Martin Breil über b.24

b.24 Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg "Lonesome George" ch.: Marco GoeckeAuffallend viele junge Menschen besuchen die jüngste Ballettpremiere in Duisburg. Ich freue mich und wünsche mir, dass sich die Begeisterung der jungen Menschen auch eines Tages auf Oper- und Schauspielveranstaltungen überträgt. Alle scheinen zu wissen, dass dies kein Ballettabend im klassischen Sinne wird.
Sicher, Amanda Miller`s „Voices Borrowed“ reflektiert auf das klassische Ballett mit Tutu und Pas de deux, aber auf eher humorvolle Weise. Und das von Arnold Schönberg bearbeitete Concerto grosso op.6 Nr. 7 B-Dur bietet da genau die richtige Parallele. Für mich ist das etwas zu bunt und verspielt, angesichts dessen, was mich zuvor begeisterte.
Der Abend beginnt mit „Illusion“ von Young Soon Hue. Das Stück ist entsprechend dem siebenteiligen Konzert für Violine und Violoncello und Orchester von Philip Glass in sieben Stationen aufgeteilt. Die Stationen sind Ausflüge in die Vergangenheit, eine Traum-Welt und die surreale Welt einer Frau, die immer wieder in die Realität zurückkehrt. Musik, Kostüme und Choreografie sind so wunderbar aufeinander abgestimmt, dass es dem Betrachter leicht fällt, sich mit auf den Schwebflug in die Gedankenwelt dieser Frau zu begeben. Die Bühne, ja der ganze Raum scheint mir dafür zu klein und stelle mir das Ganze in einer Industriehalle o.ä. vor.
Wie flirrend und kribbelnd sind da die Tänzerinnen und Tänzer auf der Suche nach dem Nächsten und „Lonesome George“ unterwegs. Scheinbar aufgeregt und wild gestikulierend bewegen sie sich über die Bühne. Dabei folgen sie dem strengen Plan der Evolution und erinnern an urzeitliches Plankton oder Flimmertierchen die sich, in rascher Taktfolge die Flossen bewegend, dem großen Reigen der Natur unterordnen und vergehen. Lichtkonzept und Musik stehen als eigenständige Säulen neben der Choreografie und runden das Werk ab. Großartig die Körperbeherrschung der Tänzerinnen und Tänzer, die Duisburger Philharmoniker, das Bühnenbild und die Kostüme.
Der Abend ist alles andere als ein Ballettabend mit Männern in Strumpfhosen und nicht enden wollendem Spitzentanz. Er ist spannend, aufregend, inspirierend und wirklich mal neu. Hingehen und sehen!
Heute haben wir uns Karten für b.23 gekauft…

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

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