“Don Giovanni” von Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere am 7. Dezember 2012 im Opernhaus Düsseldorf

Elke Umbach über “Don Giovanni”

Don_Giovanni_05_FOTO_Hans_Joerg_MichelEin toller inspirierender Abend: absolut lohnenswert, muss man gesehen haben! Die Inszenierung von Gruber überzeugt auf allen Ebenen. Gelungenes Bühnenbild , Metaphern und doppelte bzw. dreifache Ebenen überall. Zuerst dachte ich, ich bin in der Eingangsszene der Rocky Horror Picture Show, einem Kultmusical der 80er, wo Brad und Janet (hier Zerlina und ihr Freund Masetto) durch ein Unwetter ins Haus von Frankenfurther (hier Don Giovanni) gelangen und vom Diener (hier Leporello) in Empfang genommen werden. Diese Anspielung an das Kultmusical ist eine geniale Idee und gibt dem Stück viel Tempo. Die von dem Womanizer Don Giovanni verführten Damen und Mädchen als barocke  Geister-Mangas ganz in weiß darzustellen, ist geschickt und komisch zugleich. Ein bisschen merkwürdig muteten die barock weißgewandeten Männer an, die ich nicht so ganz im Stück zuordnen konnte. Alle Sänger schöpften aus dem Vollen und zeigten auch schauspielerisch, was in ihnen steckt. Allen voran sehr souverän Richard Sveda als Frauenheld Giovanni, durch sein sexy Kostüm und Auftreten wurde er der Rolle voll gerecht . Alma Sadé im pinken Girly-Outfit als Zerlina wirkte wunderbar naiv und mädchenhaft und Heidi Elisabeth Meier als schwangere, furienhafte Donna Anna im Negligé waren aber ebenso überzeugend gut. Amüsant war auch die Idee mit den Türen in der zweiten Bilderebene, wo man ein stetiges Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel in den “gefährlichen Liebschaften” der Akteure erleben konnte. Die Düsseldorfer Symphoniker unter Friedemann Layer begleiteten die Sänger wunderbar. Auch stille musikalische Momente (Rezitative), nur durch Hammerflügel oder Violoncello begleitet, steigerten durchaus das musikalische Gesamterlebnis des Abends. Man nahm dadurch den Einsatz des vollen Orchesters noch intensiver wahr.

Antje Kischk über “Don Giovanni”

Don_Giovanni_10_FOTO_Hans_Joerg_MichelDas war ein Premierenabend, der keine Langeweile aufkommen ließ trotz einer Gesamtdauer von über 3 Stunden. Woran das lag, fragte ich mich im Anschluss und kam zu dem Ergebnis, dass hier hervorragendes Schauspiel neben gesanglich durchaus beachtenswerten Leistungen dargeboten wurde. Es war ständig „action“ auf der Bühne, die noch durch ein vielgestaltiges Bühnenbild mit Handlungen / Tanzeinlagen im Hintergrund verstärkt wurde. Don Giovanni, dargestellt von dem erst 26jährigen Sänger Richard Sveda, wurde seiner „Casanova-Rolle“ schauspielerisch sehr gerecht, nur fehlte es hier und da noch ein wenig an gesanglicher Tiefe / Reife. Die Frauenstimmen, hier insbesondere Iulia Elena Surdu in der Rolle der Zerlina sowie Liana Aleksanyan als Donna Anna, waren perfekt besetzt und stimmlich von hoher Qualität. Auch Donna Elvira (gesungen von Brigitta Kele) war schauspielerisch sehr gut besetzt und  mit einer Stimme mit viel Potenzial. Sie schoss gesanglich nur manchmal etwas über das Ziel hinaus (zu viel „fortissimo“). Don Ottavio, gesungen von Jussi Myllys gefiel mir von den männlichen Stimmen am besten mit seinem klaren und frischen Tenor. Leporello als linkischer „Sklave“ seines Herrn, gespielt von Günes Gürle, war auch eine gelungene Besetzung, wobei ich die Idee, ihn als „Selbstverletzer“ / „Borderliner“  (immer wieder stößt er sich Gegenstände in die Unterarme und hat überall am Oberkörper Blutstriemen) auftreten zu lassen für doch sehr übertrieben  halte. Das Orchester spielt sensibel, nicht immer ganz so dynamisch, wie ich es mir wünschen würde, aber begleitet hervorragend zu den Arien. Ein wenig befremdend erschien zunächst die Inszenierung, die sofort an die Rocky- Horror-Picture-Show erinnerte, weshalb dann auch Don Giovanni quasi als „Graf Dracula“ optisch imponierte, der seinen „Hofstaat“ als in Weiß getünchte Rokoko-Figuren, die immer wieder geistergleich aus allen Ecken des gesamten Bühnenraumes auftauchen, um sich schart. Die  in der klassischen Inszenierung als „Bauernpaar“  auftretenden Zerlina und Masetto werden hier als modernes (80er Jahre-Stil) kleinbürgerliches Paar eingesetzt. Das ist sicherlich zu Anfang  gewöhnungsbedürftig, mindert aber nicht den guten Gesamteindruck, den die Inszenierung am Ende hinterlässt. Alles in allem absolut lohnenswert, sich Don Giovanni anzuschauen, zumal ja auch die inhaltlichen Themen Liebe, Lüge, Eifersucht, Betrug an Aktualität und Spannung nichts zu wünschen übrig lassen.

Bernd Struff über “Don Giovanni”

Don_Giovanni_09_FOTO_Hans_Joerg_MichelWir sahen einen hervorragenden Don Giovanni mit einem sehr beeindruckenden Bühnenbild. Hintereinander gesetzte Gemälderahmen, in denen sich teilweise die Handlung abspielte, gaben der Bühne eine unheimliche Tiefe. Die Kostüme waren passend und harmonierten mit dem Gesamtbild. Gesanglich war es gut, nicht herausragend. Der Part der Donna Elvira gefiel mir stimmlich nicht. Diese war teils sehr schrill, was dann unangenehm heraus stach. Der recht junge Bariton Richard Sveda war sowohl musikalisch als auch schauspielerisch eine gute Besetzung. Das Orchester gab wieder eine gute Leistung ab, obwohl Mozart sich ein wenig mehr Energie gewünscht hätte. Letztendlich war es eine stimmige Premiere, eine sehr gute Inszenierung und ein kurzweiliger Abend.

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