Uwe Schwäch über b.25

Ashton_Symphonic Variations_05_FOTO_Gert WeigeltDie Zusammenstellung dieser drei sehr unterschiedlichen Stücke schafft Kontraste, die zwangsläufig zu Vergleichen führen: Tanzstil, Musik, Choreographie, Kostüme und Bühnenbild. In jedem der drei Stücke finden sich herausragende Eigenschaften. Am Ende zählt der Gesamteindruck und der fällt für mich in allen drei aufgeführten Stücken dieses Ballettabends positiv aus.

Workwithinwork von William Forsythe beeindruckt mit einem ganz eigenständigen experimentellen Tanzstil. Bunte, episodische Bewegungen, die mit wechselnden Einlagen von kraftvoll bis fein illustriert werden. Der Tanz ist energetisch, man spürt die körperliche und mentale Verbundenheit der Tänzer – sei es bei den Paaren oder beim Tanz in der Gruppe. Die melodisch-dissonante Musik unterstützt die Energie auf der Bühne und durchdringt den Zuschauer mit ungehörten Klangmustern. Auch hier erfolgt ein Wandel zwischen dynamischen, lautstarken Tonfolgen und in sich ruhenden, tragenden Passagen.

Symphonic Variations von Frederick Ashton ist Ballett in Reinform: Klassischer, stilsicherer Tanz auf Spitze mit synchronen Strukturen im Corps de Ballett und diszipliniertem Pathos im Pas de deux. Drei Tänzerinnen und drei Tänzer entführen uns mit einfühlsamer Präzision und sinnlicher Anmut in die Welt von Giselle und Schwanensee, ohne hierbei einer Storyline zu folgen. Ein kurzzeitiger Kunstgenuss ohne historische Verblendung, wenngleich das Stück in seinem Entstehungsjahr 1946 durch die grüne Bühnenwand Aufbruch und Naturalismus vermitteln soll. Letzteres wird auch über die Musik von César Franck ausgedrückt. Dessen Symphonische Variationen für Klavier – es glänzt hier wunderbar Cécile Tallec – und Orchester bieten eine wohltuende musikalische Plattform mit klarem Klangspiel im polyphonen Musikstil.

Two Gold Variations von Hans van Manen bildet nicht nur den Abschluss sondern sogar den Höhepunkt in diesem facettenreichen Ballettabend. Der Tanz ist von Virtuosität geprägt, die stellenweise an Akrobatik grenzt und den Zuschauer in seinem Sessel fesselt. Zwei Schlagzeuger und das Orchester befeuern die Tänzer mit sich steigernden Klangpassagen, die Assoziationen an die West Side Story wach rufen, und entschleunigen dann wieder mit lang gestreckten Klangeffekten.
Vor einem puristisch schwarz gehaltenen Bühnenbild erzeugen insbesondere die glänzenden, eng anliegenden Tanzanzüge der Männer farbige Akzente und optische Reize. Fantastisch ist das Tanzpaar Marúcia do Amaral und Alexandre Simoes, die sich mit Hingabe, Leidenschaft und voller Feingefühl physisch und mental eng umschlingen.

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsUwe Schwäch
Agentur-Chef und Lehrbeauftrager

Der Gesellschafter der Markenagentur Brand Lounge und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

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