Stefanie Wallace über „Arabella“

ARABELLA_13_FOTO_Hans Joerg MichelDie lyrische Komödie Arabella, modern inszeniert von Tatjana Gürbaca löst ein Feuerwerk an Gefühlen aus, die über den Abend hinaus ragen.
Die Geschichte so alt und doch so aktuell – handelt von der großen Liebe, Emotionen, Intrigen und Familien Konstrukten, die einem vielleicht vertraut vorkommen.
Im 1. Aufzug findet die Musik einen angemessenen Raum und Klang. Sie unterstreicht das emotionale Chaos, in dem sich Arabella befindet, ohne zu dominieren. Durch Wiederholungen der immer wiederkehrenden Avancen von Arabellas Verehren entsteht ein Gefühl von Länge die sich als eine angenehme Langsamkeit entpuppt. Langsamkeit wie wir sie heute nur noch selten in unserem Alltag erleben. Doch wenn es um die Wahl des „richtigen“ Mannes geht, braucht „Frau“ eben Zeit, denn es soll sich ja alles stimmig anfühlen und vor allem von Herzen kommen. So wägt Arabella ab und lässt sich von ihrer Familien nicht in die Wahl ihres Zukünftigen reinreden– eine emanzipierte Frau – so scheint es und doch ist sie geblendet von Sehnsucht und romantischen Gefühlen.
Durch das Bühnenbild ist ein schneller Wandel von Räumen entstanden, die allerdings nur eine scheinbare Privatsphäre signalisieren. Übertragen auf die heutige Zeit, finde ich das Bühnenbild, mit dem Gedanken, dass es schwierig ist sich zurück zu ziehen – „mobiles Zeitalter“ – sehr treffend! Die klaren Formen und schlichte Gestaltung des Bühnenbildes bieten einen idealen Hintergrund für die Farbe und Form der Kostüme. Die Kleidung mit ihrer intensiven Couleurs besticht und unterstreicht die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere.
Im 2. Aufzug kommt es zu dem ersehnten Moment, in dem Arabelle in Mandryka nun den „richtigen“ Mann für ihr Leben sieht. Die glitzernde Bühne und die bezaubernden Metaphern wie „(…)„alles hell und offen wie ein lichter Fluss auf dem das Licht blitzt“ sind rührig und Arabella schwelgt in ihrem Glück. Der Ball ist in vollem Gange und es wird bunt und turbulent – unerwarteter Weise am Ende ohne Arabella.
Die Musik tritt in den Hintergrund und verliert sich etwas im Getümmel des wilden Treibens auf der Bühne. Es wird sehr ausladend, provokant und alles gerät außer Kontrolle. Spätestens jetzt ist jeder Zuschauer wieder inmitten des Geschehens.
Durch Missverständnisse eskaliert die Situation und so scheint es, dass sich nun alles an Glückseligkeiten und Liebenseiden in Luft auflöst – kommt es im 3. Aufzug nochmal zu einer Wende, die Ruhe und Klarheit bringt. Willkommen in der Realität. Arabella hat begriffen, dass das Leben sehr facettenreich ist und sich entschieden ihrem Herzen zu folgen und versöhnt sich mit Mandryka  mit einer sehr schönen schlichten Geste und bietet ihrem Zukünftigen ein Glas Wasser zur Versöhnung an. Ihr schwarzes Kleid lässt Raum für persönliche Interpretationen.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsStefanie Wallace
Yogalehrerin

Die studierte Modedesignerin arbeitete im Design und Einkauf, bevor sie ihre Leidenschaft für Yoga zum Hauptberuf machte. Ihren Unterricht besuchen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein; deren Ausstrahlung und Körperlichkeit animierten sie zu einem ersten Ballettbesuch, dem viele weitere folgten: „Was ich beim Ballett am Rhein in den letzten zwei Jahren erleben durfte, hat mich extrem beeindruckt.“ Als Opernscout freut sie sich jetzt auch auf neue Erfahrungen und Inspirationen im Bereich der Oper.

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