Jan van de Weyer über „Don Carlo“

Tief bewegende Musik und ein beeindruckendes Bühnenbild

DonCarlo_04_FOTO_HansJoergMichelDer Zuschauer taucht in Verdis dramatischen und vielschichtigem Vierakter, inszeniert vom flämischen Regisseur Guy Joosten, in eine spannungsgeladene Welt des 16. Jahrhunderts.

In einem System der Pflichterfüllung, wo demokratische Gesellschaftsnormen, sowie freiheitliche Ideale als unchristlich gelten ist es Elisabetta di Valois, die den Grundstein für diese Oper bildet.
Aus Gründen der Staatsräson, um den französisch-spanischen Krieg zu beenden, entscheidet sie sich entgegen Ihrer jungen Liebe zu Don Carlo seinen übermächtigen Vater König Filippo zu heiraten. Dies bekundet sie mit einem stimmlosen „oui“.
Don Carlo-der Titelheld wunderbar verkörpert durch Gianluca Terranova zeichnet eine tragische Gestalt ab, die händeringend um seine Liebe zu Elisabetta kämpft, sowie verzweifelt versucht seine Position in jenem totalitärem System zu finden.

Ein beeindruckendes Bühnenbild aus mobilen Wänden bestehend aus goldenen teilweise transparenten Rautensystemen, eröffnet immer wieder neue Spielräume.
So zeigt sich beim Autodafé- der öffentlichen Ketzerverbrennung eine Feuerwand, die eine beeindruckende skulpturale Lichtinstallation bildet.

Zwei kraftvolle seriöse Bässe bilden die Basis für eine stimmgewaltige Auseinandersetzung des Königs Filippo und dem fanatischen Großinquisitor, wobei sich der König letztendlich der kirchlichen Macht unterwerfen muss. Hier gibt es keinen Raum für Gedankenfreiheit und neue Ideen. Eben diese Ideale kommen im besonderen in der Figur des Kosmopoliten Marquis Rodrigo di Posa charakterstark gesungen von Laimonas Pautienius zum tragen.
Ebenso herausstechend Prinzessin Eboli, ein feinstufiger Mezzosopran, verkörpert von Romana Zaharia. Die Musik bewegt tief und unterstreicht die Zerrissenheit und den inneren Kampf der Protagonisten.

Der Schluss vermittelt sowohl ein Gefühl der Vergänglichkeit alles Irdischem, also auch ein Gefühl von Ewigkeit.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsJan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Nun freut er sich darauf, neben dem Ballett auch etwas tiefer in die Oper einzusteigen.

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2 Gedanken zu “Jan van de Weyer über „Don Carlo“

  1. Hans-Jürgen 17. Februar 2016 / 11:06

    Das Bühnenbild fand ich persönlich auch grandios! Das Spiel mit der Transparenz war eine fabelhafte Idee, um die Überwachung durch die Inquisition darzustellen.
    Der Gesang war auch beeindruckend, Ramona Zaharia als Eboli besonders!

    Mein persönliches Fazit ist: Unbedingt ansehen und anhören!

  2. Engelchen 17. Februar 2016 / 11:27

    Das Bühnenbild war einfach nur toll! War sehr beeindruckend:)

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