Horst Eckert über „Der goldene Hahn“

Eine beißende Satire auf das russische Zarentum

Der_goldene_Hahn_05_FOTO_HansJoergMichelRimski-Korsakows letzte Oper ist eine beißende Satire auf das russische Zarentum sowie auf obrigkeitshörige Untertanen. Regent Dodon schläft lieber, als dass er sich nützlich macht, und das Volk huldigt ihm, obwohl es Bescheid weiß. Das Stück entstand nach dem niedergeschlagenen Aufstand von 1905, Rimski-Korsakow hatte die demonstrierenden Studenten unterstützt und deshalb seinen Posten am Konservatorium verloren. Nach damaligen Maßstäben muss seine Kritik fast Böhmermannsche Schärfe besessen haben, nach einem guten Jahrhundert regt sie niemanden mehr auf, sondern belustigt nur. Die Regie illustriert den Spott mit Einfällen, die manchmal klischeehaft, meist aber lustig sind. Der Zar und sein engster Kreis im Badezuber, eine Batterie von Telefonen auf seinem Schreibtisch, Dodon als tapsiger Tänzer – der betrunkene Boris Jelzin stand sichtlich Pate.

Die Geschichte ist rasch erzählt. Dodon hat Angst vor Feinden und lässt sich von einem Zauberer den titelgebenden goldenen Hahn andrehen, der ihn beizeiten warnen soll. Dafür verspricht er dem Zauberer die Erfüllung eines Wunsches. Nachdem im Krieg seine Söhne fallen, muss er selbst in die Schlacht ziehen, trifft aber statt des gegnerischen Heers auf die Königin von Schemacha, die er als Braut nach Hause bringt. Das Volk jubelt, doch der Zauberer fordert nun die Königin als seinen Lohn, weshalb Dodon ihn erschlägt. In der ursprünglichen Fassung tötet der Hahn daraufhin den Zaren, unter der Regie von Dmitry Bertman erledigt das die eifersüchtige Sekretärin mit dem Hahn, den sie gebraten hat. Zuletzt weint das Volk, eine Ansammlung von Knechtsseelen, dem Nichtsnutz Dodon hinterher.

Es gibt sicherlich bedeutendere Opern als die Satire vom Zaren und seinem Gockel, aber die Leistung der Solisten, des Chors und des Orchesters sowie die Ideen von Inszenierung und Bühnenbild sorgen für einen vergnüglichen Abend.

Weitere Informationen zu „Der goldene Hahn“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/der-goldene-hahn.1047801

OpernscoutsHorst Eckert
Krimiautor

Trotz der beruflichen Nähe begeistert sich der in Düsseldorf lebende Krimiautor Horst Eckert nicht nur für kriminalistische Opernstoffe. Mozarts „Zauberflöte“, Verdis „Aida“ und Prokofjews „Der feurige Engel“ zählten zu den Höhepunkten seiner ersten Saison als Opernscout. Er mag es, wenn die Regie mit ihren Ideen dazu beiträgt, dass selbst bekannte Klassiker überraschend, neu und relevant erscheinen.

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