Ralf Kreiten über „Turandot“

TURANDOT_14_FOTO_Hans_Joerg_MichelNessun dorma – ‚Keiner schlafe‘ – ist die Arie des Prinzen Kalaf (sehr gut dargestellt von Zoran Todorovich) zu Beginn des 3. Aktes der Oper Turandot von Giacomo Puccini. Beim begeisterten Premierenpublikum am vergangenen Samstag bedurfte es dieser Ermahnung nicht.

In der Oper, deren Handlung vor 3000 Jahren im chinesischen Reich spielt, löst der fremde Prinz Kalaf das Rätsel der Prinzessin Turandot und gewinnt sie damit als Gemahlin. Er stellt der Prinzessin jedoch in Aussicht, sie von ihrem Heiratsversprechen zu entbinden, wenn sie bis Sonnenaufgang seinen Namen herausfinden würde. Daraufhin befiehlt Turandot, dass niemand in Peking schlafen dürfe, alle sollten nach dem Namen des unbekannten Prinzen fahnden. Die Untertanen werden mit der Todesstrafe bedroht, falls sie den Namen nicht herausfinden sollten.

Boten verkünden: Questa notte nessun dorma in Pechino – ‚Diese Nacht soll niemand schlafen in Peking‘. Daraufhin wiederholt der Chor die Worte Nessun dorma. Auch Kalaf greift diese Worte zu Beginn der Arie auf und zeigt sich standhaft und gewiss, dass die Prinzessin das Geheimnis seines Namens nicht lösen wird.

Die Inszenierung des taiwanesischen Theatermachers und seines Teams ist spannend und durch die Videoinstallationen sehr abwechslungsreich; obwohl ich persönlich, gerade mit den moderneren Einspielungen, nicht so viel anfangen konnte. Aber die Idee, das Geschehen als Traum, besser als Alptraum einer jungen Frau darzustellen, kommt der Handlung zu gute und lässt viele Ungereimtheiten besser verstehen.

Musikalisch hat mich der Abend voll überzeugt. Chor, Extrachor und Kinderchor der DOR  sind stimmgewaltig und machen Gänsehaut; sie können sich aber auch ganz auf das Singen konzentrieren, da die Inszenierung doch eher statisch ist. Ergreifend ist Brigitta Kele in der Rolle der Liù; Linda Watson meistert die stimmlichen Anforderungen der Turandot ebenfalls sehr gut. Das traurige, ja oft grausame Geschehen wird durch die leicht komödiantischen Auftritte der drei Minister Ping –ausgezeichnet Bogdan Baciu -, Pang und Pong für den Zuschauer erträglich.

Die Musik Puccinis, von den Philharmonikern unter Leitung von Axel Kober hervorragend gespielt, ist leicht, eingängig, hat mich berührt und Gänsehaut verursacht. Warum sollten Sie sich das entgehen lassen? Nessun dorma -‚Keiner schlafe‘ -, auch Sie werden diese Ermahnung nicht brauchen; das verspreche ich.#

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

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