“Castor et Pollux” von Jean-Philippe Rameau

Barbara Wieland-Kessler über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Martin Schläpfers erste Operninszenierung habe ich sehr genossen. Im ersten Akt musste ich mich trotzdem erst in das Thema der Oper einfinden. Alle Sinne wurden durch die verschiedenen Komponenten gleichzeitig und ebenso gleichwertig angeregt: Bühnenbild, Kostüme, Chor, Gesang und Tanz.
Sofort begeistert war ich von Rameuas Musik und dem Orchester unter der Leitung von Axel Kober und dem Chor, der von Gerhard Michalski angeleitet wurde. Die herausragende Sängerin des Abends war meiner Meinung nach Alma Sadé in der Rolle der Télaïre.
Sehr stimmig wirkten Bühnenbild und Kostüme, untermalt von wunderbaren Lichteffekten. Einzig die schwarzen Turnschuhe der Tänzer  störten in einer sehr sensibel abgestimmten Farbwelt mein ästhetisches Empfinden.
Schläpfers Idee, die Tänzer Hip- Hop Sequenzen zur barocken Musik von Rameau tanzen zu lassen fand ich großartig.
Ein noch lange anhaltendes Vergnügen, unbedingt empfehlenswert.

 

Katharina Micha über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Vor einigen Jahren sah ich den Film „Der König tanzt“ von Gérard Corbiau, der die Fieberwahn-Erinnerungen des französischen Barock-Komponisten Jean-Baptiste Lully und dessen Erfahrungen am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV zum Inhalt hatte. In Anlehnung an die wunderschönen Bilder dieses Films könnte man Martin Schläpfers Inszenierung der Barockoper „Castor et Pollux“ umbenennen in „Der Gottvater tanzt“. Dem kulturell sehr umtriebigen Sonnenkönig hätte diese Inszenierung mit Sicherheit gefallen, obschon er den Komponisten Jean-Philippe Rameau nur als sehr jungen Musiker gekannt haben kann.
Dass die Vorstellung „Castor et Pollux“ an der Deutschen Oper am Rhein diese Bilder und Bezüge in mir heraufbeschwört, liegt daran, dass es dem gesamten Ensemble und dem künstlerischen Team gelungen ist, die in der Antike angesiedelte Handlung modern zu inszenieren. Die Modernität liegt aber nicht darin, die Handlung etwa in die Gegenwart zu verfrachten (wie z.B. in der Düsseldorfer Inszenierung der Rameau-Oper „Platée“ in der letzten Spielzeit), sondern im Gegenteil sind die gewaltigen Bühnenbilder und die glamourösen Kostüme, sowie Martin Schläpfers Idee, jedem Sänger und Sängerin einen tanzenden Seelenschatten an die Seite zu gesellen, das eigentlich Neue.
Dieses Feuerwerk an Inszenierungsideen führte in der Ouvertüre dazu, dass ich die Sorge hatte, ob ich diese Vielfalt an überwältigenden Sinneswahrnehmungen wohl drei Stunden lang aufnehmen könnte. Meine Befürchtungen waren überflüssig, denn es war ein Ohren-, Augen- und Seelenschmaus, der nach dem bombastischen Prolog glücklicherweise etwas Tempo rausnahm. So hatte das Publikum Gelegenheit, einzutauchen in die Mythenwelt, die die Künstlerin rosalie erschaffen hat, und die mich in ihrer Vieldimensionalität hineingezogen hat in die Tragödie rund um das Zwillingsbrüderpaar und die Liebe. Mit ganz einfachen Mitteln verwandelt rosalie die Welt der Lebenden in den von Göttern bevölkerten Olymp oder aber auch in die Unterwelt. Sie bietet uns eben keine dämonischen Hades-Kreaturen, sondern futuristisch anmutende Gestalten, die in der Hölle vor sich hin vegetieren – und das ist vielleicht das Schlimmste an der Aussicht auf Bestrafung in der Unterwelt: Öde und Langeweile. Da wachsen einem doch die menschlichen Verwirrungen wie Liebe, Wut und Trauer umso mehr ans Herzen.
Wie dankbar bin ich Martin Schläpfer für seinen Mut, sich an etwas Neues heranzuwagen und über den eigenen künstlerischen Tellerrand hinauszuschauen. Dieses Gemeinschaftswerk von Martin Schläpfer und den Sängern und Sängerinnen der Deutschen Oper am Rhein, dem Ballett am Rhein, dem Chor der Deutschen Oper, der Neuen Düsseldorfer Hofmusik, der Künstlerin rosalie, den Zuständigen für Licht und Technik, dem musikalischen Leiter und all’ den Beteiligten, die ich jetzt vergessen habe zu erwähnen, ist in meinen Augen absolut einzigartig und vielleicht ja auch preisverdächtig!? Mein Wort in Jupiters Ohr!

 

 

Margarete Gänzler über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

In Erinnerung habe ich immer noch das tolle Schlussbild der Bühne!
Vor dem Thema hatte ich etwas Respekt, da die griechischen Sagen nicht zu meinem Favoriten zählten. Zu Beginn war es dadurch auch nicht so einfach, mich auf die Handlung einzulassen. Absolut fasziniert hat mich die Präzision der einzelnen Elemente: Orchester, Ballett, Chor,  Solisten. Das Bühnenbild und die Kostüme überzeugten mich ebenfalls sehr  und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Für mich war es ein toller Opernabend mit einer hervorragenden Inszenierung.

 

 

Claudia Uhl über “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Eine Ballett-Oper wie aus einem Guss! Wenn ich an „Castor et Pollux“ denke, befinde ich mich sofort wieder in diesem wohligen Zustand des Genießens, umhüllt von einer Woge aus Kreativität, perfektem Zusammenspiel und Harmonie.

Anfangs habe ich etwas gebraucht, um hereinzukommen, alles war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber das finde ich in Ordnung, das ist Kunst, und Kunst ist manchmal gewöhnungsbedürftig und löst die unterschiedlichsten Emotionen beim Betrachter aus. Die Bilder, die Martin Schläpfer kreiert hat, sind wirklich einzigartig. Sehr gut gefiel mir die Einheit, das perfekte Zusammenspiel zwischen Tänzern, Sängern und Chor. Sänger und Tänzer nahmen sich gegenseitig nichts von Ihrer Präsenz auf der Bühne, im Gegenteil, sie unterstützten sich gegenseitig. Die Tänzer wirkten auf mich wie Gefühlsverstärker. Dadurch bekam das Ganze fast schon so etwas wie eine neue Dimension, ein Art neues Musiktheater.
Apropos Musik: Ich persönlich bin nicht unbedingt ein Freund von Barockmusik. Die Musik dieser Oper fand ich zuerst auch nicht besonders eingängig, was jedoch Axel Kober und die Neue Düsseldorfer Hofmusik daraus gezaubert haben, was ich erleben durfte, war etwas ganz Besonderes! Wie ein warmer, wohliger (Klang-)Teppich, auf den man sich fallen lassen konnte, auf denen sich auch die Tänzer fallen lassen konnten. Die perfekte Symbiose zwischen Musik, wunderschönen Stimmen der Sänger, und der Körperlichkeit der Tänzer. Ich finde, die Inszenierung hat die Musik aufs allerfeinste unterstützt, und genauso umgekehrt. Auch wenn ich mich wiederhole: für mich war das Ganze stimmig, eine wunderschöne Einheit. Dazu beigetragen haben natürlich auch die Kostüme und das Bühnenbild der Künstlerin Rosalie. Eine Lichtinstallation wie in einem Museum für moderne, zeitgenössische Kunst.

 

 

Bernd Struff zu “Castor et Pollux” am 28. Januar 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Wir erlebten am 28.01.12 eine äußerst gelungene  Ballettopern-Premiere „Castor & Pollux“.
Hier fand seit langer Zeit, nämlich seit Carmina Burana, eine ähnliche Symbiose zwischen Orchester, Gesang und Ballet statt.
Schon beim Betreten des Zuschauerraumes gab es allerhand zu entdecken: ein wunderschöner Lichtvorhang, sowie den Tänzer Jörg Weinöhl, der seitlich an der Bühne lag und von vielen Zuschauern erst wahrgenommen wurde, nachdem er sich nach Spielbeginn bewegte.
Barocke Musik, hier von Jean-Philippe Rameau, ist ein seltener  musikalischer Gast in der Oper. Die Neue Düsseldorfer Hofmusik  (für mich Premiere im Opernhaus) spielte  unter der Leitung Axel Kobers. Es war wirklich ein außerordentlicher Hörgenuss!
Der Chor der deutschen Oper am Rhein, natürlich wieder in Bestform, integrierte sich sehr gut in das gesamte Stück. Die Kostüme, einheitlich in weiß/grauen Farben gehalten, waren ebenfalls sehr passend.
Das Ballett ergab mit den Solisten, dem Chor und dem Orchester eine wunderbare (schon erwähnte) Symbiose.
Die Solisten waren hervorragend.  Trotz  dieser extremen Plateausohlen, die bei mancher Sängerin oder Sänger Teil des Kostüms waren, stimmlich so zu brillieren ist wirklich beeindruckend. Hut ab!
Das „ spacige“ Bühnenbild war sehr kreativ gestaltet und stimmig zur Aufführung, einzelne Szenen, wie der Übergang Pollux in die Unterwelt, waren eindrucksvoll dargestellt und bleiben mir stark in Erinnerung.
Drei Stunden Oper vergingen ohne jegliche Längen und erschienen sehr kurzweilig.
Nicht immer erschlossen sich mir die Zusammenhänge, dieses tat aber überhaupt keinen Abbruch und schmälerte für mich keineswegs die gelungene Aufführung.
Castor et Pollux ist ein Stück, das man mehrmals sehen sollte, um in den vollen Genuss des Ganzen zu kommen.
Augen und Ohren werden jederzeit aufs Neue belohnt!
Hoffentlich wird dieses Stück nach dieser gelungenen Premiere fester Bestandteil im Repertoire der Oper am Rhein.
Empfehlenswert!!!

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