Jessica Gerhold über „Turandot“

TURANDOT_02_FOTO_Hans_Joerg_MichelMit riesiger Neugierde ging ich in diese deutsch-taiwanesische Kooperation zu Puccinis letzter, unvollendeter Oper. Wie können uns wohl Künstler mit asiatischem Hintergrund helfen noch tiefer in dieses Märchen hinein zu tauchen? Die ersten Szenen der Oper ließ ich auch noch unkritisch über mich ergehen, war gespannt was mir geboten würde und wartete in den Bann des Stückes gezogen zu werden. Um es vorweg zu nehmen: Dies gelang bis zum Ende des Stückes nicht.

Woran das lag? Ich kann hier nur wenige Aspekte nennen. Insgesamt wollten die Inszenierenden wohl zu viel und setzten eine Häufung an symbolhaften Ideen höchstens mittelmäßig professionell um. Da ist zum einen das Ringen einen aktuellen Bezug zu China herzustellen: Die Regenschirmrevolution 2014 und am Ende eine Mega-Stadtnachtaufnahme (warum explodiert hier am Ende eine Bombe?). Zum anderen die nicht einmal mittelmäßigen Projektionen, die drehende Schwerter, asiatische Ranken und Kalligraphien zeigen, aber die auf jeder Schulaufführung professioneller  präsentiert würden. Hier bin ich von vorherigen Vorstellungen ein sehr viel höheres Niveau gewohnt. Des Weiteren wirkten die Akteure zeitweise ungewohnt statisch in ihrer Präsentation und nutzen den gegebenen Bühnenraum nicht aus, die schauspielerische Leistung wirkte selten authentisch, bzw. in den Bann ziehend. Noch nicht einmal die Arie „Nessun Dorma“ berührte mich emotional. Dabei sind die Stimmen einwandfrei gewesen und alle Künstler haben unglaubliche Kraftakte in dieser Oper gelassen und stimmlich einwandfrei präsentiert. Vielleicht waren die Künstler selber zu unsicher wie diese Inszenierung ankommen würde. Gute Stimmen ohne Relevanz. Jedoch, eine Einschränkung muss ich machen: Liù und der Chor fesselten mich bei jedem Einsatz sofort.

Aber musste man sich schließlich für dieses (für mich) wirklich nicht zum Stück passende Happy End entscheiden? Das konnte der mit Melone bekleidete Puccini auf der Bühne nicht für seine beste Oper im Sinn haben.

Insgesamt wäre hier weniger viel mehr gewesen.

Fazit: Ich freue mich wahnsinnig auf die nächste „Turandot“- Aufführung!

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Jessica Gerhold-1Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin

Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

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