Uwe Schwäch über „Don Carlo“

Ungewöhnlich modern und dennoch konventionell

DonCarlo_08_FOTO_HansJoergMichelEin Opernklassiker in neuem Gewand. So erscheint die in Gold getränkte Inszenierung von Don Carlo ungewöhnlich modern und dennoch konventionell. Modernität vermittelt sich weitgehend über das Bühnenbild, das sich auf der einen Seite farblich opulent und auf der anderen Seite puristisch, fast gegenstandslos zeigt. Demgegenüber steht eine stellenweise statische Führung der Protagonisten. Bewegungen und Interaktionen werden eher durch räumliche als durch zwischenmenschliche Akzente gesetzt. Das ist nicht neu und daher auch nicht spannungsgeladen.

Stimmlich ist die Oper bestens besetzt. Die männlichen Protagonisten Don Carlo (Tenor), Rodrigo di Posa (Bariton) und König Filippo (Bass) sind stimmlich versiert und der „Treueschwur“ von Don Carlo und Rodrigo am Ende des ersten Akts setzt ein musikalisches Highlight und leitet das mit hoher Wiedererkennbarkeit ausgestattete Leitmotiv der Oper ein. Die in Schwarz gekleidete Elisabetta singt in schwärmerischer Melancholie und macht ihre Traurigkeit deutlich spürbar. Der gut eingestellte Chor erfährt in dieser Verdi-Oper eine vergleichsweise geringe Bedeutung, dabei findet sich in den bunten, leuchtenden Kostümen des Hofstaats ein erkennbarer Widerspruch zu den dunklen Gewändern der Heiligen Inquisition. Dieser Kontrast symbolisiert eine gelungene Zustandsbeschreibung des spanischen Hofes zu jener Zeit und zeigt mit erhobenem Zeigefinger auf Konventionen und die Unterdrückung weltlicher Bedürfnisse.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsUwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

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