“The Turn of the Screw” von Benjamin Britten

Eckart Pressler über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Dieser Premierenabend stand unter dem Vorzeichen des drohenden Endes der Operngemeinschaft Düsseldorf Duisburg. Das Herz des Publikums schüttete sich förmlich aus in einem begeisterten Applaus für die großartige künstlerische Leistung auf der Bühne und im Graben. Darin steckte ein eindeutiges Votum: So etwas will man auch in den kommenden Jahren in Duisburg sehen und hören.
Nach dem grandiosen „Peter Grimes“ war ich auf ein erneutes Fest für die Sinne eingestellt, aber dieses Mal bot Benjamin Britten schwere Kost. In einer Geschichte voller Andeutungen, Verunsicherungen und schwerer Moral-Lasten scheitert eine Erzieherin mit ihrem Erziehungsauftrag an viktorianischer Enge und gruselig-drückendem gesellschaftlichem Überbau. Das alles rund um zwei Kinder aus dem vornehmen englischen Landmilieu ist weniger spannend als quälend. Die Inszenierung ist hierin sehr überzeugend und nimmt den Zuschauer quasi in einen negativen Bann. Bedrückend ist, dass es trotz mehrerer parodistischer Ausreißversuche den Akteuren auf der Bühne in ihrer Geschichte nicht gelingt, die Qual aus Druck, falschem Glauben und Verdächtigung aufzulösen. Am Ende steht kein Happy-End, noch nicht mal eine Aufklärung der Tatsachen, sondern die Frage nach neuer Schuld.
Ist die Thematik gesellschaftlichen Kindsmißbrauchs überhaupt operntauglich oder ist der Plot nur nicht überzeugend ausgearbeitet? Ich bin mir da nicht sicher. Ein schwieriges Thema auf einem Grad zu balancieren, das gelang bei „Peter Grimes“ – hier hat es mir nicht eingeleuchtet, weil mit zuviel Gespensterschatten und unscharfer Linse gearbeitet wurde. Mir war auch die Bühne zu groß, sodass kaum Focus zustande kam.
Umso überzeugender war die musikalisch klare und stimmlich wie instrumentell äußerst filigrane Darbietung der Künstler. Alle Partien sind erstklassig besetzt und machen Freude. Den Sängerinnen und Sängern gelingt es , ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Der große Applaus vor allem auch für die jungen Darsteller aus England war daher vollständig angebracht.

 

 

Dr. Vera Krone über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Da ich zuvor noch keine Oper von Benjamin Britten gesehen hatte, war ich sehr gespannt auf diesen Abend. Die meisten Opern, die ich in den letzten 2 Spielzeiten als Opernscout besuchen durfte, waren zudem klassische Stücke wie „Così fan tutte“  oder  „La Bohème“ mit sehr bekannten Melodien.

Ein wenig Zeit brauche ich dann auch zu Beginn, um mich in Musik und Gesang einzuhören, bin aber schnell sehr angetan. Dass zwei Hauptrollen von Kindern gesungen werden, – und das hochprofessionell – ist wirklich beeindruckend. Die Geister-Geschichte ist mysteriös und zugleich bedrückend, und das Bühnenbild schafft es, diese Atmosphäre zu vermitteln. Die Kinder spielen diese beiden undurchsichtigen Charaktere sehr gut; Miles und Flora geben nichts von der grausamen Vergangenheit preis, sind traurig und traumatisiert beziehungsweise plötzlich erschreckend grausam. Miles beispielsweise singt ein fürchterlich trauriges Lied und Flora ertränkt ihre Puppe. Nachdem am Ende des ersten Akts Miles in seinem Bett vom Geist Peter Quints bedrängt wird (tolle Idee, die Ebenen „Realität“ und „Geist“ mit einem parallel nach hinten versetzten Bett zu trennen), gehe ich mit einem Gefühl der Beklemmung in die Pause, das auch im 2. Teil des Stückes bestehen bleibt.

Mein Fazit: eine geheimnisvolle Geschichte aus den Untiefen der menschlichen Seele, wunderbar  Inszeniert, absolut sehenswert.

Christiane Alt über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Die Oper von Benjamin Britten „ The Turn of the Screw“ hat mir sehr gut gefallen. Es ist ja eine in Englisch gesungene Oper, dadurch bekam ich viel schneller einen Zugang und konnte mich sehr rasch auf die unheimliche, geheimnisvolle Geschichte einlassen (musste nicht zwingend immer die Übertitel mitlesen). Ich mag Krimis und Gruselgeschichten, diese Oper war deshalb genau die Richtige für mich. Bei der Musik hatte ich Assoziationen zu alter Filmmusik, ich erinnerte mich an geheimnisvolle Filme von Alfred Hitchcock. Das Bühnenbild war so passend gewählt, die ockerfarbenen fast triefenden Wände, die alten 50er Jahre Tapeten hatten nichts mit „Retro“ zu tun. Sie wirkten so „Original“ , dass ich mich in meine früheste Kindheit zurückversetzt fühlte. Lange dunkle Flure in Altbauten mit sehr hohen Decken und diffuses Licht, Waschbecken im Hausflur, auf dem nächsten Treppenabsatz die dunkle Toilette, dann das laute Flurlicht mit einem viel zu kurzem Intervall, so dass  man das letzte Stück Treppe immer im Dunkeln laufen musste, die Geister  meiner Kindheit meldeten sich zurück. Wie positiv wenn Kunst wie eine Zeitmaschine funktioniert. Da meldete sie sich wieder die alte Frage nach den Geistern………Gibt  es sie wirklich? Können Kinder wirklich grausam sein? Haben sie eine Sexualität? Kinder spielen ja die wichtigste Rolle in Brittens Geschichte und gerade  die  Kinderstimmen berühren mein Herz ganz besonders. Die jungen Menschen haben sehr überzeugend gesungen und gespielt, ihre Leistung  war überwältigend. Sie wurden am Ende der Vorstellung von einem begeisterten Publikum gefeiert, der längste Applaus den ich je im Theater vernommen habe. Über die dann Gott sei Dank endlich „ entgeisterten“, fröhlichen, lachenden, strahlenden  Kinderaugen  auf der Bühne habe ich mich sehr gefreut! Soviel Disziplin, Können und Talent muss honoriert werden, der Applaus des Publikums ist der Lohn der Arbeit. Die  Geschichte wirft viele Fragen auf, auf die keine Antworten geliefert werden. Ich hatte mit meiner Begleitgruppe ( überwiegend Opernanfänger ) einen sehr schaurig schönen, unterhaltsamen, anregenden Abend! Vielen Dank.

Gil Shachar über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Katharsis in Duisburg

Brittens Oper „The Turn of the Screw“ nach Henry James Novelle von 1898 ist keine leichte Kost.
Sie handelt in einer Art und Weise von Kindern, die sicherlich zu James Zeit, aber auch 1954, dem Jahr ihrer Uraufführung – und noch heute – einen Tabubruch darstellt.
Die gruselige Geistergeschichte, die im Vordergrund steht und die Handlung vorantreibt, fungiert als eine Art Tarnung, als eine Falle, die die Zuschauer nach und nach in ihren Bann zieht und so ermöglicht, das eigentliche Grauen der Geschichte subversiv erscheinen zu lassen: die Kinder werden nicht nur als nicht unschuldig dargestellt, sondern als manipulative, fremdartige, dunkle Wesen. Ihre Welt ist uns, den Erwachsenen, verschlossen und der Preis, den man zahlen muss um in  sie eintreten zu können, ist der höchste, den es gibt – ihr Tod.
Die meisterhafte Aufführung in Duisburg verstärkt die unter-die-Haut-gehenden Aspekte der Handlung. Das düstere, beklemmende Bühnenbild, die Beleuchtung, die Kostüme, die präzise Inszenierung und vor allem die wunderbare Darbietung von Brittens kongenialer Musik tragen alle zu der sich langsam aufbauenden Spannung bei. Dabei entstehen fantastische Szenen, die einen noch Tagen nach dem Opernbesuch begleiten (oder genauer gesagt einen verfolgen). Selten fühlte ich mich so stark von einer Oper intellektuell angesprochen und emotional berührt. Trotz düsterer, bedrückender Atmosphäre, die abstoßend wirken könnte, war das Publikum offensichtlich begeistert. Diese Begeisterung kann man durch das aristotelische Phänomen der Katharsis erklären, in der der Zuschauer (in der Tragödie) eine Läuterung seiner Seele erfährt.

Großes Lob also an alle Beteiligten – die Wundervollen Sänger, das ausgezeichnete Orchester – und insbesondere an den Generalintendanten für die mutige Entscheidung „The Turn of the Screw“ ins Programm zu nehmen. Eine unbedingt empfehlenswerte Produktion.

Dr. Katja Pivit über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Eine Erzählung von Henry James, begleitet durch die Komposition von Benjamin Britten.
Moderne Kunst in Form einer Oper.
Ein Erlebnis aus vielerlei Gründen.

Zwei der Hauptdarsteller waren Kinder! Es ist schon unglaublich dass ein Mädchen und ein Junge von 15 und 12 Jahren mit so viel Professionalität die Rolle in einer Oper übernehmen, die ihnen vor allem inhaltlich so viel Einfühlungsvermögen, aber auch gleichzeitig Abstand zu ihrer Rolle abverlangt.
Sie spielen die Rolle zweier Waisen die der Obhut von Dienstboten überlassen werden und dabei mit Realitäten konfrontiert werden, die ihre Seele so sehr überfordern, dass nur die Verbannung und Verdrängung ins Unterbewusstsein ihr Überleben möglich macht. Zur Unterstützung ihrer Entwicklung wird ihnen eine Gouvernante geschickt, die die innersten Qualen der Kinder spürt und mit einem missverstandenen Verantwortungsgefühl, besonders Miles, dem 12-jährigen Jungen, glaubt befreien zu können, indem sie „ an der Schraube dreht“, um das ins Unterbewusstsein Verdrängte ans Licht zu bringen, nicht ahnend, dass sie ihm ein zweites und dieses mal fatales Trauma zufügt.
Auch dieses mal erfüllt die Kunst ihre Aufgabe, in der ihr erlaubten Form der Überspitzung, auf Themen aufmerksam zu machen, die uns alle angehen, in diesem Fall der Umgang mit Kindern. Was fällt den Dienstboten ein, die Unschuld der Kinder mit ihrer eigenen Schlechtigkeit zu belasten und was fällt der Gouvernante ein, den Schutzmantel der Kinder zu durchbohren? Weil es für die Erwachsenen so einfach ist ihre Bedürfnisse an den unerfahrenen Kindern zu befriedigen? Ein grausames Thema, hervorragend in Szene gesetzt.
Subtil aber auch schonungslos wurde der psychische und vermutete körperliche Missbrauch an Kindern in Wort, Ton und Requisiten widergespiegelt. Ein Kunstwerk in dem jede teilhabende Kunstart –  Gesang, Schauspiel, Bühnenbild und Musik – sehr harmonisch miteinander verbunden waren und trotz vieler Momente der Verzerrung immer wieder zueinander fanden. Moderne Kunst, eben.

Die Begeisterung im Publikum und der Applaus, besonders zu Ehren der Kinder, hat meine Empörung über das Schicksal der Kinder besänftigt. Die sichtbar kindliche Freude von Miles, hat mich dann zuletzt auch deutlich aufatmen lassen. Sehr ergreifend.

Diese Oper ist ein absolutes „Must“!

Özlem Yalinci über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

„The Turn of the Screw“ von Benjamin Britten ist eine hervorragende Oper bestehend aus einem Prolog und zwei Akten. Für mich war es ein besonderes Erlebnis ein solches Stück als Opernaufführung zu sehen. Diese außergewöhnliche Oper hat mich mit seinen psychologischen Ansätzen und thrillerhaften Elementen ihren den Bann gezogen. Die Musik und die schauspielerischen Leistungen waren grandios und fesselnd. Von einer Oper hatte ich die Umsetzung einer Novelle in ein derart ausgeklügeltes Kammerschauspiel nicht erwartet, daher wurden meine Erwartungen weit übertroffen.
Besonders gut gefallen hat mir auch, eine Oper in englischer Sprache zu hören. Es hat mir viel Freude bereitet, den Gesang – im Gegensatz zu italienischen oder spanischen Opern – weitestgehend verstehen zu können.
Die Bühnenaufstellung hat mich bis zuletzt überzeugt und meine Gedanken auf eine Entdeckungstour geschickt. Generell gab es so viel zu entdecken und zu interpretieren, dass es eine Freude war dem Stoff zu folgen und das Verhalten der Akteure und der Umgebung zu erforschen und darüber nachzudenken. Ich empfand es als großen Spaß, den vielen Andeutungen und Hinweisen zu dieser faszinierenden und finsteren Geschichte zu folgen.
Die Einführungssequenz empfand ich als etwas langatmig, von den anschließenden Personen und Geschehnissen war ich sehr berührt. Sowohl die Kinderakteure, als auch die Sängerinnen und Sänger der Hauptrollen und der Verkörperung der Geister, haben eine fulminante Vorstellungen gezeigt. Die verführerische Stimme von Peter Quint hat mich besonders begeistert und meine Fantasie beflügelt.

Alles in allem hat mir persönlich diese Oper sehr gut gefallen und ich kann dieses Stück allen Interessierten nur mit Nachdruck empfehlen.

Dr. Joachim Ludwig über “The Turn of the Screw” am 1. Juni 2012 im Theater Duisburg

Die Premiere der Grusel-Kammeroper ” The Turn of the Srew “(1954) von Benjamin Britten im Duisburger Theater war vielseitig packend.
Die Musik war rhythmisch, singbar, modern – Einschübe waren im Stil von Mozart bis Rachmaninow . Miles furiose Dirigierszene hat mich besonders begeistert. Die 14 Musiker der Düsseldorfer Symphoniker zauberten unter der Leitung von Wen-Pin Chien einen äußerst transparenten Klang mit Harfe und Glockenspiel. Die Sänger, allen voran die englischen Kinder Harry Oakes (12) und Eleanor Burke ,die glasklar und engelsgleich sangen und auch darstellerisch  überzeugten, begeisterten. Corby Welch alias Peter Quint aus dem Off- und Slvia Hamvasi waren ein Ereignis. Die spannende Gruselgeschichte von Henry James dreht sich um Schuld und Unschuld in der Prüderie der Victorianischen Zeit. Die Inszenierung (Immo Karaman) und die Bühne (Kaspar Zwimpfer ) gepaart mit der raffinierten Lichtregie von Michael Röger erzeugen eine sich immer steigernde,  gespenstige Stimmung. Das Duisburger Publikum reagierte voller Begeisterung. Die aktuelle Aufführung zeigt den immensen Verlust an Gemeinschaftserlebnissen, Lebensfreude und Festen der Sinne durch das drohende Ende der Opernehe Düsseldorf Duisburg.

Claudia Uhl über “The Turn of the Screw” am 4. Mai im Opernhaus Düsseldorf

Ein psychodramatisches Kammerspiel, phantastisch inszeniert! Geister, Spuk, Grusel, wer bringt hier wen um?! Ich erlebe eine atmosphärisch hervorragende und spannende Inszenierung einer der sicherlich ungewöhnlichsten Opern. Ein echter Geheimtipp!

Es ist schon starker Tobak, die Inhalte sind vielleicht schwer verdaulich, aber nicht schwer verständlich! Die Handlung zieht mich vom ersten bis zum letzten Moment in ihren Bann. Bereits in meiner ersten Britten-Oper „Billy Budd“ (Premiere am 25. März 2011 im Opernhaus Düsseldorf) begeisterte mich die Inszenierung, in der der Regisseur den Spannungsbogen stets auszureizen wusste. Anders als in „Billy Budd“, als ich mich erst an Brittens Musik gewöhnen musste, bin ich hier schneller „drin“, auch musikalisch. Die Musik von Benjamin Britten ist nicht schön oder lieblich wie die von Mozart, Verdi oder Puccini. Sie hat einen ganz eigenen Stellenwert. Ich weiß die musikalische Interpretation des kleinen, kammermusikalischen Orchesters an diesem Abend absolut zu schätzen! Auch die Leistung der Sänger ist grandios. Überhaupt ist das ganze Stück eine echte Ensemble-Leistung, in der ich die beiden Kinder besonders erwähnen möchte, haben sie mich doch mit ihrer Spielfreude und Natürlichkeit überzeugt.
Schaurig-schöne Töne, Seufzer, das Leid der Kinder und die Geister der Verstorbenen… die Musik bildet eine einzigartige Symbiose mit der spukhaften Handlung.

Genial finde ich auch das Bühnenbild, besonders im ersten Akt, wenn sich Realität und Geisterwelt spiegeln, aufgelöst durch die herunterkommende Wand durch dessen Tür Sylvia Hamvasi mit wehendem Umhang und leuchtendem, aber bedrohlich intensivem Sopran schreitet…. spätestens an der Stelle lief, glaube ich, jedem im Publikum ein Schauer über den Rücken! Die Intensität nimmt im zweiten Teil des Stückes zu und steigert sich zu einem dramatischen und überraschenden Ende, welches mich, dank der nicht eindeutigen Interpretation des Regisseurs, noch lange beschäftigt.

Margarete Gänzler über “The Turn of the Screw” am 4. Mai im Opernhaus Düsseldorf

Welch eine gruselige Stimmung im Opernhaus!
Die Handlung war toll umgesetzt und die anfängliche vermeintlich heile Welt kippt ganz schnell in Verzweiflung und Verwirrung. Das aufwendig verschachtelte Bühnenbild unterstrich die dramatische Stimmung, man sah den Raum und die Treppe in verschiedenen Position – das Ende der Treppe war nicht zu sehen, plötzlich war ein Spalt zwischen zwei Wänden und die teilweise Tiefe der Bühne verstärkte die Unwirklichkeit.
Die klare und beherzte Gouvernante wurde im Laufe des Stücks immer verzweifelter und ängstlicher und man konnte mit ihr fühlen, dass es immer schwieriger wurde die reale Welt und die Geisterwelt auseinander zu halten.
Die beiden Kinder haben mir sehr gut gefallen – welch eine Leistung! Zu Beginn hatte man den Eindruck, Miles und Flora seien ganz normale Kinder, auch ein Schulverweis kann ja mal vorkommen. Auch hier wurde immer diffuser, auf welcher Seite die Kinder stehen. Man spürte den Einfluss der beiden verstorbenen Hausangestellten, die die Kinder wohl sehr in ihren Bann nahmen.
Die Leistung des Kammerorchesters hat mir sehr gut gefallen – 14 Musiker – meine Hochachtung. Ich empfand die Abstimmung zwischen Musik und Stimmen sehr gut.
Für mich war es ein schöner Abend mit einer ganz besonderen Stimmung.

Caroline West über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf

“The Turn of the Screw” was a piece my eyes appreciated, but my ears struggled with.

Exquisitely crafted, this production has it all – goosebump moments, extraordinary performances (especially by the young guest soloists from UK), an incredible stage set, clever lighting, even moments when I felt quite uncomfortable. The drama certainly touched a nerve.

However, Benjamin Britten, I’m afraid, just isn’t my thing.
I simply find the music incredibly difficult to find a way into.
I don’t seem to be able to find a connection to the drama and tragedy I read about in this great composer’s life, and I certainly don’t feel it when I hear his music.
The tale of ghosts and innuendo are also tricky themes for me to relate to, but as with each and every performance I see, I’m very happy to have experienced and felt this. We in Düsseldorf can feel privileged that we have an opera house of such excellent class as part of our city.
I have friends who tell me they can bathe endlessly in Britten, and for all those who enjoy the sweeping movements of his work I’d say they definitely must go. The applause at the end of the premiere was thrilling. I was delighted for the ensemble and orchestra and especially young Harry Oakes who was almost too exhausted to take a bow! When he did come back on stage, his pride and delight at what he had just accomplished burst from his face. His ‘sister’ on stage, Eleanor Burke, bowed and smiled …. but then she too couldn’t contain her excitement. That was an absolute joy to see!

Well done you all.

Barbara Wieland-Kessler über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Ich habe eine äußerst interessante und vielschichtige Inszenierung von Immo Karaman gesehen. Der Einstieg in diese Kammeroper gestaltete sich nicht leicht. Die Anzahl der handelnden Personen ist begrenzt und die Handlung scheint offensichtlich, umso komplizierter sind die hier dargestellten Charaktere und Ihre Beziehungen zueinander.
Das verwaiste Geschwisterpaar Miles und Flora wird von der eher einfältigen und überforderten Haushälterin Mrs. Grose und der charakterlich gegensätzlichen Gouvernante.Miles und Flora werden von zwei Geistererscheinungen in der Gestalt Ihrer ehemaligenErzieherin Mrs. Jessel und den Kammerdiener Quint heimgesucht, beide unter nie geklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Kinder können oder wollen sich Ihrem Einfluss nicht entziehen und fühlen sich der düsteren Welt der Geister zugewandt.
Gleichzeitig zieht Sie der freundliche, kämpferische Charakter der Gouvernante in Ihren Bann. Vor allem das Verhältnis von Miles und der Gouvernante entwickelt sich zunehmend rätselhaft. Lenkt Miles durch sein charmantes, liebevolles Auftreten bewusst das Verhalten der Gouvernante, oder ist es aufrichtige Zuneigung? Oder verhält es sich umgekehrt? Die Frage nach der kindlichen Unschuld stellt sich immer wieder – gibt es Sie noch? Ständig spürt der Betrachter die drohende Gefahr und eine nicht abwendbare Zuspitzung der Handlung. Der Kampf zwischen der Gouvernante und den Geistern um die Gunst der Kinder wächst stetig. Eine Katastrophe scheint unausweichlich.

Diese bedrohliche und gleichzeitig bedrückende Stimmung wird auch in der Gestaltung des hervorragenden Bühnenbildes deutlich. Die Räume wirken kühl und karg, fast gefühlskalt und proportionslos. Im Mittelpunkt, immer wieder neu im Raum platziert, steht eine Treppe, die den Übergang von realer zu Geisterwelt suggeriert. Durch Sie entstehen düstere Nischen – die Gefahr wird fühlbar. Die räumliche Staffelung des Bühnenbildes von Hell nach Dunkel verstärkt den Eindruck des Dramatischen, Ungeschützten.
Das Orchester nimmt diese Stimmung in überzeugender Weise auf. Auch die Leistung der beiden Kinderdarsteller ist unglaublich. Ihre Stimmqualität und Ihre schauspielerische Darbietung ist sehr beeindruckend.

Die Herausforderung dieser Kammeroper besteht darin, die vielfältigen Handlungsebenen wahrzunehmen und sich auf die Abgründe menschlicher Beziehungen und Charaktere einzulassen. Auch einige Tage nach der Aufführung “arbeitet” diese Oper noch in mir und es entstehen immer neue Bilder und Zusammenhänge.

Katharina Micha über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Als Kind war ich im Besitz eines Geister- und Gruselgeschichten-Bandes mit dem Titel „Das Wassergespenst von Harrowby Hall und andere Geistergeschichten“, dessen Geschichten mir gruselig-schöne Schauer über den Rücken jagten. Die Inszenierung von Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ an der Deutschen Oper am Rhein hat die Erinnerung an dieses in Vergessenheit geratene Buch und die Stimmungen, die es verursachte, wieder hervorgebracht. Zwar war mir Henry James als Autor kein Unbekannter, aber diese Novelle war mir bislang kein Begriff, hat nun aber seit dem Opernabend einen Platz auf meiner Lektüre-Liste. Das liegt vor allem an der beeindruckend atmosphärischen Aufführung dieses düsteren Stoffes. Die jugendlichen ebenso wie die erwachsenen SängerInnen haben die Handlung unglaublich überzeugend dargeboten.

Das Landgut Bly, auf dem die Geschichte angesiedelt ist, besitzt zwar großzügige Räume und breite Treppenaufgänge, aber die mysteriösen Umstände, die dort herrschen, verursachten mir als Zuschauerin beklemmende Angstgefühle. Das Bühnenbild, das in manchen Szenen einfach um 180 Grad gekippt wurde (The turn of the stairs?), war wieder einmal großartig und die minimalen Lichteffekte taten ihre Wirkung. Die Geisterstimme Quints aus dem „Off“, die man auch im Zuschauerort nicht genau verorten konnte, verursachte Gänsehaut. Unvergesslich wird die Nachtszene bleiben, die albtraumhaft die Schlaflosigkeit aller Beteiligten darstellte – einfach unbeschreiblich!

Vielleicht ist der aus der Filmwelt bekannte Genre-Begriff „Suspense“ für eine Kurzbeschreibung dieser Oper am geeignetsten, denn er beinhaltet das „Gespanntsein“ und das „in Unwissenheit Schweben ohne Auflösung“, das sich über den gesamten Abend hinzog. Selbst jetzt kann ich immer noch nicht genau benennen oder ergründen, was sich auf dem Landgut Bly zugetragen hat, aber das ist auch nicht ausschlaggebend. Wahrscheinlich gehen nach jeder Aufführung die Zuschauer mit vielen verschiedenen Interpretationsansätzen des Geheimnisses nach Hause – aber das macht eben den spannenden Abend mit wunderbarer, dynamischer Musik einer kleinen Orchesterbesetzung aus! Ich bin begeistert, dass ich die Werke Benjamin Brittens durch den Zyklus in Düsseldorf kennenlernen konnte.

Pater Elias Füllenbach über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Das war scharfer Tobak – puh! Ich musste den Abend erst sacken lassen. Denn in dieser Oper werden viele ernste Themen angerissen: Kindesmissbrauch, psychische Krankheit und Angstzustände, Suizid und Mord. Oft sind es nur kurze Andeutungen, und fast alles bleibt mehrdeutig und nebulös. Spukt es in diesem heruntergekommenen englischen Herrenhaus wirklich, oder bildet sich die Gouvernante die bedrohlichen Gespenster bloß ein? Selbst in der letzten Szene weiß man nicht, ob der Junge von seinem Kindermädchen in ihrem Wahn ermordet  wird oder ob es am Ende doch die bösen Geister waren – verstörend und spannend zugleich. Eine packende Gruselgeschichte, grandios inszeniert. Ich musste unweigerlich an meine Studienzeit in England denken. Diese scheußlichen Tapetenmuster gibt es dort teilweise noch heute… Bühnenbild und Lichtführung waren bestens aufeinander abgestimmt und erzeugten eine unglaublich dichte und spannungsgeladene Stimmung – besser als jede Edgar-Wallace-Verfilmung!

Die beiden Kinder waren die Stars des Abends, denn sie zeigten nicht nur schauspielerisches Talent, sondern sangen ihre schweren Partien auch so sicher und mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass ich aus dem Staunen kaum mehr herauskam. Denn die Musik Brittens ist nicht gerade eingängig, und ich hatte anfangs große Schwierigkeiten, mich einzuhören. Das war bei „Billy Bud“ ganz anders, da hat mich Brittens Musik, vielleicht auch der volle Orchesterklang, sofort mitgerissen. Aber in „The Turn of the Screw“ erlaubt es das kleine Kammerorchester nicht, mit der Musik einfach so „mitzuschwimmen“; man hört jedes Detail, und ich musste mich erst an die Klänge aus dem Orchestergraben gewöhnen.

Dennoch bin ich sehr dankbar, dass ich diese Oper hören und sehen durfte. Viele Szenen gehen mir seitdem durch den Kopf. Was setzen wir dem Bösen in dieser Welt entgegen? Oder jagen wir am Ende auch nur irgendwelchen Hirngespinsten nach?

Michael Cosar über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Operhaus Düsseldorf

Im Falle von Literaturverfilmungen ist es ja sehr beliebt darüber zu diskutieren, ob der Film in seiner Wirkung an die literarische Vorlage anknüpfen kann, oder diese gar noch zu übertreffen vermag. Oft überwiegt die Enttäuschung über die Diskrepanz der eigenen Vorstellung beim Lesen und der auf der Leinwand präsentierten Darstellung.
Auch im Falle der Oper “Turn of the Screw” nach der gleichnamigen Novelle von Henry James stellt sich die Frage nach der Relevanz der szenischen Umsetzung des literarischen Stoffs.
Meine Antwort darauf wäre: Bestens gelungen. Buch und Oper sind natürlich in ihren Ausdrucksformen gänzlich unterschiedlich, doch trifft die Oper im wahrsten Sinne den Ton der literarischen Vorlage.
Die Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein ist, wie das Buch, ein komplexes psychologisches Kammerspiel, nie gleitet sie dabei ab in eine Effekt-heischende Gruselgeschichte. Das Verhältnis der Kinder zu ihrer Gouvernante, zu den Erscheinungen der ehemaligen Angestellten Quint und Mrs. Jessel bleibt immer geheimnisvoll und vieldeutig. Die eigentliche Leistung der Düsseldorfer Aufführung ist es, neben den hervorragenden Darbietungen der Sänger und dem diesmal besonders genossenen Orchester, das Rätselhafte der Geschichte bis zum Schluss zu bewahren.
Es bieten sich keine Identifikationsfiguren auf der Bühne an, es gibt kein eindeutiges Gut oder Böse, keine simple Lösung des Rätsels. Dies mag unmittelbar nach Schluss der Oper etwas unbefriedigend sein, das Gesehene und Gehörte beschäftigt einen aber noch Tage danach. Die Vieldeutigkeit machten James Novelle zu einem Schlüsseltext der modernen Literatur und gab Generationen von Literaturwissenschaftlern Interpretationsstoff, eben diese Komplexität besitzt auch die gesehene Opernfassung.

Bernd Struff über “The Turn of the Screw” am 4. Mai 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Am 4. Mai 2012 erlebten wir die Premiere von Benjamin Britten‘s „Turn of the Screw“.
Dieses Stück, welches nur mit einem kleinen Kammerorchester mit 14 Musikern und ohne Chor aufgeführt wurde, besticht zuerst durch das „unheimliche“ und düstere Bühnenbild, welches zu dem durchaus gruseligen Stück passte.
Die Musik hat mich nicht in ihren Bann ziehen können. Jedoch waren die Leistungen der Solisten, vor allem Harry Oakes als Miles, herausragend. Die düstere Atmosphäre des Stückes  hing jederzeit im Raum und man wurde in einem Sog durch die Handlung geführt.
Einzelne Szenen, zum Beispiel wie die kleine Flora ihre Puppe im Waschbecken ertränkt, bleiben fest in Erinnerung. Es schwebte die ganze Zeit diese dichte unheimliche Stimmung über der Aufführung.
Hier spielte auch ein, für dieses Stück optimal inszeniertes Bühnenbild, eine tragende Rolle.
Der Einstieg bleibt einem recht lange verschlossen und  obwohl die Handlung nicht wirklich kompliziert erscheint ist das Ende umso dramatischer. Es entsteht ein großer Spielraum zur Interpretation des Stückes.
Es war ein eindrucksvoller Abend, wobei es mir trotz allem ein wenig schwerfallen wird, diesen weiter zu empfehlen.

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