Kathrin Pilger über b.17

b.17 Ballett am Rhein Der Ballettabend im Theater Duisburg war wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Zur Sinfonie Nr. 7 e-Moll von Gustav Mahler präsentierte Martin Schläpfer eine absolut stimmige Choreographie.
In fünf Sätzen entfaltete sich ein Wechselbad an Emotionen. Die gesamte Darbietung lebte von den Gegensätzen, Brutalität und Zartheit wechselten sich genauso ab, wie Massen- Mehrpersonen und Einzelszenen. Männer dominierten als das stärkere Geschlecht häufig über Frauen, die sich bedingungslos unterwarfen; das zeigte sich besonders drastisch in zwei Szenen: einmal wurde eine Frau an den Haaren von einem Mann über die Bühne geschleift, ein anderes Mal ließen sich zwei Frauen wie leblose Puppen von Männern hin- und her bewegen. Besonders ausdrucksvoll war der häufige Wechsel des Schuhwerks der Tänzerinnen und Tänzer: von schweren schwarzen Stiefeln, über Spitzenschuhe bis hin zur Barfüßigkeit – damit korrespondierten die ganz in schwarz gehaltenen Kostüme. Hier gab es lange, an Uniformen erinnernde Mäntel, Wollhosen bzw. schlichte lange Röcke, aber auch freie Arme und – bei den Männern – freie Oberkörper, was dem gesamten Stück einen Schwarz/Weiß-Kontrast verlieh. Das Bühnenbild war sehr formal und streng gestaltet und wirkte dunkel-metallisch, was durch die gleißend weiße oder blaue Beleuchtung von Zeit zu Zeit unterbrochen wurde. Die rechteckigen Bühnenelemente wurden während der Aufführung hoch- und heruntergezogen und engten die Menschen auf der Bühne ein oder befreiten sie wieder. Eindrucksvoll war eine Szene, in der viele Tänzerinnen und Tänzer bei geschlossenem Bühnenbild wie Gefangene einem Container wirkten – ein Bild, das sofort Assoziationen an die aktuelle Flüchtlingskatastrophe wachrief. In verzweifelter Enge befand sich auch eine Tänzerin, deren Körper in einem quadratischen Tisch gefangen war, den sie nicht los wurde. Gegen Ende des Stückes kam eine Szene, die sich mir besonders eingeprägt hat: Eine große Menge von Menschen in langen Mänteln und Stiefeln – Frauen und Männer waren kaum zu unterscheiden – rannte immer schneller werden im Kreis um Stühle, was an das Kinderspiel „Die Reise nach Jerusalem“ erinnerte. Am Ende blieb eine Anzahl von Menschen ohne Stuhl, während alles anderen sich einen Stuhl hatten sichern können. Die Menschen ohne Stuhl wirkten verloren und ausgegrenzt.
Wie eingangs erwähnt, unterstrich die Musik die Choreographie perfekt: Sehr laute, unruhige und fast atonale Passagen wechselten mit leiseren, nahezu heiteren Melodiebögen. Die innere Zerrissenheit des Komponisten Mahler übertrug sich auf die Schicksale der Menschen auf der Bühne. Die musikalische Interpretation der 7. Sinfonie ist den Duisburger Philharmonikern großartig gelungen – besser kann es nicht sein, wenn Musik direkt Gefühl und Herz erreicht!

Weitere Informationen zu b.17:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-17.1045217

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