Martin Breil über b.17

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg b.17 7.Symphonie von G.Mahler Ch. Martin SchläpferEine Symphonie als Ballettmusik? Kann man machen, dachte ich. Aber ausgerechnet Mahler´s 7.? Nun gut, Martin Schläpfer ist alles zuzutrauen und entsprechend gespannt war ich auf diesen Ballettabend.
Abgesehen von den bisherigen dreigeteilten Abenden, stand ein 90 minütiges Einzelwerk auf dem Programm. Mahlers Symphonie entspricht nicht dem klassischen Symphonieschema, so hatte ich gelesen. Fünf Sätze hat sie, wovon der 1. und 5. Satz den Rahmen für die drei Mittelteile bilden. Mahler nahm in seinen Kompositionen „mehrere Merkmale der neuen Musik des 20. Jahrhunderts vorweg, etwa die Emanzipation der Klangfarbe als eigenständige Kategorie oder das Zerbrechen der musikalischen Kontinuität durch Collage- und Montagetechniken“ .
So gerüstet erlebte ich nun einen Abend, den ich in einer solchen Dichte und Intensität noch nicht erlebt hatte. Ebenso collagenhaft wie die Musik Mahlers, bot sich dem Betrachter eine nicht enden wollende szenische Abfolge einzelner Begebenheiten über Beziehungen von Menschen, mit- und untereinander, Flucht, Vertreibung und Suche, bis hin zu großen Tanzformationen, nahe dem klassischen Ballett, von rein optischer Ästhetik.
Dabei waren die Bezüge nicht nur zur Musik, sondern auch zum Menschen Mahler deutlich zu erkennen. Schon Mahler hat in seiner Komposition „Bausteine“ seines Lebens musikalisch verarbeitet. So hört man Militär- und Walzerklänge oder auch das Geläut von Kuhglocken, Gitarre und Mandoline oder die Nachahmung einer Dampflokomotive. Schläpfer greift all dies humorvoll auf.
Die Kostüme sind schlicht, schwarz/weiß, teils aus Wollstoff im Schnitt jüdischer Tradition. Mahler war Jude und viel gereist. Freiwillig und unfreiwillig, als Böhme in Österreich, als Österreicher unter Deutschen und als Jude auf der ganzen Welt nirgends zu Hause, wie er sinngemäß einmal sagte.
Das Bühnenbild ist ebenfalls sehr schlicht gestaltet, indem transluzente Paneele in horizontaler Dreierreihung, sich vertikal verschiebend, immer wieder neue Räume unterschiedlicher Dimension definieren, die doch stets eine quadratischer Grundfläche haben.
Es war ungewohnt, aber nicht verstörend, was ich sah. Ein komplexes Gesamtwerk, dessen viele Facetten bei einmaliger Betrachtung nicht alle zu erkennen sind. Aber der Gesamteindruck nach 90 Minuten war einfach grandios. Mahler und Schläpfer sind beide nicht einfach, aber gut, weil sie anders sind. Am Ende gab es stehende Ovationen.

Weitere Informationen zu b.17:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-17.1045217

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