Martin Breil über b.26

In drei Stationen durch die Geschichte des Balletts

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg
b.26 One   ch.: Terence Kohler

Mit seiner Produktion b.26 nimmt Martin Schläpfer den Besucher in drei Stationen mit auf eine lange Reise durch die Geschichte des Balletts.

Der Abend beginnt mit „Bournonville Divertissement“. August Bournonville war Tänzer und Direktor des Königlichen Balletts in Kopenhagen im 19. Jahrhundert. Perfekt dargeboten tanzen die Tänzerinnen und Tänzer seine überlieferte Choreographie. Auffallend ist die strenge Symmetrie der Tanzformationen und die perfekte Beinarbeit der Tänzer. Aber diese Perfektion ist es eben, die mich nicht recht begeistern können. Hinzu kommen Kostüme, die ebenfalls aus dem 19.Jhd. zu stammen scheinen. Schön bunt, aber nicht berührend.

In krassem Gegensatz dazu folgt „Dark Elegies“ von Antony Tudor, uraufgeführt 1937. Nach einer neuen Bewegungs- und Harmonielehre suchend gelingt es ihm eindrucksvoll die „Kindertotenlieder“ des Dichters Friedrich Rückert in Vertonung von Gustav Mahler um eine künstlerische Dimension zu erweitern, durch den Tanz. Die Ohnmacht und endlose Trauer, die der Dichter durch den frühen Verlust seiner Kinder empfunden zu haben schien, drücken sich durch schematischen Kreistanz, gedeckte Farbigkeit der Kostüme und ein Bühnenbild, dass den Blick über einen Horizont in unendliche Dunkelheit assoziiert, aus. Musik, Text und Bewegung gehen eine faszinierende Symbiose ein. Sehr ergreifend.

Mit „One“ von Terence Kohler endet die Reise durch die Ballettgeschichte in der Jetztzeit. Seine Choreographie hält einige Überraschungen parat. Zunächst irritiert, dass die Sinfonie Nr.1 von Johannes Brahms das musikalische Gerüst der Aufführung bildet. Auf der Bühne herrscht Endzeitstimmung, angedeutet durch betonsichtige, schier unüberwindliche Monumentalarchitektur. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen Camouflage-Trikots, sodass sie kaum noch als Individuen zu erkennen sind. Dagegen steht das Solo von Yuko Kato und ist sicherlich der Höhepunkt des Abends. Sie ist es, die zu innerer Ruhe und Einkehr gefunden hat und dies im großen Chaos im 3. Satz eindrucksvoll zum Ausdruck bringt.
Die Überwindung der Mauern, die uns auf dem Weg ins Licht den Weg versperren. Soll ich sie übersteigen, oder schlage ich einen anderen Weg ein? Die Tänzer wählen 32-fach den ersten Weg, wie Millionen andere z.Zt. auch. Ob sie es schaffen?

Im Ganzen ein großartiger Abend, schon allein wegen der beiden letzten Stationen der Reise.

Weitere Informationen zu b.26:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-26.1047776

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

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