Gisela Miller-Kipp über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_04_FOTO_HansJoergMichelDas ist ein tolles Stück – für mich bot diese „Zirkusprinzessin“ alles, was Operette ausmacht, ich habe mich köstlich amüsiert. – Die „Story“ ist so simpel wie klassisch: Zwei verlieben sich unsterblich ineinander, tragische Irrungen, abgefeimte Verwirrungen, märchenhaftes Happy-End, und das Ganze in gleichfalls klassischer Widerspiegelung der „hohen“ Ebene derer von Adel auf der „niederen“ Ebene derer vom Volk. Grund für Beinahe-Tragik sind im vorliegenden Falle Adelsdünkel und Standessunterschiede, sie plagen uns heute gerade nicht mehr. Mithin kommt für mich alles darauf an, wie diese „Story“ als Operette auf die Bühne gebracht wird. Von einer „kleinen Oper“ erwarte ich flotte Nummern, allerlei Umtriebe und, vor allem, „leichte“, meint eingängige und schmissige Musik. Mit all dem wird man nun aufs Schönste und fast überreich bedient, sintemal die Geschichte beim Zirkusvolk spielt – das Allotria fängt schon damit an, dass Clowns zur Begrüßung der Besucher im Foyer wie im Parkett herumtollen und mit Glitter um sich werfen.

Die Vorführung ist flott, die Musik, süffig gespielt, hat Ohrwürmer, sentimentale Liebesduette, Tanzrhythmen – Walzer natürlich und Marsch, was will man mehr? –, und Emmerich Kálmán macht manche musikalische Anleihe bei sich selbst. Gesprochen wird erfreulich deutlich, gesungen wird famos, hier und da klingt die Fürstin etwas schrill und Mister X presst (ich habe die zweite Aufführung besucht).

Zauberhaft ist die Bühne – in den ersten Bildern ein Zirkuszelt mit allem Bling-Bling und großer Leuchtschrift. Darin spielen die phantasievoll kostümierten Clowns fast durchgängig mit, ihre Clownerien kommentieren oder verdeutlichten das Bühnengeschehen, das ist höchst vergnüglich. Geboten werden auch noch Schlittenfahrten, wunderbares Schneegestöber, und im letzten Bild, ein Hotelfoyer in Wien, werden Wiens Prunkbauten, dabei das Riesenrad, als erleuchtete Miniaturen hereingeschoben – sehr hübsch. Dort kommt das Happy-End recht unvermutet, herbeigeführt vom altgedienten Oberkellner – Wolfgang Reinbacher gibt hier den seligen Hans Moser. Das ist so „schräg“ wie die Tische und Stühle im Bühnenraum!

Nach drei Stunden Aufführungen war es für mich dann aber auch genug, ich war gesättigt – beschwingter Heimweg.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s