Christoph Grätz über b.17

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg b.17 7.Symphonie von G.Mahler Ch. Martin Schläpfer

Die siebte Symphonie von Gustav Mahler ist schon ohne Choreographie ein bewegendes Stück Musik. Interpretiert durch die Compagnie des Balletts am Rhein bleibt dem staunenden Zuschauer nur noch, sich den getanzten Bildern zu überlassen. Wie schön, wenn aus Klang Emotion und schließlich Bewegung wird.
Besonders eindringlich waren für mich die Stellen, an denen Martin Schläpfer die Bewegungen seiner Tänzerinnen und Tänzer auf die Passagen mit großer Trommel choreographiert hat. Beängstigend der Sound des Instruments und beängstigend auch die dramatischen Szenen von Ablehnung, Abstoßung, Gewalt, ja Vergewaltigung. Im Kontrast dazu steht dann wieder während der leichteren dritten und vierten Sätze der Tondichtung die Harmonie von Zuneigung oder gar Liebe? Aber auch dann wieder Enttäuschung, Verlust, Betrug, Einsamkeit. Wieder bleibt jemand allein zurück, wie manchmal auch im richtigen Leben. Beeindruckend auch der gravitätische Klang der Hörner, der Macht , aber eben auch Ausgeliefertsein auszudrücken vermag. Auch dieses Ohnmachtsgefühl wird eindringlich dargestellt von den Körperkünstlern, besonders in der Szene, in der eine Frau wie eine leblose Puppe nach einer angedeuteten Gruppenvergewaltigung von Männern hin und hergeworfen, ja eigentlich weggeworfen wird. Für mich war dies in dieser Intensität dargestellt der schockierendste Moment des Abends, inszeniert in einer – selbst im Grausamen – überzeugenden Ästhetik.
Es fällt mir schwer, die Leistung einzelner Darsteller/innen bei dieser Produktion besonders hervorzuheben. „b.17“ ist für mich eine echte Mannschaftsleistung. Ein Stück, wie aus einem Guss, wie auch die Musik von Mahler. Diese haben die Philharmoniker unter der Leitung von Wen-Pin Chien mitreißend dynamisch interpretiert. Das reduzierte Bühnenbild und die sparsame Lichtregie ließen das Ensemble glänzen.
Für mich war es ein Abend mit Nachklang, mit Bildern im Kopf, die fortdauern. Angesichts der Intensität der Emotionen und Bilder hätte der Vorstellung eine Pause gut getan, auch wenn eigentlich eineinhalb Stunden nicht zu lang sind. Meine Empfehlung: Reingehen und sich von den Gefühlen mitnehmen lassen.

Weitere Informationen zu b.17:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-17.1045217

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