“Die Prinzessin auf der Erbse” von Ernst Toch

Premiere am 12. Januar 2013 im Theater Duisburg

Susanne Schenk über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_12_FOTO_Hans_Joerg_MichelDie neue Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein, Die Prinzessin auf der Erbse, ist für

ELTERN

eine grossartige Möglichkeit, Ihre Kindern in eine phantastische  Welt fernab von X-Box und Playstation zu entführen und dabei selbst einen höchst vergnüglichen Abend  zu erleben mit einer Inszenierung, die zum einen als knallbuntes  und mit viel Liebe zum Detail opulent ausgestattet Spektakel, aber andererseits  eben auch als vielschichtige und ironische Gesellschaftskritik genossen werden kann.

KINDER

eine erste Chance, Oper ohne Berührungsängste als eine aufregende Welt mit eigenen Gesetzen kennenzulernen, die  bunt und atemberaubend und voller Überraschungen und berührender, oft wilder Musik sein kann.

NEUGIERIGE

die Gelegenheit, mutig das Wagnis eines Opernbesuches anzugehen, da a) eine spontane Flucht über Stuhlreihen bei einer Aufführungsdauer von unter 1 Stunde nicht vonnöten scheint und b) diese Inszenierung eventuelle Berührungusängste mit der Welt der musikalischen “Hochkultur” umgehend im Keim erstickt.

WAGNERIANER IM JAHR 2013

ein Anlass für den unerhörten Selbstversuch, das Bedürfnis nach strenger, kontemplativer Stille während einer Opernvorstellung  zugunsten des Vergnügens anarchischer Kinderkommentare einmal aufzugeben.

PRINZESSINNEN

ein liebevolle Erinnerung daran,  dass sich Castings  in Liebesfragen  nach ganz eigenen unkonventionellen Regeln fernab jeglicher standardisierter Angepassheit richten.

PRINZEN

eine willkommene Bestätigung, dass die intensive Beschäftigung mit vermeintlich schlichten gar proletarischen Vergnügungen, hier: (Motor-)sport, auf Prinzessinnen durchaus anziehend wirken kann und einer erfolgreichen (hier: staatstragenden) Berufstätigkeit nicht im Wege stehen muss.

und nicht zuletzt für

ERBSENZÄHLER

die ultimative Bestätigung, dass oftmals das winzigste Erbslein mitunter über die Zukunft ganzer Dynastien zu entscheiden vermag.

Beate Kostka über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_01_FOTO_Hans_Joerg_MichelWelches kleine Mädchen träumt nicht davon, Prinzessin zu sein? Dass sich dies auch zum federleichten Alptraum entwickeln kann, erlebten zahlreiche kleine Prinzessinnen und nicht wenige kleine Prinzen am vergangenen Samstag im Duisburger Stadttheater. Aufgeführt wurde die selten gespielte Märchenoper „Prinzessin auf der Erbse“ von Ernst Toch. Die berühmte Liegeprobentortur der fremden Königstochter geriet zum betörend schönen und mitreißenden Gemeinschaftserlebnis mit phantasievollen Kostümen, schräger Maske in wundervoll ausgeleuchteter, meist quietschbunter Zirkuskulisse. Ein sich drehendes Sternenzelt war aber nicht minder beeindruckend, das die Prinzessin in den Schlaf zu bringen versuchte. Meist aber wurde ansteckend fröhlich gehüpft, gesprungen, kopfüber gepurzelt – perfekt durchchoreographiert bis in die kleinste Rolle – und grimassiert, was das Zeug hielt, und zwischendurch immer sehr schön gesungen. Auch wenn die Melodik für manche Ohren sehr gewöhnungsbedürftig war, es gibt kaum eine bessere spielerische Heranführung an die Zwölftonharmonik für Groß und Klein als diese prallbunte Kinderoper. Die Duisburger Philharmoniker spielten wieder sehr gut und hochpräzise auf. Die Gesangssolisten beherrschten ihre Rolle durchweg gut. Betörend schön sangen vor allem Alma Sadé, die eine durch und durch selbstbewusste Prinzessin gab, und Susan Maclean in der Rolle der Amme.

Annkathrin Kostka-Speckamp über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_02_FOTO_Hans_Joerg_MichelTim Burton gibt ein Gastspiel an der Deutschen Oper am Rhein — dieser Eindruck könnte sich nach einem Besuch der Produktion für Kinder “Die Prinzessin auf der Erbse” von Ernst Toch bei einem auftun, erinnern das schildernde Bühnenbild und die farbenprächtigen Fantasiegestalten doch stark an die surrealen Filme des britischen Regisseurs. Ein optisches Feuerwerk, von dem nicht nur die kleinen Zuhörer begeistert waren. Es ist schön zu sehen, dass hier auch die Kinderproduktionen ernst und wichtig genommen werden; die Inszenierung von Svenja Tiedt strotzt nur so vor Detailverliebtheit, ohne dabei übertrieben kitschig zu werden. Die zeitgenössische Musik von Toch fügt sich wunderbar in das Gesamtkunstwerk ein. Die Ouvertüre weist echte Ohrwurmqualitäten auf, doch es gibt auch akustische “Spitzen”, zum Beispiel, wenn die Prinzessin (sehr gut: Alma Sadé) unter der Erbse leidet. Man tut diesem Werk Unrecht, wenn man es nur als Oper sehen will, die lediglich dazu dient, Kinder an die Kunstform und die Musik heranzuführen. Auch als Erwachsener wird man bestens unterhalten, ohne sich zu langweilen.

Claudia Kiesler über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_05_FOTO_Hans_Joerg_MichelSpieglein, Spieglein, an der Wand…. – na so beginnt ein anderes Märchen!  Jedoch steht die Frage, wer oder was in der Premiere  der „Prinzessin auf der Erbse“ am Schönsten war, schon im Vordergrund. War es das wunderschöne, aber auch etwas skurrile Bühnenbild? Bunt, voller Leben und abwechslungsreich? Oder auch die Kostüme und Darsteller? Ein großes Lob an die Maskenbildner. Für Kinder, aber auch Erwachsene in jeglicher Hinsicht eine Augenweide, es wurde absolut nicht langweilig. Besonders beeindruckend die Szene, als der Prinzessin ihr Bett gebaut wurde. Plötzlich war im gesamten Theater Leben und man wusste gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte. Ein großes Hallo vor allem bei den Kindern, als ganz unerwartet aus allen Ecken Matratzen und Kissen  gezogen und transportiert wurden! Es war in der Gestaltung der einzelnen Szenen viel Leben und man konnte immer wieder die „Ahs “ und „Ohs“ der Kinder hören. Was aus meiner Sicht den Spiegel jedoch eher zum Springen gebracht hat war die Musik – durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn dem Besucher melodische Arien näher sind. Im Gesamtbild der Inszenierung jedoch wieder stimmig – skurril, schräg und unbequem. Ein Besuch im Theater lohnt sich und nicht nur, um den kleinen Besuchern einen schönen Nachmittag zu machen. „Die Prinzessin auf der Erbse“ phantasievoll und eben mal etwas anders!

Cornelia Russak über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_08_FOTO_Hans_Joerg_MichelDie Kinderoper „Die Prinzessin auf der Erbse“ habe ich zusammen mit meinem 9-jährigen Sohn besucht und wir waren beide begeistert. Sehr zu empfehlen ist auch der Besuch der Familienopernwerkstatt, einer Einführung vor der Premiere, die neugierig auf die Vorführung machte. Dort wurde, unter anderem, allen Teilnehmern vom Dirigenten Christoph Altstaedt vieles zur Musik von Ernst Toch erklärt. Das war sehr hilfreich, denn die Musik besteht nicht aus harmonischen Melodien oder Kinderliedern, sondern ist eher schräg. So soll sie aber auch sein, wenn z.B. die Erbse zwickt, drückt die Musik dies sehr anschaulich aus. Die Inszenierung von Svenja Tiedt ist unbeschreiblich bunt. Sie beschreibt einen Zirkus mit Zirkuselefanten und Clowns. Die Bühnenmitte besteht aus einem beweglichen Drehteil, das an ein Karussell erinnert. Das Bühnenbild könnte auch eine große Spieluhr sein, auf der sich die Handlung dreht. Die Aufführung war sehr lustig, so wurden die Kissen für das Lager der Prinzessin durch den Zuschauerraum geworfen und eine Matratze kam sogar aus dem Orchestergraben auf die Bühne. Das Bühnenbild und die Kostüme fanden wir sehr einfallsreich und in der Inszenierung kamen so viele Ideen vor, dass man sich diese Vorstellung gleich noch einmal ansehen könnte. Die Sänger waren großartig. Sie haben neben den schwierigen Gesangspartien auch lebendig, anschaulich und lustig geschauspielert. Für das gute Verständnis in dem kunterbunten Treiben sorgte auch der Erzähler, der von Guido Wachter gespielt wurde. Gleich am Anfang sagte er zum Publikum: „…staunt Seifenblasen!“ und so hörte die Aufführung auch folgerichtig mit vielen bunten Seifenblasen auf der Bühne auf. Sehr zu empfehlen für alle kleinen, aber auch für die große Leute.

Detlef Klatt über “Die Prinzessin auf der Erbse”

Prinzessin_06_FOTO_Hans_Joerg_Michel“Die Prinzessin auf der Erbse”… eine Phantasiewelt nicht nur für Kinder!

Fantastisch, grotesk, kindlich, vielschichtig, kurzweilig, intelligent

Die ganze Woche steht man unter Strom. Termine, Aufgaben, Probleme, Leistungsdruck. Gerne möchte man diesem stressigen Arbeits- und Alltagsleben entfliehen. Die Oper und das Theater ist einer dieser Zufluchtsorte für mich, wo man für eine Weile in eine vollkommen andere Welt eintauchen und den Alltag vergessen kann… so auch bei der „Prinzessin auf der Erbse“. Auch wenn die Aufführung nur 50 Minuten kurz ist, so sind Bilder, Klänge und Eindrücke so intensiv, dass sie mich ganz weit weg getragen haben. Die Inszenierung, Bühnenbild, Kostüme, Make-up und Choreographie waren aus meiner Sicht fantastisch. Alles sehr grotesk, verschoben, unrealistisch, was durch die gewöhnungsbedürftige moderne Musik noch unterstrichen wurde. Töne, Melodien und skurrile Klängen verschmolzen miteinander und haben Bilder, Stimmungen und Handlung unterstrichen. Im Ganzen sehr stimmig. Die höfische Welt wurde als Zirkus und Jahrmarkt dargestellt. Aus der Sicht der einfachen Menschen ist die Adelswelt sicherlich ein großer Zirkus und ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Umso besser, wenn eine kleine Erbse helfen kann, im übertragenen Sinne, die inneren oder wahren Werte zu finden. Großartig wie der Erzähler als Zirkusdirektor aufgetreten ist, gleichzeitig aber wie ein Hofberichterstatter wirkte und die “Veranstaltung moderierte”. Prinzessinnen wurden wie dressierte Pferde in der Manege präsentiert und Parallelen zu Casting-Shows waren sicher kein Zufall.  Trotz der vielen Darstellungsebenen, der zeitgerechten Bezüge und dem großen Spektakel auf der Bühne hat man nie den Faden der eigentlichen Geschichte verloren.  Außerdem gab es ja auch noch die vielen aufmerksamen Kinderaugen, denen nichts entgangen ist. Häufig war es das Lachen, Kreischen, Raunen der Kinder, was mich auf Spiel-Szenen im Hintergrund, am Bühnenrand oder gar mitten zwischen den Zuschauern aufmerksam gemacht hat. Danke an alle Künstler für solch eine stimmige Inszenierung und danke dafür, mich für 50 Minuten der wirklichen Welt entrissen zu haben.

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