„Lohengrin” von Richard Wagner

Premiere am 24. Mai 2014 im Theater Duisburg

Thomas Lange über „Lohengrin“

Lohengrin_01_FOTO_MatthiasJungWagner ist ja nun nicht jedermanns Sache, ich kenne noch nicht so viel von Wagner, das was ich kenne, gefällt mir sehr gut. Lohengrin war für mich ein komplett neues Stück und gleich vorweg: Ich fand es großartig! Die Ouvertüre ist schon traumhaft schön und macht Hoffnung auf ein großes Klangerlebnis, welche voll erfüllt wird. Die Handlung des Stückes ist nachvollziehbar und trotzdem spannend. Das Bühnenbild bringt das Stück in die heutige Zeit. Es stellt zum größten Teil eine Bank oder Börse dar und variiert von Schlicht bis Interessant. Auch die Kostüme sind, angelehnt an das Bankgeschäft im ersten und dritten Akt meist bestehend aus Anzügen eher unauffällig. Im zweiten Akt hingegen wurde durch die Kleider der weiblichen Hochzeitsgäste und der Brautjungfern Farbe auf die Bühne gebracht, Kleider und Hüte erinnerten mich an Bilder von Pferderennen in Ascot. Trotz der moderneren Gestaltung bleibt alles recht schlüssig und lenkt nicht zu sehr ab. In der gesamten Oper hat der Chor sehr viel mitzusingen, was die Oper für mich noch interessanter und abwechslungsreicher gemacht hat. Es hat großen Spaß gemacht dem Chor zuzuhören und zuzusehen, keinmal hatte man das Gefühl, der Chor überdeckt die Solisten zu sehr oder steht zu sehr im Vordergrund. Für mich war das stimmlich als auch musikalisch eine der besten Chorleistungen die ich bisher gehört habe. Die Solisten haben mir auch alle sehr gut gefallen, sowohl stimmlich als auch darstellerisch konnten mich alle fesseln. Hervorheben möchte ich die Darstellerin der Ortrud, Heike Wessels. Sie hat mich wirklich „umgehauen“ sowohl stimmlich als auch durch ihre großartige Darstellung dieser intriganten, machthungrigen und bösen Frau. Nicht eine Sekunde ihrer Darstellung die man nicht genossen hat. Mein Fazit: Auch für Opernneulinge absolut geeignet, auf keinen Fall von der Länge abschrecken lassen, denn man vergisst durch Musik, Gesang, Handlung und tolles Schauspiel vollkommen die Zeit.

Beate Kostka über „Lohengrin“

Lohengrin_03_FOTO_MatthiasJungDen Mythos Wagner zu inszenieren, ist immer ein Wagnis: Schließlich lässt sich nicht ausblenden, dass sich faschistische Diktatoren von seiner überwältigenden Musik- und Sagenwelt besonders angezogen fühlten und systematisch zur eigenen Machtfestigung nutzten. Auch die Festung Bayreuth tut das Ihrige dazu, den überhöhten Geniekult im vermeintlichen Ur-Geist weiter fortzuschreiben. Da gilt es eine hohe Hürde zu nehmen. Wenngleich der junge Wagner es einem zugegebenermaßen leicht macht: eine weithin bekannte Sage mit Leben zu füllen, die des uneigennützigen Schwanenritters, der die Jungfrau und ihr Volk aus höchster Not rettet und nur um eins bittet, niemals nach dem Namen und der Herkunft gefragt zu werden. Dass genau dies geschehen wird, ist unumgänglich, schließlich ist es ein Operndrama. Die Dramatik des Geschehens entrollt sich im klugen Wechsel zwischen chorisch gestalteten Massenszenen und intimen Wortwechseln in kleiner Besetzung. Die Sänger bewältigen ihre anspruchsvollen Partien durch die Bank glänzend (besonderes Lob gilt an dieser Stelle Corby Welch, der in der Titelpartie brillierte, und Heike Wessels als überzeugend machtgierig-durchtriebene Ortrud). Auch der Chor meistert die Herausforderungen, die das Stück an ihr homogenes Agieren stellt, hervorragend. Ein Genuss, der durch die knapp vierstündige Aufführung hindurch trägt. Gestützt wird das Ensemble durch ein satt leuchtendes, nie dominantes Orchester unter der behutsamen Leitung von Axel Kober. Das Bühnenbild ist eine wunderbare optische Vertiefung des Opernstoffs – solange der transparente Azur-rotgoldene Wolkenvorhang mit dem magisch-tiefblau schimmernden langsam ein- und wieder ausblendenden Gralsbecher unten bleibt. Dem Rest: die Verpflanzung des Bühnengeschehens in die Welt des Finanzkapitals, muss man nicht unbedingt folgen. Auch wenn die versuchte Übertragung etwas willkürlich wirkt, so vermag sie doch nicht die sinnliche Qualität des Stücks zu überlagern. Text und Musik tragen das Stück zur Not auch aus sich heraus. Dass der Schwan dabei zum augenzwinkernden Kopfputz der Brautgesellschaft generiert, stellt sicher, dass man nicht im Pathos ertrinkt.

Christof Nellehsen über „Lohengrin“

Lohengrin_05_FOTO_MatthiasJungWer bisher Vorbehalte gegenüber der legendären Spieldauer einer Oper von Richard Wagner hatte, dem sei gesagt, dass diese, zumindest in Bezug auf den Lohengrin in Duisburg unbegründet sind. Für meinen Teil habe ich die insgesamt viereinhalb Stunden der Premiere als einen spannenden und höchst kurzweiligen Theaterabend erlebt. Ein wenig Freude an romantischer Musik und an romantischen Stoffen sollte man wohl mitbringen, aber damit sind die wesentlichen Voraussetzungen für ein großartiges Musik- und Theatererlebnis beschrieben. Die handelnden Personen des Musikdramas sind im Wesentlichen die folgenden: Elsa von Brabant, Tochter des verstorbenen Fürsten von Brabant, ist angeklagt, ihren Bruder ermordet zu haben. Friedrich von Telramund und seine Frau Ortrud sind die Ankläger und streiten darum, selbst die Herrschaft über Brabant zu gewinnen. Der deutsche König Heinrich (der Vogler) kommt nach Brabant, um in dieser Sache Recht zu sprechen und Truppen für den gemeinsamen Krieg gegen die Ungarn auszuheben. Die „Edlen“ von Brabant repräsentieren als Chor immer wieder das politisch und militärisch bedrängte Volk, das nach Rettung sucht. In diese politisch wie persönlich konfliktgeladene Situation bricht nun ein „Wunder“ herein. Elsa ruft einen unbekannten Retter/Ritter an, der ihr in diesem Streite helfen soll. Dieser erscheint tatsächlich, rettet Elsa, liebt und heiratet sie sogar und soll das Volk als unbesiegbarer Held durch den kommenden Krieg führen. Das Drama entwickelt sich nun daraus, dass der Retter fordert, seine Identität müsse unerkannt bleiben, um seine wunderbaren Kräfte einsetzen zu können. Da wir als Opernbesucher ja eine Karte für „Lohengrin“ gekauft haben, wissen wir natürlich, dass das schief gehen wird. Die Szenen bis zur Preisgabe des Geheimnisses kreisen jedoch mit großer Dramatik um immer gültige zwischenmenschliche Themen wie Liebe und Vertrauen, Misstrauen und Ehrgeiz, Glaube und Enttäuschung, Angst und Mut. Die Regie der Duisburger Inszenierung hat dieses dramatische Panorama in die Welt der Finanzkrise, in die repräsentativen Räume einer Großbank verlegt. Der Bezug zur Finanzkrise und dem Verlangen nach „Rettung“ speist das dramatische Konzept, das die Sänger schauspielerisch überzeugend vermittelt haben. Allerdings vergisst man diesen neu gewählten Kontext schnell wieder, weil die Handlung als solche derart spannend und die Musik so fesselnd sind. Musiktheater im besten Sinne.

Annkathrin Kostka-Speckamp über „Lohengrin“

Lohengrin_11_FOTO_MatthiasJungDie viereinhalb Stunden Gesamtspielzeit vergingen bei dieser Inszenierung der Wagner Oper „Lohengrin“ wie im Fluge. Die hervorragenden Sängerinnen und Sänger (allen voran Corby Welch als Lohengrin) gaben ihr Bestes, um den Rollen gerecht zu werden. Auch ihr schauspielerisches Talent sorgte dafür, dass man der Handlung gut und gern folgen konnte. Die Kulissen in Form der Inneneinrichtung eines Versicherungskonzerns sollten die Handlung um den ersehnten Erlöser in die Finanzwelt und damit in die heutige Zeit transponieren. Das Bühnenbild war imposant und schön anzusehen, für mich jedoch nicht zwangsläufig nötig, um die Handlung zu unterstützen. Für mich funktionierte die Geschichte auch ohne diese Modernisierungsversuche, zumal diese nicht konsequent durchgingen, sondern nur durch die Kulisse und einen Geldkoffer erahnbar waren. Dieses Bühnenbild hätte nicht sein müssen, allerdings lenkte es auch nicht von der Handlung ab.
Die Oper war vor allem aufgrund der hervorragenden musikalischen Leistung sehr gut und empfehlenswert.

 

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