Andreas Schütz über “Der feurige Engel”

„Der feurige Engel“. Die letzte Premiere dieser Spielzeit hatte es in sich! Sowohl was den Inhalt angeht, als auch das Bühnenbild. Letzteres ist so düster, dass es den Inhalt des Stückes und die Stimmung der Protagonisten treffend darstellt. Die Orientierung der Bühnenbildner an den Heilanstalten Beelitz entdeckt man nach dem Blick ins Programmheft, aber auch ohne dem kann man sich vorstellen, dass es in solchen Häusern so ausgesehen haben muss. Grau, beklemmend. Viele verschlossene Türen.

Beklemmend habe ich auch den Inhalt an sich erlebt: Wer ist denn hier eigentlich wahnsinnig? Renata? Ruprecht? Oder die Äbtissin und die ganzen Nonnen? Ich habe das Gefühl, dass es jeden hier trifft. Wechselweise. Das atmosphärisch dichte Spiel der beiden Hauptdarsteller, Svetlana Sozdateleva als Renata und Boris Statsenko als Ruprecht ist so fesselnd, dass der Betrachter nicht zur Ruhe kommt. Es geht hier Schlag auf Schlag und das Bühnenbild ändert sich mit so rasanter Geschwindigkeit, dass wenig Zeit zum Durchatmen bleibt. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es Szenen an der Grenze des guten Geschmacks gibt, z.B. als Ruprecht den Doktor Agrippa von Nettesheim besucht, während dieser Gehirn am laufenden Band aus offenen Schädeln holen lässt.

Ich war mir zwischendrin nicht sicher, ob ich alle Akte ertragen kann, aber gleichwohl war es so, dass ich meinen Blick auch nicht abwenden konnte.

Leider habe ich die Musik nicht so genießen können, wie ich das sonst gerne tue, denn ich habe sie gar nicht richtig wahrgenommen. So sehr haben mich die Bilder eingenommen. Aber wahrscheinlich genau deshalb kann man auch behaupten, dass sie absolut passend ist und so die Wahrnehmung der Bilder unterstützt. Anscheinend ganz unbewusst.

Ich werde auf jeden Fall noch einmal reingehen, um weitere Details zu entdecken und um mich auf die Musik zu konzentrieren. Meine persönliche Empfehlung zum Schluss: Gehen Sie in dieses Stück, wenn sie entspannt sind und nicht nach einer arbeitsreichen Woche.

Weitere Informationen zu “Der feurige Engel”:
http://operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010877/opera

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