Isabell Boyer über „Der goldene Hahn“

Rosen für die Königin

Der_goldene_Hahn_12_Alternative_FOTO_HansJoergMichelPompös erschallen die Fanfaren am Abend der Freundeskreispremiere von ‚Der goldene Hahn‘ und entführen in filmischer Manier in das Reich des Zaren Dodon, der recht entspannt und grüblerisch mit seinen Söhnen Gwidon und Afron und seinem General Polkan ein Bad genießt, während die Soldaten vor ihren Toren auf Antworten warten. Der einst blutrünstige König erzählt davon, dass er nun, da er alt ist und seine Söhne bald die Erbfolge antreten sollen, die Feinde lieber auf Abstand hält und sich lieber verstecken würde, es ruhig angehen würde, wenn er nur die Wahl hätte. Somit beauftragt er seine Söhne dazu, einen Plan zu entwickeln, den Krieg zu gewinnen, während der General jeden Ansatz der jungen, sehr verwöhnten und nicht gerade klugen, Männer sofort zunichte macht. Recht amüsant lässt sich das Schauspiel mit ansehen, wobei die Soldaten, die recht meinungslos daneben stehen und allesamt einheitliche graue Anzüge tragen, zur Komik der Szene maßgeblich beitragen.

In diesem Satiremärchen geht es nicht um einen Krieg, in dem um Leben und Tod gefochten wird, sondern darum, wie leicht man einen Menschen mit den richtigen Mitteln manipulieren kann und dass selbst der tollste Herrscher nicht viel wert ist, wenn er sich ohne wirkliche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen seines Handelns einem Schicksal verschreibt, das seinem Volk keineswegs hilft. Somit verspricht Dodon am Anfang des Stücks dem Astrologen (sehr eindrucksvoll und stimmgewaltig: Cornel Frey), der ihm den berüchtigten goldenen Hahn vermacht (der ihn vor Gefahren warnen soll), dass er alles bekommen soll, wonach er verlangt, wenn er ihm das edle Tier überlässt. Der Astrologe stimmt diesem Handel zu und zieht kurz darauf von dannen, nachdem er ihm den Vogel in einem goldenen Käfig zurückgelassen hat.

Diese unbedachte Entscheidung soll ihm später zum Verhängnis werden.

Denn nachdem er die ohnehin fragwürdige Ehe mit der verführerischen Königin von Schemacha eingeht, die ihn innerhalb weniger Züge mit ihrer Schönheit und Klugheit um den Finger gewickelt hat, gerät alles aus den Fugen. Zwar kommt das Land für einen Moment zur Ruhe, doch fordert der Astrologe nun seinen besonderen Gefallen ein und fordert gerade das, was ihm am wertvollsten erscheint – Dodons frisch angetraute Ehefrau. Wütend über diese Aussage zeigt die Königin ihr wahres Gesicht und fordert den Tod des alten Mannes, der daraufhin vom liebestollen Dodon erschlagen wird.

Erst spät zeigt sich die Wirkung des Hahns, der zwischendurch sein Leben auf amüsante Weise lassen musste. Er lebt im Herzen (oder wohl eher im Magen) seiner Peinigerin Amelfa weiter und rächt sich für seinen Meister am Zaren und seiner Gemahlin. Das Volk, das nun von den wirklichen Machenschaften ihres Königs berichtet, steht somit ohne Anführer da und fragt sich, wie es weitergehen soll.

Insgesamt ist dieses Stück locker und leicht, hat eine angenehme Länge, und glänzt mit liebevoll gestalteten Kostümen und wundervoller Musik. Am eindrucksvollsten blieb mir der erste Auftritt der Königin von Schemacha im Gedächtnis, die in Begleitung ihrer golden schimmernden Tänzer die Bühne betrat und mit mehrsprachigen Texten, klarer Stimme und geschickter, zum Schmunzeln anregender Choreografie die Bühne für sich vereinnahmte. Ein Strauß Rosen zeigte auch die Gunst des Publikums für die junge Königin – Anna Grechishkina überzeugte die gebannten Zuschauer mit ihrer glockenklaren Stimme.

Alles in allem war es ein sehr angenehmer und entspannter Opernbesuch, der mir positiv im Gedächtnis geblieben ist.

Weitere Informationen zu „Der goldene Hahn“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/der-goldene-hahn.1047801

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s