Horst Eckert über „Don Carlo“

Die Musik ist großartig, die Inszenierung oft unverständlich

DonCarlo_03_FOTO_HansJoergMichelDon Carlo liebt Elisabeth, doch die wurde mit seinem Vater, Spaniens König Philipp II. (1527-1598), verheiratet. Aus Flandern kommt Carlos Freund Rodrigo zurück und will ihn dafür gewinnen, den von Spanien regierten Flamen zur Freiheit (oder milderen Unterdrückung) zu verhelfen. Zweifach gerät der junge Mann also in Opposition zu seinem Vater. Der bleibt hart, zumal die katholische Kirche darauf besteht. Erst Rodrigo, zuletzt auch Carlo werden erschossen.

Die Geschichte beruht auf Schillers Drama „Don Carlos“, der sich wiederum von historischen Romanen beeinflussen ließ. Im Zentrum steht in der Opernfassung die Liebestragödie (Elisabeth liebt Carlo ebenfalls, will den König aber weder betrügen noch verlassen). Hinzu kommt der politische Konflikt (Freiheit versus religiös begründete Herrschaft), der zu Verdis Zeiten noch virulent war.

Die Musik ist großartig, die Leistung der Sängerinnen und Sänger beeindruckend.

Die Ideen der Inszenierung waren allerdings oft unverständlich. Don Carlo wird zu Beginn als viel zu verzagt, zwischendurch als verrückt dargestellt, was eine Identifikation mit ihm und die Glaubwürdigkeit der Handlung stark beeinträchtigt. Zwei Frauen lieben ihn, ein Mann nennt sich „glücklich für ihn zu sterben“, mehrfach wird er als „Retter“ beschworen – nur nimmt man es diesem Carlo nicht ab. Ärgerlich ist die Szene, in der Carlo dem Hofstaat die Abgesandten Flanderns als Esel und sich selbst als Narr vorführt.

Das Bühnenbild wirkt monumental und zunächst faszinierend, auf Dauer aber etwas statisch. Und immer wieder schleichen Mönche vorbei – Sinnbild des Überwachungsregimes der Inquisition.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsHorst Eckert
Krimiautor

Trotz der beruflichen Nähe begeistert sich der in Düsseldorf lebende Krimiautor Horst Eckert nicht nur für kriminalistische Opernstoffe. Mozarts „Zauberflöte“, Verdis „Aida“ und Prokofjews „Der feurige Engel“ zählten zu den Höhepunkten seiner ersten Saison als Opernscout. Er mag es, wenn die Regie mit ihren Ideen dazu beiträgt, dass selbst bekannte Klassiker überraschend, neu und relevant erscheinen.

 

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