Kathrin Pilger über „Ariadne auf Naxos“

Empfehlenswert, auch für Opernskeptiker

Ariadne_auf_Naxos_10_FOTO_FlorianMerdesDas Premierenstück am vergangenen Donnerstag im Theater Duisburg verlangte dem Besucher viel Aufmerksamkeit ab: Schon beim Betreten des Zuschauerraums war klar: hier ist nichts wie sonst! Die Szenerie bot sich als unübersichtlich und wenig vorbereitet dar. Unterschiedlich kostümierte Personen betraten und verließen geschäftig die bis in den Zuschauerraum hinein verlängerte Bühne, die zur einen Hälfte das Interieur des Theater Duisburgs und zur anderen das des Düsseldorfer Opernhauses widerspiegelte.

Requisiten wurden hektisch hin- und hergetragen, die Musiker der Duisburger Philharmoniker, nicht wie üblich unsichtbar im Orchestergraben, sondern deutlich im hinteren Teil der Bühne platziert (und später nur durch einen transparenten, bedruckten Vorhang scheinbar abgetrennt), spielten sich in aller Ruhe vor den Augen und Ohren des Publikums ein. Genauso improvisiert wie der Vorlauf wirkte das Stück, das ungewohnt bei voll ausgeleuchtetem Zuschauerraum startete.

Was dann kam, war allerdings großartig: in einem einzigen Aufzug nebst dem „Vorspiel“ zog diese intelligente Inszenierung der 1912 erstmals aufgeführten Oper von Richard Strauss (mit Hugo von Hofmannsthal als Verfasser des Libretto) das Duisburger Publikum in den Bann.
In einem „Theater auf dem Theater“ wird der mythologische Stoff der auf der Insel Naxos verlassenen, tieftraurigen und auf den Todesboten wartenden Ariadne mit Aspekten der komischen Oper verbunden; im Haus eines Neureichen sollen nach Wunsch des Geldgebers eine ernste und eine komische Oper gleichzeitig aufgeführt werden. Das führt zu zahlreichen Verwicklungen zwischen dem Komponisten und den Darstellerinnen des ernsten „Ariadne“-Stückes und der munteren, an die Tradition der Commedia dell`arte angelehnten Schauspieltruppe, die für das lustige Stück engagiert worden ist.

Allen voran die unkonventionelle Zerbinetta, herausragend interpretiert von Heidi Elisabeth Meier, aber auch ihre humorvollen Begleiter sorgen für kurzweilige, slapstickartige  Momente in dem Stück.  Am Ende wird übrigens alles gut! Ariadne, die ihren berühmten, dieses Mal an einem dicken Wollknäuel hängenden Faden zur Orientierung stets hinter sich herzieht, gewinnt durch die Liebe zu Bacchus  ihre Lebensfreude zurück. Und es stellt sich heraus, dass Menschen und Kunst sich doch den Erfordernissen anpassen können.

Das Stück ist absolut empfehlenswert, auch für Opernskeptiker!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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