Ballett am Rhein – b.13

Premiere am 10. November 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Dieter Falk über “b.13″

b.13 gestern war für mich bislang eines der Highlights während meiner Zeit als Opernscout. Wunderbar vielseitig, große Klassik-Hits visualisiert mit ganz unterschiedlichen Choreographien. Das Concerto Barocco von meinem Lieblingskomponisten J.S.Bach habe ich noch nie getanzt gesehen. Eher klassisches Ballett, fast wie höfischer Tanz zu barocken Zeiten. Ganz entgegen meiner Erwartungen war das Gorecki Requiem das Highlight des gestrigen Abends: eindringlich und berührend die Inszenierung, hervorragend die Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Christoph Altstaedt. Über die ungarischen Tänze mag man unterschiedlicher Meinung sein und vielleicht wäre etwas Straffung auch angebracht gewesen, aber sicherlich sollte das Statement von Martin Schläpfer, der dieses Inszenierung ja wegen krankheitsbedingten Ausfalls eines Kollegen in kürzester Zeit gestemmt hat, bedacht werden: “…ich wollte auch zeigen, was meine wunderbaren Tänzerinnen und Tänzer alles können.” Das ist glänzend gelungen. Bravo.

Margarete Gänzler über “b.13″

Es war ein toller Opernabend! Das Concerto Barocco war für mich ein wunderbarer Einstieg in den Abend. Ich genoss die Musik und die Einheit zu den Tänzern. Die verschiedenen getanzten Figuren vor dem blauen Hintergrund haben mich sehr positiv gestimmt und ich war begeistert! Das kleine Requiem von Hans van Manen war am Ende des Abends mein Highlight . Zu Beginn des Stückes bin ich kurz erschrocken, wegen der Musik. Doch sofort haben mich die Musik und die Tänzer in den Bann gezogen. Die Zusammengehörigkeit der Paare – die zusätzliche Person, die immer auftauchte, die Straßen, die durch die seitlichen durchsichtigen Vorhänge vorgegeben waren – alles war stimmig. Das Zusehen hat sehr viel Freude gemacht und es war viel zu schnell zu Ende. Auf die Musik der „Ungarischen Tänze“ habe ich mich sehr gefreut. Eine tolle Musik, sehr lebhaft  und präzise dargestellt – wunderbar. Die Farben der Kostüme  ergaben für mich eine schöne Harmonie. Irgendwann dauerte es mir dann doch zu lange. Nach ca. 30 Minuten wurde es mir zu schwer. Die Darstellung der „Europa“ konnte ich nicht zuordnen und kam für mich zu überraschend. Der Tod des Bauernpaares war mir zu viel. Ich hätte dieses Stück gerne für sich gesehen, da es uns doch sehr viel mehr Tiefe und Ausdruck zeigen wollte. Es war ein grandioser Ballettabend.

Nora Lorberg über “b.13″

Der Freitagabend war ein vielversprechender Auftakt in die kommende Spielzeit als Opernscout. Wir durften ein vielfältiges Programm mit drei sehr unterschiedlichen Choreografien erleben, das einen Bogen von der Neoklassik bis zum heutigen Tanztheater geschlagen hat. Begonnen hat der Abend mit dem neoklassischen Concerto Barocco von Balanchine. Eine technisch hoch anspruchsvolle Choreographie, die mich vor allem durch schöne Bilder vor schlichter Bühne beeindrucken konnte ohne dabei eine Handlung zu brauchen, sondern nur vom perfekten Zusammenspiel der Musik von Bach und den Bewegungen der Tänzer lebte. Der große Höhepunkt des Abends war jedoch das zweite Werk, eine Choreografie von Hans van Manen, die mich von der ersten Sekunde an tief berührt hat. Eine immer noch moderne Gesellschaftsstudie über die Beziehungen von Menschen untereinander, von kurzen intensiven Begegnungen, die sich nach kurzer Zeit wieder verlieren. Eine Komposition aus Trauer, Melancholie und Schönheit, die die beiden anderen Stücke des Abends in den Schatten stellt und mich auch die folgenden Tage noch beschäftigt hat. Alles in dieser Inszenierung war stimmig: die Kostüme, das Bühnenbild, die Bewegungen und die Musik. Teilweise erinnerte mich die Choreografie an modernes Tanztheater, das mich als Zuschauer in diese Welt aus Einsamkeit mit kurzen erhellenden Begegnungen, umgeben von eiligen Einzelnen ohne Interesse für ihre Umwelt, hineingezogen hat. Das dritte und letzte Stück an diesem Ballettabend war die Uraufführung der „Ungarischen Tänze“ von Schläpfer. Diese Choreographie habe ich als Hommage an die beiden großen Choreographen Balanchine und van Manen verstanden. Was wir sahen war eine Vereinigung des technisch anspruchsvollen, sehr symmetrischen und exakten Tanzes, wie wir es bei Balanchine gesehen haben, mit dem ausdrucksstarken, modernen Tanz des Hans van Manen. Die einzelnen Tänze wollten zusammen mit kurzen Zwischenspielen einzelne Impressionen aus Ungarn vermitteln und auch politische Anspielungen auf aktuelle Themen wie die Meinungsfreiheit in Ungarn fanden ihren Platz. Leider konnte ich in diesem Stückwerk keinen wirklichen roten Faden erkennen. Dies wird einerseits an der fortgeschrittenen Stunde des Abends mit den vielen unterschiedlichen und starken Eindrücken der vorhergegangen Stücke zu erklären sein. Andererseits wirkte die gesamte Choreographie auf mich etwas unfertig, als hätte am Ende der richtige Schliff und der Mut zur Kürzung und Straffung gefehlt.

Elke Umbach über “b.13″

Für mich war ganz eindeutig das stärkste und eindrucksvollste Stück am Abend das kleine Requiem, choreographiert von  Hans van Manen. Bühnenbild, Licht, Tanz und die Musik von Górecki verbanden sich auf geniale Weise miteinander. Der Mensch, trotz seiner vielfältigen Aktionen, bleibt am Ende ganz allein und einsam zurück. Das Thema beschreibt unsere jetzige Gesellschaft sehr treffend und berührt mit starken Emotionen und Bildern, auch wenn das Stück selbst keine Lösung für menschliche und gesellschaftliche Probleme anbietet. Mit dem vertanzten Bach in der Choreographie nach Balanchine konnte ich wenig anfangen – mir war das Bühnenbild und das Licht zu spartanisch, die Kostüme etwas fade in ihrer Farbgebung; es fehlte mir die Üppigkeit und das Überschwängliche des Barocks insbesondere auch in der Interpretation der Musik. Ein recht traditionell inszeniertes Stück, was vielleicht besonders junge ZuschauerInnen, die sich für Ballett interessieren und vielleicht selbst tanzen, ansprechen wird, da es am ehesten den Vorstellung vom klassischen Ballett entspricht. Die ungarischen Tänze, eine Uraufführung von Martin Schläpfer, wurde extrem virtuos und elegant von der Balletttänzer des Ensembles umgesetzt. Beeindruckend die Kreativität und Fitness des Ensembles. Die Gesamtheit der ungarischen Tänze wirkte auf mich in ihrer Länge leider erschlagend. Hier würde ich mir Kürzungen wünschen, es ist meines Erachtens nicht nötig, alle Tänze von Brahms umzusetzen. Auch hier wieder sehr ansprechende Bilder und schöne Kostüme, die mit dem Licht und dem Tanz ein ästhetisches Erlebnis vermitteln. Geckige Einfälle, wie den Flaggentanz um Europa, lies mich sehr schmunzeln.

Antje Kischk über “b.13″

Das war ein Ballettabend mit sehr unterschiedlichen Werken / Kompositionen, der ebenso unterschiedliche Reaktionen bei mir hervorrief: Zu Beginn das Concerto Barocco für 2 Violinen u. Orchester von J.S. Bach, das für die Solisten, die, insbesondere im 2. Satz, in einen dramatisch-tragischen Dialog treten, eine große Herausforderung darstellt. In der noch klassisch angelehnten Choreografie mit Spitzentanz, jedoch auch  beginnenden modernen Umsetzungen, bleibt gerade leider dieser Part tänzerisch zu flach und undramatisch. Dieses Konzert entspricht eben nicht nur dem Grundsatz der höfischen barocken Tänze, die die Choreografie sich hier aber zu eigen macht, sondern verlangt meines Erachtens nach mehr (auch tänzerischem) Tiefgang. Das darauf folgende Requiem hingegen erfüllt sowohl in musikalischer, dramaturgischer und tänzerischer Hinsicht alle Erwartungen! Zeitgenössisches Ballett mit gesellschaftspolitischem Inhalt, wie er aktueller und berührender nicht sein könnte. Es verschmelzen musikalische Komposition und Tanz in eine gemeinsame Einheit. Hans van Manen – wie gewohnt ein herausragender Choreograph! Reduziertes und gelungenes Bühnenbild, sehr gute Beleuchtung durch J. Caboort und hervorragende Tänzer –  hier insbesondere hervorzuheben das Männer-Pas de deux, welches einen dramatischen Höhepunkt bietet. Nach der Pause erfolgte dann die choreografische Uraufführung zu den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms (insges. 15 –  das war deutlich zu viel des Guten!!!!) durch Martin Schläpfer, die eine sehr amibivalente Stimmung hinterließ: Die Tänzer konnten hier noch einmal ihr ganzes Können erfolgreich unter Beweis stellen (für das Auge wieder ein Genuss, inklusive Kostüme!), inhaltlich war jedoch kein verständliches Gesamtkonzept erkennbar. Vielleicht sollten die Stücke, ganz wie die Tänze, auch unabhängig voneinander zu betrachten sein. Dann ist dies aber nicht gelungen, weil es immer wieder Ansätze von Handlungssträngen gibt, die wieder in Folgetänzen auftauchen, deren Botschaft allerdings im Dunkeln bleibt. Einen Spritzer Humor, ein wenig Nacktheit, Folkloristisches, Nationalistisches – von allem etwas dabei, von allem etwas zu viel und deshalb nicht ganz nachvollziehbar und anstrengend. Fazit des Abends für mich: Wer Lust auf hervorragenden Tanz und ein äußerst konträres Programm mit Reibungen hat, sollte sich dies anschauen.

Bernd Struff über “b.13″

Kleines_Requiem_01_FOTO_Gert_WeigeltConcerto Barocco von George Balanchine

Ein vielversprechender  Einstieg in diesen Ballettabend – Bach wird mit Tanz verbunden. Man lehnt sich zurück und kann Musik sowie ein starkes Ballettensemble, welches hier ausnahmslos klassisch geprägt ist, visuell wie akustisch einfach genießen. Kein Spielraum zu tiefsinnigen Interpretationen!!! Zu der wunderschönen Musik von Bach ein wirklich hervorragendes Ballettensemble, welches die Musik sehr gut umsetzte und interpretierte. Die schlichten, zurückgenommenen Ballettoutfits nahmen sich zu der barocken Musik Bachs sehr gut aus und gaben teilweise den Eindruck, einer Ballettstunde beizuwohnen. Wunderschöne Harmonie.

Kleines Requiem von Hans van Manen

Auch wenn zu  diesem Stück die Meinungen stark geprägt sein werden (Zitat einer Operbesucherin: „van Manen muss immer beklatscht werden“) erschließt sich mir dieses Stück als Gesamtes in keiner Weise. Für den musikalischen Teil bedarf es schon sehr viel Geduld, um daran Gefallen zu finden. Dagegen sind die tänzerischen Darbietungen hervorragend. Das Bühnenbild war eher schlicht gehalten aber passend.

Ungarische Tänze von Martin Schläpfer

Freude pur an Tanz und Musik! Musik, die man viel zu selten in der Oper hört (gilt auch für Bach). Leider fehlte mir ein wenig die Energie beim Orchester, die man hier erwarten würde. Ballett auf hohem Niveau. Ich glaube hier hat Schläpfer seinem Ballett ein Repertoire abverlangt, welches in dieser Vielfältigkeit nur selten zu sehen ist. Einfach klasse!

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