Uwe Schwäch über b.27

Ein wunderbar zusammengestelltes ungleiches Triptychon

b27_DuoConcertant_03_cTheGeorgeBalanchineTrust_FOTO_GertWeigeltDer Einstieg in den Ballettabend erfolgt mit „Duo Concertant“ von George Balanchine. Zu sehen und hören sind vier Protagonisten – ein Tanzpaar begleitet von einer Pianistin und einem Violinisten – denn alle befinden sich auf der Bühne und vermitteln räumliche und zwischenmenschliche Nähe. Der von Sinnlichkeit, Lebendigkeit und zuweilen auch von Heiterkeit geprägte Tanz folgt Etüden, in deren kurzen Pausen sich die Tänzer zu den Musikern gesellen und deren feinsinniger Interpretation von Strawinskys Musik lauschen. Zu dieser Musik tanzt das Paar pointiert und undramatisch, wobei in jedem Schritt und in jeder Bewegung dieses neoklassischen Balletts eine harmonische und perfekte Symbiose zwischen Mensch und Musik erlebbar wird.

Auch die mit Spannung erwartete Uraufführung „Variationen und Partiten“ von Martin Schläpfer eröffnet mit Heiterkeit. Hier sind es das Bühnenbild, das mit bunten Lampions Frische vermittelt, und die ungewöhnlich leichte Klaviermusik von Beethoven, die das neue Ballett stimmungsvoll in Szene setzen. Schläpfer kombiniert neoklassischen Tanz mit neuartigen, auf der Bühne noch nie gesehenen Bewegungen und Formationen. Die Tänzer des Ensembles agieren mit höchster Präzision und vermitteln vielfältige Emotionen: von kantig bis weich, von kämpferisch bis zu höchst einfühlsam. Solo, Pas de deux und Corps de ballets reihen sich aneinander und schaffen immer wieder neue, hingebungsvolle Perspektiven und emotionale Momente. Die Musik, im zweiten Teil von Bach, wird fortschreitend kontemplativer und manifestiert sich als beschwingte, stimmungsgeladene Untermalung eines neuen Meisterstücks.

„Der Grüne Tisch“ von Kurt Jooss beschließt den Ballettabend mit einer Geschichte aus der Geschichte. Der Klassiker von 1932 erzählt in acht Bildern eindrucksvoll vom Ersten Weltkrieg, der in einem Totentanz dargestellt wird. Jedes der einzelnen Bilder arbeitet mit Symbolkraft, so sind gleich zu Beginn die Mächte am Grünen Tisch mit hässlichen Fratzen kostümiert. Der omnipräsente Tod vermittelt sich martialisch und bewegt sich kraftvoll und wuchtig durch die Szenerie des Geschehens. Aber auch die Angst und Empfindsamkeit zurückgebliebener Frauen und Mütter bewahrt den Spannungsbogen, der von dieser eindrucksvollen Ballettgeschichte ausgeht. Den musikalischen Rahmen setzt auch hier Klaviermusik und es sind nun zwei Pianisten, denen es gelingt, die Geschichte musikalisch virtuos und eindringlich zu begleiten.

Insgesamt ein wunderbar zusammengestelltes ungleiches Triptychon mit der einfühlsamen Heiterkeit neoklassischer Etüden Balanchines, dem neuen Meisterwerk an Virtuosität und Lebendigkeit von Schläpfer sowie der berührenden Geschichte aus der Geschichte von Jooss.

Weitere Informationen zu b.27:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-27.1047790

OpernscoutsUwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

 

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