Julia Kulig über „Ariadne auf Naxos“

Eine Oper mit Einblicken in die Hintergründe einer Kunsterschaffung

Ariadne_auf_Naxos_01_FOTO_FlorianMerdesDie von Richard Strauss komponierte Oper handelt von Liebeskummer, tiefer Trauer und einer Transzendierung dieser zu einem neuen Leben. Die Hauptfigur Ariadne verzehrt sich vor Liebeskummer, da ihr Geliebter Theseus sie verlassen hat. Als sie Bacchus begegnet, hält sie ihn für Hermes den Götterboten und hofft, dass sie durch ihn den Tod findet. Zum Ende hin löst sich Ariadnes Missverständnis auf und sie und Bacchus sind glücklich vereint.

Bevor dieser Handlungsstrang aufgeführt wird, erleben wir als Publikum im Vorspiel (komponiert von Hoffmannstal) die Situation vor der Aufführung: Die Schauspieler bereiten sich auf ihren Auftritt vor, das Orchester probt. Der Komponist erfährt, dass nach der Oper Ariadne ein weiteres, lustiges Stück aufgeführt werden soll. Dies versetzt ihn und seine Schauspieler in Verärgerung. Kurz vor Beginn wird die Vorgabe des Auftraggebers ein weiteres Mal verändert: Die Oper Ariadne soll gleichzeitig mit der Komödie dargestellt werden. Hiermit hadern nunmehr alle Akteure, wobei die Darsteller der Komödie sich deutlich schneller auf das Experiment einlassen, die Stücke zu vereinen.

Im eben beschrieben ersten Teil erhalten wir als Zuschauer Einblick in die – teils tragischen – Hintergründe einer Kunsterschaffung: Der Schaffende steht hier im Konflikt zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Vorstellungen des Finanziers. Wie weit kann und soll auf Wünsche von außen eingegangen werden, ab wann ist es nur noch ‚Auftragsarbeit‘? Katarzyna Kuncio in der Rolle des Komponisten zeigt mit einer tollen Singstimme das Hin- und Hergerissen sein zwischen diesen beiden Polen. Im Hauptteil, der ohne Pause an das Vorspiel anschließt, erleben wir dann das aufgeführte Stück um Ariadne. Die Handlung schreitet voran, die Künstler der ernsten Oper wechseln sich in ihren Auftritten mit denen der Komödie ab. In einzelnen Phasen interagieren sie auch zusammen – dies waren für mich die lebendigsten Teile des Stückes.

Dass wir als Publikum neben den Akteuren des Stückes dank des Bühnenaufbaus auch das Orchester auf der Bühne hören und betrachten können, war für mich ein sehr gelungener Griff der Inszenierung. Auch wenn mir die Musik von Strauss und von von Hoffmannstal nicht so recht gefallen wollte, beeindruckten mich die Gesangsleistungen der Sängerinnen und Sänger und dem wunderbaren Zusammenspiel mit dem Orchester.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.

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