“Mörder Kasper Brand” von Anno Schreier

Katharina Micha über “Mörder Kaspar Brand” am 14. Juni 2012 im Central

Am 14.06.2012 durfte ich mit „Mörder Kaspar Brand“ von Anno Schreier meine erste Uraufführung einer Operninszenierung erleben und war ganz begeistert. Vielleicht ist es nur Einbildung, aber im Saal herrschte eine noch elektrisierendere Stimmung als sonst bei den Premieren. Auch die für das Opernpublikum ungewöhnliche Spielstätte im „Central in der Alten Paketpost“ trug zu diesem Kribbeln bei und ließ das Publikum durch die Nähe zur Bühne noch mehr am Geschehen teilhaben. Das Orchester war gut sichtbar wie eine Art Verlängerung des Zuschauerraums auf einer Tribüne platziert und wie Zirkusmusikanten gekleidet.  Dazu passend war der zu bespielende Bühnenraum eine bewegliche Zirkusarena, deren Sinn sich mir aus der Geschichte heraus aber nicht erschloss.

Der Ausgangspunkt dieser Operngeschichte hat mir sehr gut gefallen: ein Motiv einer Kurzgeschichte Edgar Allan Poes war die Grundidee für die Handlung rund um das Thema Einbildung und Wahrheit. Bis zum Schluss ahnt der Zuschauer nicht, wen Kaspar Brand tatsächlich oder nur in seiner Vorstellung umgebracht hat. Somit baut sich ein stetiger Spannungsbogen bis zur bitteren und makaber inszenierten Auflösung hin auf. Die Hauptfiguren (gespielt von James Bobby, Anke Krabbe und Richard Sveda) waren sehr überzeugend in ihrer schauspielerischen Darbietung, und wirklich herausragend war ihr Gesang. Was mir in der Komposition von Anno Schreier fehlte, waren eingängige Melodien oder Arien mit Wiedererkennungswert. Das ist auch der Grund dafür, dass mir der Zugang zu zeitgenössischen Opern schwerer fällt. In Erinnerung geblieben sind mir die musikalischen Genre-Wechsel, wie zum Beispeil die an Broadway-Musical angelehnten Sequenzen und der häufige Einsatz von unterschiedlichstem Schlagwerk. Die Musik passte aber auf jeden Fall gut zur kranken Psyche und den Phantasiegebilden des Mörders Kaspar Brand, der den Detektiv im Zuschauer in jedem neuen Bild auf’s Neue forderte. Alles in allem war es ein spannender und aufregender Opernabend.

Barbara Wieland-Kessler über “Mörder Kaspar Brand” am 14. Juni 2012 im Central

Mit der Auftragsoper “Mörder Kaspar Brand” von Anno Schreier habe ich meine erste Uraufführung besucht und einen sehr besonderen Abend erlebt und genossen. Schon der Ort der Aufführung, das Central am Hauptbahnhof ließ Ungewöhnliches vermuten.
Die Bühne, eine Art Zirkusmanege wurde zentral im Raum positioniert, in direkter Nachbarschaft der Zuschauerränge und dem sichtbar neben der Bühne agierenden Orchester. Durch diese unmittelbare Nähe aller Beteiligten zueinander, entstand eine intensive und konzentrierte Atmosphäre, in der ich die Aufführung sowie die Akteure sehr wirkungsvoll erleben konnte.
Die Handlung der Oper, die nach Motiven einer Kurzgeschichte von Edgar Alan Poe entstanden ist, befasst sich mit der Psyche des Mörders Kaspar Brand. Was geht in einem Mörder nach der Tat vor und wie geht er mit seinen Schuldgefühlen um? In Vor- und Rückblenden werden dem Zuschauer die Auslöser und Folgen der Tat dargestellt. Getrieben vom schlechten Gewissen und der Unfähigkeit, zwischen Einbildung und Wirklichkeit zu unterscheiden, treibt die Tat den Mörder in den Wahnsinn und gipfelt in einen zweiten Mord aus Eifersucht an Frau und Kind .
Die Hauptakteure dieser Oper, James Bobby, Richard Sveda und Anke Krabbe spielten und sangen sehr beeindruckend. Vor allem die Stimme von Kaspar Brand hat mir gefallen.
Die Komposition von Arno Schreier hat die bizarre Stimmung und die Zerrissenheit des Mörders durch häufige, musikalische Genrewechsel hervorragend untermalt. Das Bühnenbild hat mit einfachen Mitteln überzeugt und der Zirkus als Bühnenraum hat die verklärte, realitätsferne Wahrnehmung Kaspar Brands verdeutlicht.
Insgesamt ein intensiver, spannender Opernabend, der mir ein wohliges Kribbeln hinterließ.

Claudia Uhl über “Mörder Kaspar Brand” am 14. Juni 2012 im Central

Eine Uraufführung erleben zu dürfen ist schon etwas ganz besonderes. Eine Oper nach Motiven von Edgar Allan Poe verspricht zudem, spannend zu werden. Spannend ist diese Oper auch, die Handlung zieht mich in ihren Bann, auch wenn ich manchmal nicht mehr ganz mitkomme, was ist Realität, ist es eine andere Ebene, ist es der grausige Wahnsinn im Kopf des Protagonisten? Handlung und Phantasie scheinen sich mitunter zu mischen. Wer bizarres mag, wird an dieser Oper sicher seinen Spaß haben. Dieses Werk ist nicht wirklich gefällig, aber das ist gut so.
Die Inszenierung und die Sänger finde ich toll, sehr gut gefällt mir auch der Spielort, die Bühne im „Central“, wo man den Darstellern ganz nah ist. Im Vorfeld habe ich mich bereits gefragt, wo dort ein Orchestergraben sein möge, es gibt nämlich keinen, das Orchester ist direkt neben der Bühne, und damit auf eine gewisse Weise hervorragend integriert, gerade für die, im Gegensatz zum Opernhaus, kleine, beschauliche Spielstätte. Es hat auch ein bisschen was von experimentellem Theater.
Die Musik ist komplex und von den Symphonikern sicherlich hervorragend interpretiert. Sie schickt mich auf eine Reise durch ein ständiges Auf und Ab von harmonischen Partien, dann gibt’s wieder Brüche und ich empfinde sie als sehr dissonant. Ich schwanke zwischen abgestoßen und fasziniert sein. Allein schon aufgrund der ganz eigenen Energie dieses Stückes in dieser Spielstätte ist der Abend für mich ein ganz neues, anderes Opernerlebnis.

Caroline West über “Mörder Kaspar Brand” am 14. Juni 2012 im Central

MOERDER_KASPAR_BRAND_09_FOTO_Hans JoergMichelThe world premiere of Murderer Kaspar Brand was quite an experience.

This ‘musical theatre’, a contemporary piece, commissioned by the Deutsche Oper am Rhein, reminded me very much of Kubrick’s “Eyes Wide Shut”. Real, unreal, surreal …. the worlds on stage flowed and layered into one another …. the characters seemed somehow superior, as if they knew much more than they were giving away, like they belonged to a secret club that was almost mocking the audience. Intrigued? This tale based around Edgar Allan Poe’s “The Cask of Amontillado” is one of death, the human psyche, jealousy, obsession, delusion and the ultimate crime, that is brought to us in a vehicle of music that was considerably easier than I’d imagined it to be. The story wasn’t 100% conclusive, but it didn’t matter, the stage, the performers, the theatre brought you to a desperate place that left you questioning and shivering. Yet for me this piece wasn’t about the typical drama and tragedy that opera is so often about. There was something much ‘realer’ here, despite being quite surreal at times.  A day later I have decided I liked this piece a lot. The production was excellent. The audience are very much part of this performance. It’s a piece for the viewers… but aren’t all performances, one may ask? Maybe, but the nature of most productions definitely separates the performers from the onlookers. With the stage, orchestra pit and large auditorium that usually create definite barriers missing, one felt totally integrated in the happenings ‘on stage’ here. We sit almost amidst the story, kind of Shakesperian-like. The perfectly chosen venue is not the grand opera house but the Central theatre near the   main station. It’s considerably smaller, has a rawness about it; the stage is round and often rotates, the ensemble are regularly almost in the laps of those in the front rows. The orchestra sit in tiers on the edge of the circus, in, yes, circus braids and blue uniforms. It’s close, intense, quite sinister and desperate at times even though the production is set in a colourful, retro theme.  James Bobby, in the lead is excellently cast in the role of the tormented Brand. He was simply made to wear a 1970’s tank top! Seriously though, he did an amazing job, especially considering his good health was sadly not 100% for the premiere. RhineBuzz is about opening doors. Experiencing something perhaps you haven’t before. “Murderer Kasper Brand” fits the bill perfectly. It certainly was quite unlike anything I had seen before. Go see!

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