Barbara Huck über „Der feurige Engel“

Ein tolles Bühnenbild, das sich blitzschnell in verschiedene Szenerien wandelt. Mal Kloster, mal düstere Irrenanstalt, mal Sektionssaal. Es geht um Moral, Wahnsinn und Hysterie, mit der sich aktuell vor allem die Sexualität von Frauen erklären ließ.
Renata, die Hauptperson, hatte seit ihrer Kindheit die Vision eines „feurigen Engels“ Madiel, den sie bewunderte und verehrte. Er war ihr bester Freund, der sich ihr jedoch entzog, als sie ihn auch körperlich begehrte. Ein zu ihrer Zeit unmögliches Begehren, dass sie, weil gesellschaftlich nicht tragbar, wohl in den Wahn getrieben hat. Ist sie wirklich verrückt? Oder nur verzweifelt und unverstanden? Jetzt sitzt sie jedenfalls in der Anstalt, wo sich Nonnen rührend um sie kümmern und sie allerdings von Zeit zu Zeit mit Elektroschocks behandeln.
Seit sie vom Grafen Heinrich verlassen wurde, mit dem sie glücklich vereint war, da sie ihn für die menschliche Verkörperung ihres geliebten Madiel hielt, ist sie unglücklich, fühlt sich verfolgt, hat schlimme Wahnvorstellungen. In der Anstalt findet sie in Ruprecht jemanden, der sie versteht und der ihr helfen will, ihren Madiel zu finden. Warum ist er eigentlich dort? Ist er Psychiater oder Insasse? Jedenfalls ist er Renata verfallen und seine Hilfe ist gar nicht so uneigennützig. Das weiß auch Renata und sie benutzt ihn für ihre Interessen. Als sie ihn soweit gebracht hat, dass er dazu bereit ist, Heinrich zu töten, sieht sie in diesem wieder ihren „feurigen Engel“ und verbietet Ruprecht den Mord an ihm. Stattdessen wünscht sie seinen Tod. Diese Szene spielt in einer Bar. Elegante Paare in wunderschöner Abendgarderobe tanzen zu Musik, vom Orchester gespielt, aber von einer Band im Hintergrund wie ein Playback übernommen. Renata, in ihrem Wahn zerrissen, agiert im Vordergrund und auch ihr Part wird von einer sehr besonderen Barsängerin übernommen. Diese Szene hat mich berührt und begeistert. Sie endet damit, dass Ruprecht Heinrich erschießt. Nach den tödlichen Schüssen wandelt sich die Bühne überraschend schnell wieder zur Heilanstalt. Eine großartige Leistung des Bühnenbildes. Ist das gerade wirklich passiert? Und nun folgt eine Teufelsaustreibung, die allerdings bewirkt, dass die Nonnen durchdrehen, plötzlich Renata verehren und sich die Kleider vom Leib reißen. Zum Schluss wird Renata dennoch oder gerade deswegen hingerichtet.
Die Musik hat mir sehr gut gefallen. Zum Teil überraschend beschwingt, begleitet sie diesen Wahnsinn. Auch in den furiosesten Szenen ist sie, wenn auch schrill, niemals unangenehm.
Von allen Opern, die ich in zwei Spielzeiten gesehen habe, hat mir diese rundum am besten gefallen und ich empfehle sie wärmstens weiter.
Sagt Bescheid – ich komme nochmal mit.

Weitere Informationen zu “Der feurige Engel”:
http://operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/1010877/opera

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