Ralf Kreiten über „Ariadne auf Naxos“

Das Stück braucht kein Mensch….

Ariadne_auf_Naxos_08_FOTO_FlorianMerdes…könnte man meinen, wenn man sich im Vorfeld mit dem Libretto von „Ariadne auf Naxos“ beschäftigt hatte; und genau dies Statement fiel auch in der kurzen Nachbetrachtung der Opernscouts im Rahmen der Premiere zu dieser Strauss-Oper.

Aber die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf, die ich am vergangenen Donnerstag als Theater auf dem Theater erleben durfte, hat mich und das gesamte Premierenpublikum vom genauen Gegenteil überzeugt. Lang anhaltender Applaus für eine großartige Gesamtleistung.

Im Vorspiel leiden der Komponist und der Tanzmeister unter der Willkür ihres Mäzens, weil aus der ursprünglichen Reihenfolge der für den Abend geplanten Aufführungen (erst die dramatische Oper „Ariadne“, dann ein lustiges Nachspiel) eine gleichzeitige Aufführung beider Stücke beauftragt wird. Das der Haushofmeister, der die Vorgaben des Mäzens wenig wertschätzend an die beiden weitergibt, mehrfach zwischen den Zuschauern im Parkett seinen Platz sucht, hat mir gut gefallen. Im zweiten Teil, der eigentlichen Oper, vermischt sich die Tragödie mit der Komödie, geraten die ausgebildeten Opernsänger fast in einen Wettstreit mit den Improvisation gewöhnten Komödianten.

Das Ganze wird begleitet durch die ansprechende und gefällige Musik Richard Strauss‘, die von den Duisburger Philharmonikern, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, aus meiner Sicht auch diesmal wieder sehr schön dargeboten wurde. Dabei saßen die Musiker mal auf der Bühne, eine Idee, die mich als Zuschauer auch sehr angesprochen hat.

Gewiss, das dramatische Gerippe ist dünn, aber durch die Idee, Theater auf dem Theater zu spielen und den Zuschauer in die Theaterarbeit mit einzubeziehen, verliert das Stück den Pathos, der den mythologischen Figuren anhaftet, und gewinnt dadurch. Verstärkt wird dies durch die Einlagen der Komödianten, bei denen die Ariadne „hinter der Bühne“ auch schon mal aus der Rolle fällt.

Bei den Künstlern hat mich die Gesamtleistung überzeugt. Insbesondere berührt hat mich Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta, die selbst bei den höchsten Tönen der vielen Koloraturen so wohltuend klingt. Aber auch Bogdan Baciu als Harlekin, Corby Welch als Bacchus und auch Karine Babajanyan als Ariadne haben mir diesmal, neben den übrigen Sängerinnen und Sängern, außerordentlich gut gefallen.

Bei so einer Inszenierung ist es gut, dass es das Stück gibt.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

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