“Dialogues des Carmélites” von Francis Poulenc

Uschi Dommen über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

Ein unglaublich faszinierender, außergewöhnlicher Abend. Die  überwältigende Musik hochdramatisch, klassisch traditionell und modern zugleich. Die Düsseldorfer Symphoniker mit Axel Kober, der Opernchor großartig, eindrucksvoll und ergreifend. Die überragenden SängerInnen von Weltniveau in wunderbarer Harmonie mit dem Orchester. Eine über Hunderte von Jahren überlieferte Geschichte in den 50ern des letzten Jahrhunderts vertont und uraufgeführt.
Regie und Bild haben mit der wirkungsvollen Auswahl der Kostüme in verschiedenen Zeiten die zeitlose Frage von innerer Haltung und Zerrissenheit, Selbstfindung, Überwindung der Angst vor dem Leben und vor dem Tod, für mich plastisch deutlich gemacht. Je unsicherer die Zeiten, umso größer die Sehnsucht nach Sicherheit. Das Erreichen innerer Freiheit und die Überwindung von Angst sind zeitlos und haben nichts mit äußeren Umständen zu tun. Somit ist der Stoff hochaktuell.
Am Ende wird das „Salve Regina“ ,der zum Schafott geführten Nonnen vom Geräusch der fallenden Guillotine zerschnitten, dazu fallen schwere, schwarze Stoffbahnen: ungewöhnlich, erschreckend, expressiv, bedeutungsvoll und tief nachwirkend. Zum Schluss verlassen die Chordamen als hingerichtete Karmeliterinnen den Raum hocherhobenen Hauptes. Sie haben ihre Angst überwunden.
Als Künstlerin fasziniert mich das Bühnenbild immer ganz besonders. Minimalistisch unterstützt es die Akteure auf wundervolle Weise. Die Farben gedeckt, zurückhaltend: weiß, beige, grau, schwarz, die Kutten braun. Selten, dramaturgisch ausgewählt plaziert, ein Tupfer rot: das Lesebändchen im 1. Bild, der Mantel von Blanche nach der Pause. Eine herrliche ca. 8 Meter hohe Bibliothekswand, die später zerbrochen auf der Bühne liegt. Der riesige, gekreuzigte Jesus von oben, wirkungsvoll und ergreifend.
Kompliment an die Beleuchtung, große Kunst! Das Publikum hochkonzentriert und begeistert. Verdient: standing ovation und viel Applaus zum Schluss.
Die Intensität von Musik, Schauspielkunst, Gesang und Bild ergeben einen aufwühlenden, beeindruckenden, imposanten Abend. Oper und Theater können tiefe Emotionen wecken, aus dem Alltag reißen, lange nachwirken. Lassen Sie sich ein. Probieren Sie es aus. Oper ist lebensbereichernd.
Tief bewegt und emotional aufgewühlt beginnt eine lange, nachdenkliche Nacht für mich.

 

 

Kitty Görner über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

In Zeiten der Französischen Revolution bittet die wohlhabende Tochter Blanche ihren Vater ins Kloster gehen zu dürfen. Sie ist von Ängsten geplagt, die ihr Leben bestimmen. Die Karmelitinnen nehmen sie auf. Am Ende geht sie mit ihren Ordensgenossinnen aufs Schafott.
Soweit in aller Kürze der Inhalt. Recht ungewohnter Stoff, ein so kirchliches, religiöses Thema, und die Verarbeitung sehr textlastig: nicht umsonst heißt es “Dialogues – Gespräche”. Die Geschichte, die erzählt wird, ist eine Geschichte von Angst, Trauer, Angst, Zweifeln, Angst und der Suche nach Sicherheit. Blanche hofft im Kloster Ruhe zu finden. Die in Zeiten von Revolution und Umsturz noch weniger zu finden ist als in Friedenszeiten.
Das Bühnenbild ist extrem sparsam und karg, sowohl was Requisiten wie auch Farben betrifft, schwarz, weiß, grau und sehr gezielt eingesetzt: rot. Das setzt den Akzent auf einzelne Momente, einzelne Gesten sowie den Inhalt der Gedanken und Gespräche und lenkt mit Bedacht die Aufmerksamkeit.
Das Ende ist erschütternd, ein dramaturgischer Geniestreich: wie die Guillotine, symbolisiert durch große fallende, schwarze Stoffbahnen und begleitet von einem unsäglich unter die Haut gehenden metallischen Laut, alle Karmelitinnen (bis auf die eine, die überlebt, um Zeugnis abzulegen) tötet.
Faszinierend fand ich, dass die Geschichte auf Tatsachen beruht und nicht nur musikalisch, sondern auch literarisch verarbeitet wurde. Außerdem hat mich der Gedankengang beschäftigt, jemand könne den Tod eines anderen sterben. Der Tod der alten Priorin (von Susan Maclean als aufbäumenden Todeskampf absolut überzeugend und nahe gehend dargestellt) , von der man ein Sterben erwarten würde, dass sie einverstanden ist mit dem Willen ihres Gottes, ist verknüpft mit dem Märtyrertod von Blanche, die ihre Mitschwestern freiwillig auf die Guillotine begleitet… Blanche, die so von Zweifeln und Ängsten geschüttelt war, dass ein so schnell und leicht wirkender Entschluss überrascht. Da erscheint der Erklärungsansatz fast plausibel, auch wenn er wohl mit unserer Realität eher wenig zu tun hat.
Insgesamt berührend und überraschend – ich liebe es (mittlerweile), uninformiert im Sinne von: ohne vorgefasste Meinung, offen und gespannt, anzusehen, was die Oper – jede einzelne mir neue Oper -  mir bietet und erzählt. Ich habe noch kein einziges Mal bedauert, eine der Opern angesehen zu haben.

 

 

Anna Lea Kopatschek über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im  Theater Duisburg

Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf zur Premiere von Francis Poulencs Oper „Dialogues des Carmélites“. Ich war gespannt, weil ich schon seit längere Zeit keine Oper mehr besucht hatte und ich mich inhaltlich nicht mit „Dialogues des Carmélites“ auseinander gesetzt hatte. Was würde mich also erwarten? Die Geschichte von einem Nonnenkloster zur Zeit der französischen Revolution konnte ich mir im ersten Moment als nicht sehr spannend vorstellen. Als ich im großen Saal des Theaters Duisburg Platz nahm, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass das Alter des Publikums relativ gemischt war. Sogar kleinere Kinder mit ihren Eltern ließen sich auf die rot bezogenen Klappsessel nieder.
Stille – das Licht ging aus und vor mir lagen nun drei Stunden Oper.
Zu meiner Verwunderung verging die Zeit bis zur Pause wie im Flug. Konzentriert und gebannt verfolgte ich die Geschichte der überaus sensiblen Protagonistin Blanche, die im kargen und wenig einladenden Kloster versucht ihre Todesangst zu überwinden. Diese kalte und sterile Atmosphäre wurde besonders durch das Bühnenbild unterstrichen. Die lupenrein, weiße Leinwand stand im Kontrast zu den braunen Kutten der Ordensschwestern. Dies alles wirkte sehr bedrohlich auf mich.
Durchweg empfand ich die Oper „Dialogues des Carmélites“  zwar als düster, besonders durch die ständige Thematik von Angst und Tod, jedoch nie verschreckend. Dies lag vor allem an dem Zusammenspiel aus dem wunderbaren Gesang der Künstler, dem Spiel der Düsseldorfer Philharmoniker und dem genial umgesetzten Bühnenbild. Dieses war gerade durch seine Schlichtheit besonders ausdrucksstark. Die letzte Szene, der dramatischen Hinrichtung, gelang dem Regisseur besonders gut und hat mich sehr beeindruckt. Mit herunterfallenden schwarzen Stoffbahnen vor einem leuchtend roten Hintergrund und dem Geräusch des fallenden Beils wurde der Gang jeder einzelnen Nonne zum Schafott verbildlicht. Für mich ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Am Ende der drei Stunden hatte man das Verlangen noch einmal über die gesamte Inszenierung nachzudenken, die erlebten Eindrücke zu sortieren und erst einmal in sich zu kehren. Meine vorherige Skepsis hatte sich in Luft aufgelöst, die Geschichte um ein französisches Nonnenkloster kann sehr wohl spannend und berührend sein!
„Dialogues des Carmélites“ ist eine Oper zum Nachdenken und Nachfühlen.

 

 

 Dr. Joachim Ludwig über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

Die Übernahmepremiere “Dialogues des Carmélites” von Francis Poulenc war ein Ereignis. Die wahre Geschichte um Lebens- und Todesangst in Zeiten der Französischen Revolution ist bewegend – musikalisch in klassischer Tradition umgesetzt. Zum ersten Mal seit 10 Jahren spielten die Düsseldorfer Symphoniker -hervorragend unter Leitung von GMD Axel Kober – wiedermal in Duisburg. Die neue Besetzung überzeugt beeindruckend mit Silvia Hamvasi ,die ihr Debüt als Blanche gab, ebenso wie Susan MacLean ,die den überaus schwierigen Part der sterbenden Priorin Madame de Croissy ergreifend gesungen und dargestellt hat. Die Inszenierung und die Ausstattung unterstreichen die kammerspielartigen “Dialogues”. Die Schlussszene – Gesang der Karmelitinnen, fallende Stoffbahnen ,das Geräusch der Guillotine- ist absolut überwältigend und tief beeindruckend.

 

 

Anna Niellson über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

Das dramatische Sterben, Liebe und der Tod sind in vielen Opern Thema. So kam ich auch zur Premiere dieser Oper mit der gleichen Erwartungshaltung und glaubte mich auch an diesem Abend erneut mit diesen Themen auseinander setzen zu müssen.
Doch diese Oper belehrte mich eines Besseren. Gleich zu Beginn wurde sehr schnell deutlich, dass es diesmal um etwas anderes ging: Angst. Dieses zentrale Thema regte mich sofort zum Nachdenken an – zum Nachdenken über mich selbst und das Leben. Vielleicht sogar den Sinn des Lebens. So ertappte ich mich mehrmals, wie ich während der Oper über mich und meine Ängste nachdachte.
Blanche erscheint als ein schüchternes, schreckhaftes, ernstes, Mädchen. Sie tritt in ein Kloster ein, um ihren Ängsten zu entkommen. Ein kahler, weißer Ort, so präsentiert das  Bühnenbild das Kloster. Dieses sterile Bühnenbild scheint wie eine Dopplung ihres Namens: Blanche – rein, sauber, weiß . . . Eine Hülle, eine Angleichung, ein Zeichen, dass sie dort hingehört,? Oder meint dort hinzugehören? Für mich persönlich eine sehr interessante Interpretation ihres Namens und eine sehr gut gelöste Bühnendekoration.
Das Stück lehrt uns Menschen, die wir nicht alleine sein wollen und vielleicht auch nicht können, dass man selbst in einer Klostergemeinschaft alleine ist. Ein Jeder muss sein Leben selbst bestreiten und gestalten. Man ist allein und selbst Sterben müssen wir allein.
Für mich wirft das Stück die zentrale Frage nach dem Sinn des Lebens auf:  Wenn wir sowieso alles alleine bestreiten müssen, sollten wir dann nicht wenigstens die Zeit, die wir haben mit Menschen verbringen, die uns gut tun, die uns lieben und die wir lieben?
Bei Blanche wird für mich niemals wirklich deutlich, ob sie sich in dem Kloster tatsächlich wohlfühlt, denn eigentlich hat sie ihren Bruder und ihren Vater, die sie lieben und sich um sie sorgen, doch Blanche sieht diese Liebe nicht und fühlt sich von ihrer Familie unverstanden. Letztendlich versucht sie sogar diese Liebe von sich abzuschotten, hat sie etwa einen fanatischen Kampf gegen die Angst aufgenommen oder ist sie so erpicht darauf, von Gott antworten zu erfahren?
Wie heißt es so schön: Man ignoriert die, die einen wollen, man will die, die einen verletzen und verletzt die, die einen wirklich lieben.
Ich persönlich habe mich so sehr auf den Text und die Entwicklung Blanches konzentriert, dass die Musik und der Gesang völlig in den Hintergrund traten. Der herrliche Chor der Nonnen jedoch, die unter anderem „Ave Maria“ sangen, war eine Wohltat und eine willkommene Abwechslung zur doch sehr schweren thematischen Handlung des Stückes. Auch das Ende, die Hinrichtung der Nonnen, wurde hervorragend inszeniert, sodass ich am Ende wirklich sprachlos war und für einen kurzen Moment unfähig war zu klatschen.
Dies ist eine Oper, die gerade wegen ihrer Thematik jeden von uns berührt. Egal ob jung oder alt, jeder hat Angst, Angst vor dem Leben und vielleicht sogar vor sich selbst. Dieser Abend war eine wirkliche Bereicherung und wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.

 

 

Dr. Katja Pivit über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

Auf dem Weg nach Hause beschäftigte mich ein Gedanke ganz besonders:

Wie fasse ich in Worte, was mich fast wortlos gemacht hat?
Ort des Geschehens ist das Kloster der Karmelitinnen, ein Ort von dem sie selbst , vor allem aber die Priorin sagen, es sei ein Ort des  Schweigens und der Hoffnung, ein Ort wo nur das Wort Gottes zähle und das Gebet das einzige sei, was ihre Existenz rechtfertige. Etwas widersprüchlich zu diesen Regeln war natürlich der Titel und die tatsächlich stattgefundenen Dialoge, deren Thema immer das Eine war: der Tod. In genau dieser Gemeinschaft mit strengen Regeln sucht eine Frau Zuflucht, die in sich eine so große Angst trägt, dass sie für sich bei Eintritt in das Kloster den Namen “Schwester Blanche von der Todesangst Christi“, wählte. Das tragische Schicksal von Blanche steht im Mittelpunkt der Handlung und mit ihr das Gefühl Angst – Todesangst.
Diese Aufführung war für mich der bisher schönste, aber auch anspruchsvollste Opernabend.
Jede Komponente dieser Oper, sei es die musikalische Interpretation der Düsseldorfer Symphoniker, die Sänger, das Bühnenbild, die Choreografie, hat für sich einzeln betrachtet  den Grad der Perfektion erreicht und war trotzdem menschlich extrem berührend. Das Thema Tod und das damit eng verbundene Gefühl der Angst, sowie die Kälte des Klosterlebens, wurden auf ein sehr feinsinniges Zusammenspiel von Worten, Klängen, Stimmen und Bildern interpretiert und unterschiedlich hervorgehoben. Ein besonderes Erlebnis war hierbei die Szene der Hinrichtung der Karmelitinnen. Das Geräusch der fallenden Guillotine, welches die Szene der Hinrichtung der Karmelitinnen begleitete, wird mich mein Leben lang an den Tod erinnern. Unterstützt wurde dieses akustische Erlebnis von einem unglaublich eindringlichem Lichtspiel.
Und wieder staune ich über die Ästhetik mit der alle beteiligten Künstler so schwierige Themen aufgreifen können ohne Furcht zu erregen, ohne zu schockieren.
Und dennoch, nach so einem schönen Abend, kehrt jeder Zuschauer zurück in den Alltag und das Thema des Abends scheint ein ewig unter uns weilendes zu sein: die Angst im allgemeinen und die Todesangst im speziellen. Und ich frage mich, was der gesellschaftliche Beitrag daran ist, dass manche Menschen voller Angst nur noch den Weg in die Flucht suchen können, sei es der Rückzug in ein Kloster, eine Sucht, Besessenheit oder auch Gewalt. Ich denke dabei zum Bespiel an den traurigen Tod der unglaublich talentierten Amy Winehouse , die wie sie sagte , ständig unter einer grauen Wolke lebte.
Vielen Dank an alle Künstler der Oper am Rhein, für diese Inspiration.

 

 

Gil Shachar über “Dialogues des Carmélites” am 30. Seeptember 2011 im Theater Duisburg

Poulencs Oper ist eine große Überraschung. Sie ist sowohl musikalisch, als auch von der Aufführung eine der besten und interessantesten Produktionen bisher in Duisburg. Die musikalische Sprache ist für seine Zeit konservativ, dennoch voller berührender Momente, fantasievoll orchestriert und sehr stimmungsvoll. Man merkt, wie ernst und wichtig Poulenc das Werk nahm. Ihm gelang es, ein Werk zu schaffen, das zwar keine Spur von Ironie enthält, aber andererseits weder pathetisch noch weihevoll erscheint. Im Gegenteil, es ist aufrichtig und ehrlich.
Thematisch könnte man das Stück als überholt und altmodisch betrachten: Es spielt während der Französischen Revolution in einem Karmeliterfrauenkloster und erzählt von Nonnen, die aus Überzeugung lieber in den Tod gehen als ihrem Glauben abzuschwören. Die Werte der Revolution werden hier negativ dargestellt, gleichsam als sadistische Vernichtung (in der Inszenierung wird dieser Aspekt gelegentlich übertrieben dargestellt).
Trotz der Gefahr, ein überholtes Thema in einer veralteten Musiksprache präsentiert zu bekommen – das Werk stammt aus einer Zeit als unter anderem Stockhausen musikalische Experimente mit elektronischer Musik durchführte – , zeigte sich die Oper sehr überzeugend und überraschend aktuell, denn die Frage nach der Rolle der Religion ist seit einiger Zeit wieder in den Vordergrund des gesellschaftlichen Lebens gerückt.
Dennoch, die zwei Ebenen: die politisch religiöse, die die Handlung des Stücks bestimmt und die ästhetische Ebene wären nicht so überzeugend gewesen, wäre Poulenc kein großer Komponist.
Man spürt, es ging ihm nicht nur um die Verteidigung des Glaubens und der Religion, sondern auch um seine musikalischen Grundsätze, die damals schon als veraltet galten. Im übertragenen Sinne kann man so die Geschichte der Nonnen als Symbol für das Festhalten an alte Glaubensgrundsätze und für die Opferbereitschaft des Künstlers interpretieren.
Großes Lob für die Sänger, besonders an Silvia Hamvasi, die durch ihre wunderschöne Stimme die Rolle der Blanche eindrucksvoll verkörperte und an Susan Maclean als Priorin, die schauspielerisch und gesanglich mitriss. Nicht weniger eindrucksvoll spielte das Orchester der Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Axel Kober. Die Inszenierung, die sich frei von überflüssigem Ballast darbot, das minimalistische Bühnenbild und die raffinierte Beleuchtung haben gleichfalls zu dem Erfolg des Abends beigetragen. Diese spannende, anregende und großartige Produktion ist nachdrücklich zu empfehlen!

 

 

Özlem Yalinci über “Dialogues des Carmélites” am 30. September 2011 im Theater Duisburg

Die Oper “Dialogues des Carmélites” von Francis Poulenc kann ich unbedingt weiterempfehlen. Mir hat die dreistündige Oper mit Pause sehr gut gefallen. Die Musik, die Dialoge, das Spiel und die tollen Stimmen der Sängerinnen und Sänger haben mich schnell gefangen genommen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich empfinde die Oper “Dialogues des Carmélites” als ein emotional sehr berührendes Stück.
Die Bühnendekoration war sehr gelungen. Die riesige Bibliothekswand am Anfang des ersten Akts und das letzte Bild im dritten Akt, in dem die Karmelitinnen sterben, gefielen mir besonders gut. Das Geräusch der Guillotine klang unglaublich real. Die schwarzen Stoffbahnen, die “als Symbol” für jede getötete Karmelitin herunterfielen, waren sehr aufwühlend. Durchgehend hat mich das Bühnenbild mit einfachen, stilistischen Mitteln beeindruckt. Die Kostüme waren insgesamt sehr  passend, allerdings hat mir persönlich die Vermischung von Moderne und Vergangenheit bei der Verwendung der Kostüme für die Familie und das französische Volk nicht so gut gefallen. Ich persönlich hätte einen durchgehenden Stil favorisiert. Daher haben mir die in den kurzen Pausen gezeigten Schattenfiguren der „Modernen“ Welt auch weniger zugesagt.
Die Hauptfigur Blanche, die mit ihren inneren Dämonen kämpfen muss, und die Gemeinschaft der Karmelitinnen, die bis in den Tod zusammenhalten, geben diesem dramatischen Stück Spannung bis in die letzte Minute. Gerade durch die Dialoge zwischen den verschiedenen Figuren bleibt es durchgehend spannend und die dramatischen Umstände spitzen sich zu. Familie, Glaube und Freundschaft spielen eine besonders große Rolle in diesem Stück. Außerdem werden die extremen Seiten der Revolution, die Solidarität zwischen den Frauen und Tod und Martyrium thematisiert. Vor allem aber handelt das Stück von dem Kampf einer Frau gegen ihre eigenen, inneren Ängste und die Bewältigung dieser Ängste. Blanche mit ihrer verletzlichen und ängstlichen Persönlichkeit macht während des Stücks eine bewundernswerte Veränderung durch. Sie verwandelt sich von einem kleinen, ängstlichen “Häschen” zu einer Märtyrerin.
Die Musik ist durchgehend sehr fesselnd. Stück und Musik harmonieren sehr gut, leider wurden die Stimmen der Sängerinnen und Sänger an manchen Stellen  von der Musik übertönt. Die Gesänge des Chors sind mir ganz besonders positiv aufgefallen. Diese, teilweise auf historischen Begebenheiten beruhende Oper, istzeitlos interessant und sehr berührend. Das Thema Angst sehr menschlich und nachvollziehbar dargestellt. Meiner Meinung nach insgesamt eine sehr sehenswerte Oper!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 38 Followern an

%d Bloggern gefällt das: