“Don Giovanni” von Wolfgang Amadeus Mozart

Özlem Yalinci über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Die Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart in italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln ist eine gelungene Inszenierung in zwei Akten. Mir persönlich hat der Opernabend ein unterhaltsames, farbenprächtiges und musikalisch berauschendes Erlebnis beschert. Die Musik war grandios. Die männlichen Sänger haben mir gut gefallen und die Frauen waren einfach überwältigend. Generell haben mich die Künstlerinnen durch ihre Aktivität und Vielschichtigkeit und mit den wundervollen Gesängen sehr fasziniert. Schmerz, Leid, Verzweiflung, Verführung, Schwäche und Leidenschaft wurden beeindruckend vermittelt.
Unter anderem durch die vieldeutigen Anspielungen auf homosexuelle Beziehungen wirkte die Geschichte der menschlichen Anziehungskraft und Leidenschaft zeitlos und modern. Auch die Kostüme der Frauen, die aus verschiedenen Epochen stammen, verstärkten die zeitlose Komponente der Thematik. Die Figuren agierten sehr menschlich und blieben dabei individuell und interessant. Don Giovannis Einfluss und Macht über die Männer und Frauen in seinem Umfeld wurde intensiv und überzeugend dargestellt. Auch der Chor in seinen weißen Geisterkostümen bestärkte diesen Einfluss.
Trotzdem empfand ich an einigen Stellen des Stückes Längen und hätte es begrüßt, wenn die Oper etwas kürzer gewesen wäre.
Die verwinkelte Gestaltung der Bühne unterstützte in passender und fanatsievoller Weise die Oper.
Die Stimmung am Premierenabend war sehr angenehm. Es ist immer wieder schön eine Oper von Wolfgang Amadeus “Mozart” zu sehen. Ein Besuch dieser großartigen Oper lohnt sich und wird von mir daher gerne empfohlen.

Eckart Pressler über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Eine musikalische Meisterleistung und eine Inszenierung, die es in sich haben! Da wird beste Unterhaltung geboten durch eine großartig gelungene Verbindung von Gesang und Schauspiel. Das Bühnenbild mit mehreren Layern gibt der an sich einfachen Handlung eine Tiefenschärfe, die Augen und das Mitdenken des Publikums immer neu herausfordern. Ein Genuss für sich ist, wie Mozart die Gesangs- und Instrumentenstimmen zu einem einheitlichen Ganzen zusammenführt. Die Stimmen stehen nicht sozusagen wie Statuen, sondern fließen mit größter Dynamik als Teil der Komposition. Wieder bin ich begeistert von der Vielfalt und hohen Qualität der Sängerinnen und Sänger. Es ist nicht die individuell glänzende Arie, wie sie bei anderen Opern hervorsticht, sondern das geniale Zusammenspiel aller agierenden Stimmen, dramatischen Charaktere und des Orchesters.

Die dramaturgische Deutung der Inszenierung von Karoline Gruber, die das Programmheft wie auch die Einführung durch Hella Bartnig vermitteln, will mir persönlich jedoch nicht einleuchten. Don Giovanni ist bei Mozart und seinem Librettisten Lorenzo da Ponte sicher zu Recht ein liederlicher Drauf- und Drübergänger. Da gibt es nichts zu beschönigen und er wird auch kein tauglicherer Charakter oder gar Held, wenn man ihm eine wundersame Wirkung zuschreibt, nach der die von ihm umgelegten Partner/-innen nach der erfahrenen Ernüchterung ihr Leben und ihre Perspektive reflektieren. Die Arie von der Freiheit hebt Don Giovanni nicht aus seinem moralischen Gefängnis heraus, denn es gelingt ihm bestenfalls die Freizügigkeit zu besingen, die aber in den Betten seiner Zeit eh alltäglich war. So kann er keine zündende Vision bieten, sondern im Grunde nur zeigen, welche Opfer sein Sexualzwang hinterlässt. Von diesen leeren menschlichen Hülsen ist die Bühne des Geschehens wahrlich voll.
Die Handlung ist und bleibt ein Holzschnitt, eine Art Mysterienspiel, das uns aus sozial unterschiedlichen Milieus stammende Akteure präsentiert und vorführt: alle sind verführbar in ihren Leidenschaften und am Ende bestenfalls ein wenig belehrbar durch die „schreckliche“ Moral, dass wer Böses tut auch ein böses Schicksal nimmt. So hat Don Giovanni nur das eine Register zu bieten (Weiber sind für ihn notwendiger als das Brot!), er zerbricht nicht mal in seiner Hybris, sondern zieht gegenüber der versteinerten vergangenen Gesellschaft des Komturs bis zum bitteren Ende konsequent den Kürzeren.
Man kann Mozart/ da Ponte wohl nicht unterstellen, dass sie mit Don Giovanni die Fragen der Zeit auf die Bühne brachten in den Tagen vor dem europäischen Umbruch der Französischen Revolution. Musikalisch aber und für die Oper als Kunstform war Don Giovanni aber sicher ein großer Schritt nach vorn. Das kann man heute noch empfinden und deshalb lohnt sich auch der Besuch.

 

 

Uschi Dommen über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Das war eine Opernpremiere ganz nach dem Herzen des Duisburger Publikums mit viel Zwischenapplaus und großem Jubel zum Schluss. Große Oper, wie man sie liebt, opulent, farbig, unterhaltsam, großartig.
Die Musik Mozarts in der Prager Fassung ist genial, hochdramatisch und voller Spannung. Wie immer von unseren DU-Philharmonikern, diesmal im Graben gut sichtbar, wunderbar, auf höchstem Niveau interpretiert. Sensibel dirigiert von dem Gaststar, unserem ehemaligen 1. Kapellmeister, Friedemann Layer.
Ein Fest der Stimmen! Schauspielerisch hochbegabt, jeder für sich ein Star mit großem Können, aber ohne Allüren. Herrlich auch der Chor und die Statisterie als abgelegte Geliebten in weißen Totengewändern, insgesamt ein Hochgenuss.
Der Inhalt ist aktuell wie bei der Uraufführung und handelt von Verführung, Begehren, Verlangen, Lust, Liebe, Schmerz, Tod, Lebensfreude, Leidenschaft, Rausch, Abhängigkeit, von allen Facetten des Lebens, vor allem aber von der Freiheit. Bin ich auf dem richtigen Weg, oder will ich ihn ändern? Muss ich mich ein Leben lang Regeln unterwerfen, oder kämpfe ich für die Außerkraftsetzung der Ordnung? Siegt die Freiheit?
Don Giovanni verkörpert die Freiheit  in dieser tragisch dramatischen Komödie, diesem komödienhaften Drama. Rasend schnell, modern, als sinnlicher Sehnsuchtstraum inszeniert. Die Kostüme symbolisieren die verschiedenen Zeitebenen.
Bühnenbild und Beleuchtung bringen mich auch diesmal wieder ganz besonders ins Schwärmen. Die Bühne rechts über einen Meter höher als links. Die dadurch entstehende Schräge irritiert, die schrägen Bilderrahmen begeistern. Das Bühnenbild ist im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen fallend.
Es war ein wunderschöner Abend. Genussvoll habe ich mich aus der Wirklichkeit entführen lassen in einen bilderreichen und fülligen Opernreigen, filmreif, stimmig, rund. „Wer Böses tut, kommt in die Hölle“. Das wünscht sich der Mensch, dass das Böse bestraft wird und das Gute Bestand hat, wie im Märchen oder in der Oper.
Viele Vorhänge. Zufrieden mache ich mich auf den Heimweg. Lassen auch Sie sich bestens unterhalten.

 

 

Gil Shachar über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Karoline Grubers Inszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ zeigte eine durchaus interessante Interpretation des bekannten Stoffes, die aber nicht frei von Problemen ist.
Interessant und ungewöhnlich war schon der Anfang, noch bevor die Ouvertüre begann(!), der ein Bild zeigte, das wie aus einer Horror-Geschichte entnommen zu sein schien: in einer stürmischen Nacht gerät ein junges Paar (Zerlina und Masetto) in ein düsteres Schloss. Es wird in einer seltsamen und furchterregenden Art und Weise empfangen und findet sich darin, ohne Ausweg, gefangen. Das Paar muss das ganze Bühnengeschehen unfreiwillig verfolgen, bis ihr eigentlicher Auftritt kommt (30 Minuten nach Opernanfang). So bekommen wir, die Zuschauer, eine ganz neue, stark theaterartige Perspektive der Geschichte.
Die Inszenierung, das komplexe Bühnenbild und die Kostüme werden von diesem theatralischen, oft überladenen, vielschichtigen Einsatz dominiert. Die Schattenseite, die Dekadenz, und die moralische Fragwürdigkeit der Handlung werden in den  Vordergrund gestellt. Es scheint an manchen Stellen, als ob die Oper in eine andere Epoche versetzt wird, in die Gotik oder in die wienerische Dekadenz des 19. Jahrhunderts. Es entstehen dabei überzeugende Szenen, wie die wunderbare Schlussszene des ersten Aktes, aber andere Elemente der Interpretation wirken so exzentrisch, dass sie die Musik fast in den Hintergrund drängen. Ein Beispiel dafür ist der Chor, der immer wieder in verschiedenen Funktionen erscheint und aus zombieartigen Gestalten zusammengestellt wird (Geister von Don Giovannis Opfern?), aber auch Leporellos Homosexualität, die mehrmals angedeutet wird, oder die Festszene kurz vor Giovannis Ende, wo das menschliche Fleisch, im erotischen Sinne, zum Mahl des Festes wird.
Die Bilder waren so gewaltig, mit Symbolik und Anspielungen so beladen, dass ich an manchen Stellen meine Augen schließen musste, um mich nur noch auf die Musik konzentrieren zu können. Musikalisch gesehen war der Abend ein großer Erfolg. Trotz anfänglichen Unstimmigkeiten zwischen Orchester und Sänger und manche für meine Ohren zu langsam gespielte Stellen, konnte sich das Orchester in seiner besten Form zeigen. Die Sänger sangen meistens hervorragend, besonders Torben Jürgens (Masetto), Adam Palka (Leporello), Olesya Golovneva (Donna Anna) und Roman Polisadov (Il Commendatore). Ausgezeichnet war auch Alma Sadé (Zerlina), die über eine angenehme Stimme und ein großes schauspielerisches Talent verfügt. Nur Don Giovanni war weniger überzeugend, schauspielerisch gesehen, als der größere Verführer, was aber dem Gesamteindruck kaum geschadet hat.
Der eigentliche Star des Abends war aber Mozarts Musik, die auch durch eine komplexe, provokante, turbulente und auf jeden Fall sehenswerte Interpretation in ihrer Schönheit und Einfachheit durchscheint.

 

 

Dr. Joachim Ludwig über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Die Don Giovanni-Premiere im Duisburger Theater war ein Fest der Stimmen. Phantastisch sangen Roman Polisadov – Il Commendatore, Corby Welch – Don Ottavio, Torben Jürgens – Masetto. Laimonas Pautienius als Don Giovanni fiel stimmlich etwas ab. Adam Palka als Diener Leporello gab auch spielerisch ein wunderbares Rollendebüt. Überwältigend waren die Sängerinnen Olesya Golovneva – Donna Anna, Nataliya Kovalova – Donna Elvira und Alma Sadé – Zerlina. Musikalisch haben die Duisburger Philharmoniker der unter Leitung von “Altmeister” Friedemann Layer (bis 1986 11 Jahre 1.Kapellmeister an der DOR) wie gewohnt Hervorragendes geleistet. Die vom Film inspirierte Inszenierung von Karoline Gruber ist gelungen.( u.a. Beginn Rocky Horror Picture Show, Ex-Geliebte als “Zombies”, Menschen im Hotel).Das Bühnenbild von Roy Spahn mit seinen Schrägen und Rahmen wirkte wie ins Bild gesetzte Sprichworte – ” auf die schiefe Bahn geraten“ – „aus dem Rahmen fallen”.

 

 

Dr.Katja Pivit über “Don Giovanni” am 22. Juni 2012 im Theater Duisburg

Zunächst einmal ein großes Lob an die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Friedemann Layer. Es war ein akustisches Festmahl. Spiel und Drama durchdrangen musikalisch den Raum und bemächtigten sich meiner Gefühlslage in beinahe jedem Moment.
Ich war sehr auf diese Oper gespannt, ist sie und vor allem die Figur des Don Giovanni doch über Jahrhunderte das Sinnbild des egoistischen, lustgesteuerte Frauenverführers.
Zunächst erscheint es auch so, als würde Don Giovannis unersättlicher Verführungs- und Eroberungsdrang im Mittelpunkt stehen, wenn da nicht die in weiß gekleideten Figuren gewesen wären, die zunächst nur erahnen ließen, dass Mozart, Da Ponte und Frau Gruber vielleicht noch anderes im Schilde führen.
Als Donna Anna im ersten Akt ihrem Verlobten Don Ottavio von ihrer nächtlichen Begegnung mit Don Giovanni erzählte, der gegen ihren Willen intim wurde und dass danach ihr Vater von Don Giovanni getötet wurde, erschienen im Hintergrund des Bühnenbildes in einem etwas schiefen Bilderrahmen, der so groß war wie die Bühne, zwei weiß gekleidete Personen, eine Frau und ein Mann ,die während der Erzählung Donna Annas, eine intime Begegnung, bei der keinerlei Ablehnung oder Kampf zu erkennen war, spielten. Und so setzte sich im Hintergrund des Bühnenbildes immer wieder die Darstellung einer Art Parallelwelt mit weiß gekleideten Menschen, fort.
In der Inszenierung ging es wohl weniger um die Bestätigung des negativ behafteten Klischees des  Don Giovanni, sondern eher darum zu ergründen was ihn getrieben hat, sein  Unwesen zu treiben. Und hier kommt meines Erachtens nach die Parallelwelt der weißen Gestalten ins Spiel, die einen subtilen aber klaren Kontrast zu dem „Dramma giocoso“ bildet.
Aber was ist diese Parallelwelt? Das Universum? Die Welt der Toten? Die Wahrheit? Das kollektive Unterbewusstsein? Oder eine Art geistiger Fluchtweg?
Sie scheint über ein unsichtbares Band mit Don Giovanni verbunden zu sein und wird auch nur von ihm wahrgenommen, wobei nicht klar wird, ob seine Wahrnehmung bewusst oder unbewusst ist.
Er hat eine magische Anziehungskraft und die Gabe, die Sehnsüchte nicht nur der Frauen, sondern aller Menschen ans Tageslicht zu bringen. Er missachtet Regeln, lehnt es ab die Erwartungen anderer zu erfüllen und folgt ausschließlich der Befriedigung seiner Bedürfnisse. Schon alleine dass er den Mut hatte sein Leben auf seine Weise zu leben, weckt die Sehnsüchte in seinen Mitmenschen. Aber woher hatte er den Mut die ihn jegliche Existenz- und Todesangst überwinden ließ? War es die Parallelwelt? Und wenn ja, was hat diese, dass er sich nicht fürchtet, nicht mal vor dem Tod? Was hat diese Parallelwelt, dass sie ihm eine magische Anziehungskraft verleiht und die Sehnsüchte der Menschen wecken kann?

Ich habe noch keine Antwort gefunden, bin aber sehr froh, dass ich mir diese Frage stelle, den es sind diese Fragen die einen Opernbesuch, neben dem künstlerischen Genuss, für mich immer wieder sehr wertvoll machen.

 

 

 

 

 

 

 

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