“Die Nachtigall” von Igor Strawinsky für Publikum ab sechs Jahren

Eckart Pressler über “Die Nachtigall” am 3. Februar 2012 im Theater Duisburg

Als Strawinsky diese Oper komponierte, da gab es sie noch in Deutschland, Russland, Japan und in China: die Kaisers. Besonders glücklich schienen sie nirgends gewesen zu sein. Schon bei Richard Strauß war die Kaiserin eine unglückliche „Frau ohne Schatten“, deren Kaiser-Mann gar zu versteinern drohte. Und Strawinsky ließ gemäß dem Märchen „Die Nachtigall“ von Hans Christian Andersen seinen Kaiser in eiskalten Todesschlaf versinken, denn er und sein Reich erstarben in schrecklichem Alltagsgrau, Langeweile und Perspektivlosigkeit.*) In beiden Opern weiß das einfache Volk einen Ausweg. So war es auch in echt, sprich in der Geschichte. Was darüber ist, das ist Märchen. Und das wird in der Inszenierung im Duisburger Haus der Oper am Rhein in einem hinreißenden Rausch von Bildern erzählt, dass man schon fast an Märchen glauben mag. Alle Mittel der Bühnentechnik und -illusion fließen zusammen zu einem prächtigen Farbenspiel, zu einem Spiel von Allegorien und Fantasien, Anspielungen und Zitaten. Alles ordentlich mit deftigen Kontrasten geordnet nach Gut und Böse, anmutig und tölpelhaft, tropischer Wärme und fernöstlichem Frost – sonst wär’s ja kein Märchen. Und so kann jeder die Botschaft verstehen. Der übergroße Kaiser, diese Machtpuppe, kann durch die gute Fee in Form der wunderschönen Nachtigall und ihrem alles verzaubernden Gesanges aus seiner Erstarrung eine Erlösung finden. Freilich nur zu Tränen gerührt, das Märchen verrät nicht, ob auch Erkenntnis folgte. Das ist sehr klug, weil somit die Erkenntnis der Zuschauer zu ziehen hat. Und ihm bleibt die kindliche Freude an all dem gebotenen Zauber, der die Bühne und den Zuschauerraum füllt.

Mal ehrlich: im Vergleich dazu ist eine Reise ins Disney-Märchenland nach Orlando oder Paris sein Geld nicht wert. Also besser rein in die 901 und diese Oper anschauen. Vorteilhaft ist die Kürze der Inszenierung von 50 Minuten. Die Einführung sollten die Eltern mit ihren Kids unbedingt besuchen. Denn eine Kinderoper ist „Die Nachtigall“ nicht. Dazu fehlt es an Elementen zum Mitmachen. Leider sind auch die Übertitel-Texte nicht einfach zu verstehen. Musikalisch hat mich Strawinsky nicht überzeugen können. Dafür aber natürlich wie immer die Duisburger Philharmoniker. Und auch die Stimmen: allen voran betörte die Nachtigall. Wann nur habe ich zuletzt eine in freier Natur gehört?

*) Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Personen und Gegebenheiten in Duisburg ist nicht garantiert beabsichtigt….

 

 

Özlem Yalinci über “Die Nachtigall” am 3. Februar 2012 im Theater Duisburg

Märchenhaft schön wird in bunten Bildern die Geschichte um die Nachtigall und den Kaiser von China erzählt. Farbenprächtige Bühnenbilder reihen sich aneinander und sorgen für Spannung. Schon der Anfang dieser Märchenoper wird überwältigend aufwendig mit einem tollen Bühnenbild, einem Wald, dargestellt. Die große chinesische Kaiserstadt des zweiten Aktes wird durch herabgelassene Lichtschriftzüge typisch chinesisch kunterbunt und grell gezeigt. Auch der dritte Akt, in dem der Kaiser den Tod und seine Geistern fürchten muss, ist sehr gelungen und überzeugend dargestellt. Auch die chinesischen Kostüme und Masken sind faszinierend.
Ein besonderes Detail sind die japanischen Boten. Mit ihren witzigen, modernen Frisuren heben sich deutlich von der traditionellen Kostümierung der Chinesen ab. Dazu passt ebenfalls die künstliche Nachtigall, die als goldener Fernseher dargestellt, dem Kaiser als Geschenk gereicht wird. Die Musik ist toll und wird vom schönen Gesang der Nachtigall abgerundet.
Alles in allem wird die Oper auf der Grundlage der Geschichte  Hans Christian Andersens nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene sehr ansprechend gespielt. Ich kann diese Oper für alle Sinne nur wärmstens weiterempfehlen.

 

Kitty Görner über “Die Nachtigall” am 2. Februar 2012 im Theater Duisburg

Eine kleine und kurze Strawinsky-Oper, nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, angekündigt für Kinder ab sechs Jahren und junges Publikum.
Ich hatte einen Tag vorher mehr durch Zufall an einer Bühnenführung teilgenommen und da im Keller den Bühnenaufbau des ersten Aktes, den Dschungel, gesehen. Ihn jetzt belebt, beleuchtet und bespielt zu erleben war toll. (Überhaupt ist eine Bühnenführung sehr empfehlenswert!!) Die Bühne wie auch die Kostüme (beides von Tatjana Ivschina) waren sehr bunt und einfallsreich… alleine die Rutsche, die die zwei Bühnenebenen miteinander verband! Fast wollte man mitspielen, mitrutschen und verstecken spielen.
Leider war in meinen Augen allerdings die sonstige Verarbeitung des Stoffes nicht sehr kindgerecht. Bepackt mit Symbolik und befrachtet mit visuellen Nebenhandlungen fiel es manches Mal schwer, der Handlung zu folgen. Hinter mir saß ein mir fremdes Kind, das ich von Zeit zu Zeit leise fragen hörte: ist das der Kaiser? und wer ist das jetzt? und wo ist die Nachtigall???
Die Inszenierung war interessant, bunt und schön, aber durch die Vielfalt der “Action” nur sehr bedingt geeignet für junge, vielleicht unerfahrene Operngänger. Oder unterschätze ich die Kinder von heute??

 

 

Dr. Katja Pivit über “Die Nachtigall” am 2. Februar 2012 im Theater Duisburg

Ein Märchen von Hans Christian Andersen
begleitet durch die Komposition von Igor Strawinsky

Es war ein besonderes Ereignis für mich, da ich bisher noch nie eine Kinderoper besucht habe. Ich war sehr gespannt auf die Atmosphäre im so jungen Publikum und hatte kindliche Reaktionen des Staunens, der Berührung und des Gespannt seins erwartet. Die Stimmung war jedoch eher von der Ruhe der hohen Konzentration aller Besucher geprägt.
Im Vordergrund stand für mich das wunderbare Bühnenbild . Es war bunt, symbolisch, metaphorisch, orientalisch, opulent. Es bot eine Fülle visueller Eindrücke, die erstaunlicherweise nicht verwirrten, sondern geordnet erschienen. Es hat mich an einen Korb voller bunter, süßer Köstlichkeiten erinnert, der jedes Kinderauge erstrahlen  lassen würde.
Diese Aufführung war eine Laudatio an den Gesang, der es vermag den Tag zu beginnen, die Welt aus dem Schlaf zu wecken, der Natur Leben einzuhauchen, von Machtgier gefangene Herzen zu erweichen, den Tod zu besänftigen, Trauer und Leblosigkeit in Freude und Bewegung zu verwandeln. Der Gesang der Nachtigall vermag all dies und die künstlerische Besetzung dieser Rolle hat ihre Aufgabe als Botschafterin des Gesangs würdig und überzeugend vermittelt.
Diese Oper war auch eine Laudatio an die kleinen Dinge des Lebens die von Herzen kommen, und nur vom Herzen gesehen und gehört werden können, und sei es ein kleiner unscheinbarer, grauer Vogel.
Diese Aufführung war sicherlich für alle kleinen Besucher eine gelungene Abwechslung zur Spielkonsole, zum Comic Heft und vor allem zu Schularbeiten.
Eine gelungene Entführung in eine Fabelwelt für die ganze Familie.

 

Uschi Dommen über “Die Nachtigall” am 2. Februar 2012 im Theater Duisburg

Das Kinderpublikum gebannt, gespannt. Das Bühnenbild fantasievoll, farbig, fantastisch. Die Stimme der Nachtigall überragend, große Klasse. Die Geschichte ist bereits durch die Gebrüder Grimm bekannt, übertitelt zum Mitlesen.
Die Musik Strawinskys war nicht immer unterstützend und harmonisch zu Gesang und Bild, somit für mein Ohr gewöhnungsbedürftig, schwierig, ungewöhnlich, dennoch traf sie mein Herz.
Ein großartiger Abend außergewöhnlich schön und besonders bemerkenswert, dass bei kindgerechter Kürze von 50 Minuten große Oper geboten wurde, für unser Publikum von morgen.

 

 

Gil Shachar über “Die Nachtigall” am 2. Februar 2012 im Theater Duisburg

Die Strawinsky Oper „Die Nachtigall“ hat zwei Ebenen. Auf der einen Seite ist die Adaption von Hans Christian Andersens Märchen von der Nachtigall ein Unterhaltungsstück, das auch für Kinder  sehr gut passt, weil es in eine Wunderwelt des Fantastischen führt. Das zeigt die Aufführung in  Duisburg sehr eindrucksvoll. Großes Lob für alle Beteiligten, sowohl für die hervorragenden  Sänger, wie für das überaus fantasievolle Bühnenbild und die Kostüme, für die faszinierende  Inszenierung und das sehr gut agierende Orchester. Die Oper wurde so aufgeführt, dass die durch  das Internet und Computerspiele geprägte Sehgewohnheiten der jüngeren Zuschauer berücksichtigt wurden. Tatsächlich waren die anwesenden Kindern so von der Handlung fasziniert, dass sie das  Geschehen äußerst angeregt verfolgt haben.
Auf der anderen Seite enthält die Kurzoper eine Tiefendimension, die die Kraft der Musik darstellt,  die den Tod besiegen kann, wie schon in der Geschichte von Orpheus.  Meine Vermutung ist, dass Strawinsky aus diesem Grund den Andersen-Text als Grundlage für  seine Oper ausgesucht hat, da er an diesen Mythos anknüpfen wollte. Es ist bekannt, dass die  Orpheus-Erzählung bereits im Barock als Vorbild für die ersten Opern der Musikgeschichte diente.  Jacopo Peri, Giuilo Caccini und Claudio Monteverdi nahmen sich nicht zufällig dieser alten Sage  an, die als ein Symbol für den damals neuen musikalischen Aufbruch empfunden wurde. Strawinsky, der die alten Meister kannte und einstudierte, war sich bewusst, dass auch er mit seiner
musikalischen Sprache Neuland betritt.
So hat Strawinsky eine ganz raffinierte Konstellation geschaffen, indem er die Kinder für  progressive und komplexe Musik, die normalerweise nicht als typische Kindermusik gilt, begeistert.  Einen großen Anteil daran hatte auch diese gelungene Aufführung.

 

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