“Le nozze di Figaro” von Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere am 1. Dezember 2012 im Theater Duisburg

Susanne Schenk über “Le nozze di Figaro”

01_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelAls Gast nach der Einladung zu einer Opernpremiere - hier: Le nozze di Figaro – festzustellen, dass man den Abend nicht ohne Abstriche genossen hat, wäre diskret zu verschweigen, es sei denn man ist gehalten, seine Eindrücke als Opernscout zu Papier zu bringen. Ich gestehe daher, dass mich trotz der durchgehend großartigen Besetzung (allen voran Sylvia Hamvasi als Gräfin Almaviva) und den wie immer fabelhaften Duisburger Philharmonikern, “Le nozze di Figaro” leider  auch aufgrund der äußerst konventionellen Inszenierung  nicht begeistert hat. Dass die Handlung von Verwechslungen, Intrigen und Zufällen voran getrieben wird, sieht das Libretto Komischer Opern meist vor und muss - dem Geschmack der damaligen Zeit geschuldet - hingenommen werden. Ein bisschen mehr Schräglage allerdings hätte dem nicht übermäßig subtilen Stoff deutlich mehr Charme verleihen können; stattdessen Brennscheren, ein kitschiger Irrgarten und Verstecke hinter Tapetentüren – wie überraschend. Überdies  gebe ich unumwunden und vollumfänglich schuldig zu: Ich bin und werde wohl auch kein Fan von Mozart-Opern, die Musik entflammt mich nicht, stürzt mich nicht in Abgründe und reißt mich nicht in Höhen.

Beate Kostka über “Le nozze di Figaro”

06_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelKennern gilt sie als beste Oper aller Zeiten, zu den heute meistgespielten gehört sie auf jeden Fall. Grund genug, genau hinzuschauen, wenn eine Neuinszenierung ins Haus steht. Handelt es sich um eine Routineveranstaltung, die die ständeübergreifenden Irrungen und Wirrungen liebestoller Männer und Frauen lustlos herunter bricht oder gibt es einen neuen, zeitgemäßen Zugang zum zeitlosen Sujet? Die Frage lässt sich für die Duisburger Neuversion des Klassikers nicht so leicht beantworten, denn die Erwartungshaltung des Publikums wird kaum auf die Probe gestellt: das historisierende Bühnenbild – ein elegant-schlichtes Marmor-Interieur mit charakteristischen Türvarianten bis hin zum hochherrschaftlichen Gartenlabyrinth – kommt dem klassischen Original recht nahe. Doch gerade die schlichte Ausstattung lud zum genauen Hinsehen ein. Werden die edel-kalten Steinwände nicht überdeutlich rotgeädert durchbrochen, könnte dies vielleicht eine innere Zerbrechlichkeit des alten überkommenen Systems symbolisieren? Wird der ständische Marmorkasten nicht von gleißenden Lichtfluten der Morgen- und Abenddämmerung durchströmt? Versteckte Hinweise, die aufhorchen lassen, den Zuschauer aktiv fordern. Aber keine selbstverliebte Regieekstase, keine Hauruck-Modernisierung, die vom Inhalt ablenken würde. Keine Spur verstaubt auch das junge Gesangsensemble: Es ist durch die Bank gut auf den Spagat zwischen hochkultivierter Gesangskunst und genussvollem Rollenspiel vorbereitet. Mimik und Gestik, gern auch mit neckisch-koketten Seitenhieben, sind bis in die kleinsten Nummern perfekt abgestimmt. Dazu passt, dass die Arien den Charakter gut ausloten. Sie sind nie dem Selbstzweck geschuldet, sondern verhelfen der Handlung zu hoher Komplexität und treiben sie dennoch voran, innere Monologe eingeschlossen. In das gelungene Gesamtbild fügt sich ebenfalls das hochpräzise, durchsichtig und leicht aufspielende Orchester ein: Nie drängte es sich in den Vordergrund, es harmonierte hervorragend mit den Darstellern. Ob man das feudale Recht der ersten Nacht („us primae noctis“) nun als hoffnungslos alten Zopf abtut oder in anderer Gestalt für noch längst nicht zum alten Eisen zählen möchte: Dazu mag sich jeder selbst einen eigenen Reim machen. Alles in allem bleibt festzuhalten: ein gelungener, hochvergnüglicher Abend. Langanhaltender Beifall, viele Bravos, zu Recht.

Annkathrin Kostka-Speckamp über “Le nozze di Figaro”

07_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelIn einer Zeit, in der jede zweite Ehe geschieden wird, ist heiraten eine wagemutige Sache. Doch auf genau dieses Abenteuer will sich Figaro einlassen und seiner Susanna das Ja-Wort geben. So schon vielfach gesehen und besungen in Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“. Dennoch schafft es das Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, das Stück nicht altbekannt und -backen wirken zu lassen, sondern, im Gegenteil, spritzig und jugendlich. Dazu trugen wesentlich die vielen jungen Sängerinnen und Sänger bei, die genau im richtigen Alter waren, um Figaro, Susanna, Cherubino und Barbarina authentisch darstellen zu können. Gesanglich überzeugten alle, besonders stach jedoch Anett Frisch (Susanna) hervor. Auch das Bühnenbild war erfrischend unverkrampft und nicht überfüllt. Altbewährtes muss nicht immer gut werden, in diesem Fall war es sogar sehr gut.

Claudia Kiesler über “Le nozze di Figaro”

12_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelFigaro und Susanna, Kammerdiener und Kammerzofe im Dienste des Grafen Almaviva, haben von diesem die Heiratserlaubnis bekommen. Aber bereits im ersten Akt offenbart die pfiffige Susanna ihrem Verlobten, dass der Graf ein Auge auf sie geworfen hat. Bei den Vorbereitungen zu der von Anfang an bedrohten Hochzeit geht es den ganzen Tag über hoch her. Doch Figaro und Susanna wollen um jeden Preis heiraten und setzen alles daran die Pläne des tyrannischen Herrn zu durchkreuzen. Am Ende des letzten der vier höchst turbulenten Akte kann Figaro nach viel Zank und Streit endlich seine Susanna heiraten. Die Abenteuer der Beiden haben eine mitreißende Mozart-Oper hervorgebracht, mit der gelungenen Verbindung von Tragischem und Komischem. Eine in sich stimmige Inszenierung, eine musikalisch und von allen Beteiligten stimmlich  überzeugende Leistung.  Die Aufführung lebt vom jugendlichen Schwung des gesamten Ensembles und sorgte für eine Aufführung , bei der die Zeit wie im Fluge verging. Und das war bei Mozarts Figaro, der doch gut drei Stunden dauert, nicht unbedingt zu erwarten. Besonders erwähnenswert ist ein phantastisches Bühnenbild, das in seiner Schlichtheit begeisterte und durch kleine, aber feine Effekte das Publikum zum Staunen brachte.

Katrin Harrer über “Le nozze di Figaro”

11_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelAls ich am Samstagabend das Programmheft zu „Le Nozze de Figaro“ von Mozart  in den Händen hielt, bekam ich einen Schrecken. Die Vorstellung sollte 3,5 Stunden dauern (allerdings mit Pause). Ich hatte in meiner Schulzeit mit dem Musikkurs  die Oper schon einmal in einem anderen Haus gesehen, konnte mich aber nicht an die Länge erinnern. In der Schule hatten wir lang und breit über das in dieser Oper thematisierte „ius primae noctis“ gesprochen – das Recht der ersten Nacht. Ich weiß auch noch, dass ich damals ziemlich überrascht war als eben dieses sogar in dem Film „Braveheart“ thematisiert wurde. Also hätte ich mir als junges Mädel gewünscht, die Oper damals in alter Klamotte als Mischung aus „Braveheart“ und „Stolz und Vorurteil“ zu sehen. Damals wurde ich enttäuscht. Diesmal nicht!!! Zwar kamen die Darsteller nicht im Schottenrock daher, aber die Kostüme waren eine gute Mischung, die sich in der Epoche zwar nicht festlegen ließen, aber dennoch historisch anmuteten.  Die Bauersfrauen in einer eher mittelalterlichen Tracht, Bartolo als Doktor des 19. Jahrhunderts mit Zylinder, Frack und Koteletten. Das Bühnenbild zu Anfang in marmornen Räumen, im letzten Akt ein Gartentraum zum Lustwandeln. Optisch also alles in allem ein Hingucker. Was die 3,5 Stunden aber wirklich kurzweilig gemacht hat, war die unglaublich tolle gesangliche und schauspielerische Leistung der Sänger und des Chores. Die Stimmen klangen alle sehr jung und dynamisch, was die fröhliche Charakteristik von Mozart’s Musik unterstrichen hat. Die Handlung dicht und zu keiner Zeit langweilig. Das Orchester wie immer toll. Als Fazit kann ich sagen, endlich habe ich „Le Nozze de Figaro“ so gesehen wie ich es schon damals gehofft hatte, es waren lohnende 3,5 Stunden, die ich jedem nur empfehlen kann.

Christof Nellehsen über “Le nozze di Figaro”

14_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_Michel„Le nozze di Figaro“ kommt als Oper in der Form einer Verwechslungskomödie daher, die sich bei genauem Hinhören als eigentlich gar nicht so komisch erweist. Der Kern der Handlung ist durchaus ernst. Im weitesten Sinne handelt er von dem mühsamen Prozess der Emanzipation von einer herrschenden Gesellschaftsschicht. Man erfährt etwas über das bizarre „Recht der ersten Nacht“, das ehedem Feudalherren an den Bräuten ihrer Leibeigenen „ausübten“. Zudem wird ziemlich deutlich über Menschenrechte und  die Unterdrückung von Frauen gesungen. Die Geschichte, die in Spanien angesiedelt ist,  hatte Ende des 18. Jh. offenbar so viel politischen Sprengstoff, dass das Schauspiel-Original lange verboten blieb, bis die  Opernfassung von Mozart das Stück endlich „genießbar“  und seit dem zu einer der meist gespielten Opern überhaupt machte. Die Duisburger Premiere  war für mich musikalisch in hohem Maße „genießbar“   und sehr empfehlenswert. Orchester und Sängern gelang es hervorragend, aus dem steten  Wechsel von Gesang und Rezitativ einen musikalischen und erzählenden Bogen zu spannen und damit der Handlung eine lebendige Dynamik zu verleihen. Die Dramaturgie einer Komödie aus dem  18.Jh. mit all ihren Verkleidungsspielen und Versteckspäßen hinter Sesseln und Vorhängen, mochte der Geschichte damals das notwendige Maß an Leichtigkeit geben. Die Übertragung in die aktuelle Inszenierung der Duisburger Aufführung wirkte auf mich etwas naiv, eher albern als komisch und der Hintergründigkeit der Handlung irgendwie inadäquat. Die Inszenierung arbeitet mit realistisch anmutenden Räumen und historisierenden Kostümen, beides bis ins Detail herrlich ausgearbeitet. Auf mich wirkte dies jedoch eher „wienerisch“ als das es meine Erwartungen an die Atmosphäre in einem spanischen Palais erfüllt hätte. Ich hatte etwas Mühe das Gesehene mit der erzählten Geschichte zusammen zu bringen, empfehle aber jedem, sich selbst ein Bild zu machen. Der Besuch der Aufführung lohnt sich.

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