Martin Breil über „Turandot“

TURANDOT_03_FOTO_Hans_Joerg_Michel„Nessun dorma“ die Arie des Kalaf von Zoran Todorovich und „Tu, che di gel sei cinta“ von Brigitta Kele schon beim Haniel Klassik Open Air 2015 in Duisburg so wunderbar interpretiert ließen bereits Monate vor der Premiere meine Erwartungen an den heutigen Abend wachsen.

Als Überraschung erfuhr ich in der Einführung vor Beginn der Vorstellung, dass die Inszenierung in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts, Weiwuying, Taiwan erfolgt ist. Eine Oper über Chinesen in der Interpretation von Chinesen ? Spannend…

Wer schon einmal in China war, weiß, wie stark alte Traditionen und zunehmend auch wieder die Religion Einfluss auf den Alltag des modernen China ausüben.

So gesehen war der erste Eindruck der Interpretation der Oper erst einmal irritierend für mein westliches Auge. Die scherenschnittartige Silhouette der verbotenen Stadt (Kaiserpalast von Peking) als Projektionsfläche für Videoeinspielungen, im Kontrast zu historischen Kostümen, die Überführung der Handlung in den Traum einer jungen Frau , die diesen Traum heute träumt, übersteigt zunächst meine Vorstellungskraft. Erst nach und nach begreife ich, dass diese Inszenierung gleichzeitig das alte und neue China widerspiegelt. Die Träumerin, die versucht, diese Gegensätze in ihren Träumen zu verarbeiten.

Die Leistung des Chores der DOR und der Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober ist besonders hervorzuheben. Linda Watson sang ihre Rolle als die eiskalte Prinzessin Turandot sehr überzeugend, Liu, die ergebene Sklavin Kalafs, hatte dagegen mehr Sympathien im Publikum und Zoran Todorovich merkte man die Freude an der Rolle des Kalaf deutlich an. Eine mutige, aber sehr überzeugende Inszenierung. Deutsche Oper am Rhein macht`s möglich. Sehr zu empfehlen!

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

 

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