Rouven Kasten über b.24

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Opernscout für die aktuelle Spielzeit der Oper am Rhein, konnte ich mir am Wochenende das Ballett b.24 – Young Soon Hue / Marco Goecke / Amanda Miller ansehen. Die drei kurzweiligen Stücke waren insgesamt ein wirklicher Genuss, die Schildkröte (Lonesome George) allerdings hat mich schier in den Wahnsinn getrieben. Positiv! Das ganze kann ich derzeit als Kulturtipp für die Region uneingeschränkt empfehlen.
Wer mich kennt der weiß ganz genau, wenn es ums Tanzen geht habe ich eigentlich immer was mit dem Knie oder eine Zerrung. Wenn es aber darum geht sich Tanz (speziell in Form eines modernen Balletts) anzusehen geh ich wirklich gern hin. b.24 – Young Soon Hue / Marco Goecke / Amanda Miller führen uns durch einen Abend mit drei ganz unterschiedlichen sehr modernen Formen des Balletts.

Illusion (Uraufführung) – Young Soon Hue
“Geschichten von Menschen, die in anderen, unwirklichen Welten leben, sich ihren Tag- und Nachtträumen, ihren Wünschen, Täuschungen und Selbsttäuschungen hingeben, werden der Choreographin Young Soon Hue zur Ausgangsbasis ihres ersten Stückes für das Ballett am Rhein. Zur Seite steht ihr dabei für den gestalterischen Bereich der renommierte niederländische Bühnen- und Kostümbildner Keso Dekker.”
Ein modernes solides Stück Ballett, schnörkellos mit viel Ästhetik.

Lonesome George (Uraufführung) – Marco Goecke
“Zeitgenössische Tanzuniversen ganz besonderer Art sind die Stücke, mit denen Marco Goecke seit mehr als einem Jahrzehnt sein Publikum immer wieder aufs Neue fasziniert. Wie in einen merkwürdig fiebrigen Zustand, in ein „unentwegtes, fremdartig nervöses Flattern“ versetzt – so Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau – wirken seine Tänzerinnen und Tänzer, und doch ist die Freiheit in der Gestaltung nur Schein: Jeder Schritt, jede noch so schnelle, kleine Bewegung ist genau festgelegt in jener einzigartigen Tanzsprache, die der Tanzkritiker Horst Koegler einmal als „Système Goeckien“ bezeichnete.”
Oder einfacher gesagt, “der Oberkracher”, so etwas habe ich noch nie gesehen. Während ich mich bei Young Soon Hue wirklich anstrengen musste nach einem langen Tag wach zu bleiben, riss es mich hier fast förmlich vom Hocker. Zunächst belächelte ich die Tourette-Artigen Bewegungen was sich aber schnell einstellte und durch einen Adrenalinschub ersetzte. Die Geschwindigkeit der Gliedmaßen aller auf der Bühne anwesenden Tänzer, war pure Energie, freigelassen und umgesetzt in eine bisher unglaublich scheinende Darbietung. Ich bin kläglich gescheitert mit meinen Händen in ähnlicher Geschwindigkeit Bewegungen durchzuführen. Vor diese Leistung habe ich einen riesen Respekt!

Voices Borrowed (Uraufführung) – Amanda Miller
“Sich als zeitgenössischer Künstler bewusst in der Gegenwart zu bewegen und für die Zukunft eine lebendige Geschichte zu erschaffen“, ist die Ursprungsidee der amerikanischen Choreographin Amanda Miller zu ihrer Uraufführung „Voices Borrowed“.
Aus meiner Sicht tänzerisch wieder eher klassisch, zumal auch mit viel Tanz auf den Zehenspitzen. Dennoch auch hier ein kurzweiliges Stück bei dem man die Zeit vergisst und sich am Ende dann doch wundert wie schnell diese scheinbar vergangen ist. Das einzige was mich hier irritierte war der zum Teil hektische Wechsel des Bühnenbild aus unterschiedlichen Achsen. Alles in allem aber vor allem auch hier vom gesamten Ensemble eine tolle Leistung.

Fazit
Das Ensemble des Duisburger bzw. Ballett am Rhein muss sich mit solchen Leistungen wahrlich nicht verstecken. Ein toller Abend mit vielen schönen Eindrücken ganz unterschiedlicher Art. Mein absoluter Kulturtipp als Opernscout für diese Spielzeit.

Weitere Informationen zu b.24:
http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010871/ballet

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