Kathrin Pilger über b.26

Auch für Balletteinsteiger sehr empfehlenswert!

Bournonville_Divertissement_04_FOTO_Gert Weigelt

Ein Premierenabend der besonderen Art erwartete die Besucher am vergangenen Samstag im Theater in Duisburg: Erstmals präsentierte das Ballett am Rhein ein Stück aus dem 19. Jahrhundert, ein sogenanntes Divertissement aus Werken von August Bournonville. Ganz im Stil der Romantik bewegten sich die Tänzerinnen und Tänzer zur neapolitanischen Tarantella heiter und leichtfüßig in bonbonfarbenen Tutus und hellen burschikosen Kostümen auf der Bühne.

Einen völligen Kontrast zu dieser Unbeschwertheit bildete das zweite Stück des Abends, „Dark Elegies“ von Antony Tudor aus dem Jahr 1937. Deprimierend und schmerzvoll langsam, eher schreitend als tanzend, vollzog sich das Geschehen auf der Bühne. Zu Gustav Mahlers Kindertotenliedern trauerten Männer und Frauen gleichermaßen ausdrucksvoll; unterstrichen wurde dieser Eindruck durch den verhalten einfühlsamen Gesang von Dmitri Vargin, der optisch sehr zurückhaltend (nur auf einem Stuhl am seitlichen Bühnenrand sitzend) in die Szenerie platziert wurde. Die gedämpften Farben der einfach geschnittenen Kostüme und die fahle Beleuchtung rundeten den Eindruck der deprimierten Trauernden ab.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielten die Kostüme auch beim letzten Stück des Abends: Die Tänzerinnen und Tänzer waren in Terence Kohlers Uraufführung „One“ in erdfarbene, z. T. fließende Gewänder gekleidet, mal mit kurzen, mal mit langen Hosen. Die Trennung zwischen den Geschlechtern schien teilweise aufgehoben, hatte man doch Mühe Männer und Frauen auf der Bühne zu unterscheiden. In zuckenden, manchmal eckig anmutenden Bewegungen trat die starke Verunsicherung zutage, die die Gruppe offenbar zufällig Zusammengekommener ausmachte. Hinzu kam das karge Bühnenbild aus betonartigen Quadern, die den Hintergrund bildeten. Dazu war die im Programmheft angekündigte Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms zunächst schwer vorstellbar – doch: die Musik, wunderbar interpretiert von den Duisburger Philharmonikern, und der Tanz, nicht zuletzt das starke Solo der Tänzerin Yuko Kato, harmonierten perfekt. Auch der Schluss überraschte: Die verzweifelten Menschen fanden endlich eine Leiter zur Flucht aus ihrer ausweglos scheinenden Lage: Sämtliche 32 Tänzerinnen und Tänzer kletterten langsam und nacheinander (– was die Zuschauer auf eine kleine Geduldsprobe stellte –) darüber und verschwanden im Nirgendwo hinter den Betonquadern. Was sie dort erwartete, blieb offen und somit der Phantasie des einzelnen Zuschauers überlassen.

Insgesamt ein sehr gelungener Abend – durch die Zusammenstellung der aus unterschiedlichen Epochen stammenden Stücke konnte man gut die Entwicklung des Balletttanzes nachverfolgen. b. 26 ist daher auch für Balletteinsteiger sehr empfehlenswert!

Weitere Informationen zu b.26: http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-26.1047776

Opernscout Kathrin Pilger-2


Kathrin Pilger

Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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