten Chorensembles im zweiten Akt. Unglaublich klar und ergreifend gesungen, begleitet von einem perfekten Orchester. Ein ebenso visuelles, wie musikalisches Highlight. Zur weiteren Erhellung des Abends trug die Gestaltung des Bühnenbildes bei, insbesondere in der Tanzszene der Zigeunerinnen.
Farblich unglaublich sensibel abgestimmt und die Licht- und Schattenspiele sehr eindrucksvoll.
Ein gelungener Abend allemal.

Özlem Yalinci über  “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Die Oper „Carmen“ von Georges Bizet hat mir sehr gut gefallen. Bereits Carmens erster Auftritt zog mich in ihren Bann. Die Stärke, der Stolz und das Temperament der Zigeunerfrau Carmen wurden wunderbar von der talentierten Isabelle Druet dargestellt, die mich in dieser Rolle voll überzeugte. Ihre grazilen Bewegungen, ihre Anmut und ihr Gesang begeisterten mich. Auch die Rolle der Micaëla war wunderbar besetzt mit Anke Krabbe und wunderschön anzuhören. Nicht zuletzt überzeugte der Don Jose von Sergej Khomov. Er passte hervorragend in das Bild des zerrissenen, verzweifelten Liebhabers hinein. Die Chorauftritte waren ebenfalls großartig. Obwohl die Musik bekannt ist, verliert sie kein bisschen an Glanz und Faszination und klingt live besonders gut.
Vor allem aber haben mir die wunderschönen Flamenco-Tänze gefallen.
Das düstere Bühnenbild empfand ich als sehr passend. Die Darstellung der Schenke hat mir besonders zugesagt. Schlicht und einfach, aber mit spanischem Flair. Die Flamenco-Kostüme der Frauen waren sehr geschmackvoll, stilvoll und schön.
Enttäuscht hat mich das tragische Ende der Oper, obwohl mir die Idee der Symbolik gut gefallen hat, Carmen als Torerro zu zeigen und Don Jose als Stier, hätte ich mir bei der Schlussszene eine brutalere, realere Art der Tötung Carmens gewünscht. Der Tod durch den Stierkopf hat mich eher irritiert.
Abgesehen von der Schlussszene empfand ich den Opernabend als sehr unterhaltsam, daher werde ich diese interessante und faszinierende Oper gerne weiterempfehlen!

Eckart Pressler über “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Wieder das klassische Thema, zum Scheitern verdammte Liebe: erst ein Offizier, dann ein Torero mischen sich ein in die gesellschaftlich unstatthafte Beziehung Don Josés zu dem Zigeunermädchen Carmen. Ihre Freiheit, alle zu lieben, ist ihr Schicksal, keinen „ewig“ lieben zu können. Sie weiß von diesem Fatum, Don José aber zerbricht daran: im Showdown siegt Carmens heiß verehrter Torero in der Stierkampfarena, sie dagegen sucht den Tod aus der Hand ihres verletzten Liebhabers. Schade: Zigeunerleben, freie Liebe, Schmuggelei dürfen nicht siegen – noch nicht mal auf der Bühne.
Das Bühnenbild wirft scharfes Licht und Schatten auf das dramatische Geschehen. Zwischen Wänden wie Felsblöcken unausweichlich eingeklemmt versucht immer wieder das Feuer leidenschaftlicher andalusischer Melodien und Tänze den Ausbruch aus dem Lauf des Schicksals. Die herrlichen Stimmen der Solisten und jubelnden Chöre geben der Lebenslust und Leidenschaft einen ungemein dynamischen Ausdruck. Die Carmen von Isabelle Druet fesselt vom ersten Moment an durch ihre sehr eigene dramatische Stimme, weniger durch herzerwärmenden Wohlklang als durch ihre begierige Spannung, ihre verführerische Jagdlust. Dagegen erntete Anke Krabbe die Begeisterung des Publikums für ihre romantisch reine Darbietung des Micaëla. Was für eine Hingabe! Man fragt sich, was hat den Don José,  gleichfalls künstlerisch überzeugend, Sergej Khomov nur geritten, dass er diese „sichere“ Partie, noch dazu empfohlen von seiner todkranken Mutter, ausgeschlagen hat!? Es ist der Dämon Carmen, der die Dominanz von Verstand und Vor-Sicht der Männerwelt jedenfalls zur Biedermeier-Zeit ins Wanken bringt. Funktioniert das heute auch noch, wo schnell mal Luftballons der Illusionen auf dem Liebes-Jahrmarkt zerplatzen? Von solchen schönen Anspielungen hätte ich mir für eine heute attraktive Inszenierung entschieden mehr und deftigere Momente des Augenzwinkerns gewünscht. Das verträgt der Stoff und gibt Gefühlshoheit fürs Publikum.
Von den Duisburger Philharmonikern unter Axel Kober hatte ich den Eindruck, dass sie sich erst vorsichtig in die Partitur hineinfinden mussten.  Dann aber spielten sie prächtig auf. Schade fand ich, dass es bei Carmen so wenig Vor- und Zwischenspiel gibt, wie das zum letzten Akt: hier kam die ganze Könnerschaft des Orchesters und seines Dirigenten besonders gut zur Geltung. Für mich waren die Bravos nach dem Vorhang vollauf berechtigt.

Dr. Joachim Ludwig über “Carmen” im 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Die meistgespielte Oper der Welt “Carmen” von Georges Bizet feierte in einer neuen Inszenierung des Deutsch-Venezulaners Carlos Wagner in Duisburg Premiere. Rasant und temperamentvoll – mit glänzend disponierten Duisburger Philharmonikern – führte Axel Kober durch die vielen bekannten Arien der Oper. Die Chöre – hier auch der Opernkinderchor – brachten eine fulminante Leistung.
Mit Sergej Khomov war die Rolle des Don Jose fantastisch besetzt. Anke Krabbe als Micaëla stach durch ihren klaren, lyrischen Sopran hervor. Isabelle Druet als sehr tänzerische Carmen fiel als Mezzosopran leider ein wenig ab.
Den Inszenierungs-/Bühnenbildansatz von Carlos Wagner, sich von der düstern Bilderwelt des späten Goyas inspirieren zu lassen, empfinde ich als sehr problematisch. Ich habe seine “Pintas Negras“ (Schwarzen Bilder) vor kurzem selbst im Madrider Prado gesehen. Die albtraumhaften, depressiven Bilder – zum Teil als Reaktion auf die Schrecken der Napoleonischen Kriege und der spanischen Inquisition haben nichts mit dem schicksalhaften Liebeskampf zwischen Carmen und Don Jose zu tun. Das düstere Bühnenbild wurde besonders im zweiten Akt durch die raffinierte goldfarbende Lichtregie von Fabrice Kebours geadelt.
Der Tod der Carmen – im Kostüm eines Torero – zwischen den Hörnern eines Stiers war nicht überzeugend.

Uschi Dommen über “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Die populäre Musik war auch dieses Mal mitreißend. Soviel verdienten Zwischenapplaus für Musik und Gesang hat es in Duisburg lange nicht gegeben. Bekanntes wird in Duisburg besonders geliebt und geschätzt.

Die Spielfreude und Begeisterung der Akteure und der Musiker war ansteckend. Die Stimmen überragend, Weltklasse. Die TänzerInnen lebendig, ausdrucksvoll mit großer Ausstrahlung. Die Chöre sehr gut, mit großem schauspielerischen Talent, nach der Pause sogar noch an Profil gewinnend. Das Orchester große Klasse.
Die Inszenierung hebt sich von bekannten, folkloristischen Aufführungen ab. Die Figurenzeichnung klar und differenziert. Tragik ohne Pathos, Temperament ohne Sentimentalität.

Beispiele:
Carmen will Spaß haben, Lebensfreude erfahren, trotz schwieriger Zeit. Sie ist stark, wahrhaftig, freiheitsliebend, unbestechlich, emanzipiert. Sie führt ihr Leben zielsicher gerade heraus. Sie läßt sich von niemandem dominieren, legt keinem Rechenschaft ab. Die Mezzosopranstimme unterstreicht dies genial und imponierend. Micaëla scheu, zurückhaltend, unbeirrbar, zuverlässig, die Stimme wunderbar. Don José, ein von Unschlüssigkeit und Zweifeln besetzter Charakter, zerrissen, willensschwach, der glaubt, nur mit Zwang und Gewalt die Frau seiner Träume halten zu können. Der Torero von sich eingenommen, stark, groß und steif.

Das Bühnenbild, welches mich sonst besonders begeistert, war zwar gut gedacht, handwerklich vermutlich perfekt, aber zu wenig variabel und in seiner Wirkung nur finster. Die Düsternis des Bildes hat für mich die Geschichte weder deutlicher gemacht noch unterstützt. Sie hat mich erschreckt und deprimiert. Dies mit den schwarzen Bildern Goyas zu begründen, in dessen Gemälden man auch Deformierte und Kleinwüchsige findet, ist für mich unverständlich.
Wenn man erst beim Schlussapplaus mit Licht erkennen kann, wie fantasievoll, wunderschön, herrlich und vor allem wie unterschiedlich die Kostüme sind, ist dies mehr als schade. Ich liebe die Farben. Sie haben mir gefehlt.
Während alle bisherigen Duisburger Opern durchaus in New York oder Mailand hätten aufgeführt werden können, hält die heutige Vorstellung einen Vergleich mit denen, die ich in Paris und Verona gesehen habe, nicht stand. Fazit: Ein netter Abend.

Christiane Alt über “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Dusiburg

Die ” Carmen” Premiere hat mir gut gefallen, mich sogar hier und da begeistert. Es war ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer Abend.

Ich habe bisher die “Frau ohne Schatten” und “La Bohème” gesehen, die Melodien dieser Opern waren für mich ganz neu und unbekannt. Überraschenderweise habe ich bei ” Carmen” sehr viele Melodien erkannt, mich erinnert , wie wir als Kinder die Melodien mitgesungen haben. Ich finde es toll, wenn Musik Erinnerungen freisetzt. Bei mir meldeten sich viele Bilder aus meiner Kindheit, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Sehr schöne, spannende, fröhliche Erinnerungen. Das Duisburger Orchester hat wunderbar gespielt, es war ein Genuss Musik so nah und echt zu erleben.
Die Carmen Darstellerin ist bei Einigen im Kreise der Opernscouts ja nicht so gut angekommen, mir allerdings hat die kleine, zierliche Frau sehr gefallen. Er war vielleicht keine klassische Carmen Darstellerin, aber trotzdem temperamentvoll, grazil, stolz und stimmgewaltig. Die Szene, als Carmen am Bühnenrand steht und langsam ihre Reißverschlüsse an den Ärmeln öffnet und sich quasi zum Torero verwandelt, fand ich großartig. Gender-Switch modern, ein Spiel mit den Rollen und Geschlechtern.
Das Bühnenbild war mir nicht zu düster, vielmehr hat es die Dramatik und das Geheimnisvolle der Carmen verstärkt. Die aufwendigen Lichteffekte sorgten für Spannung und Abwechslung.
Das Einzige, was ich mir dramatischer und aufwendiger gewünscht hätte, war das Ende. Carmens Ermordung hätte beeindruckender dargestellt werden können. Ich bin sicher, dass die  wunderschönen und sehr bekannten Melodien der freiheitsliebenden Carmen, sowie die tollen Tanzeinlagen auch für Opernanfänger der ideale Einstieg ist!

Marianne Lürzel über “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Carmen ist immer noch der „Renner“ und das Theater vollbesetzt. Die beiden Damen in der Reihe vor mir wippen schon bei der Ouvertüre begeistert mit. Und auch ich bin, obwohl schon tausendmal gehört, angetan von dieser kraftvollen Musik.
Der Vorhang geht auf und man blickt auf ein relativ karges, farblich schön abgestimmtes und leicht wandelbares Bühnenbild. Die Kostüme der Fabrikmädchen passen farblich perfekt, obwohl ich mir in einer Zigarettenfabrik arbeitende Zigeunerinnen bunter vorstelle.
Eine ebenso schön singende  wie tanzende und sich effektvoll lasziv bewegende Carmen  (Isabelle Druet) begeistert, auch dieser mit einer herrlichen Stimme ausgestatteter Don José (Sergej Khomov).  Und auch Michaela (Anke Krabbe) setzt Glanzpunkte. Das Orchester ist in Hochform und das Publikum begeistert.
Dann am Ende Carmen als Torero – kann man so sehen – sie ist eine Kämpferin. Aber  die Darstellung von Don José als Schlächter oder Metzger, der am Schluss gar als Stier Carmen tötet, kann ich nicht nachvollziehen und es wirkt auf mich aufgesetzt und albern.
Trotzdem eine sehenswerte Aufführung und viele Bravos aus dem Publikum.

Anna Katharina Nielsson über “Carmen” am 15. Oktober 2011 im Theater Duisburg

Die Oper Carmen gehört zu einer meiner absoluten Lieblingsopern! Die Musik ist einfach umwerfend und bezaubernd. Sie ist magisch, kann begeistern, zum Träumen anregen und es möglich machen, einen Moment einfach alles um sich herum zu vergessen. Mit dieser Erfahrung ging ich also in die Vorstellung. Ich war gespannt auf die Inszenierung und freute mich natürlich sehr auf die Musik. Gleich zu Anfang wurde ich mit den absoluten musikalischen Highlights verwöhnt. Jedoch enttäuschte mich die Inszenierung ein wenig.
Ich empfand die gesamte Inszenierung als „fluffig“ und nicht eindeutig choreographisch ausgearbeitet. Es wurden viel zu viele Klischees bedient. Außerdem habe mich mehrmals  während der Aufführung gefragt, was dieser weiße Zylinder soll?! Ich hatte mehrmals die Assoziation zu einem Todesser aus „Harry Potter“ oder dem Ku-Klux-Klan.
Auch das Ende finde ich ungünstig  gestaltet, der Zuschauer sieht wie Carmen durch einen Stierkopf getötet wird, ohne das die Hörner sie treffen. Für mich ein nicht gelungenes und zu undramatisches Ende.
Auch Carmen, die sicherlich von Georges Bizet als Femme Fatal ausgearbeitet wurde, wirkt in dieser Inszenierung zu sexy und plump. Die Darbietung entsprach einfach nicht meinen Vorstellung.

Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass Carmen zwar ganz genau weiß, wie sie auf Männer wirkt und auch genau weiß welche Strippen sie ziehen muss, um einen Mann für sich zu gewinnen – abgesehen davon, dass sie sowieso wunderschön ist – dennoch denke ich, dass sie sich von ihren eigenen Gefühlen verschließen will, denn nur so ist sie die selbstsichere und stolze Person.
Großes Thema dieser Oper ist das Schicksal, so sagt José einmal: „Warum musste das Schicksal mir nur sie über den Weg laufen lassen?“ Dieser Satz sagt so viel für mich aus. Die Oper zeigt die traurige Wahrheit über die Liebe: sie macht abhängig! Gefühle und die Liebe können einen Menschen regelrecht zerstören. Zu lieben macht aufs bitterlichste verletzlich, verwundbar und bringt einen zum verzweifeln. Das genau zeigt uns diese Oper.

Die Lichtregie von Fabrice Kebour war ein Ereignis, es war wirklich ein großes Erlebnis zu sehen, wie das Licht mit den Darstellern spielt, sie umschmeichelt und die Situationen beschreibt.
Ich kann immer noch nicht genau sagen, ob ich diese Inszenierung schlecht oder mittelprächtig finde soll, aber die Aufführung erhielt großen Applaus. Und ich schwelge in Gedanken über das Schicksal und die Liebe.

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