Jan van de Weyer über b.25

Forsythe_workwithinwork_02_FOTO_Gert WeigeltZu Beginn der Ballettpremiere von b.25 taucht das Ballett am Rhein bei einer intimen Lichtstimmung in den Bewegungskosmos von William Forsythe.
Das Werk „workwithinwork“ wird begleitet von der experimentellen und ausdrucksstarken Avantgarde Musik von Luciano Berio. Wie ein Chirurg seziert Forsythe die Bewegungen im Raum, so das die Körpersprache zunächst sehr technisch, analytisch und zeitweise dekonstruktiv wirkt. Doch dann eröffnet sich dem Zuschauer ein sehr organisches und lebendiges Feld der Kommunikation. Durch Ihren Bewegungsreichtum und Spontanität schaffen die Tänzer immer wieder neue eindrucksvolle Schauplätze. Es entstehen Impulse, die sich wellenartig auf der Bühne ausbreiten, weiterentwickeln und fortgetragen werden. Das Werk bricht mit der traditionellen Dynamik eines Theaters, indem es die Frontalität auflöst, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben seinen eigenen Fokus zu bestimmen.

Im Kontrast dazu bietet Fredrick Ashton mit den „Symphonic Variations“ von 1946 einen Ausflug in die Tanzgeschichte. Von der Zusammenstellung traditionell und puristisch (die Männer springen und die Frauen werden getragen) bleibt die Bewegungssprache formal, klar und linear. Beeindruckend bei diesem Stück die technische Präzision und körperliche Ausdauer der drei Tänzerpaare, sowie Cécile Tallec am Klavier.

Abgerundet wird der Ballettabend mit „Two Gold Variations“ von Hans van Manen, der wieder ein feinsinniges und musikalisches Stück geschaffen hat. Die Vielfalt und der Reichtum der Musik unterstreicht die konfrontativen und energetisch aufgeladenen Schritte sowie Armbewegungen der Gruppe. Der Zuschauer wird gefangen von einem Duell der Männer untereinander, sowie dem Wettstreit zwischen den Geschlechtern. Dieser Überfluss an Energie mündet in einem sinnlich erotischen pas de deux, indem die Intensität eine ganz andere Form annimmt. Anstelle der lauten Bewegung tritt ein subtiler Kampf zwischen Mann und Frau, indem die Frau scheinbar die Oberhand behält.

Insgesamt ein grandioser Abend – mutig und einzigartig zusammengestellt.

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsJan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Nun freut er sich darauf, neben dem Ballett auch etwas tiefer in die Oper einzusteigen.

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