“Xerxes” von Georg Friedrich Händel

Premiere am 26. Januar 2013 im Opernhaus Düsseldorf

Antje Kischk über “Xerxes”

XERXES_03_FOTO_HansJoergMichelWer sich für Barockopern, Countertenöre und die für diese Zeit typischen Übertreibungen sowohl in der Kostümierung als auch in der bewusst übertriebenen lustigen Darstellung begeistern kann, der kam an diesem Abend voll auf seine Kosten! Eine brillante Inszenierung ist Stefan Herheim in Zusammenarbeit mit dem musikalischen Leiter des Orchesters „Neue Düsseldorfer Hofmusik“ Konrad Junghänel da gelungen. mDas Orchester, das eine hervorragende musikalische Leistung zeigt, wird direkt mit in die Handlung einbezogen, so auch streckenweise das Publikum, sodass eine ganz intime Atmosphäre im gesamten Theaterraum entsteht. Der Zuschauer hat den Eindruck, er sei, ganz wie das Orchester, ein Teil des gesamten Stückes. Dies führt dazu, dass man Zeit und Raum vergisst und quasi eintaucht in die Welt des Barock – herrlich! So etwas kann jedoch nur gelingen, wenn dies darstellerisch durch die mitwirkenden Sänger auf der Bühne auch entsprechend transportiert wird – und dies gelingt allen voran ganz und gar dem jungen Ausnahmetalent Valer Barna-Sabadus in seiner Rolle als „Xerxes“. Neben seinem bemerkenswerten Countertenor (darin steht ihm aber auch Terry Wey als sein Halbbruder „Arsamenes“ in nichts zurück!!!) besitzt er die verführerische Kraft eines Schauspielers, der sein Publikum komplett in den Bann zieht. Ganz herausragend waren auch die Sopranistinnen Heidi Elisabeth Meier als „Romilda“ und Anke Krabbe als „Atalanta“. Katarina Bradic, die als Mezzosopranistin die Rolle der „Amastris“ inne hatte, bot eine außergewöhnlich gute darstellerische Leistung, bedauerlicherweise konnte sie wegen eines Infektes nur verminderten Stimmeinsatz zeigen. Und schließlich noch Hagen Matzeit als der Diener „Elviro“: Wunderbar komisch und stimmlich äußerst vielseitig, wechselte er doch problemlos von einer Stimmlage in die andere. Das „lebendige“ Bühnenbild von Heike Scheele (lebendig im wahrsten Sinne des Wortes: Die Veränderungen werden während des Gesanges durch kompetente Mitarbeiter vorgenommen) trägt ebenfalls  zur Augenfreude bei, und nicht zuletzt die Kostüme von Gesine Völlm – schön barockig-pudrig, teils mit karikativer Übertreibung (Soldaten in rot-goldenen Röckchen) – sind sehr gelungen. Um dies alles nochmals genießen zu können (insbesondere auch dann den zwischenzeitlich genesenen kraftvollen Mezzosopran von Katarina Bradic), werde ich „Xerxes“ noch ein  zweites Mal anschauen – für Barockopernfreunde und die, die es werden wollen, ist diese Inszenierung ein Muss – viel Spaß!!!

Thomas Taxacher über “Xerxes”

XERXES_14_Foto_HansJoergMichelFür diese Aufführung gibt es von mir mindestens drei Sterne in jeder Kategorie! Drei Sterne in der Kategorie Bühnenbild, drei weitere Sterne in der Kategorie musikalische Gestaltung und drei Sterne für die gesamte Inszenierung. Diese Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin, kann ich nur empfehlen! Zunächst zum Bühnenbild der Oper „Xerxes“. Eine tolle Idee, das Bühnenbild mittels einer drehbaren Bühne zu gestalten. Ein wunderbar barockes Theater – immer wieder musste ich an Miniatur-Papierbühnen denken, wie man sie auf Weihnachtsmärkten sehen kann. Witzige Ideen und tolle Gestaltungselemente sind etwa die Darstellung der Schiffsbrücke und die Meereswesen, die aus den Wellen hervor lugen. So gelacht habe ich selten bei einer Opernaufführung! Auch die arkadische Anfangsszenerie, in der Xerxes, dargestellt und gesungen von Valer Barna-Sabadus, unter der Platane stehend sein wunderbares „Ombra mai fu“ ausdrucksstark zum Klingen bringt, sind sehr gelungen. Gut gefallen hat mir auch der Blick in den geöffneten Himmel, der im Bühnenbild der Ausmalung barocker Kuppelgewölben mit ihrer Scheinarchitektur nachempfunden ist. Ein großes Lob an Heike Scheele für dieses gelungene Bühnenbild. Die musikalische Gestaltung ist brillant, besonders gut gefallen haben mir der Countertenor Valer Barna-Sabadus in seiner Rolle als König Xerxes und Heidi Elisabeth Meier als Romilda. Wunderbar ist auch die „Blumenhändlerin“ Elviro (Hagen Matzeit) und Terry Wey als Arsamenes. Die Sängerinnen und Sänger des Chores unter der Leitung von Christoph Kurig möchte ich ebenso hervorheben für ihre gelungenen musikalischen und darstellerischen Leistungen. Hervorheben möchte ich nicht zuletzt auch die stilsichere und musikalisch gelungene Umsetzung von Händels Musik unter der Leitung von Konrad Junghänel. Es ist wirklich eine Freude den Musikern der Neuen Düsseldorfer Hofmusik zuzuhören. Der Norweger Stefan Herheim war mit der Inszenierung von „Xerxes“ zum ersten Mail im Opernhaus Düsseldorf zu erleben, hoffentlich bleibt es nicht dabei, denn die vielen Ideen, etwa das Spiel mit dem Namen „Xerxes“ / „Sex Rex“ oder die Einbeziehung der Musiker des Orchesters in die Spielszenen, haben mir gut gefallen.

Barbara Kessler über “Xerxes”

XERXES_15_Foto_HansJoergMichelHändels Oper “Xerxes” hat mich begeistert. Die Liebe als zentrales Thema dieser Oper ist in all Ihren Facetten und Auswirkungen eindrucksvoll dargestellt worden. Eine kontrastreiche Mischung an komischen, dramatischen, humorvollen und satirischen Elementen ließen den Abend zu einem kurzweiligen und anspruchsvollen Vergnügen werden. Die Protagonisten überzeugten durch wunderbar klare Stimmen und virtuoses Schauspiel. Die Harmonie von Musik, Gesang und Bühnenpräsenz könnte nicht gelungener sein. Pure Leidenschaft wurde spürbar. Ebenso exzellent spielte das Ensemble der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel. Die äußerst aufwendig und opulent gestalteten Kulissen, als bewegliche Bühne konstruiert und zentralperspektivisch angelegt, hatten auf mich eine starke Anziehungskraft. Die Szenenwechsel des Bühnenbildes wurden so für den Zuschauer sichtbar. Die Kostüme, ideenreich und anspruchsvoll in Farbe und Entwurf, rundeten die Inszenierung zu einem Gesamtkunstwerk ab. Ein sehr empfehlenswerter Abend!

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