Isabell Boyer über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_14_FOTO_HansJoergMichelEin Wintermärchen

Gänsehaut. Das erste Gefühl, das mich überkommt, als das Orchester zu spielen beginnt. Schon zuvor vom Clownensemble im Publikum überrascht, während die Leute ihre Plätze einnehmen, trete ich voran in eine Welt des Zirkus, weit von unserer Welt entfernt, im Wechselspiel zwischen Russland und Österreich. Kálmáns „Zirkusprinzessin“ hat etwas Märchenhaftes an sich, spielt sowohl mit Klischees über Romantik und Kitsch, als auch mit Selbstbestimmung und der Bedeutung von Status in der Gesellschaft.

Diese Operette ist bunt und federleicht, mal schnell und heiter, dann wieder melancholisch und bitter, je nachdem, wie die Situation es hergibt.

Als bekennende Musical-Liebhaberin habe ich mich in diesem Stück sofort wiedergefunden. Die eingehenden, sich wiederholenden Melodien, die klaren Stimmen (die zu meiner Begeisterung eine Menge davon verstanden, sich perfekt zu artikulieren), die wundervolle Instrumentalisierung (das Orchester war hervorragend) und dazu ein wunderschön ausgearbeitetes Bühnenbild inklusive Leuchtreklame, verblüffend realistischem Schnee und wandelbaren Requisiten, die in den Szenenübergängen ganz elegant vom Tanzensemble, das nebenbei mit seiner Ausdrucksstärke glänzte, auf die Bühne gebracht wurden, machen dieses Stück aus. Hier zeigt sich, wer sich auch auf leichtere Unterhaltung einlassen kann.

Denn hier geht es nicht hauptsächlich um Wahnsinn, Trauer, Kummer oder Macht, wie es sonst in der Oper oft der Fall ist. Natürlich tauchen diese Elemente, zumindest teilweise, auch auf, doch liegt das Augenmerk eher auf einer Liebesgeschichte – oder mehreren, wie sich schon recht am Anfang herausstellt.

Mir gefiel das Konzept gut, da es sich, trotz der wahrlich romantisch bis kitschig ausgelegten Geschichte, immer ein wenig selbst reflektiert. Nicht umsonst sagt der mysteriöse Mister X in einer der Schlüsselszenen, dass seine Geschichte wie ein Drei-Groschen-Roman klingt, aber seine Absurdität verliert, je wahrer sie wird.

Es ist also die Aufgabe eines jeden Zuschauers, sich auf die Welt der Zirkusprinzessin einzulassen, ihr die Chance zu geben, sich von ihr entführen zu lassen; in die vorweihnachtliche Stimmung des Stücks, ihre Farbenpracht und nicht zuletzt ihren Zauber. Soviel kann ich versprechen: Es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

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