Stefanie Wallace über b.25

van Manen_Two Gold_Variations_02_FOTO_Gert WeigeltEin Abend voller Überraschungen. Drei Stücke fassettenreich, wie das Leben.

workwithinwork von William Forsythe ist gefüllt mit athletischem Tanz und sehr virtuoser Musik von Luciano Berio. Es entstehen immerzu neue Bilder die doch auf eine gewisse Weise ineinander verwoben sind. Starke Charaktere mit energischem und reinem Tanz werden durch die energievolle Musik unterstrichen. Die Streicher in dem Stück „Duetti per due Violini“ sind reiner Balsam für die Seele, doch mit der Zeit wird die Musik fordernd, vereinnahmend und löst in mir den Wunsch nach  Instrumentenvariation aus. Die Bewegungsimpulse von kraftvoll bis fließend weich – anmutiger und tänzerischer Avantgarde – halten die Aufmerksamkeit des Zuschauers in Bann. Die Kostüme sind rein und schlicht und verkörpern Moderne und Beweglichkeit, auch im übertragenen Sinne. Die Farbpallette ist sehr harmonisch und steht im Kontrast zum kühlen Schwarz des Bühnenbildes. Das harte Licht unterstreicht die kraftvollen Körper – ehrlich und pur. Ein dynamisches schnelles Stück, extrem reich und anspruchsvoll auf allen Ebenen!

Die Symphonic Variations von Ashton ist an dem Abend wohl platziert und bietet eine Insel der Ruhe. Die Musik ist angenehm und trägt einen durch das Stück, zum Zurücklehnen und Entspannen. Die behaglichen Töne des Bühnenbildes erinnern an einen sonnigen warmen Sommertag. Die Bewegungen sind weich und fließend und die Tänzer strahlen Leichtigkeit aus. Doch wirkt das Stück auch etwas surreal und leicht verstaubt. Offensichtlich war der künstlerischen Produktionsleitung wichtig, dass die Aufführung nicht zu weit weg vom Original, der Uraufführung von 1946, ist – ohne das Original zu kennen, nur mein Gefühl. Die Kostüme, die an römische Statuen erinnern, tragen ihren Teil dazu bei. Frische kommt durch kleine Nuancen zum Beispiel in der Bewegung und der subtilen Süße, die in der Luft liegt. Leichtigkeit und Heiterkeit breiten sich aus.

Zum Abschluss das krönende Highlight des Abends!
Two gold Variations von Hans van Manen reißt mich von der ersten Sekunde an mit. Fesselt mich, nimmt mir den Atem und begeistert bis zum letzten Moment! Die aufladende Energie des klaren, präzisen Klanges und der Rhythmus haben eine eigene Dynamik die sich schwer in Worte fassen lässt! Die geballte Kraft der sehr herausfordernden Musik ist hypnotisierend. Jeder einzelne Schritt absolut präzise und im Einklang mit der tonangebenden Musik. Klare feste Strukturen aus Musik und Tanz befruchten sich gegenseitig. Der Ton, der durch die Schläge des Xylofons entsteht ist kurz und perkussiv und gibt den Takt vor. Wie die wirbelartigen Schläge – voller Klangfarbe an afrikanische Tänze erinnern, so auch der Tanz mit flinken Drehungen, vielen Sprüngen und stampfenden Bewegungen. Die Kostüme sind wunderschön in Farbe und Form und eingebettet in die Bewegung sowie den Klang – es entsteht ein großes Ganzes. Kein geschriebenes Wort kann vermitteln was das Stück transportiert und auslöst – nur eigenes reines und wahres Erleben! Ein Stück was mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird!

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsStefanie Wallace
Yogalehrerin

Die studierte Modedesignerin arbeitete im Design und Einkauf, bevor sie ihre Leidenschaft für Yoga zum Hauptberuf machte. Ihren Unterricht besuchen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein; deren Ausstrahlung und Körperlichkeit animierten sie zu einem ersten Ballettbesuch, dem viele weitere folgten: „Was ich beim Ballett am Rhein in den letzten zwei Jahren erleben durfte, hat mich extrem beeindruckt.“ Als Opernscout freut sie sich jetzt auch auf neue Erfahrungen und Inspirationen im Bereich der Oper.

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